Non-entry for lack of appealable lower-court review in recusal matter

4A_534/2011Bundesgericht / I. zivilrechtliche Abteilung21.09.2011Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The appellants challenged the Zurich Administrative Commission's rejection of their recusal request against a vice-president of the Bülach District Court in a pending damages action. The Federal Supreme Court held that the complaint in civil matters was inadmissible because the cantonal decision was not rendered by an appellate instance as required by Art. 75 Abs. 2 BGG; the double-instance principle also applies to interim decisions. The Court therefore did not enter into the complaint, waived court costs, and denied party compensation to the respondent.

Omnilex-Regeste

Art. 75 Abs. 2 BGG; admissibility of a complaint in civil matters against an interim decision on recusal; the cantonal previous instance must generally have acted as a court of appeal. Since the expiry of the transitional period under Art. 130 Abs. 2 BGG, federal civil complaints are admissible only against decisions of a last cantonal instance that is simultaneously an upper court and, save for statutory exceptions, has ruled on appeal. This double-instance requirement also applies to interim decisions (consid. 2). A cantonal authority that decides recusal as first and only instance does not satisfy Art. 75 Abs. 2 BGG. If the complaint is not entered into, costs may be waived under Art. 66 Abs. 1 BGG and party compensation denied where no compensable expense was incurred (Art. 68 Abs. 1 BGG).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
4A_534/2011

Urteil vom 21. September 2011
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Kiss, Einzelrichterin,
Gerichtsschreiber Widmer.

Verfahrensbeteiligte

  1. A.________,
  2. B.________,
    beide vertreten durch Rechtsanwalt Dominique Chopard,
    Beschwerdeführer,

gegen

X.________ AG,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Marc-Antoine Kämpfen,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Ablehnung eines Richters,

Beschwerde gegen den Beschluss des Obergerichts
des Kantons Zürich, Verwaltungskommission,
vom 4. Juli 2011.
Die Einzelrichterin hat in Erwägung,
dass die Beschwerdeführer am 21. April 2011 im Rahmen eines am Bezirksgericht Bülach hängigen Verfahrens betreffend eine Forderung aus Werkeigentümerhaftung beim Bezirksgericht ein Ausstandsbegehren gegen den Vizepräsidenten lic.iur. A. Fischer stellten;
dass der Abgelehnte das Ausstandsgesuch am 4. Mai 2011 an die Verwaltungskommission des Obergerichts des Kantons Zürich überwies, die es mit Beschluss vom 4. Juli 2011 abwies;
dass die Beschwerdeführer gegen diesen Beschluss am 8. September 2011 Beschwerde in Zivilsachen erhoben haben und die Gutheissung des Ausstandsgesuchs beantragen;
dass der angefochtene Beschluss der Verwaltungskommission des Obergerichts einen selbständig eröffneten Zwischenentscheid über ein Ausstandsbegehren bildet, gegen den die Beschwerde grundsätzlich zulässig ist (Art. 92 Abs. 1 BGG);
dass die Beschwerde nach Art. 75 Abs. 1 BGG gegen Entscheide letzter kantonaler Instanzen zulässig ist, wobei es sich bei diesen um obere Gerichte handeln muss (Art. 75 Abs. 2 Satz 1 BGG);
dass ein solches oberes Gericht zudem als Rechtsmittelinstanz entscheiden muss (Art. 75 Abs. 2 Satz 2 BGG), es sei denn, es liege einer der Ausnahmefälle von Art. 75 Abs. 2 lit. a bis c BGG vor;
dass die den Kantonen zur Anpassung ihrer Bestimmungen an Art. 75 Abs. 2 BGG gewährte Übergangsfrist (Art. 130 Abs. 2 BGG) mit Inkrafttreten der schweizerischen Zivilprozessordnung am 1. Januar 2011 abgelaufen ist;
dass somit seit dem 1. Januar 2011 die Beschwerde in Zivilsachen, wie im Übrigen auch die subsidiäre Verfassungsbeschwerde (Art. 114 BGG), nur noch gegen Urteile letzter kantonaler Instanzen zulässig ist, die zugleich obere Gerichte sind und - unter Vorbehalt der Ausnahmen - auf Rechtsmittel hin entschieden haben (BGE 137 III 238 E. 2.2 in fine S. 240);
dass das Bundesgericht kürzlich in einem zur vorliegenden Konstellation analogen Fall klargestellt hat, dass der Grundsatz der double instance auch für die Anfechtung von Zwischenentscheiden gilt (BGE 5A_320/2011 vom 8. August 2011 E. 2.2);
dass die Verwaltungskommission des Obergerichts nicht als Rechtsmittelinstanz über den Ausstand des Vizepräsidenten am Bezirksgericht Bülach entschied, sondern als erste und einzige Instanz;
dass das Bundesrecht im vorliegenden Fall keine Ausnahme vom Grundsatz vorsieht, dass die Vorinstanz des Bundesgerichts als Rechtsmittelinstanz geurteilt haben muss, weshalb die gesetzlichen Anforderungen an die Vorinstanz nach Art. 75 Abs. 2 BGG nicht erfüllt sind;
dass somit auf die Beschwerde nicht eingetreten werden kann;
dass auf die Erhebung von Gerichtskosten zu verzichten ist (Art. 66 Abs. 1 zweiter Satz BGG);
dass die Beschwerdegegnerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung hat, da ihr aus dem bundesgerichtlichen Verfahren kein Aufwand entstanden ist (Art. 68 Abs. 1 BGG);
dass das Gesuch der Beschwerdeführer, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, mit dem Entscheid in der Sache selbst gegenstandslos wird;

im Verfahren nach Art. 108 Abs. 1 lit. a BGG erkannt:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

3.
Es wird keine Parteientschädigung gesprochen.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Zürich, Verwaltungskommission, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 21. September 2011

Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Die Einzelrichterin: Kiss

Der Gerichtsschreiber: Widmer

Schlagwörter

recusaladmissibilitydouble instanceinterim decisioncostsparty compensation

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the complaint in civil matters was admissible against the cantonal decision on recusal

Extrahierter Entscheid

The complaint was inadmissible because the cantonal decision was issued by an authority that did not act as an appellate instance; the requirements of Art. 75 Abs. 2 BGG were not met.

Extrahierte Begründung

Since 1 January 2011, federal civil complaints require a final cantonal decision rendered by an upper court acting as an appellate instance, subject only to statutory exceptions. The Zurich Administrative Commission decided the recusal request as first and only instance, and no exception applied.

Kernrechtsfrage

Whether costs should be charged to the appellants

Extrahierter Entscheid

No court costs were levied.

Extrahierte Begründung

The court waived costs under Art. 66 Abs. 1 second sentence BGG.

Kernrechtsfrage

Whether the respondent was entitled to party compensation

Extrahierter Entscheid

No party compensation was awarded.

Extrahierte Begründung

The respondent incurred no expense in the federal proceedings, so no compensation was due under Art. 68 Abs. 1 BGG.

Kernrechtsfrage

Whether the request for suspensive effect needed a separate ruling

Extrahierter Entscheid

The request became moot with the decision on admissibility.

Extrahierte Begründung

Once the court declined to enter into the complaint, the suspensive-effect request lost its independent purpose.

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