Non-entry complaint dismissed for lack of standing

6B_234/2009Bundesgericht / Strafrechtliche Abteilung24.04.2009Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

X.________ filed a federal criminal complaint against a cantonal non-entry decision concerning trespass and unlawful data acquisition, while also trying to raise defamation issues that were not finally decided below. The Federal Court held that she lacked standing as neither private prosecutor nor directly injured person, and that only separable formal-denial-of-justice complaints could be examined. Her submissions were either impermissibly directed at the merits or insufficiently reasoned. The court therefore did not enter into the complaint, denied free legal aid, and imposed reduced court costs of CHF 500.

Omnilex-Regeste

Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 und 5 BGG; Art. 106 Abs. 2, Art. 108, Art. 64 und Art. 66 Abs. 1 BGG; standing of an injured person in criminal complaints and limits of review for non-legitimized appellants. A person who is merely affected as a damaged party, but not as a directly injured person within the meaning of the Victims Protection Act, is in principle not entitled to challenge a cantonal non-entry decision on the merits. If the public prosecution authority participated in the cantonal proceedings, private-prosecutor standing is excluded. Such a party may invoke only formal rights whose violation amounts to a denial of justice and can be separated from the substantive merits; arguments requiring review of the merits are inadmissible. Claims must be specifically reasoned; otherwise the complaint is not entered into. Free legal aid is refused when the appeal lacks prospects of success.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
6B_234/2009

Urteil vom 24. April 2009
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Favre, Präsident,
Gerichtsschreiber Monn.

Parteien
X.________,
Beschwerdeführerin,

gegen

Generalprokurator des Kantons Bern, Hochschulstrasse 17, 3012 Bern,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Nichteintretensbeschluss (Hausfriedensbruch, unbefugte Datenbeschaffung),

Beschwerde gegen den Beschluss des Obergerichts des Kantons Bern, Anklagekammer, vom 29. Januar 2009.

Der Präsident zieht in Erwägung:

1.
Die Beschwerde kann sich nur dagegen richten, dass auf eine Strafanzeige der Beschwerdeführerin wegen Hausfriedensbruchs und unbefugter Datenbeschaffung nicht eingetreten wurde. Auf Antrag 3, der die Ehrverletzungsdelikte betrifft, die noch nicht letztinstanzlich erledigt sind (vgl. angefochtenen Entscheid S. 2-4 Ziff. 1 und 2), ist nicht einzutreten (Art. 90 BGG).

Die Staatsanwaltschaft war am kantonalen Verfahren beteiligt, weshalb die Beschwerdeführerin nicht Privatstrafklägerin im Sinne von Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 4 BGG ist. Sie wurde durch die angezeigten Taten auch nicht in ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt, weshalb sie nicht Opfer im Sinne von Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 BGG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 OHG ist. Als Geschädigte, die nicht Opfer ist, ist sie zur vorliegenden Beschwerde grundsätzlich nicht legitimiert (BGE 133 IV 228).

Die Beschwerdeführerin kann nur die Verletzung von Verfahrensrechten geltend machen, deren Missachtung eine formelle Rechtsverweigerung darstellt. Zulässig sind dabei Rügen, die formeller Natur sind und von der Prüfung der Sache selber getrennt werden können. Denn auf eine solche Prüfung in der Sache haben nicht Legitimierte keinen Anspruch (BGE 119 Ib 305 E. 3 mit Hinweisen).

Soweit die Beschwerdeführerin zum Beispiel eine Rechtsverweigerung mit der Begründung geltend macht, alle kantonalen Instanzen hätten einseitig auf die Aussagen des Angeschuldigen abgestellt und nur die Aussagen der Beschwerdeführerin verneinen wollen (Beschwerde S. 8 Art. 3), müsste das Bundesgericht die Sache selber prüfen. Darauf hat die Beschwerdeführerin indessen wie gesagt keinen Anspruch.

Weitere Rügen sind nicht hinreichend begründet. So ergibt sich zum Beispiel aus den Ausführungen zum Anzeigerecht (Beschwerde S. 9 Art. 6) nicht, dass und inwieweit die kantonalen Instanzen die Grundrechte der Beschwerdeführerin bzw. das kantonale Recht verletzt haben könnten (Art. 106 Abs. 2 BGG).

Auf die Beschwerde ist im Verfahren nach Art. 108 BGG nicht einzutreten.

2.
Die Gerichtskosten sind der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist in Anwendung von Art. 64 BGG abzuweisen, weil die Rechtsbegehren aussichtslos erschienen. Der finanziellen Lage der Beschwerdeführerin ist durch eine herabgesetzte Gerichtsgebühr Rechnung zu tragen (Art. 65 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt der Präsident:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern, Anklagekammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 24. April 2009

Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Favre Monn

Schlagwörter

standingnon-entry decisionformal denial of justicelegal aidcourt costscriminal complaint

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the federal complaint could challenge the unresolved defamation-related points.

Extrahierter Entscheid

No; the complaint could only concern the non-entry decision on trespass and unlawful data acquisition, not the defamation issues still pending at cantonal level.

Extrahierte Begründung

Those points were not finally decided below, so the Federal Court could not enter into them under the finality requirement.

Kernrechtsfrage

Whether the complainant had standing to challenge the non-entry decision as a private prosecutor or injured person.

Extrahierter Entscheid

No; she was neither a private prosecutor within the meaning of the Federal Supreme Court Act nor an injured person directly affected in her physical, psychological, or sexual integrity.

Extrahierte Begründung

Because the public prosecutor participated in the cantonal proceedings and the alleged offences did not directly affect the protected integrity interests, she lacked ordinary appeal standing as a mere injured party.

Kernrechtsfrage

Whether alleged procedural violations could be examined despite the lack of standing on the merits.

Extrahierter Entscheid

Only formal legal denials of justice that can be separated from the merits could be raised; the asserted complaints did not meet that threshold or were insufficiently reasoned.

Extrahierte Begründung

A non-legitimized appellant may invoke only procedural rights whose violation amounts to a formal denial of justice; criticism requiring review of the merits is excluded, and some grievances were inadequately substantiated.

Kernrechtsfrage

Whether free legal aid should be granted.

Extrahierter Entscheid

No; the request was refused because the complaint had no prospects of success.

Extrahierte Begründung

The appeal was manifestly inadmissible and thus hopeless.

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