Subsidiary constitutional complaint rejected for insufficient reasoning

4D_1/2011Bundesgericht / I. zivilrechtliche Abteilung26.01.2011Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court did not enter into the subsidiary constitutional complaint. It held that the remedy cannot be used to attack the first-instance order, because only cantonal final decisions are challengeable under Art. 113 BGG. As to the cantonal appellate decision, the complainant failed to raise a constitutionally sufficient challenge; he merely denied deception and repeated his own view of the filing date, without addressing the appellate court's reasoning on service and lateness. The Court exceptionally waived court costs and denied any party compensation.

Omnilex-Regeste

Art. 113 BGG, Art. 42 Abs. 2, Art. 106 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 117 BGG; subsidiary constitutional complaint and requirements of reasoning. The subsidiary constitutional complaint is admissible only against cantonal final decisions; it is inadmissible insofar as directed against a non-final first-instance decision. A constitutional complaint must, in a manner tailored to the contested reasoning, identify the specific fundamental rights allegedly violated and set out, with precise reference to the appealed decision, why the cantonal court infringed them. Mere factual disagreement, repetition of one's own version, or general denial of the court's findings does not satisfy the reasoning requirement. Where no compensable effort was incurred, no party compensation is due; court costs may exceptionally be waived.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
4D_1/2011

Urteil vom 26. Januar 2011
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Gerichtsschreiber Widmer.

Verfahrensbeteiligte
A.________,
Beschwerdeführer,

gegen

B.________,
vertreten durch Rechtsanwältin Johanna Rausch,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Nichteintreten,

Verfassungsbeschwerde gegen den Beschluss des Obergerichts des Kantons Solothurn, Zivilkammer, vom 3. Dezember 2010.
Die Präsidentin hat in Erwägung,
dass das Richteramt Dorneck-Thierstein einen vom Beschwerdeführer gegen die Beschwerdegegnerin eingeleiteten Prozess mit Verfügung vom 12. Oktober 2010 zufolge unentschuldigten Ausbleibens des Beschwerdeführers von der Aussöhnungsverhandlung androhungsgemäss als erledigt von der Geschäftskontrolle abschrieb;
dass das Obergericht des Kantons Solothurn mit Beschluss vom 3. Dezember 2010 auf einen vom Beschwerdeführer gegen diese Verfügung erhobenen Rekurs zufolge Verspätung nicht eintrat, weil dieser eigenhändig auf der Gerichtsurkunde quittiert habe, dass ihm das angefochtene Urteil am 20. Oktober 2010 zugestellt worden sei, und nicht erst am 17. November 2010, wie er mit einer nachträglichen Eingabe behaupte;
dass das Obergericht den Beschwerdeführer zugleich auf die möglichen strafrechtlichen Folgen einer Täuschung des Gerichts aufmerksam machte;
dass der Beschwerdeführer gegen diesen Beschluss mit Eingabe vom 30. Dezember 2010 subsidiäre Verfassungsbeschwerde erhob;
dass mit einer subsidiären Verfassungsbeschwerde nur kantonal letztinstanzliche Entscheide angefochten werden können (Art. 113 BGG) und daher auf die Beschwerde von vornherein nicht eingetreten werden kann, soweit der Beschwerdeführer damit auch die Verfügung des Richteramts Dorneck-Thierstein vom 12. Oktober 2010 anfechten will;
dass in einer Verfassungsbeschwerde dargelegt werden muss, welche Grundrechte durch das kantonale Gericht verletzt worden sind, und solche Rügen unter Bezugnahme auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids zu begründen sind (Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 117 BGG);
dass der Beschwerdeführer gegen den obergerichtlichen Entscheid im Wesentlichen bloss ausführt, er habe das Gericht nicht getäuscht und er habe bei der Einreichung seines Rekurses die ihm zur Verfügung stehende Kopie (der Gerichtsurkunde) verwendet, nach der er den Rekurs fristgerecht eingereicht habe;
dass er damit keine rechtsgenügend begründete Verfassungsrüge gegen den Schluss der Vorinstanz erhebt, die Verfügung vom 12. Oktober 2010 sei ihm am 20. Oktober 2010 zugestellt worden, weshalb auf den am 25. November 2010 der Post übergebenen Rekurs wegen Verspätung nicht einzutreten sei;
dass somit auf die Beschwerde mangels rechtsgenügender Begründung nicht einzutreten ist;
dass ausnahmsweise auf die Erhebung von Gerichtskosten zu verzichten ist (Art. 66 Abs. 1 zweiter Satz BGG);
dass die Beschwerdegegnerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung hat, da ihr aus dem bundesgerichtlichen Verfahren kein Aufwand entstanden ist (Art. 68 Abs. 1 BGG);

im Verfahren nach Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG erkannt:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3.
Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Solothurn, Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 26. Januar 2011

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Widmer

Schlagwörter

non-entrysubsidiary constitutional complaintreasoning requirementslate appealcourt costsparty compensation

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the subsidiary constitutional complaint could challenge the first-instance order of 12 October 2010

Extrahierter Entscheid

It could not, because only cantonal final decisions may be challenged by subsidiary constitutional complaint.

Extrahierte Begründung

Art. 113 BGG limits this remedy to final cantonal decisions; therefore the complaint was inadmissible to the extent it targeted the first-instance order.

Kernrechtsfrage

Whether the complaint sufficiently alleged a violation of constitutional rights against the cantonal appellate decision

Extrahierter Entscheid

No. The complainant did not state constitutionally cognizable reasons with reference to the appellate court's reasoning.

Extrahierte Begründung

A constitutional complaint must identify the fundamental rights allegedly violated and explain the challenge by engaging with the contested reasoning; the appellant merely denied having deceived the court and repeated his view of timeliness.

Kernrechtsfrage

Whether court costs and party compensation should be awarded

Extrahierter Entscheid

No court costs were charged exceptionally, and no party compensation was awarded to the respondent because no compensable effort was incurred.

Extrahierte Begründung

Under Arts. 66(1) second sentence and 68(1) BGG, the court may waive costs and deny compensation where appropriate and where the respondent had no expense.

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