Non-entry for insufficient constitutional complaint reasoning

4A_178/2009Bundesgericht / I. zivilrechtliche Abteilung22.06.2009Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The appellant challenged an Obergericht of Aargau judgment that had rejected its late appeal in a dispute over a CHF 9,700 debt. The Federal Supreme Court treated the filing as a subsidiary constitutional complaint because the ordinary civil appeal was unavailable due to the missing minimum value in dispute and an insufficiently substantiated issue of fundamental importance. It held that the submission did not meet the strict reasoning requirements for constitutional complaints, since no violation of constitutional rights was properly argued with reference to the cantonal reasoning. The request for free legal aid was denied and CHF 500 in court costs were imposed on the appellant.

Omnilex-Regeste

Art. 72 ff., 74 Abs. 2 lit. a, 108 Abs. 1 lit. b, 116, 117 BGG; subsidiary constitutional complaint and reasoning requirements. Where the minimum value in dispute for the civil appeal is lacking and no admissible question of fundamental importance is substantiated, a filing is to be treated as a subsidiary constitutional complaint. Such a complaint may invoke only constitutional rights and must, in conformity with Art. 42 Abs. 2 and Art. 106 Abs. 2 in connection with Art. 117 BGG, clearly and specifically show, with reference to the challenged reasoning, which constitutional guarantees were violated. Mere assertions of arbitrariness, procedural irregularity, or breach of EMRK without focused legal argument are insufficient. A legal person is in principle not entitled to free legal aid; in any event, hopeless proceedings preclude it under Art. 64 Abs. 1 BGG.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
4A_178/2009

Urteil vom 22. Juni 2009
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Gerichtsschreiber Leemann.

Parteien
X.________ AG,
Beschwerdeführerin,

gegen

A.________,
Beschwerdegegnerin.

Gegenstand
Negative Feststellungsklage,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts
des Kantons Aargau, Zivilgericht, 2. Kammer,
vom 12. März 2009.

In Erwägung,
dass die X.________ AG mit Sitz in Windisch (Beschwerdeführerin) bzw. deren Rechtsvorgängerin gegenüber A.________, Tafers, (Beschwerdegegnerin) eine Forderung über Fr. 9'700.-- nebst Zins zu 5 % seit 13. April 2007 in Betreibung setzte;
dass die Beschwerdegegnerin beim Bezirksgericht Brugg gegen die Beschwerdeführerin auf Feststellung des Nichtbestehens der Forderung sowie Aufhebung der eingeleiteten Betreibung klagte, wobei die Beschwerdeführerin Widerklage erhob;
dass das Gerichtspräsidium Brugg am 27. Juni 2008 in Gutheissung der Klage feststellte, dass die von der Beschwerdeführerin in Betreibung gesetzte Forderung in der Höhe von Fr. 9'700.-- zuzüglich Zins nicht bestehe und die eingeleitete Betreibung aufhob;
dass das Gerichtspräsidium Brugg im Weiteren die Widerklage der Beschwerdeführerin abwies, soweit überhaupt darauf eingetreten werden konnte;
dass das Urteil des Gerichtspräsidiums Brugg der Beschwerdeführerin am 22. Januar 2009 zugestellt wurde;
dass die Beschwerdeführerin mit Postaufgabe vom 23. Februar 2009 gegen das Urteil des Gerichtspräsidiums Brugg Appellation erhob;
dass das Obergericht des Kantons Aargau mit Urteil vom 12. März 2009 auf die Appellation der Beschwerdeführerin mangels Einhaltung der 20-tägigen Rechtsmittelfrist gemäss § 319 ZPO/AG nicht eintrat;
dass die Beschwerdeführerin dem Bundesgericht mit Eingabe vom 14. April 2009 erklärte, das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 12. März 2009 anfechten zu wollen;
dass die Beschwerde in Zivilsachen nach Art. 72 ff. BGG im vorliegenden Fall nicht erhoben werden kann, weil der erforderliche Mindeststreitwert von Fr. 30'000.-- nicht gegeben ist und die Beschwerdeführerin zwar behauptet, es liege eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung im Sinne von Art. 74 Abs. 2 lit. a BGG vor, dies jedoch nicht unter Bezugnahme auf den angefochtenen Entscheid begründet (vgl. BGE 133 III 439 E. 2.2.2.1 S. 442, 645 E. 2.4 S. 648);
dass die Eingabe der Beschwerdeführerin unter diesen Umständen als subsidiäre Verfassungsbeschwerde im Sinne der Art. 113 ff. BGG zu behandeln ist;
dass mit einer solchen Beschwerde ausschliesslich die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten gerügt werden kann (Art. 116 BGG);
dass in der Beschwerdeschrift dargelegt werden muss, welche verfassungsmässigen Rechte durch das kantonale Gericht verletzt worden sind, und solche Rügen unter Bezugnahme auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids zu begründen sind (Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 117 BGG);
dass sich der Beschwerde hinsichtlich der gemäss dem angefochtenen Urteil verpassten Rechtsmittelfrist von 20 Tagen (§ 319 ZPO/AG) keine rechtsgenügende Rüge entnehmen lässt und die Beschwerdeführerin lediglich eine Verletzung wesentlicher Verfahrensgrundsätze sowie aktenwidrige und willkürliche Annahmen behauptet, ohne diese Vorwürfe zu begründen;
dass die Beschwerdeführerin im Übrigen zwar verschiedenste verfassungsmässige Rechte erwähnt, jedoch nicht unter Bezugnahme auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids darlegt, inwiefern diese verletzt worden sein sollen;
dass die Beschwerdeführerin insbesondere hinsichtlich der vom Obergericht festgesetzten Gerichtsgebühr nicht hinreichend darlegt, inwiefern diese gegen die Bestimmungen der EMRK verstossen soll;
dass die Eingabe der Beschwerdeführerin vom 14. April 2009 die gesetzlichen Begründungsanforderungen daher offensichtlich nicht erfüllt, weshalb auf die Beschwerde in Anwendung von Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG nicht eingetreten werden kann;
dass juristische Personen die unentgeltliche Prozessführung grundsätzlich nicht beanspruchen können (BGE 131 II 306 E. 5.2.1 S. 326) und die Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin darüber hinaus ohnehin von vornherein aussichtslos waren, weshalb das Gesuch um Befreiung von den Gerichtskosten abzuweisen ist (Art. 64 Abs. 1 BGG);
dass dem Ausgang des Verfahrens entsprechend die Kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 66 Abs. 1 BGG);
erkennt die Präsidentin:

1.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abgewiesen.

2.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau, Zivilgericht, 2. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 22. Juni 2009
Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Leemann

Schlagwörter

non-entryconstitutional complaintreasoning requirementslegal aidcourt costsvalue in disputelate appealnegative declaratory action

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the filing could be treated as an ordinary civil appeal despite the value threshold.

Extrahierter Entscheid

The ordinary civil appeal was unavailable because the minimum value in dispute was not reached and no properly reasoned question of fundamental importance was shown.

Extrahierte Begründung

The appellant did not substantiate a qualifying question of fundamental importance in relation to the challenged decision.

Kernrechtsfrage

Whether the submission met the reasoning requirements of a subsidiary constitutional complaint.

Extrahierter Entscheid

No. The complaint did not sufficiently identify and substantiate violations of constitutional rights with reference to the cantonal judgment.

Extrahierte Begründung

The filing merely alleged procedural violations, factual inaccuracy, arbitrariness, and various constitutional rights without engaging with the reasoning of the appellate court; the challenge to the 20-day deadline and court fee was also insufficiently reasoned.

Kernrechtsfrage

Whether legal aid should be granted to the appellant.

Extrahierter Entscheid

The request was denied because legal persons generally cannot obtain free legal aid and the appeal was manifestly hopeless in any event.

Extrahierte Begründung

The appellant was a legal entity and its claims had no prospects of success.

Kernrechtsfrage

Allocation of court costs.

Extrahierter Entscheid

Court costs of CHF 500 were imposed on the appellant.

Extrahierte Begründung

Costs follow the outcome of the proceedings.

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