Cantonal procedure for source easement dispute upheld

5C.12/2000Bundesgericht / II. zivilrechtliche Abteilung10.04.2000Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

X. challenged a cantonal appellate refusal to enter his civil action against the Canton of Appenzell Innerrhoden concerning a drainage installation linked to a spring easement. The district court had already refused to hear the case because the fee was not paid in time. The Federal Supreme Court held that the dispute was a pecuniary civil matter, but the ordinary federal appeal value was not met, so the nullity complaint was the proper remedy. It further held that the canton could abolish the former special court procedure and require the claim to be pursued in ordinary procedure. The complaint was dismissed and the appellant had to pay court costs.

Omnilex-Regeste

Art. 68 ff. OG; Art. 63 Abs. 3 aBV; Art. 737 ZGB; cantonal civil procedure and abolition of special first-instance courts; where no federal procedural rule governs the enforcement of a private right, the cantons retain competence to regulate the organization of civil courts and the procedural route. The abolition of a special court and its appeal mechanism does not violate federal law if access to judicial determination of the substantive claim remains guaranteed in ordinary proceedings (consid. 2-3). In a pecuniary civil dispute, the absence of the appeal value excludes the ordinary appeal and leaves the nullity complaint as the available federal remedy. Costs follow the outcome under Art. 156 Abs. 1 OG.

Gesamter Gesetzestext

[AZA 0]
5C.12/2000/min

II. Z I V I L A B T E I L U N G ********************************

  1. April 2000

Es wirken mit: Bundesrichter Reeb, Präsident der II. Zivilabteilung,
Bundesrichter Weyermann, Bundesrichter Merkli und
Gerichtsschreiber Levante.


In Sachen
X.________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Heinz Mäusli, Pestalozzistrasse 2, 9000 St. Gallen,

gegen
Kanton Appenzell I.Rh., Marktgasse 2, 9050 Appenzell, Beschwerdegegner, vertreten durch das Landeshauptmannamt, Gaiserstrasse 8, 9050 Appenzell,

betreffend
Art. 68 ff. OG (Zivilprozess), hat sich ergeben:

A.- X.________ reichte am 7. April 1992 beim Bezirksgericht Appenzell als Spangericht Klage gegen den Kanton Appenzell I.Rh. ein. Er verlangte, die auf der Liegenschaft Y.________ in Z.________ eingebaute Drainage bei der Quellfassung im Umkreis von 60 m sei zu entfernen, und das Gelände sei in den alten Zustand wie vor dem Einbau der Drainagen zu bringen; eventuell sei der Kanton Appenzell I.Rh. zu verpflichten, ihm Fr. 5'000.-- zu bezahlen. Mit Bescheid vom 30. März 1999 trat das Bezirksgericht Appenzell auf die Klage wegen Nichtbezahlung des Spruchgeldes innert gesetzlicher Frist nicht ein. Auf die von X.________ eingelegte Berufung trat das Kantonsgericht Appenzell I.Rh. mit Bescheid vom 9. November 1999 nicht ein.

B.- X.________ beantragt mit Nichtigkeitsbeschwerde vom 17. Januar 2000 dem Bundesgericht, den Bescheid des Kantonsgerichts Appenzell I.Rh. vom 9. November 1999 aufzuheben. Auf das Einholen von Vernehmlassungen wurde verzichtet.

Eine gleichzeitig erhobene staatsrechtliche Beschwerde hat das Bundesgericht mit Urteil vom heutigen Tag abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.- Die vorliegende Streitsache betrifft eine Grunddienstbarkeit und stellt eine vermögensrechtliche Zivilstreitigkeit dar (BGE 54 II 51). Da der für die Berufung erforderliche Streitwert (Art. 46 OG) nicht erreicht wird, ist die Nichtigkeitsbeschwerde zulässig (Art. 68 Abs. 1 OG).

2.- Das Kantonsgericht hat erwogen, mit der am 26. April 1999 in Kraft getretenen Änderung der Kantonsverfassung seien die Spangerichte abgeschafft worden. Mit dem gleichzeitig in Kraft getretenen Gerichtsorganisationsgesetz vom 25. April 1999 (GOG/AI) seien die Bestimmungen im Gesetz über die Zivilprozessordnung vom 24. April 1949 (ZPO/AI) über die Bezirksgerichte als Spangerichte, das Verfahren vor Spangericht und das spangerichtliche Berufungsverfahren umfassend und ersatzlos aufgehoben worden. Das neue Recht sei gemäss Art. 76 GOG/AI auf alle im Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes hängigen Fälle sofort und uneingeschränkt anwendbar.
Da nach dem 26. April 1999 die Möglichkeit der Berufung an das Kantonsgericht gegen Erkenntnisse der erstinstanzlichen Spangerichte nicht mehr möglich sei, habe auf die vom Beschwerdeführer am 28. Mai 1999 eingereichte Berufung gegen den Bescheid des Bezirksgerichts vom 30. März 1999 nicht eingetreten werden können. Nach wie vor könnten alle Fälle materiellen Rechts, die bisher der Spangerichtsbarkeit unterstanden, im ordentlichen Verfahren vorgebracht werden.

3.-Der Beschwerdeführer macht unter Hinweis auf den Beschwerdegrund gemäss Art. 68 Abs. 1 lit. a OG geltend, das Kantonsgericht habe statt des massgebenden eidgenössischen Rechts kantonales Recht angewendet. Dieser Einwand ist unbegründet.
Wohl entscheidet sich nach Bundesrecht, ob und mit welchen Rechtsbehelfen Rechtsschutz für im Bundesrecht begründete private Rechte zu gewähren ist; hingegen liegt in der Kompetenz der Kantone, im Zivilprozessrecht die Organisation, den Aufgabenkreis der Zivilgerichte und das Verfahren zu ordnen (Art. 63 Abs. 3 aBV; Vogel, Grundriss des Zivilprozessrechts,
6. A., S. 57 ff., S. 68). Da für die Durchsetzung der vom Beschwerdeführer gestützt auf Art. 737 ZGB geltend gemachten Ansprüche betreffend eine Quelle keine zivilprozessualen Vorschriften des Bundesrechts bestehen, bestimmt ausschliesslich das kantonale Recht, in welchem Verfahren die entsprechende Streitsache einzuleiten und weiterzuverfolgen ist. Das Kantonsgericht hält fest, dass das Klagerecht des Beschwerdeführers auch nach der Abschaffung der Spangerichtsbarkeit durch den Kanton gewährleistet ist, nunmehr allerdings im ordentlichen Verfahren; dies stellt der Beschwerdeführer zu Recht nicht infrage. Es kann daher keine Rede davon sein, das Kantonsgericht habe infolge unzulässiger Anwendung des kantonalen Prozessrechts den im Bundesrecht begründeten Anspruch des Beschwerdeführers nicht behandelt. Da sich die Beschwerde als haltlos erweist, kann in Hinsicht der Eintretensvoraussetzungen offen bleiben, ob die Anforderungen an die Beschwerdebegründung überhaupt erfüllt wären (Art. 55 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Art. 74 OG).

4.- Aus diesen Gründen ist die Beschwerde abzuweisen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Beschwerdeführer kostenpflichtig (Art. 156 Abs. 1 OG). Eine Entschädigungspflicht entfällt.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.- Die Nichtigkeitsbeschwerde wird abgewiesen.

2.- Die Gerichtsgebühr von Fr. 1'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.
3.- Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Appenzell I.Rh. (Abteilung Zivil- und Strafgericht) schriftlich mitgeteilt.

_____________
Lausanne, 10. April 2000

Im Namen der II. Zivilabteilung
des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS
Der Präsident:

Der Gerichtsschreiber:

Schlagwörter

easementcivil procedurenon-entry decisioncantonal competenceappeal valuecourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the nullity complaint was admissible despite the low amount in dispute and the unavailable ordinary appeal.

Extrahierter Entscheid

The complaint was admissible because the matter was a pecuniary civil dispute concerning an easement, but the appeal value for ordinary federal appeal was not reached.

Extrahierte Begründung

The dispute concerned a property servitude and thus a pecuniary civil matter. Since the value threshold for appeal under federal law was not met, the extraordinary nullity complaint under Art. 68 OG was available.

Kernrechtsfrage

Whether the cantonal court wrongly applied cantonal procedural law by holding that the appeal against the district court's non-entry decision was no longer available after the reform of Appenzell Innerrhoden procedural law.

Extrahierter Entscheid

No. The canton was competent to regulate civil procedure, and the reform validly abolished the former special court and its appeal route without extinguishing the underlying substantive claim.

Extrahierte Begründung

Federal law governs whether substantive private rights exist, but the organization and procedure of civil courts are for the cantons. Because no federal procedural rule governed enforcement of the source-related claim under Art. 737 ZGB, the canton could require proceedings in ordinary procedure. The claimant's right to be heard in court remained preserved.

Kernrechtsfrage

Costs of the federal proceedings

Extrahierter Entscheid

The appellant must bear the court fee and no compensation is due.

Extrahierte Begründung

The complaint failed, so costs follow the result.

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