Late federal appeal against interim maintenance measures

5A_521/2007Bundesgericht / II. zivilrechtliche Abteilung23.06.2008Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The husband challenged interim maintenance measures ordered in pending divorce proceedings, arguing that the measures should take effect only from the date his request became pending. The Federal Supreme Court did not examine the merits because the civil appeal and subsidiary constitutional complaint were filed out of time. The court held that the 30-day deadline ran without suspension in interim-measure proceedings and had expired before the appeal was posted. The husband's request for legal aid was denied as hopeless. The wife's request for legal aid was granted, and her counsel was appointed. No court costs were imposed, but the husband had to pay CHF 600 in party compensation.

Omnilex-Regeste

Art. 100 BGG, Art. 46 BGG; timeliness of a federal appeal against interim measures. The 30-day appeal period begins upon receipt of the complete decision and, in proceedings concerning provisional or interim measures, is not suspended during the judicial vacation period. A remedy lodged after expiry of that period is inadmissible without examination of the merits. Legal aid under Art. 64 BGG is denied where the remedy is manifestly hopeless; conversely, it is granted where indigence and non-hopelessness are shown. Court costs may be waived in view of the appellant's financial situation, while party compensation remains governed by the outcome of the case.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
5A_521/2007/bnm

Urteil vom 23. Juni 2008
II. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Raselli, Präsident,
Bundesrichter Meyer, Marazzi,
Gerichtsschreiber Gysel.

Parteien
X.________ (Ehemann),
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Philipp Schnyder,

gegen

Y.________ (Ehefrau),
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Doris Vogel,

Gegenstand
Vorsorgliche Massnahmen nach Art. 137 ZGB,

Beschwerde gegen das Urteil des Kantonsgerichts Wallis (Kassationshof in Zivilsachen) vom 13. Juli 2007.

Sachverhalt:

A.
Für die Dauer des zwischen X.________ (Ehemann) und Y.________ (Ehefrau) hängigen Scheidungsverfahrens ordnete der Bezirksrichter I am Bezirksgericht A.________ mit Entscheid vom 7. März 2007 gestützt auf Art. 137 Abs. 2 ZGB verschiedene vorsorgliche Massnahmen an. Eine von X.________ gegen die Höhe und den festgelegten Beginn seiner Unterhaltspflicht (1. Dezember 2005) eingereichte Nichtigkeitsklage wies das Kantonsgericht Wallis (Kassationshof in Zivilsachen) am 13. Juli 2007 ab, soweit es darauf eintrat.

B.
Mit Eingabe vom 14. September 2007 erhebt X.________ Beschwerde in Zivilsachen und subsidiäre Verfassungsbeschwerde und beantragt, das kantonsgerichtliche Urteil sei insofern aufzuheben, als die vorsorglichen Massnahmen mit Wirkung ab 1. Dezember 2006 (Rechtshängigkeit des entsprechenden Begehrens) anzuordnen seien. Ausserdem hat er darum ersucht, ihm für das bundesgerichtliche Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.

Das Kantonsgericht hat auf eine Vernehmlassung zu den Beschwerden verzichtet. Die Beschwerdegegnerin schliesst auf deren Abweisung und ersucht ihrerseits um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege.

Erwägungen:

1.
Von hier nicht in Betracht fallenden Ausnahmen abgesehen (dazu Art. 100 Abs. 2-4 BGG), ist die Beschwerde an das Bundesgericht innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des angefochtenen Entscheids einzureichen (Art. 100 Abs. 1 BGG). Unter anderem vom 15. Juli bis und mit dem 15. August steht diese Frist grundsätzlich still (Art. 46 Abs. 1 lit. b BGG). Diese Vorschrift gilt in Verfahren betreffend vorsorgliche Massnahmen indessen nicht (Art. 46 Abs. 2 BGG).

2.
Das angefochtene Urteil hat der Beschwerdeführer am 26. Juli 2007 in Empfang genommen. Der erste Tag der dadurch ausgelösten Beschwerdefrist (Art. 44 Abs. 1 BGG) von 30 Tagen war der 27. Juli 2007 und der letzte der 27. August 2007, zumal der 30. Tag (25. August 2007) auf einen Samstag fiel (Art. 45 Abs. 1 BGG). Die erst am 14. September 2007 zur Post gebrachte Beschwerdeschrift ist somit verspätet eingereicht worden, so dass auf die beiden Beschwerden nicht einzutreten ist.

3.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der Beschwerdeführer grundsätzlich kosten- und entschädigungspflichtig (Art. 66 Abs. 1 und Art. 68 Abs. 2 BGG). Da die Beschwerden nach dem Gesagten von vornherein als aussichtslos erschienen, ist sein Gesuch, ihm für das bundesgerichtliche Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, abzuweisen (vgl. Art. 64 Abs. 1 BGG). In Anbetracht der wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers ist von einer Auferlegung von Gerichtskosten jedoch abzusehen (Art. 66 Abs. 1 zweiter Satz BGG). Bezüglich der Gerichtskosten ist das von der Beschwerdegegnerin gestellte Armenrechtsgesuch gegenstandslos. Da im Übrigen bei der Beschwerdegegnerin die Voraussetzungen von Art. 64 Abs. 1 BGG offensichtlich erfüllt sind, ist ihrem Gesuch stattzugeben und ihre Anwältin zur Rechtsbeiständin zu ernennen. Für den Fall der Uneinbringlichkeit der vom Beschwerdeführer zu zahlenden Parteientschädigung ist die Rechtsbeiständin aus der Bundesgerichtskasse zu entschädigen.

Demnach erkennt das Bundesgericht:

1.
Auf die Beschwerde in Zivilsachen und auf die subsidiäre Verfassungsbeschwerde wird nicht eingetreten.

2.
2.1 Das Gesuch des Beschwerdeführers, ihm für das bundesgerichtliche Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, wird abgewiesen.

2.2 Das Gesuch der Beschwerdegegnerin, ihr für das bundesgerichtliche Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, wird gutgeheissen, und es wird der Beschwerdegegnerin in der Person von Rechtsanwältin lic. iur. Doris Vogel eine unentgeltliche Rechtsbeiständin beigegeben.

3.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

4.
Der Beschwerdeführer wird verpflichtet, die Beschwerdegegnerin für ihre Umtriebe im bundesgerichtlichen Verfahren mit Fr. 600.-- zu entschädigen; im Falle der Uneinbringlichkeit wird Rechtsanwältin lic. iur. Doris Vogel aus der Bundesgerichtskasse eine Entschädigung von Fr. 500.-- ausgerichtet.

5.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht Wallis (Kassationshof in Zivilsachen) schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 23. Juni 2008
Im Namen der II. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Raselli Gysel

Schlagwörter

interim measuresappeal deadlineinadmissibilitylegal aidparty costsmaintenancedivorce

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the civil appeal and subsidiary constitutional complaint were filed in time

Extrahierter Entscheid

The filing was late because the 30-day time limit expired on 2007-08-27 and the appeal was mailed only on 2007-09-14.

Extrahierte Begründung

The time limit under the Federal Supreme Court Act was not suspended in proceedings concerning interim measures. Counting from receipt of the cantonal judgment on 2007-07-26, the last day was 2007-08-27.

Kernrechtsfrage

Whether the appellant was entitled to free legal aid for the federal proceedings

Extrahierter Entscheid

No. The request was denied because the appeal was hopeless from the outset.

Extrahierte Begründung

Since the complaints were already clearly late, they had no prospects of success within the meaning of the legal-aid rule.

Kernrechtsfrage

Whether the respondent was entitled to free legal aid and appointed counsel

Extrahierter Entscheid

Yes. The respondent's request was granted and her counsel was appointed as legal aid lawyer.

Extrahierte Begründung

The statutory conditions for legal aid were plainly met for the respondent.

Kernrechtsfrage

Allocation of costs and party compensation

Extrahierter Entscheid

No court costs were charged to the appellant; he had to pay the respondent CHF 600 in party costs, and if that amount proved uncollectible counsel would be compensated CHF 500 by the federal treasury.

Extrahierte Begründung

Given the outcome, the appellant was in principle liable for costs and compensation, but court costs were waived in view of his financial situation.

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