Constitutional complaint inadmissible for lack of substantiation and finality

1P.651/2001Bundesgericht / I. öffentlich-rechtliche Abteilung24.10.2001Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court dealt with a purported appeal against a Zurich Court of Appeal judgment convicting the appellant of rape, sexual coercion, trespass, and threats. It treated the filings as a constitutional complaint and refused to enter into them because they did not meet the substantiation requirements and because the cantonal judgment was not final, given the availability of a cantonal nullity complaint to the Zurich Cassation Court. Free legal aid was denied as the complaint was hopeless, and the appellant was ordered to pay CHF 500 in court fees.

Omnilex-Regeste

Art. 90 Abs. 1 lit. b OG; Art. 86 OG; constitutional complaint requirements and finality of the cantonal decision. The Federal Supreme Court examines only grievances clearly and specifically pleaded, with concrete reference to the challenged reasoning. Mere assertion or insufficient engagement with the grounds of the decision is inadequate. A constitutional complaint is admissible only against a final cantonal decision; the concept of cantonal remedy under Art. 86 OG is broad and includes, in principle, any remedy capable of eliminating the alleged legal disadvantage. Where a cantonal nullity complaint is available for the relevant grievances, the lower judgment is not final. Free legal aid under Art. 152 OG is refused if the complaint is manifestly hopeless.

Gesamter Gesetzestext

[AZA 0/2]
1P.651/2001/sch

I. OEFFENTLICHRECHTLICHE ABTEILUNG


  1. Oktober 2001

Es wirken mit: Bundesrichter Nay, präsidierendes Mitglied
der I. öffentlichrechtlichen Abteilung, Bundesrichter
Aeschlimann, Bundesrichter Favre und Gerichtsschreiber Pfäffli.


In Sachen
X.________, zzt. Flughafengefängnis, Postfach, Zürich, Beschwerdeführer,

gegen
Y.________, Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt Jacques Schlegel, Schweizergasse 6, Postfach, Zürich, Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Obergericht des Kantons Zürich, II. Strafkammer,

betreffend
Strafverfahren,
zieht das Bundesgericht in Erwägung:

1.- Die II. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich verurteilte X.________ auf Berufung hin mit Urteil vom 15. Juni 2001 wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie mehrfacher Drohung zu drei Jahren Zuchthaus.

2.- Gegen dieses Urteil der II. Strafkammer des Obergerichts reichte X.________ am 8. und 15. Oktober 2001 je eine als Berufung bezeichnete Eingabe beim Bundesgericht ein. Der Sache nach handelt es sich bei diesen Eingaben um eine staatsrechtliche Beschwerde.

Das Bundesgericht verzichtet auf die Einholung von Vernehmlassungen.

3.- Nach Art. 90 Abs. 1 lit. b OG muss eine staatsrechtliche Beschwerde die wesentlichen Tatsachen und eine kurz gefasste Darlegung darüber enthalten, welche verfassungsmässigen Rechte bzw. welche Rechtssätze und inwiefern sie durch den angefochtenen Entscheid verletzt worden sind.
Im staatsrechtlichen Beschwerdeverfahren prüft das Bundesgericht nur klar und detailliert erhobene Rügen (BGE 127 I 38 E. 3c, III 279 E. 1c, je mit Hinweisen). Diesen Anforderungen vermögen die Eingaben vom 8. und 15. Oktober 2001, die sich mit den Erwägungen des angefochtenen Entscheids nur mangelhaft auseinander setzen, nicht zu genügen. Der Beschwerdeführer legt nicht rechtsgenüglich dar, inwiefern der angefochtene Entscheid verfassungs- oder konventionswidrig sein soll, weshalb auf die Beschwerde nicht eingetreten werden kann.
Im Übrigen ist die staatsrechtliche Beschwerde, von hier nicht zutreffenden Ausnahmen abgesehen, nur gegen letztinstanzliche kantonale Entscheide zulässig (Art. 86 OG). Der Begriff des kantonalen Rechtsmittels im Sinne von Art. 86 OG wird in der Praxis weit ausgelegt. Er umfasst nicht nur die ordentlichen und ausserordentlichen Rechtsmittel im engeren Sinn, sondern grundsätzlich sämtliche Rechtsbehelfe, sofern sie dem Beschwerdeführer persönlich einen Anspruch auf einen Entscheid der angerufenen kantonalen Behörde geben und geeignet sind, den behaupteten rechtlichen Nachteil zu beheben (BGE 120 Ia 61 E. 1a mit Hinweisen). Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts stellt die kantonale Nichtigkeitsbeschwerde nach zürcherischem Strafprozessrecht grundsätzlich, das heisst, soweit sie für die fraglichen Rügen zur Verfügung steht, ein kantona- les Rechtsmittel im Sinne von Art. 86 OG dar (BGE 106 IV 85 E. 2a; Niklaus Schmid, Strafprozessrecht, 3. Aufl. 1997, N. 1059 und 1114).

Der Beschwerdeführer ist mit der Rechtsmittelbelehrung im angefochtenen Urteil auf die Möglichkeit einer kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde an das Kassationsgericht des Kantons Zürich hingewiesen worden; gemäss seinen Ausführungen in der Eingabe vom 15. Oktober 2001 hat er dieses Rechtsmittel auch ergriffen. Aus seinen Eingaben vom 8. und
15. Oktober 2001 sind jedoch keine Rügen ersichtlich - soweit diese überhaupt verständlich sind -, die er nur im Rahmen der staatsrechtlichen Beschwerde, nicht jedoch mit kantonaler Nichtigkeitsbeschwerde geltend machen kann. Demnach handelt es sich beim angefochtenen Urteil der II. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich nicht um einen letztinstanzlichen Entscheid im Sinne von Art. 86 OG. Auf die Beschwerde kann daher auch aus diesem Grund nicht eingetreten werden.
4.- Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die bundesgerichtlichen Kosten zu tragen (Art. 156 Abs. 1 OG). Sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist abzuweisen, da sich die Beschwerde von vornherein als aussichtslos erwies (Art. 152 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht
im Verfahren nach Art. 36a OG:

1.- Auf die staatsrechtliche Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.- Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.- Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.

4.- Dieses Urteil wird den Parteien sowie der Staatsanwaltschaft und dem Obergericht des Kantons Zürich, II. Strafkammer, schriftlich mitgeteilt.

______________
Lausanne, 24. Oktober 2001

Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung
des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTSDas präsidierende Mitglied: Der Gerichtsschreiber:

Schlagwörter

constitutional complaintinadmissibilitysubstantiationfinal decisioncantonal remedyfree legal aidcourt costscriminal conviction

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the constitutional complaint was sufficiently substantiated under Art. 90(1)(b) OG

Extrahierter Entscheid

No; the filings did not set out in a sufficiently clear and detailed manner which constitutional or convention rights were violated and how.

Extrahierte Begründung

In constitutional complaint proceedings the Federal Supreme Court reviews only clearly and specifically raised grievances. The submissions inadequately engaged with the reasoning of the challenged judgment and therefore did not meet the statutory pleading requirements.

Kernrechtsfrage

Whether the challenged cantonal judgment was a final decision for purposes of constitutional complaint under Art. 86 OG

Extrahierter Entscheid

No; a cantonal nullity complaint to the Zurich Cassation Court was available and had in fact been pursued, so the Court of Appeal judgment was not final in the relevant sense.

Extrahierte Begründung

The notion of cantonal remedy under Art. 86 OG is interpreted broadly. Since the appellant could still raise arguments by cantonal nullity complaint, and no issues were shown that could only be raised in constitutional complaint, the federal complaint was premature.

Kernrechtsfrage

Whether free legal aid should be granted

Extrahierter Entscheid

No; the complaint was doomed to fail from the outset and was therefore not non-frivolous.

Extrahierte Begründung

Because the complaint was manifestly hopeless, the statutory condition for free legal aid was not met.

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