Non-entry for insufficient substantiation in constitutional complaint

4D_63/2012Bundesgericht / I. zivilrechtliche Abteilung26.07.2012Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court treated the appellant’s filing against the St. Gallen cantonal decision as a subsidiary constitutional complaint because the amount in dispute was below the threshold for an ordinary civil appeal. It held that the complaint did not satisfy the strict substantiation requirements for alleging constitutional violations, as the appellant failed to engage with the cantonal reasoning and advanced an inadmissible version of the facts. The court therefore did not enter into the complaint, denied federal legal aid for lack of prospects of success, and imposed court costs of CHF 500. The request for suspensive effect became moot.

Omnilex-Regeste

Art. 72 ff., 74 Abs. 1 lit. b, 106 Abs. 2, 108 Abs. 1 lit. b, 113 ff., 116, 117, 118 Abs. 2, 64 and 66 BGG; subsidiary constitutional complaint and duty of substantiation. Where the value in dispute does not reach the threshold for an ordinary civil appeal, the filing is to be treated as a subsidiary constitutional complaint. In such a remedy, only violations of constitutional rights may be invoked; the appellant must, in a manner referring to the reasoning of the cantonal decision, set out precisely which constitutional rights were violated. Mere criticism, reference to Art. 29 Abs. 3 BV without concrete reasoning, or presentation of facts beyond the binding findings without lawful substantiation does not satisfy Art. 106 Abs. 2 in conjunction with Art. 117 BGG and leads to non-entry under Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG. Legal aid is refused where the complaint is manifestly without prospects of success; costs follow the outcome.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
4D_63/2012

Urteil vom 26. Juli 2012
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Gerichtsschreiber Leemann.

Verfahrensbeteiligte
A.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Spital X.________
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Tierarzthonorar,

Verfassungsbeschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen, Einzelrichter im Obligationenrecht, vom 4. Juni 2012.
In Erwägung,
dass der Einzelrichter des Kreisgerichts See-Gaster mit Entscheid vom 24. Januar 2012 eine vom Spital X.________ (Klägerin, Beschwerdegegnerin) gegen A.________ (Beklagter, Beschwerdeführer) erhobene Klage im Betrag von Fr. 3'895.50 nebst Zins zu 5 % seit 17. Dezember 2010 guthiess, in diesem Umfang den Rechtsvorschlag in der eingeleiteten Betreibung beseitigte und das Gesuch des Beklagten um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege abwies;
dass das Kantonsgericht St. Gallen eine vom Beklagten gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 4. Juni 2012 abwies, soweit es darauf eintrat und das Begehren um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege abwies;
dass der Beklagte dem Bundesgericht mit Eingabe vom 29. Juni 2012 erklärte, das Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen vom 4. Juni 2012 mit Beschwerde anfechten zu wollen;
dass die Beschwerde in Zivilsachen nach Art. 72 ff. BGG im vorliegenden Fall nicht erhoben werden kann, weil der erforderliche Mindeststreitwert von Fr. 30'000.-- nicht gegeben ist (Art. 74 Abs. 1 lit. b BGG);
dass die Eingabe des Beschwerdeführers unter diesen Umständen als subsidiäre Verfassungsbeschwerde im Sinne der Art. 113 ff. BGG zu behandeln ist;
dass mit der subsidiären Verfassungsbeschwerde nur die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten gerügt werden kann (Art. 116 BGG);
dass in den Rechtsmitteln an das Bundesgericht unter Bezugnahme auf die Erwägungen des kantonalen Entscheids dargelegt werden muss, welche Rechte der beschwerdeführenden Partei durch das kantonale Gericht verletzt worden sind (Art. 42 Abs. 2 BGG), wobei eine allfällige Verletzung der bundesrechtlichen Grundrechte oder kantonaler verfassungsmässiger Rechte vom Bundesgericht nicht von Amtes wegen geprüft wird, sondern nur dann, wenn entsprechende Rügen in der Beschwerdeschrift ausdrücklich erhoben und begründet werden (Art. 106 Abs. 2 i.V.m. Art. 117 BGG);

dass der Beschwerdeführer zwar das verfassungsmässige Recht auf unentgeltliche Rechtspflege (Art. 29 Abs. 3 BV) erwähnt, jedoch nicht unter Bezugnahme auf die konkreten Erwägungen der Vorinstanz begründet, inwiefern der angefochtene Entscheid gegen die genannte Bestimmung verstossen soll;
dass sich der Beschwerdeführer nicht mit den Erwägungen des angefochtenen Entscheids auseinandersetzt und aufzeigt, inwiefern die Vorinstanz mit ihrem Entscheid seine verfassungsmässigen Rechte verletzt hätte, sondern dem Bundesgericht einen Sachverhalt unterbreitet, der über den vorinstanzlich verbindlich festgestellten hinausgeht, ohne rechtsgenügend zu begründen, inwiefern dies nach Art. 118 Abs. 2 BGG zulässig sein soll;
dass die Eingabe des Beschwerdeführers vom 29. Juni 2012 die erwähnten Begründungsanforderungen daher offensichtlich nicht erfüllt, weshalb auf die Beschwerde in Anwendung von Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG nicht eingetreten werden kann;
dass das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden Wirkung mit dem Entscheid in der Sache gegenstandslos wird;
dass das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege samt Rechtsbeistand im bundesgerichtlichen Beschwerdeverfahren bereits wegen Aussichtslosigkeit der Beschwerde abzuweisen ist (Art. 64 BGG);
dass der Beschwerdeführer bei diesem Verfahrensausgang kostenpflichtig wird (Art. 66 Abs. 1 BGG);
dass die Beschwerdegegnerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung hat, da ihr aus dem bundesgerichtlichen Verfahren kein Aufwand erwachsen ist;

erkennt die Präsidentin:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht St. Gallen, Einzelrichter im Obligationenrecht, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 26. Juli 2012

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin: Klett

Der Gerichtsschreiber: Leemann

Schlagwörter

constitutional complaintsubstantiation requirementlegal aidnon-entrycourt costsvalue in dispute

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the filing could be treated as an admissible civil-law appeal or only as a subsidiary constitutional complaint

Extrahierter Entscheid

A civil-law appeal was unavailable because the minimum value in dispute was not reached; the filing had to be treated as a subsidiary constitutional complaint.

Extrahierte Begründung

The amount in dispute was below CHF 30,000, so the ordinary appeal under Art. 72 ff. BGG was not open.

Kernrechtsfrage

Whether the constitutional complaint met the substantiation requirements

Extrahierter Entscheid

No. The complaint did not specifically show, with reference to the cantonal reasoning, which constitutional rights were violated.

Extrahierte Begründung

In a subsidiary constitutional complaint, only constitutional rights may be invoked and they must be expressly alleged and reasoned; the appellant merely referred to the right to legal aid and advanced facts beyond the binding findings without proper justification.

Kernrechtsfrage

Whether legal aid should be granted in the federal proceedings

Extrahierter Entscheid

Legal aid, including counsel, was refused because the complaint had no prospects of success.

Extrahierte Begründung

Under Art. 64 BGG, an obviously inadmissible complaint is hopeless and cannot justify legal aid.

Kernrechtsfrage

Whether the request for suspensive effect remained pending

Extrahierter Entscheid

The request became moot once the case was decided.

Extrahierte Begründung

The main proceeding ended with the non-entry decision.

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