Constitutional complaint inadmissible for lack of reasoning

4D_56/2012Bundesgericht / I. zivilrechtliche Abteilung20.07.2012Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The tenant challenged both the district court judgment and the cantonal appellate judgment in a tenancy dispute. The Federal Supreme Court held that an ordinary civil law appeal was unavailable because the amount in dispute was below the statutory threshold, so the filing was treated as a subsidiary constitutional complaint. To the extent it targeted the district court judgment directly, the complaint was inadmissible because that decision was not final. The court further found that the submission did not engage with the cantonal court's reasoning and did not properly allege constitutional violations. It therefore declined to enter into the complaint, waived court costs, and awarded no party compensation.

Omnilex-Regeste

Art. 72 ff., 74 Abs. 1 lit. a, 113, 116, 117, 118 Abs. 2, 106 Abs. 2, 108 Abs. 1 lit. b BGG; subsidiary constitutional complaint and reasoning requirements: where the minimum value in dispute for a civil law appeal is not reached, the filing is to be examined as a subsidiary constitutional complaint, which lies only against final cantonal decisions. The complainant must specifically and distinctly, with reference to the contested reasoning, show which constitutional rights were infringed; mere repetition of prior submissions or presentation of new facts without substantiation is insufficient. The Federal Supreme Court does not examine constitutional violations ex officio (consid. 1-3).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
4D_56/2012

Urteil vom 20. Juli 2012
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Gerichtsschreiber Leemann.

Verfahrensbeteiligte
A.________,
Beschwerdeführer,

gegen

B.________,
vertreten durch Rechtsanwalt Timur Acemoglu,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Mietstreitigkeit,

Verfassungsbeschwerde gegen das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau, Zivilgericht, 2. Kammer, vom 4. April 2012.
In Erwägung,
dass der Präsident des Bezirksgerichts Laufenburg mit Urteil vom 30. November 2011 die von B.________ (Beschwerdegegner) in einer Mietstreitigkeit gegen A.________ (Beschwerdeführer) erhobene Klage guthiess und den Beschwerdeführer zur Zahlung von Fr. 14'510.85 nebst Zins verpflichtete;
dass der Beschwerdeführer diesen Entscheid mit Berufung vom 6. Januar 2012 beim Obergericht des Kantons Aargau anfocht und die Abweisung der Klage beantragte;
dass der Beschwerdeführer den Kostenvorschuss von Fr. 2'000.--, der ihm für die Berufung einverlangt worden war, auch nach Ansetzung einer letzten Frist nicht leistete, weshalb das Obergericht mit Urteil vom 4. April 2012 auf die Berufung nicht eintrat;
dass der Beschwerdeführer mit beim Bundesgericht am 5. Juni 2012 eingegangener Eingabe erklärte, die Entscheide des Bezirksgerichts Laufenburg vom 30. November 2011 und des Obergerichts des Kantons Aargau vom 4. April 2012 mit Beschwerde anzufechten;
dass die Beschwerde in Zivilsachen nach Art. 72 ff. BGG im vorliegenden Fall nicht erhoben werden kann, weil der erforderliche Mindeststreitwert von Fr. 15'000.-- nicht gegeben ist (Art. 74 Abs. 1 lit. a BGG);
dass die Eingabe des Beschwerdeführers unter diesen Umständen als subsidiäre Verfassungsbeschwerde im Sinne der Art. 113 ff. BGG zu behandeln ist;
dass auf die Beschwerde von vornherein nicht einzutreten ist, soweit sie sich gegen den Entscheid des Bezirksgerichts Laufenburg vom 30. November 2011 richtet, da es sich dabei nicht um einen letztinstanzlichen Entscheid im Sinne von Art. 113 BGG handelt;
dass mit der subsidiären Verfassungsbeschwerde nur die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten gerügt werden kann (Art. 116 BGG);
dass in den Rechtsmitteln an das Bundesgericht unter Bezugnahme auf die Erwägungen des kantonalen Entscheids dargelegt werden muss, welche Rechte der beschwerdeführenden Partei durch das kantonale Gericht verletzt worden sind (Art. 42 Abs. 2 BGG), wobei eine allfällige Verletzung der bundesrechtlichen Grundrechte oder kantonaler verfassungsmässiger Rechte vom Bundesgericht nicht von Amtes wegen geprüft wird, sondern nur dann, wenn entsprechende Rügen in der Beschwerdeschrift ausdrücklich erhoben und begründet werden (Art. 106 Abs. 2 i.V.m. Art. 117 BGG);
dass sich der Beschwerdeführer nicht mit den Erwägungen des angefochtenen Entscheids auseinandersetzt und aufzeigt, inwiefern die Vorinstanz mit ihrem Nichteintretensentscheid seine verfassungsmässigen Rechte verletzt hätte, sondern dem Bundesgericht lediglich seine Berufungsschrift an die Vorinstanz einreicht und damit einen Sachverhalt unterbreitet, der über den vorinstanzlich verbindlich festgestellten hinausgeht, ohne rechtsgenügend zu begründen, inwiefern dies nach Art. 118 Abs. 2 BGG zulässig sein soll;
dass der Beschwerdeführer überdies in einer handschriftlichen Anmerkung auf dem eingereichten Entscheid der Vorinstanz behauptet, er habe "bis heute keine Kostenrechnung über 2000 SFR erhalten", ohne eine Verletzung verfassungsmässiger Rechte geltend zu machen, wobei sich aus den Akten ergibt, dass die Kostenvorschuss-Verfügungen dem Beschwerdeführer mit Rechnung auf dem Rechtshilfeweg zugestellt worden waren;
dass die Eingabe des Beschwerdeführers die erwähnten Begründungsanforderungen offensichtlich nicht erfüllt, weshalb auf die Beschwerde in Anwendung von Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG nicht eingetreten werden kann;
dass unter den gegebenen Umständen auf die Erhebung von Gerichtskosten zu verzichten ist (Art. 66 Abs. 1 Satz 2 BGG);
dass dem Beschwerdegegner keine Parteientschädigung zuzusprechen ist, da ihm aus dem bundesgerichtlichen Verfahren kein Aufwand erwachsen ist;

erkennt die Präsidentin:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau, Zivilgericht, 2. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 20. Juli 2012

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Präsidentin: Klett

Der Gerichtsschreiber: Leemann

Schlagwörter

tenancy disputeminimum amount in disputesubsidiary constitutional complaintreasoning requirementsnon-entrycourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the filing could be treated as a civil law appeal despite the low amount in dispute.

Extrahierter Entscheid

No civil law appeal was available because the statutory minimum amount in dispute was not met; the filing had to be examined as a subsidiary constitutional complaint.

Extrahierte Begründung

The amount in dispute was below CHF 15,000, so the requirements for an ordinary civil law appeal were not satisfied.

Kernrechtsfrage

Whether the complaint against the district court judgment was admissible before the Federal Supreme Court.

Extrahierter Entscheid

No. The district court judgment was not a final decision within the meaning of the subsidiary constitutional complaint.

Extrahierte Begründung

The subsidiary constitutional complaint lies only against final cantonal decisions, not against the first-instance judgment directly.

Kernrechtsfrage

Whether the complaint met the reasoning requirements for a subsidiary constitutional complaint.

Extrahierter Entscheid

No. The appellant failed to explain, with reference to the cantonal court's reasoning, which constitutional rights had been violated.

Extrahierte Begründung

The filing merely repeated earlier submissions and did not show a constitutional violation; new factual allegations were also insufficiently substantiated.

Kernrechtsfrage

Whether court costs should be charged and whether party compensation was due.

Extrahierter Entscheid

No court costs were imposed, and no party compensation was awarded to the respondent because no compensable effort arose.

Extrahierte Begründung

Given the circumstances and the lack of expense for the respondent, the court waived costs and denied compensation.

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