Non-entry for failure to pay cost advance and insufficient legal aid request

6B_333/2010Bundesgericht / Strafrechtliche Abteilung22.06.2010Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The appellant challenged a Bern cantonal criminal judgment on compensation. The Federal Supreme Court had ordered a CHF 1,000 cost advance and granted an extension, warning that failure to pay would lead to non-entry. The appellant sent only a brief letter claiming inability to pay and later paid CHF 1. Because the filing did not contain a properly reasoned and documented request for legal aid, it did not preserve the deadline. The Court therefore did not enter into the complaint, denied legal aid, and imposed CHF 500 in costs on the appellant.

Omnilex-Regeste

Art. 62 Abs. 3, Art. 108 BGG; cost advance and legal aid request as means of preserving the deadline for appeal proceedings. A request for unentgeltliche Rechtspflege can only prevent non-entry if it is timely and substantively sufficient, i.e. accompanied by substantiated allegations and supporting evidence of the party's financial situation. A merely asserted inability to pay, or a token payment of an insignificant amount, does not satisfy the statutory requirements. If the deficiency is not cured within the grace period, the appeal is not entered into. Costs may be imposed on the appellant under Art. 66 Abs. 1 BGG; no party compensation is due where the respondent incurred no expenses (consid. 1-2).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
6B_333/2010

Urteil vom 22. Juni 2010
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Schneider, Einzelrichter,
Gerichtsschreiber Monn.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

  1. Generalprokurator des Kantons Bern, Hochschulstrasse 17, 3012 Bern,
  2. A.________,
    Beschwerdegegner.

Gegenstand
Ersatzforderung,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Bern, 2. Strafkammer, vom 8. Dezember 2008.
Der Einzelrichter zieht in Erwägung:

1.
Der Beschwerdeführer wurde mit Verfügung vom 21. April 2010 aufgefordert, dem Bundesgericht spätestens am 12. Mai 2010 einen Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- einzuzahlen. Auf diese Forderung reagierte er nicht. Mit Verfügung vom 20. Mai 2010 wurde ihm die in Art. 62 Abs. 3 BGG vorgeschriebene Nachfrist bis zum 10. Juni 2010 angesetzt, um den Vorschuss von Fr. 1'000.-- einzuzahlen, ansonsten auf das Rechtsmittel nicht eingetreten werde. In einem Schreiben vom 25. Mai 2010 an das Bundesgericht führt er aus, es sei ihm unmöglich zu zahlen. Jedoch werde er dem Bundesgericht Fr. 1.-- zustellen, sobald er es könne. Das Bundesgericht müsse in Betracht ziehen, dass es ihm 3/4 eines Pfundes Brot entziehe, welches er nicht kompensieren könne. Eigentlich sei für ihn schon Fr. 1.-- zu viel (act. 10). In der Folge bezahlte er am 31. Mai 2010 Fr. 1.-- bei der Bundesgerichtskasse ein.

Soll die Nachfrist zur Zahlung eines Kostenvorschusses mit einem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (und als solches kann die Eingabe vom 25. Mai 2010 entgegengenommen werden) gewahrt werden, kann hierfür bloss ein korrekt begründetes, mit ausreichenden Belegen zur wirtschaftlichen Situation der Partei versehenes Gesuch genügen. Dass ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege begründet und belegt werden muss, ist dem Beschwerdeführer seit der Verfügung vom 3. November 2008 im Verfahren 5D_137/2008 bekannt. Im vorliegenden Verfahren hat er es erneut unterlassen, sein Gesuch zu begründen und zu belegen. Das Gesuch ist zur Wahrung der Frist folglich nicht geeignet.

Auf die Beschwerde ist androhungsgemäss im Verfahren nach Art. 108 BGG nicht einzutreten.

2.
Die Gerichtskosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Das nachträglich sinngemäss gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechtpflege ist mangels Nachweises der Bedürftigkeit abzuweisen. Dem Beschwerdegegner ist keine Entschädigung auszurichten, weil er vor Bundesgericht keine Umtriebe hatte.
Demnach erkennt der Einzelrichter:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern, 2. Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 22. Juni 2010

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:

Schneider Monn

Schlagwörter

cost advancelegal aidnon-entryindigencecriminal appealcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the appeal could be entertained despite non-payment of the cost advance within the extended deadline.

Extrahierter Entscheid

No. The appellant did not pay the required advance within the grace period, and the belated token payment of CHF 1 did not cure the default.

Extrahierte Begründung

A request for legal aid can preserve the deadline only if it is properly reasoned and supported by adequate evidence of financial hardship. The appellant's submission lacked both.

Kernrechtsfrage

Whether the appellant was entitled to legal aid.

Extrahierter Entscheid

No. The request had to be denied because indigence was not demonstrated.

Extrahierte Begründung

The appellant failed to substantiate his financial situation with supporting documents, although this requirement had previously been made clear to him.

Kernrechtsfrage

Allocation of court costs and compensation.

Extrahierter Entscheid

Court costs were imposed on the appellant; no compensation was awarded to the respondent.

Extrahierte Begründung

Costs follow the non-entry outcome, and the respondent had no compensable expenses before the Federal Supreme Court.

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