Federal appeal against traffic-rule conviction dismissed

6B_165/2008Bundesgericht / Strafrechtliche Abteilung17.06.2008Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court dismissed the criminal appeal against a Zurich conviction for violating traffic rules after a collision with an open car door. It held that the recusal request against federal judges and the clerk was inadmissible, found no substantiated bias of Oberrichter Bollinger, and saw no federal-law defect in the written appellate procedure. The appellant's challenges to the factual findings and to ancillary liability and moral-damages claims were inadequately reasoned. Free legal aid was refused, and court costs of CHF 1,000 were imposed on the appellant.

Omnilex-Regeste

Art. 34 Abs. 2, Art. 42 Abs. 2, Art. 65 Abs. 2, Art. 66 Abs. 1, Art. 97 Abs. 2, Art. 106 Abs. 2 and Art. 109 BGG; recusal, admissibility and motivation requirements in a criminal appeal. Prior participation of a federal judge or clerk in an earlier proceeding does not, by itself, constitute a ground for recusal. Allegations of bias must be substantiated by concrete objective circumstances. Under Art. 109 BGG the Court may refer to the reasoning of the lower instance where the complaint discloses no federal-law violation. Challenges to factual findings must satisfy the strict motivation requirements of Art. 97 Abs. 2 and Art. 106 Abs. 2 BGG. Requests for legal aid are to be refused when the appeal lacks prospects of success; court costs are borne by the unsuccessful appellant.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
6B_165/2008/sst

Urteil vom 17. Juni 2008
Strafrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Schneider, Präsident,
Bundesrichter Wiprächtiger, Mathys,
Gerichtsschreiber Monn.

Parteien
X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Florhofgasse 2, 8001 Zürich,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Verletzung einer Verkehrsregel,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts
des Kantons Zürich, I. Strafkammer, vom 11. Dezember 2007.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.
X.________ fuhr am 7. August 2005 in Zürich mit seinem Personenwagen durch die Kasernenstrasse in Richtung Hauptbahnhof. Auf der Höhe des Hauses Nr. 95 stiess er mit der rechten Seite seines Fahrzeugs gegen die geöffnete linke Hintertüre des am rechten Strassenrand parkierten Fahrzeugs eines anderen Verkehrsteilnehmers, als dieser sich in sein Fahrzeug beugte und darin hantierte (angefochtener Entscheid S. 9/10 E. 4.1.2. und 4.3.1.1.).

Das Obergericht des Kantons Zürich sprach X.________ mit Urteil vom 11. Dezember 2007 im Berufungsverfahren der Verletzung einer Verkehrsregel im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG schuldig und bestrafte ihn mit einer Busse von Fr. 100.--.

X.________ wendet sich mit Beschwerde ans Bundesgericht und beantragt unter anderem, das Urteil vom 11. Dezember 2007 sei aufzuheben (Antrag 4).

2.
Auf das Ausstandsbegehren gegen Richter und einen Gerichtsschreiber des Bundesgerichts (Antrag 2 sowie act. 8) ist nicht einzutreten. Die Mitwirkung an einem früheren Verfahren des Bundesgerichts bildet für sich allein keinen Ausstandsgrund (Art. 34 Abs. 2 BGG). Dies gilt auch, wenn der Beschwerdeführer gegen die abgelehnten Gerichtspersonen, mit deren Tätigwerden in der Vergangenheit er nicht einverstanden ist, eine Strafanzeige erstattet hat (Beilage 2 zur Beschwerde).

Es mag angemerkt werden, dass die Bundesanwaltschaft der Strafanzeige des Beschwerdeführers mit Verfügung vom 6. März 2008 keine Folge gegeben hat.

3.
Mit der angeblichen Befangenheit von Oberrichter Bollinger (Antrag 3) war das Bundesgericht bereits in zwei Urteilen befasst (1B_86/2007 vom 11. Juni 2007 und 1F_8/2007 vom 11. Juli 2007). Es kann offen gelassen werden, ob der Beschwerdeführer diese Frage heute erneut aufwerfen kann (vgl. angefochtenen Entscheid S. 5/6 E. 1.3). Seine entsprechenden Ausführungen (Beschwerde S. 5 Ziff. 3.2) vermögen ohnehin nicht darzutun, aus welchem Grund Oberrichter Bollinger befangen sein sollte.

4.
Zur Frage der mündlichen Berufungsverhandlung (Antrag 5) hat sich die Vorinstanz geäussert, worauf hier in Anwendung von Art. 109 Abs. 3 BGG verwiesen werden kann (vgl. angefochtenen Entscheid S. 8 E. 3.2.). Was daran gegen das Recht im Sinne von Art. 95 BGG verstossen könnte, ergibt sich aus der Beschwerde nicht (vgl. Beschwerde S. 5/6 Ziff. 4.2.).

5.
In Bezug auf den Sachverhalt anerkennt der Beschwerdeführer, dass dem Urteil des Bundesgerichts die tatsächlichen Annahmen der Vorinstanz zugrunde zu legen sind (Beschwerde S. 4 Ziff. 2). Sein Antrag 6 ist folglich widersprüchlich, und er wird im Übrigen auch nicht hinreichend begründet (Art. 97 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 BGG).

In rechtlicher Hinsicht kann in Anwendung von Art. 109 Abs. 3 BGG auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (vgl. angefochtenen Entscheid S. 14/15 E. 4.3.2. mit Hinweis auf den erstinstanzlichen Entscheid). Eine Verletzung des Strassenverkehrsrechts ergibt sich aus der Beschwerde nicht (vgl. Beschwerde S. 6/7 Ziff. 4.3. und 4.4.) und ist auch nicht ersichtlich.

6.
Die Vorinstanz hat sich zu den Haftpflicht- und Genugtuungsansprüchen geäussert, worauf hier in Anwendung von Art. 109 Abs. 3 BGG verwiesen werden kann (vgl. angefochtenen Entscheid S. 19/20 E. 6). Der Beschwerdeführer stellt dazu zwar die Anträge 8 und 9, aber er begründet diese nicht hinreichend gemäss Art. 42 Abs. 2 BGG (vgl. Beschwerde S. 4 Ziff. 1.2.), weshalb darauf nicht einzutreten ist.

7.
Die Beschwerde ist im Verfahren nach Art. 109 BGG abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Mit dem Entscheid in der Sache ist das Gesuch um aufschiebende Wirkung (Antrag 1) gegenstandslos geworden.

Die Gerichtskosten sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 BGG). Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (act. 11) ist abzuweisen, weil die Rechtsbegehren aussichtslos erschienen. Eine Reduktion der Gerichtsgebühr kommt wegen der Art der Prozessführung des Beschwerdeführers nicht in Betracht (Art. 65 Abs. 2 BGG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Auf das Ausstandsbegehren gemäss Antrag 2 wird nicht eingetreten.

2.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.

3.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

4.
Die Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, I. Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 17. Juni 2008
Im Namen der Strafrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Schneider Monn

Schlagwörter

traffic rulesrecusalbiaslegal aidmotivation requirementfederal appealcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the recusal request against federal judges and the court clerk was admissible

Extrahierter Entscheid

The recusal request was not entered into because prior participation in another federal case is not, by itself, a ground for recusal; the related criminal complaint did not change this.

Extrahierte Begründung

Art. 34(2) BGG excludes recusal based solely on earlier participation. The appellant's complaint against those persons did not establish bias.

Kernrechtsfrage

Whether Oberrichter Bollinger was biased

Extrahierter Entscheid

No bias was shown; the complaint was insufficiently substantiated.

Extrahierte Begründung

The court had already dealt with the allegation in earlier proceedings, and the renewed submissions did not demonstrate any objective reason for recusal.

Kernrechtsfrage

Whether the appellant could challenge the lack of an oral appeal hearing

Extrahierter Entscheid

No right violation was shown, and the court relied on the lower court's reasoning.

Extrahierte Begründung

The appellant failed to explain why the appellate court's written procedure would contravene federal law.

Kernrechtsfrage

Whether the conviction for violating traffic rules should be set aside

Extrahierter Entscheid

The appeal failed; the appellant did not show any violation of traffic law and the court relied on the lower court's factual findings.

Extrahierte Begründung

The appellant's factual challenge was contradictory and inadequately reasoned; the court followed the lower court's legal assessment.

Kernrechtsfrage

Whether claims for liability and moral damages should be examined

Extrahierter Entscheid

The claims were not examined because they were insufficiently reasoned.

Extrahierte Begründung

The appellant's requests did not satisfy the federal pleading requirements.

Kernrechtsfrage

Whether free legal aid should be granted

Extrahierter Entscheid

Free legal aid was denied because the appeal had no prospects of success.

Extrahierte Begründung

The claims were hopeless, so the request failed under the federal rules on legal aid.

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