Constitutional complaint inadmissible for insufficient reasoning

5P.444/2001Bundesgericht / II. zivilrechtliche Abteilung20.02.2002Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court held that the constitutional complaint did not satisfy the strict federal reasoning requirements. The complainant’s objections to the limitation analysis concerned ordinary federal law and had to be raised by way of appeal, while his constitutional arguments were too general and ignored the binding force of federal statutes. As no properly substantiated constitutional grievance was presented, the court did not enter into the complaint. The request for free legal aid was rejected because the filing was hopeless. The complainant was ordered to pay a reduced court fee of CHF 800; no compensation was awarded to the respondent, as no observations were filed.

Omnilex-Regeste

Art. 90 Abs. 1 lit. b OG; constitutional complaint must set out the challenged constitutional violations in a reasoned manner, with specific reference to the contested considerations. A merely general criticism of the application of federal law is inadmissible where the matter must be raised by ordinary appeal; the Federal Supreme Court is bound by federal statutes (Art. 191 BV). If the pleading requirements are not met, the Court does not enter into the complaint. Free legal aid under Art. 152 Abs. 1 OG is excluded where the constitutional complaint is manifestly devoid of prospects of success. Costs are imposed on the unsuccessful party, with the fee adjusted to financial means (Art. 156 Abs. 1 and Art. 153a Abs. 1 OG).

Gesamter Gesetzestext

[AZA 0/2]
5P.444/2001/min

II. Z I V I L A B T E I L U N G ********************************

  1. Februar 2002

Es wirken mit: Bundesrichter Bianchi, Präsident der II. Zivilabteilung,
Bundesrichterin Escher, Bundesrichterin Hohl
sowie Gerichtsschreiber Zbinden.


In Sachen
P.________, Beschwerdeführer, vertreten durch Advokat Jakob Trümpy, Steinengraben 42, 4051 Basel,

gegen
Versicherung V.________, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Advokat Dr. Luzius Müller, Lautengartenstrasse 7, 4052 Basel, Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt,

betreffend
Art. 8 BV (Versicherungsvertragsrecht), hat sich ergeben:

A.- P.________ schloss am 2. November 1987 in L.________ mit der Z.________ Shipping AG, mit Sitz in X.________, einen Heuervertrag ab, der ihn zum Dienst als 2. Decksoffizier auf dem Hochseeschiff "M.________" verpflichtete. Die "M.________" fährt unter Schweizer Flagge. Die Besatzung des Schiffes ist bei der Versicherung V.________ kranken- und unfallversichert.
Anfangs Mai 1988 lag die "M.________" im Hafen von Y.________ (Portugal) vor Anker, als P.________ gemäss eigenen Angaben wegen eines Ölflecks auf dem Schiffsdeck ausrutschte und auf den Rücken fiel. Die Versicherung V.________ behandelte dieses als Berufsunfall gemeldete Ereignis als Krankheitsfall, kam für die Heilungskosten auf und zahlte 180 Taggelder.

B.-Am 30. Dezember 1993 reichte P.________ sowohl beim Versicherungs- wie beim Zivilgericht Basel-Stadt gegen die Versicherung V.________ Forderungsklage ein, mit welcher er Schadenersatz wegen Verdienstausfalls in der Höhe von Fr. 336'000.--, eine Genugtuung von Fr. 100'000.-- und eine Integritätsentschädigung von Fr. 200'000.-- geltend machte.
Mit Urteil vom 31. Oktober 1994 trat das Versicherungsgericht wegen Unzuständigkeit auf die Klage nicht ein und überwies die Angelegenheit an das Zivilgericht.

Innert Nachfrist machte P.________ am 2. Mai 1996 mit einer verbesserten Eingabe durch seinen zwischenzeitlich beauftragten Anwalt gegenüber der Versicherung V.________ ein Taggeld von insgesamt Fr. 19'480.--, für den Zeitraum vom März 1990 bis September 1996 Rentenleistungen von insgesamt Fr. 249'726. 10, ab Oktober 1996 eine indexierte monatliche Rente von Fr. 3'369. 65 und eine Integritätsentschädigung in der Höhe von Fr. 40'800.--, jeweils mit Zinsen, geltend.
Das Zivilgericht Basel-Stadt wies die Klage am 16. März 2000 ab. P.________ appellierte gegen dieses Urteil, das vom Appellationsgericht Basel-Stadt am 26. September 2001 bestätigt wurde.

C.- Gegen dieses Urteil hat P.________ beim Bundesgericht sowohl staatsrechtliche Beschwerde als auch Berufung eingereicht. Mit staatsrechtlicher Beschwerde beantragt er, das Urteil des Appellationsgerichts aufzuheben. Für das Verfahren vor Bundesgericht ersucht er um unentgeltliche Rechtspflege.
Es sind keine Vernehmlassungen eingeholt worden.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.-Das Appellationsgericht stellte vorab fest, die Beschwerdegegnerin habe bis am 31. Dezember 1993 auf die Einrede der Verjährung verzichtet. Am 30. Dezember 1993 habe der Kläger seine Eingabe bei der Poststelle in T.________ (Kroatien) aufgegeben, womit die Verjährung nicht unterbrochen worden sei.

Nach Ansicht des Beschwerdeführers fehlt für diese Begründung eine klare gesetzliche Grundlage; zudem verletze diese Betrachtungsweise das Gleichheitsgebot (Art. 8 BV bzw.
Art. 4 aBV). Personen mit Wohnsitz im Ausland werde nämlich der Zugang zu den schweizerischen Gerichten im Vergleich zu in der Schweiz Ansässigen erschwert, wenn von ihnen die Aufgabe einer Klage bei einer schweizerischen Poststelle verlangt werde.
Soweit mit diesen Vorbringen die Anwendung verjährungsrechtlicher Bestimmungen, insbesondere von Art. 135 OR, in Frage gestellt wird, ist der Beschwerdeführer auf die Berufung zu verweisen (Art. 43 Abs. 1 OG). Seine allgemein gehaltene Kritik an der Verfassungsmässigkeit des angefochtenen Entscheides lässt überdies ausser Acht, dass Bundesgesetze für das Bundesgericht massgebend sind (Art. 191 BV; BGE 116 II 575 E. 3).

Weitere, den Anforderungen von Art. 90 Abs. 1 lit. b OG genügende Rügen bringt er nicht vor, womit auf die staatsrechtliche Beschwerde nicht einzutreten ist (zu den Begründungsanforderungen:
BGE 119 Ia 197 E. d S. 201; 120 Ia 369 E. 3a; 123 I 1 E. 4a, mit Hinweisen).

2.- Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig, wobei die Gerichtsgebühr seinen finanziellen Verhältnissen entsprechend zu bemessen ist (Art. 156 Abs. 1 und Art. 153a Abs. 1 OG). Mangels Vernehmlassung entfällt eine Entschädigung zu Gunsten der Beschwerdegegnerin.
Dem Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege kann nicht entsprochen werden, hat sich doch die staatsrechtliche Beschwerde von vornherein als aussichtslos erwiesen (Art. 152 Abs. 1 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.- Auf die staatsrechtliche Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.- Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.- Die Gerichtsgebühr von Fr. 800.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.- Dieses Urteil wird den Parteien sowie dem Appellationsgericht des Kantons Basel-Stadt schriftlich mitgeteilt.

_____________
Lausanne, 20. Februar 2002

Im Namen der II. Zivilabteilung
des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS
Der Präsident:

Der Gerichtsschreiber:

Schlagwörter

constitutional complaintadmissibilityreasoning requirementlegal aidcourt costslimitationfederal lawaccess to court

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the constitutional complaint met the federal pleading requirements and could be heard

Extrahierter Entscheid

The complaint was not sufficiently reasoned under the statutory requirements and could not be entered into.

Extrahierte Begründung

The challenge to the limitation analysis was in substance a matter of ordinary federal law, while the general constitutional criticism disregarded the binding force of federal statutes. No other substantiated constitutional grievances were raised.

Kernrechtsfrage

Whether legal aid should be granted for the federal proceedings

Extrahierter Entscheid

Legal aid was denied because the constitutional complaint had no prospects of success.

Extrahierte Begründung

A request for free legal aid fails where the complaint is manifestly hopeless.

Kernrechtsfrage

Allocation of court costs

Extrahierter Entscheid

The complainant had to bear the court fee, reduced according to his financial circumstances.

Extrahierte Begründung

Costs follow the outcome of the proceedings; no response was filed, so no compensation was awarded to the respondent.

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