Inadmissibility of constitutional complaint in tax relief case

2D_1/2010Bundesgericht / II. öffentlich-rechtliche Abteilung15.01.2010Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court held that the challenge to the refusal of tax remission and related fees could only be brought by subsidiary constitutional complaint, but the filing did not satisfy the strict reasoning requirements for constitutional claims. The complainant failed to identify a specific constitutional right and explain its violation. The Court also noted that Solothurn law does not grant a legal entitlement to state-tax remission, which would prevent substantive standing on that point. The complaint was therefore not entered into, and court costs of CHF 300 were imposed on the complainant.

Omnilex-Regeste

Art. 83 lit. m BGG, Art. 113 ff. BGG, Art. 116 BGG, Art. 106 Abs. 2 BGG, Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG, Art. 115 lit. b BGG; tax remission decisions are excluded from the ordinary public-law appeal and may be challenged only by subsidiary constitutional complaint. Such a complaint requires specific invocation and substantiation of constitutional rights; a merely general allegation of incorrect factual assessment is insufficient. If cantonal law grants no legal entitlement to remission, the taxpayer lacks standing to contest the refusal on the merits. In the absence of adequate reasoning, the Court proceeds under the simplified procedure and declines entry (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
2D_1/2010

Urteil vom 15. Januar 2010
II. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Müller, Präsident,
Gerichtsschreiber Feller.

Verfahrensbeteiligte
X.________,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Frau Regula Uebelhart,

gegen

Finanzdepartement des Kantons Solothurn.

Gegenstand
Staats- und Bundessteuern 2006-2007 & Mahngebühren und Ordnungsbusse 2007/Erlass,

Verfassungsbeschwerde gegen das Urteil des Kantonalen Steuergerichts Solothurn vom 19. Oktober 2009.

Erwägungen:

1.
Das Finanzdepartement des Kantons Solothurn wies mit Verfügung vom 23. Juni 2009 Gesuche von X.________ um Erlass der Staatssteuern 2006 und 2007 (Fr. 3'300.35 bzw. Fr. 1'748.80), der direkten Bundessteuer 2006 und 2007 (Fr. 495.90 bzw. Fr. 135.25) sowie von Mahngebühren (Fr. 100.75) und einer Ordnungsbusse per 2007 (Fr. 200.--) ab. Mit Urteil vom 19. Oktober 2009 wies das Kantonale Steuergericht Solothurn das gegen die Verfügung des Finanzdepartements erhobene Rechtsmittel (Rekurs bzw. Beschwerde) ab, soweit es darauf eintrat.

Mit subsidiärer Verfassungsbeschwerde vom 4. Januar 2010 beantragt X.________ dem Bundesgericht, das Urteil des Steuergerichts aufzuheben und dieses anzuweisen, neu über die Erlassgesuche zu befinden, dies unter Einbezug ihrer tatsächlichen Finanzlage gemäss den in der Beschwerdeschrift erwähnten Zahlen.

Es ist weder ein Schriftenwechsel noch sind andere Instruktionsmassnahmen angeordnet worden.

2.
Das angefochtene Urteil betrifft den Erlass von Abgaben, sodass die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten unzulässig ist (Art. 83 lit. m BGG). Das Urteil des Steuergerichts kann, wie in der Rechtsmittelbelehrung zutreffend festgehalten ist, höchstens mit subsidiärer Verfassungsbeschwerde (Art. 113 ff. BGG) angefochten werden, womit bloss die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten gerügt werden kann (Art. 116 BGG). Solche Rügen sind spezifisch vorzutragen und zu begründen (Art. 106 Abs. 2 BGG).

Die Beschwerdeführerin macht geltend, es stehe ihr das verfassungsmässige Recht auf Neubeurteilung ihres Erlassgesuchs zu, da der Kanton Solothurn bei der Beurteilung bzw. Berechnung der Einkommenslage von falschen Zahlen ausgegangen sei. Konkret welches verfassungsmässige Recht und inwiefern ein solches durch die Vorgehensweise des Steuergerichts verletzt worden sein könnte (vgl. nebst Art. 106 Abs. 2 BGG auch Art. 42 Abs. 2 BGG), wird in der Beschwerdeschrift nicht dargelegt. Es fehlt mithin an einer hinreichenden Beschwerdebegründung (Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG), sodass schon darum, im vereinfachten Verfahren gemäss Art. 108 BGG, auf die Beschwerde nicht einzutreten ist. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass § 182 Abs. 2 des Solothurner Steuergesetzes keinen Rechtsanspruch auf Erlass der Staatssteuern einräumt, sodass die Beschwerdeführerin nicht zur Verfassungsbeschwerde legitimiert wäre, um den Erlassentscheid betreffend die Staatssteuer in materieller Hinsicht zu bemängeln (Art. 115 lit. b BGG, vgl. BGE 133 I 185; spezifisch betreffend Steuererlass Solothurn s. Urteil 2D_133/2007, nebst anderen auch Urteil 2D_24/2009 vom 9. April 2009).

Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Gerichtskosten (Art. 65 BGG) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG).

Demnach erkennt der Präsident:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 300.-- werden der Beschwerdeführerin auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Verfahrensbeteiligten und dem Kantonalen Steuergericht Solothurn schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 15. Januar 2010

Im Namen der II. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Müller Feller

Schlagwörter

tax remissionconstitutional complaintadmissibilityreasoning requirementstandingcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the subsidiary constitutional complaint against the tax-relief judgment was admissible and sufficiently reasoned.

Extrahierter Entscheid

The complaint was inadmissible because it did not set out a specific constitutional violation with the required reasoning.

Extrahierte Begründung

A complaint against tax remission is excluded from the ordinary public-law appeal; only a subsidiary constitutional complaint is available, and constitutional claims must be pleaded specifically. The filing failed to identify any constitutional right and to explain its alleged violation, so it lacked sufficient reasoning.

Kernrechtsfrage

Whether the complainant had standing to challenge the cantonal tax-remission decision on the merits for state tax.

Extrahierter Entscheid

No standing existed to contest the state-tax remission decision on the merits because cantonal law did not create a legal entitlement to remission.

Extrahierte Begründung

Without a legally protected entitlement, the complainant could not invoke constitutional complaint standing to attack the remission refusal substantively.

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