Subsidiary constitutional complaint rejected for insufficient reasoning

4A_176/2009Bundesgericht / I. zivilrechtliche Abteilung22.06.2009Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The appellant challenged a cantonal judgment that had declared a CHF 9,700 debt nonexistent and had dismissed the counterclaim. The Aargau High Court had already refused the appeal as out of time. Before the Federal Court, the appellant sought review, but the Court held that the case did not meet the value threshold for an ordinary civil appeal and that the asserted fundamental legal question was insufficiently substantiated. Treated as a subsidiary constitutional complaint, the filing failed to meet the strict reasoning requirements because it did not engage with the cantonal court's reasons. The request for free legal assistance was also denied, and costs of CHF 500 were imposed on the appellant.

Omnilex-Regeste

Art. 113 ff., 116, 117, 42 Abs. 2, 106 Abs. 2 and 108 Abs. 1 lit. b BGG; subsidiary constitutional complaint and reasoning requirements. Where the value threshold for an ordinary civil appeal is not met and no sufficiently reasoned fundamental legal question is shown, a filing is to be examined, if at all, as a subsidiary constitutional complaint. In such a complaint, only violations of constitutional rights may be raised, and the pleading must specifically indicate, with reference to the challenged decision, which constitutional guarantees were infringed; bare assertions of arbitrariness or of procedural defects do not suffice. A request for free legal assistance by a legal person is in principle excluded and, in any event, must fail where the appeal is manifestly devoid of prospects.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
4A_176/2009

Urteil vom 22. Juni 2009
I. zivilrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichterin Klett, Präsidentin,
Gerichtsschreiber Leemann.

Parteien
X.________ AG,
Beschwerdeführerin,

gegen

A.________,
Beschwerdegegner.

Gegenstand
Negative Feststellungsklage,

Beschwerde gegen das Urteil des Obergerichts
des Kantons Aargau, Zivilgericht, 2. Kammer,
vom 12. März 2009.

In Erwägung,
dass die X.________ AG mit Sitz in Windisch (Beschwerdeführerin) bzw. deren Rechtsvorgängerin gegenüber A.________, Le Mont-sur-Lausanne, (Beschwerdegegner) eine Forderung über Fr. 9'700.-- nebst Zins zu 5 % seit 13. April 2007 in Betreibung setzte;
dass der Beschwerdegegner beim Bezirksgericht Brugg gegen die Beschwerdeführerin auf Feststellung des Nichtbestehens der Forderung sowie Aufhebung der eingeleiteten Betreibung klagte, wobei die Beschwerdeführerin Widerklage erhob;
dass das Gerichtspräsidium Brugg am 27. Juni 2008 in Gutheissung der Klage feststellte, dass die von der Beschwerdeführerin in Betreibung gesetzte Forderung in der Höhe von Fr. 9'700.-- zuzüglich Zins nicht bestehe und die eingeleitete Betreibung aufhob;
dass das Gerichtspräsidium Brugg im Weiteren die Widerklage der Beschwerdeführerin abwies, soweit überhaupt darauf eingetreten werden konnte;
dass das Urteil des Gerichtspräsidiums Brugg der Beschwerdeführerin am 22. Januar 2009 zugestellt wurde;
dass die Beschwerdeführerin mit Postaufgabe vom 23. Februar 2009 gegen das Urteil des Gerichtspräsidiums Brugg Appellation erhob;
dass das Obergericht des Kantons Aargau mit Urteil vom 12. März 2009 auf die Appellation der Beschwerdeführerin mangels Einhaltung der 20-tägigen Rechtsmittelfrist gemäss § 319 ZPO/AG nicht eintrat;
dass die Beschwerdeführerin dem Bundesgericht mit Eingabe vom 14. April 2009 erklärte, das Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau vom 12. März 2009 anfechten zu wollen;
dass die Beschwerde in Zivilsachen nach Art. 72 ff. BGG im vorliegenden Fall nicht erhoben werden kann, weil der erforderliche Mindeststreitwert von Fr. 30'000.-- nicht gegeben ist und die Beschwerdeführerin zwar behauptet, es liege eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung im Sinne von Art. 74 Abs. 2 lit. a BGG vor, dies jedoch nicht unter Bezugnahme auf den angefochtenen Entscheid begründet (vgl. BGE 133 III 439 E. 2.2.2.1 S. 442, 645 E. 2.4 S. 648);
dass die Eingabe der Beschwerdeführerin unter diesen Umständen als subsidiäre Verfassungsbeschwerde im Sinne der Art. 113 ff. BGG zu behandeln ist;
dass mit einer solchen Beschwerde ausschliesslich die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten gerügt werden kann (Art. 116 BGG);
dass in der Beschwerdeschrift dargelegt werden muss, welche verfassungsmässigen Rechte durch das kantonale Gericht verletzt worden sind, und solche Rügen unter Bezugnahme auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids zu begründen sind (Art. 42 Abs. 2 und Art. 106 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 117 BGG);
dass sich der Beschwerde hinsichtlich der gemäss dem angefochtenen Urteil verpassten Rechtsmittelfrist von 20 Tagen (§ 319 ZPO/AG) keine rechtsgenügende Rüge entnehmen lässt und die Beschwerdeführerin lediglich eine Verletzung wesentlicher Verfahrensgrundsätze sowie aktenwidrige und willkürliche Annahmen behauptet, ohne diese Vorwürfe zu begründen;
dass die Beschwerdeführerin im Übrigen zwar verschiedenste verfassungsmässige Rechte erwähnt, jedoch nicht unter Bezugnahme auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids darlegt, inwiefern diese verletzt worden sein sollen;
dass die Beschwerdeführerin insbesondere hinsichtlich der vom Obergericht festgesetzten Gerichtsgebühr nicht hinreichend darlegt, inwiefern diese gegen die Bestimmungen der EMRK verstossen soll;
dass die Eingabe der Beschwerdeführerin vom 14. April 2009 die gesetzlichen Begründungsanforderungen daher offensichtlich nicht erfüllt, weshalb auf die Beschwerde in Anwendung von Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG nicht eingetreten werden kann;
dass juristische Personen die unentgeltliche Prozessführung grundsätzlich nicht beanspruchen können (BGE 131 II 306 E. 5.2.1 S. 326) und die Rechtsbegehren der Beschwerdeführerin darüber hinaus ohnehin von vornherein aussichtslos waren, weshalb das Gesuch um Befreiung von den Gerichtskosten abzuweisen ist (Art. 64 Abs. 1 BGG);
dass dem Ausgang des Verfahrens entsprechend die Kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen sind (Art. 66 Abs. 1 BGG);
erkennt die Präsidentin:

1.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abgewiesen.

2.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

3.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

4.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Obergericht des Kantons Aargau, Zivilgericht, 2. Kammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 22. Juni 2009
Im Namen der I. zivilrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Die Präsidentin: Der Gerichtsschreiber:

Klett Leemann

Schlagwörter

negative declaratory actionenforcement proceedingsappeal deadlineconstitutional complaintreasoning requirementfree legal assistancecourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the filing could be treated as a civil law appeal or only as a subsidiary constitutional complaint

Extrahierter Entscheid

Because the dispute value did not reach the statutory minimum and no sufficiently reasoned fundamental legal question was shown, the filing had to be treated as a subsidiary constitutional complaint.

Extrahierte Begründung

The appellant did not satisfy the prerequisites for an ordinary civil law appeal under the Federal Supreme Court Act.

Kernrechtsfrage

Whether the complaint met the reasoning requirements for a subsidiary constitutional complaint

Extrahierter Entscheid

No. The filing did not identify, with reference to the cantonal decision, which constitutional rights had been violated and did not substantiate the alleged errors.

Extrahierte Begründung

Under the applicable pleading rules, constitutional grievances must be specifically reasoned by reference to the challenged decision; mere assertions of arbitrariness or procedural violations are insufficient.

Kernrechtsfrage

Whether the appellant was entitled to free legal assistance

Extrahierter Entscheid

No. A legal person generally cannot claim free legal assistance, and the claims were in any event hopeless.

Extrahierte Begründung

The request failed both because of the appellant's legal form and because the appeal was manifestly without prospects of success.

Kernrechtsfrage

Allocation of court costs

Extrahierter Entscheid

Court costs were imposed on the appellant.

Extrahierte Begründung

Costs follow the outcome of the proceedings.

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