Federal appeal inadmissible for insufficient reasoning

4A_664/2010Bundesgericht / I. zivilrechtliche Abteilung27.01.2011Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The appellant challenged a Bern appellate judgment ordering him to vacate a rented area. The Federal Supreme Court held that his filing did not satisfy the statutory reasoning requirements: he failed to identify specific rights violated by the cantonal court and relied on impermissible appellatory criticism. The appeal was therefore not entered into. The request for suspensive effect became moot. In view of the circumstances, no court costs were charged, and the request for exemption from costs likewise became moot.

Omnilex-Regeste

Art. 42 Abs. 1, Art. 95, Art. 105 and Art. 106 Abs. 2 BGG; admissibility of a federal appeal and review of cantonal reasoning. A federal appeal must, by reference to the contested decision, specifically indicate which legal rights were infringed; mere disagreement with the assessment of evidence or with the factual findings is insufficient. The Federal Supreme Court reviews factual findings only within the limits of Art. 105 Abs. 2 BGG and does not examine constitutional rights ex officio. Challenges to the application of cantonal procedural law require a substantiated allegation of federal or constitutional violation. If these requirements are not met, the appeal is inadmissible under Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG (consid. 1).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
4A_664/2010

Urteil vom 27. Januar 2011
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Gerichtsschreiber Huguenin.

Verfahrensbeteiligte
A.________,
Beschwerdeführer,

gegen

X.________ Genossenschaft,
vertreten durch Fürsprecherin Dr. Regina Natsch,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Untermietvertrag; Kündigung,

Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Bern, Appellationshof, 2. Zivilkammer, vom 24. November 2010.
In Erwägung,
dass die Gerichtspräsidentin 2 des Gerichtskreises VIII Bern-Laupen mit Entscheid vom 6. November 2010 den Beschwerdeführer und B.________ verurteilte, die gemietete Fläche auf dem Vorplatz der X.________ Genossenschaft innert 2 Tagen ab Erhalt des Entscheides zu räumen und zu verlassen;

dass der Beschwerdeführer diesen Entscheid beim Obergericht des Kantons Bern anfocht, dessen Appellationshof mit Entscheid vom 24. November 2010 das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung abwies und den Beschwerdeführer verurteilte, die gemietete Fläche auf dem Vorplatz der X.________ Genossenschaft innert 2 Tagen ab Erhalt des Entscheides zu räumen und zu verlassen;

dass der Beschwerdeführer dem Bundesgericht eine vom 9. Dezember 2010 datierte Eingabe einreichte, in der er erklärte, den Entscheid des Obergerichts vom 24. November 2010 mit Beschwerde anzufechten;

dass der Beschwerdeführer innerhalb der am 24. Januar 2011 ablaufenden Beschwerdefrist keine weitere Rechtsschrift einreichte;

dass in einer Beschwerde an das Bundesgericht unter Bezugnahme auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheides dargelegt werden muss, welche Rechte der beschwerdeführenden Partei durch das kantonale Gericht verletzt worden sind (Art. 42 Abs. 1 BGG), wobei eine allfällige Verletzung der bundesrechtlichen Verfassungsrechte vom Bundesgericht nicht von Amtes wegen geprüft wird, sondern nur dann, wenn solche Rügen in der Beschwerdeschrift ausdrücklich erhoben und begründet werden (Art. 106 Abs. 2 BGG);
dass die Anwendung und Auslegung des kantonalen Zivilprozessrechts vom Bundesgericht einzig unter dem Blickwinkel eines Verstosses gegen Bundesrecht bzw. gegen Bundesverfassungsrecht überprüft werden kann (Art. 95 BGG; BGE 134 III 379 E. 1.2 S. 382 f.), was aber - wie bereits festgehalten - das Vorbringen entsprechender Rügen in der Beschwerdeschrift voraussetzt;

dass das Bundesgericht seinem Entscheid den Sachverhalt zugrunde legt, den die Vorinstanz festgestellt hat (Art. 105 Abs. 1 BGG), und es davon nur abweichen kann, wenn eine Sachverhaltsfeststellung offensichtlich unrichtig, mithin willkürlich ist oder auf einer Rechtsverletzung im Sinne von Art. 95 BGG beruht (Art. 105 Abs. 2 BGG), was die beschwerdeführende Partei präzise geltend zu machen hat;

dass es demnach nicht angeht, in einer Beschwerde an das Bundesgericht appellatorische Kritik an der Beweiswürdigung des kantonalen Gerichts zu üben und Ergänzungen bezüglich der tatsächlichen Feststellungen vorzunehmen, als ob dem Bundesgericht im Beschwerdeverfahren die freie Prüfung aller Tatfragen zukäme (BGE 134 II 244 E. 2.2; 133 II 249 E. 1.4.3 S. 254 f.; 130 I 258 E. 1.3 S. 261 f.);

dass die Eingabe des Beschwerdeführers vom 9. Dezember 2010 diese Anforderungen offensichtlich nicht erfüllt, weshalb auf die Beschwerde mangels hinreichender Begründung nicht einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG);

dass das Gesuch um aufschiebende Wirkung mit dem Entscheid in der Sache gegenstandslos wird;

dass unter den gegebenen Umständen auf die Erhebung von Gerichtskosten zu verzichten ist (Art. 66 Abs. 1 zweiter Satz BGG), womit das Gesuch um Befreiung von diesen Kosten gegenstandslos wird;

erkennt die Präsidentin:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Bern, Appellationshof, 2. Zivilkammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 27. Januar 2011

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Huguenin

Schlagwörter

inadmissibilityreasoning requirementconstitutional complaintappellatory criticismvacaturcourt costssuspensive effect

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the federal appeal met the reasoning requirements under the Federal Supreme Court Act

Extrahierter Entscheid

No. The submission did not explain which rights were violated and contained only impermissible appellatory criticism.

Extrahierte Begründung

An appeal must, with reference to the contested reasoning, show the alleged violations; constitutional complaints require explicit and reasoned invocation; mere challenge to evidence assessment is insufficient.

Kernrechtsfrage

Whether the request for suspensive effect should be decided

Extrahierter Entscheid

It became moot once the case was decided.

Extrahierte Begründung

The main appeal was not entered into, so the interim request no longer had independent significance.

Kernrechtsfrage

Whether court costs should be charged

Extrahierter Entscheid

No court costs were imposed in view of the circumstances.

Extrahierte Begründung

The court expressly waived costs under the statute; the fee-waiver request therefore became moot.

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