No standing for complaint against change of appointed defense counsel

1P.772/2001Bundesgericht / I. öffentlich-rechtliche Abteilung15.01.2002Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The accused challenged a cantonal decision refusing to replace his court-appointed defense counsel. The Federal Supreme Court held that such a refusal normally does not cause irreparable harm because the accused still has defense counsel, who safeguards equality of arms and a fair trial. Since the appellant did not show any special circumstances or ineffective defense, the constitutional complaint was not admissible. The court also rejected the request for free legal aid and ordered the appellant to pay CHF 1,000 in costs.

Omnilex-Regeste

Art. 87 Abs. 2 OG; admissibility of a constitutional complaint against the refusal to replace appointed defense counsel. A cantonal interlocutory decision refusing a change of court-appointed defense counsel generally does not cause irreparable harm, because the accused remains represented and the guarantees of equality of arms and a fair trial are preserved. Special circumstances may justify a different assessment, but they must be specifically shown; a mere allegation that the case differs from earlier case law is insufficient. If the complaint is manifestly devoid of prospects of success, free legal aid must be refused (Art. 152 OG); costs follow the outcome (Art. 156 Abs. 1 OG).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
1P.772/2001/bie

Urteil vom 15. Januar 2002
I. Öffentlichrechtliche Abteilung

Bundesgerichtsvizepräsident Aemisegger, Präsident,
Bundesrichter Nay, Fonjallaz,
Gerichtsschreiber Störi.

S.________, Beschwerdeführer, vertreten durch
Rechtsanwalt Christoph Suter, Bahnhofstrasse 6, Postfach 1124, 5610 Wohlen AG 1,

gegen

Simon Käch, Sonnengut 4, Postfach 323, 5620 Bremgarten AG,
Bezirksamt Bremgarten, Rathausplatz 3, 5620 Bremgarten AG,
Obergericht des Kantons Aargau, Beschwerdekammer in Strafsachen, Obere Vorstadt 38, 5000 Aarau.

Art. 29 Abs. 3 und 32 Abs. 2 BV, Art. 6 EMRK
(Wechsel des amtlichen Verteidigers)

(Staatsrechtliche Beschwerde gegen den Entscheid des Obergerichts des Kantons Aargau, Beschwerdekammer in Strafsachen vom 24. Oktober 2001)

Sachverhalt:
A.
Das Bezirksamt Bremgarten führt gegen den von Rechtsanwalt Simon Käch amtlich verteidigten S.________ ein Strafverfahren wegen mehrfachen, qualifizierten Raubes.

Mit Verfügung vom 27. August 2001 lehnte das Bezirksamt Bremgarten das Gesuch ab, Rechtsanwalt Käch als amtlichen Verteidiger zu entlassen und dieses Mandat Rechtsanwalt Christoph Suter zu übertragen.

Die von S.________ dagegen erhobene Beschwerde wies das Obergericht des Kantons Aargau am 24. Oktober 2001 ab.
B.
Mit staatsrechtlicher Beschwerde vom 6. Dezember 2001 wegen Verletzung von Art. 29 Abs. 3 und Art. 32 Abs. 2 BV sowie von Art. 6 EMRK beantragt S.________ diesen obergerichtlichen Entscheid aufzuheben.

Das Bezirksamt Bremgarten hält in seiner Vernehmlassung an seiner Verfügung vom 27. August 2001 fest. Das Obergericht verzichtet auf Stellungnahme. Rechtsanwalt Käch teilt mit, dass er am bundesgerichtlichen Verfahren nicht teilnehme.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1.
Beim angefochtenen Entscheid des Obergerichts, der das Verfahren nicht abschliesst, handelt es sich um einen kantonal letztinstanzlichen Zwischenentscheid im Sinne von Art. 87 Abs. 2 OG, gegen den die staatsrechtliche Beschwerde zulässig ist, wenn er einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken kann.

Die Ablehnung eines Gesuchs um einen Wechsel des amtlichen Verteidigers hat, besondere Umstände vorbehalten, keinen nicht wiedergutzumachenden Nachteil zur Folge, da dem Gesuchsteller auf jeden Fall ein Verteidiger zur Seite steht, welcher die Waffengleichheit und damit ein faires Verfahren sicherstellt (BGE 126 I 207 E. 2b).

Der Beschwerdeführer macht zwar geltend, sein Fall liege anders als derjenige im zitierten Bundesgerichtsentscheid, legt aber nicht dar, inwiefern ihm ein nicht wiedergutzumachender Nachteil droht, wenn das Verfahren mit seinem bisherigen amtlichen Verteidiger durchgeführt wird. Er bringt insbesondere nicht vor, dieser sei seinen Pflichten nicht nachgekommen, sodass er bisher nicht wirksam verteidigt gewesen sei; dies ist auch nicht ersichtlich. Nach der in BGE 126 I 207 eingehend begründeten Praxis ist somit auf die Beschwerde nicht einzutreten.
2.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt der Beschwerdeführer die Kosten (Art. 156 Abs. 1 OG). Er hat zwar ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung gestellt, welches indessen abzuweisen ist, da die Beschwerde aussichtslos war (Art. 152 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht
im Verfahren nach Art. 36a OG:
1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.
2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung wird abgewiesen.
3.
Die Gerichtskosten von Fr. 1'000.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.
4.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, Rechtsanwalt Simon Käch, dem Bezirksamt Bremgarten sowie dem Obergericht des Kantons Aargau (Beschwerdekammer in Strafsachen) schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 15. Januar 2002
Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Schlagwörter

irreparable harmappointed defense counselconstitutional complaintinadmissibilityfree legal aidcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the constitutional complaint against the refusal to replace appointed defense counsel was admissible despite being directed against an interlocutory cantonal decision.

Extrahierter Entscheid

The complaint was inadmissible because the challenged decision could not cause irreparable harm; the accused still had counsel and did not show special circumstances.

Extrahierte Begründung

A refusal to change appointed counsel normally does not create irreparable prejudice, since counsel remains in place and ensures equality of arms and a fair trial. The appellant failed to demonstrate that his current defense was ineffective or that counsel had neglected duties.

Kernrechtsfrage

Whether the applicant was entitled to free legal aid and representation in the federal proceedings.

Extrahierter Entscheid

The request for free legal aid and appointed representation was denied because the complaint had no prospects of success.

Extrahierte Begründung

Since the complaint was inadmissible and therefore manifestly unsuccessful, the conditions for legal aid were not met.

Kernrechtsfrage

Who bore the court costs of the federal proceedings.

Extrahierter Entscheid

The appellant had to pay the court costs.

Extrahierte Begründung

Costs follow the outcome of the proceedings, and the appellant failed in full.

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