Appeal inadmissible for challenging cantonal jurisdiction ruling

5C.288/2006Bundesgericht / II. zivilrechtliche Abteilung12.03.2007Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

Y. AG sued X. for repayment of CHF 63,007.80 arising from alleged overcompensation under daily allowance insurance. The Zurich Social Insurance Court held that it had subject-matter jurisdiction and ordered X. to file an answer. X. challenged that ruling before the Federal Supreme Court, but the Court held that the jurisdiction question was governed by cantonal organizational law and could not be raised by appeal under Art. 43 OG. The filing also failed to satisfy the requirements of a constitutional complaint. The Court therefore did not enter into the matter and imposed the court fee on X.

Omnilex-Regeste

Art. 43 OG; Art. 90 Abs. 1 lit. b OG; Art. 156 Abs. 1 OG; appealability of a cantonal ruling on subject-matter jurisdiction. A challenge directed at the application of cantonal organizational law is not cognizable by Berufung where the dispute does not turn on a federal-law ground of jurisdiction. If the alleged defect consists in an arbitrary application of cantonal law, the proper remedy is constitutional complaint; it must be reasoned in a manner that specifically addresses the cantonal court’s considerations and substantiates arbitrariness. Mere appellatory objections, or the assertion that the dispute is governed by VVG/CO rather than KVG, do not satisfy Art. 90 Abs. 1 lit. b OG. Inadmissibility leads to allocation of the federal court costs to the appellant.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
5C.288/2006 /blb

Urteil vom 12. März 2007
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichter Meyer, Marazzi,
Gerichtsschreiber Zbinden.

Parteien
X.________,
Beklagte und Berufungsklägerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Kurt Pfau,

gegen

Y.________ AG,
Klägerin und Berufungsbeklagte,
vertreten durch V.________ AG.

Gegenstand
Zusatzversicherung, Rückerstattung; sachliche Zuständigkeit,

Berufung gegen den Beschluss des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich,
II. Kammer, vom 10. April 2006.

Sachverhalt:
A.
Die Y.________ AG klagte am 20. Dezember 2005 beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich gegen X.________ auf Rückerstattung von Fr. 63'007.80 infolge Überentschädigung aus Taggeldversicherung mit nachträglicher Lohnzahlung des Spitals S.________. X.________ beantragte, auf die Klage mangels sachlicher Zuständigkeit nicht einzutreten. Am 10. April 2006 beschloss das Sozialversicherungsgericht, auf die Klage einzutreten und setzte X.________ Frist zur Einreichung der Klageantwort an.
B.
Mit einer am 6. Juni 2006 beim Eidgenössischen Versicherungsgericht eingereichten Verwaltungsgerichtsbeschwerde ersuchte X.________ um Aufhebung des vorgenannten Beschlusses und um Feststellung der Unzuständigkeit des Sozialversicherungsgerichts. Das Eidgenössische Versicherungsgericht trat mit Urteil vom 18. Oktober 2006 auf die Beschwerde nicht ein, weil die Streitigkeit nicht Taggeldleistungen nach KVG, sondern solche nach VVG betreffe, somit ein rein privatrechtlicher Streit vorliege, dessen Beurteilung in die Zuständigkeit der Zivilgerichtsbarkeit falle.
C.
Einer Weisung des Eidgenössischen Versicherungsgerichts folgend, überwies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich die Eingabe von X.________ als Berufung dem Bundesgericht.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. Januar 2007 ist das Bundesgesetz über das Bundesgericht in Kraft getreten (BGG; SR 173.110; AS 2006 1205, 1243). Der angefochtene Entscheid ist vorher ergangen, so dass noch die Bestimmungen des Bundesrechtspflegegesetzes anzuwenden sind (vgl. Art. 132 Abs. 1 BGG). Die vorliegende Eingabe ist von der II. zivilrechtlichen Abteilung zu beurteilen (Art. 32 Abs. 1 lit. c des Reglementes vom 20. November 2006 für das Bundesgericht; BgerR; SR 173.110.131).
1.2 Das Bundesgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kognition, ob auf ein Rechtsmittel eingetreten werden kann (BGE 131 II 58 E. 1; 132 III 291 E. 1).
2.
Gemäss Art. 43 Abs. 1 OG kann mit Berufung nur die Verletzung von Bundesrecht einschliesslich der durch den Bund abgeschlossenen völkerrechtlichen Verträge, nicht aber die Verletzung kantonalen Rechts beanstandet werden. Die im vorliegenden Fall umstrittene sachliche Zuständigkeit beruht nicht auf einer bundesrechtlichen Zuständigkeitsvorschrift, sondern richtet sich nach dem Organisationsrecht, das gemäss Art. 122 Abs. 2 in die Zuständigkeit der Kantone fällt. X.________ macht denn auch eine Verletzung von § 2 lit. b des Zürcher Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer; OS 212.81) geltend, wonach die Zuständigkeit dieses Gerichtes nur bei Klagen über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach Art. 47 Abs. 2 des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG; SR 961.01 in der bis Ende Dezember 2005 gültig gewesenen Fassung; nunmehr Art. 85 Abs. 2 VAG) gegeben sei. Zwar ist zur Bestimmung der sachlichen Zuständigkeit vorfrageweise zu prüfen, ob es sich bei der Rückforderungsklage um eine Streitigkeit aus Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung nach Art. 47 Abs. 2 bzw. 85 Abs. 2 VAG handelt. Das zutreffende Bundesrechtsmittel bestimmt sich indes nach dem hauptfrageweise anzuwendenden Recht, d.h. mit Bezug auf die Frage der Zuständigkeit nach dem kantonalen Organisationsrecht. Dass dieses - allenfalls in falscher Auslegung von Bundesrecht - verletzt worden sei, kann nur mit staatsrechtlicher Beschwerde wegen Verletzung von Art. 9 BV gerügt werden (siehe dazu: BGE 125 III 461), zumal die unrichtige Anwendung kantonalen Rechts auch keinen Nichtigkeitsgrund im Sinne von Art. 68 Abs. 1 OG darstellt.
3.
Die Eingabe von X.________ entspricht indes nicht den an die Begründung einer staatsrechtlichen Beschwerde gestellten Anforderungen (Art. 90 Abs. 1 lit. b OG; BGE 128 I 295 E. 7a S. 312; 130 I 258 E. 1.3). Das Sozialversicherungsgericht erwog, es beurteile gemäss § 2 lit. b des kantonalen Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht Klagen über Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach Art. 47 Abs. 2 VAG. Ob eine Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung vorliege, hänge davon ab, ob es sich nach Inhalt und Zweck der Versicherung um privatrechtliche, vertragliche Ansprüche handle, die wegen Krankheit, Mutterschaft oder subsidiär wegen Unfalls bestehen und mit der sozialen Krankenversicherung in einem inneren Zusammenhang stehen. Bei der strittigen Taggeldversicherung werde das versicherte Ereignis Krankheit in den einschlägigen AVB ähnlich umschrieben wie der Begriff der Krankheit in der Sozialversicherung. Damit erweise sich, dass die strittige Taggeldversicherung inhaltlich und hinsichtlich des Zwecks in einem engen inneren Zusammenhang zur sozialen Krankenversicherung stehe und daher als Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung zu qualifizieren sei.
Abgesehen davon, dass sich die Eingabe mit diesen Erwägungen kaum auseinandersetzt, erschöpfen sich die Ausführungen in appellatorischen Hinweisen, wonach es sich bei der Rückzahlungspflicht um eine Rechtsfrage handle, die nach den Regeln des Bundesgesetzes über den Versicherungsvertrag (VVG; SR 221.229.1) und des Schweizerischen Obligationenrechts zu entscheiden sei, und es nicht um die Ausrichtung einer KVG-Leistung gehe. Damit ist Willkür nicht den Anforderungen von Art. 90 Abs. 1 lit. b OG entsprechend darzutun.
4.
Auf die Eingabe von X.________ ist daher nicht einzutreten. Bei diesem Ergebnis trägt X.________ die Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens (Art. 156 Abs. 1 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht:
1.
Auf die Eingabe von X.________ vom 6. Juni 2006 wird nicht eingetreten.
2.
X.________ wird eine Gerichtsgebühr von Fr. 1'500.-- auferlegt.
3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, II. Kammer, schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 12. März 2007
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Schlagwörter

jurisdictionsupplementary insurancedaily allowance insuranceinadmissibilityconstitutional complaintreasoned appealarbitrarinesscourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the Federal Supreme Court could entertain the filing as a Berufung against the cantonal jurisdiction ruling

Extrahierter Entscheid

No. The contested issue concerned cantonal organizational law and could only be raised, if at all, by constitutional complaint; the filing did not meet the requirements for such a remedy.

Extrahierte Begründung

The court held that subject-matter jurisdiction was not governed by federal jurisdiction rules but by cantonal organization law. Because the appellant attacked only the application of cantonal law and did not properly substantiate arbitrariness, the appeal was inadmissible.

Kernrechtsfrage

Whether the cantonal court's jurisdiction depended on qualification of the insurance dispute as supplementary health insurance under VAG

Extrahierter Entscheid

This was only a preliminary question; the court did not review the merits because the remedy chosen was wrong and the constitutional reasoning insufficient.

Extrahierte Begründung

The court noted that the cantonal court had reasoned the daily allowance insurance was functionally linked to social health insurance, but the appellant did not engage with that reasoning in a constitutionally sufficient way.

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