Standing of complainant in lawyer-discipline appeal

2C_385/2010Bundesgericht / II. öffentlich-rechtliche Abteilung29.06.2010Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

X. challenged the Luzern supervisory authority’s dismissal of his complaint against lawyer Y. The Amtsgericht Luzern-Land, acting as extraordinary cantonal instance, declined to hear the appeal and ordered costs. X. then went to the Federal Supreme Court, seeking annulment and remittal. The Court held that lawyer-discipline proceedings serve the public interest, so the complainant lacked standing under Art. 89 BGG and had not substantiated any constitutional or federal-law violation. The appeal was therefore inadmissible in simplified procedure, and CHF 1,000 in costs were charged to X.

Omnilex-Regeste

Art. 89 Abs. 1 lit. b und c BGG; Art. 108 Abs. 1 lit. a und b BGG; standing to appeal in lawyer-discipline proceedings. Disciplinary proceedings concerning lawyers protect the public interest in proper professional conduct and do not, as a rule, confer on the complainant a legally protected individual interest in the opening, continuation, or sanctioning of proceedings. The complainant is therefore generally not entitled to challenge a decision refusing disciplinary action or a cantonal non-entry decision. Only where cantonal procedural law grants an enforceable right to a material decision and the application of that law violates federal law may a different result follow. Absent substantiated constitutional reasoning, the appeal is not entered into in simplified procedure (consid. 2.2-2.3).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
2C_385/2010

Urteil vom 29. Juni 2010
II. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Zünd, Präsident,
Gerichtsschreiber Feller.

Verfahrensbeteiligte
X._______,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Hans M. Weltert,
Beschwerdeführer,

gegen

Y._______,
Beschwerdegegner,
Aufsichtsbehörde über die Anwältinnen und Anwälte des Kantons Luzern.

Gegenstand
Verletzung von Berufs- und Standespflichten,

Beschwerde gegen den Entscheid des Amtsgerichts Luzern-Land, Abteilung I, vom 29. März 2010.

Erwägungen:

1.
Am 27. Juli 2009 wies die Aufsichtsbehörde über die Anwältinnen und Anwälte des Kantons Luzern eine Aufsichtsbeschwerde von X._______ gegen Rechtsanwalt Y._______ ab. Diesen Entscheid focht X._______ beim Obergericht des Kantons Luzern an; wegen Befangenheit des Obergerichts wurde das Amtsgericht Luzern-Land, Abteilung I, als ausserordentliche Instanz zur Behandlung der Verwaltungsgerichtsbeschwerde eingesetzt. Mit Entscheid vom 29. März 2010 trat das Amtsgericht auf die Beschwerde nicht ein; die Kosten des Aufsichtsverfahrens und des Verfahrens vor dem Amtsgericht von insgesamt Fr. 2'800.-- auferlegte es X._______, welchen es zudem zur Bezahlung einer Parteientschädigung in gleicher Höhe an den verzeigten Anwalt verpflichtete.

Mit (angesichts der Äusserungen auf S. 3 - 5 offenbar als Beschwerde in Zivilsachen verstandener) Rechtsschrift vom 5. Mai 2010 stellt X._______ dem Bundesgericht den Antrag, den Entscheid des Amtsgerichts aufzuheben, die Sache zu neuer Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen und die angefallenen Kosten der Vorinstanzen aufzuheben.

Die kantonalen Akten sind eingeholt, weitere Instruktionsmassnahmen sind nicht angeordnet worden.

2.
2.1 Streitigkeiten betreffend die Anwaltsaufsicht sind solche öffentlich-rechtlicher Natur; als bundesrechtliches Rechtsmittel gegen diesbezügliche letztinstanzliche kantonale Entscheide kommt nur die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten in Betracht.

2.2 Zur Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ist berechtigt, wer durch den angefochtenen Entscheid besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat (Art. 89 Abs. 1 lit b und c BGG). Das anwaltsrechtliche Disziplinarverfahren dient dem allgemeinen öffentlichen Interesse an der korrekten Berufsausübung durch die Rechtsanwälte und nicht der Wahrung individueller Anliegen. Der Anzeiger im Anwaltsdisziplinarverfahren hat grundsätzlich kein eigenes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheids, mit dem die Anwaltsaufsichtskommission eine Disziplinierung eines Anwalts bzw. die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen diesen ablehnt (BGE 133 II 468 E. 2 S. 471 f.; 132 II 250 E. 4 S. 253 ff.; 129 II 297 E. 3.1 S. 302 f.). Namentlich sind Anliegen, die über die Anordnung einer Disziplinarmassnahme hinausgehen, regelmässig nicht im Rahmen eines reinen Aufsichtsverfahrens zu verfolgen, wie das Amtsgericht in E. 4.5.2 seines Entscheids dargelegt hat (vgl. BGE 132 II 250 E. 4.3 und 4.4 S. 254 f.). Aus dem Gesagten ergibt sich, dass der Anzeiger auch nicht zur Anfechtung des Nichteintretensentscheids einer kantonalen Rechtsmittelbehörde legitimiert ist. Anders verhielte es sich allenfalls, wenn das kantonale Verfahrensrecht dem Anzeiger einen festen Anspruch auf materielle Behandlung seiner Beschwerde gegen den Entscheid der Aufsichtsbehörde einräumte und die kantonale Rechtsmittelinstanz bei dessen Anwendung schweizerisches Recht (Art. 95 BGG) verletzt hätte. Das Amtsgericht hat die kantonalen Legitimationsbestimmungen analog der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 89 Abs. 1 lit. b und c BGG ausgelegt; inwiefern es dadurch verfassungsmässige Rechte (der Beschwerdeführer erwähnt Art. 9 und 29 BV) verletzt haben könnte, wird in der Beschwerdeschrift nicht substantiiert (Art. 106 Abs. 2 BGG) dargelegt. Unerfindlich bleibt sodann, inwiefern sich aus Art. 62 Abs. 2 (in Verbindung mit Art. 1 Abs. 3) VwVG oder aus dem Grundsatz der Einheit des Verfahrens (s. dazu Art. 111 BGG) eine Verpflichtung der Vorinstanz hätte ergeben sollen, auf die dort eingereichte Beschwerde einzutreten, nachdem dem Beschwerdeführer die Legitimation zur Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten fehlt. Schliesslich enthält die Beschwerdeschrift keine Begründung betreffend die Kostenregelung in den kantonalen Verfahren.

2.3 Die Beschwerde erweist sich damit als offensichtlich unzulässig bzw. entbehrt einer hinreichenden Begründung (vgl. Art. 108 Abs. 1 lit. a und b BGG), sodass darauf im vereinfachten Verfahren gemäss Art. 108 BGG nicht einzutreten ist.

2.4 Die Gerichtskosten (Art. 65 BGG) sind dem Verfahrensausgang entsprechend dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 66 Abs. 1 erster Satz BGG).

Demnach erkennt der Präsident:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Verfahrensbeteiligten, dem Amtsgericht Luzern-Land, Abteilung I, und dem Bundesamt für Justiz schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 29. Juni 2010

Im Namen der II. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Zünd Feller

Schlagwörter

standingdisciplinary proceedingslawyer supervisioninadmissibilitypublic interestcostssimplified procedure

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the complainant had standing to appeal the cantonal decision in a lawyer-discipline matter.

Extrahierter Entscheid

The complainant lacked standing because lawyer-discipline proceedings protect the public interest, not individual interests, and the complainant has no own legally protected interest in forcing discipline or a disciplinary proceeding.

Extrahierte Begründung

The court held that only a complaint in public law matters is available in such public-law disputes, but the complainant is not particularly affected within the meaning of Art. 89 Abs. 1 BGG. The cantonal court's analogous application of federal standing case law was not shown to violate constitutional rights or federal law.

Kernrechtsfrage

Whether the Federal Supreme Court should review the cantonal non-entry decision and cost allocation.

Extrahierter Entscheid

No review was possible; the appeal lacked a sufficient legal basis and reasoning, including on costs.

Extrahierte Begründung

The submission did not substantiate any violation of constitutional rights, did not show a right to substantive treatment under cantonal law, and contained no argument against the cantonal cost ruling.

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