Constitutional complaint inadmissible for insufficient reasoning; legal aid refused

1P.541/2001Bundesgericht / I. öffentlich-rechtliche Abteilung01.10.2001Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court dealt with a constitutional complaint against a cantonal decision refusing appointed counsel in a minor municipal offense case. The Court held that the submissions did not satisfy the strict reasoning requirements for a constitutional complaint under Art. 90(1)(b) OG, because they did not sufficiently engage with the challenged decision. The complaint was therefore not entered into. As the filing was hopeless from the outset, the request for free legal aid and appointed counsel was denied under Art. 152 OG. No court fee was charged.

Omnilex-Regeste

Art. 90 Abs. 1 lit. b OG; subsidiarity and strict reasoning requirements of the staatsrechtliche Beschwerde; the Federal Court examines only specifically and clearly substantiated constitutional grievances. A submission that fails to set out the decisive facts and to explain, in a focused manner, which constitutional rights were violated and how is inadmissible. Where the complaint is manifestly devoid of prospects of success, free legal aid and the appointment of counsel are refused under Art. 152 OG. In such cases the Court may dispense with a fee (consid. 3–4).

Gesamter Gesetzestext

[AZA 0/2]
1P.541/2001/sta

I. OEFFENTLICHRECHTLICHE ABTEILUNG


  1. Oktober 2001

Es wirken mit: Bundesgerichtsvizepräsident Aemisegger,
Präsident der I. öffentlichrechtlichen Abteilung, Bundesrichter
Nay, Ersatzrichterin Pont Veuthey und Gerichtsschreiber Pfäffli.


In Sachen
X.________, Beschwerdeführer, vertreten durch seine Mutter Y.________,

gegen
Polizeigericht der Munizipalgemeinde Brig - G l i s,Bezirksgericht I des Bezirkes Brig,

betreffend
Strafverfahren; unentgeltlicher Rechtsbeistand,
zieht das Bundesgericht in Erwägung:

1.- Das Polizeigericht der Gemeinde Brig-Glis verurteilte X.________ mit Strafverbal vom 28. März 2001 wegen einer Übertretung im Sinne des Polizeireglementes der Stadtgemeinde Brig-Glis zu einer Busse von Fr. 200.--. X.________ wird vorgeworfen, in Brig an eine Hausmauer uriniert zu haben.
X.________ erhob Einsprache und ersuchte um einen unentgeltlichen Rechtsbeistand. Das Polizeigericht der Munizipalgemeinde Brig-Glis wies am 9. Mai 2001 dieses Gesuch ab.
Eine von X.________ gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde wies das Bezirksgericht I des Bezirkes Brig am 19. Juli 2001 ab. Das Bezirksgericht führte zusammenfassend aus, dass es sich um einen Bagatellfall handle, bei welchem der gerichtliche Rechtsbeistand nicht gewährt werden könne.
Ausserdem bestehe ein Unterhaltsanspruch des unmündigen Angeschuldigten gegenüber seinen Eltern.

2.- Gegen diesen Entscheid gelangte X.________ mit Eingabe vom 18. August 2001 an das Bezirksgericht Brig. Mit Schreiben vom 22. August 2001 überwies das Bezirksgericht diese Eingabe dem Bundesgericht zur weiteren Behandlung. Der Sache nach handelt es sich dabei um eine staatsrechtliche Beschwerde. Das Bundesgericht teilte X.________ am 24. August 2001 mit, dass seine Eingabe den gesetzlichen Anforderungen an eine staatsrechtliche Beschwerde nicht genüge; er könne jedoch seine Beschwerde innert der 30-tägigen Beschwerdefrist noch verbessern. In der Folge ersuchte X.________ am 20. September 2001 sinngemäss um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung eines Rechtsbeistandes.

Das Bundesgericht verzichtet auf die Einholung von Vernehmlassungen.

3.- Nach Art. 90 Abs. 1 lit. b OG muss eine staatsrechtliche Beschwerde die wesentlichen Tatsachen und eine kurz gefasste Darlegung darüber enthalten, welche verfassungsmässigen Rechte bzw. welche Rechtssätze und inwiefern sie durch den angefochtenen Entscheid verletzt worden sind.
Im staatsrechtlichen Beschwerdeverfahren prüft das Bundesgericht nur klar und detailliert erhobene Rügen (BGE 127 I 38 E. 3c mit Hinweisen). Diesen Anforderungen vermögen die Eingaben des Beschwerdefühers, welche sich mit den Erwägungen des angefochtenen Entscheids nur mangelhaft auseinander setzen, nicht zu genügen. Mangels einer genügenden Begründung ist demnach auf die Beschwerde nicht einzutreten.

4.- Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege unter Beiordnung eines Rechtsbeistandes ist abzuweisen, da sich die Beschwerde von vornherein als aussichtslos erwies (Art. 152 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht
im Verfahren nach Art. 36a OG:

1.- Auf die staatsrechtliche Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.- Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.

3.- Es wird keine Gerichtsgebühr erhoben.

4.- Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, dem Polizeigericht der Munizipalgemeinde Brig-Glis und dem Bezirksgericht I des Bezirkes Brig schriftlich mitgeteilt.

______________
Lausanne, 1. Oktober 2001

Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung
des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS
Der Präsident:

Der Gerichtsschreiber:

Schlagwörter

constitutional complaintinadmissibilityreasoned submissionsfree legal aidappointed counselminor offencecourt fee

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the constitutional complaint met the formal reasoning requirements of Art. 90(1)(b) OG

Extrahierter Entscheid

No; the filing did not sufficiently set out the facts and constitutional violations alleged, so the Court could not examine the merits.

Extrahierte Begründung

In constitutional complaint proceedings, the Federal Court reviews only clearly and specifically raised grievances. The appellant's submissions did not adequately engage with the reasoning of the challenged decision.

Kernrechtsfrage

Whether free legal aid and appointed counsel should be granted

Extrahierter Entscheid

No; legal aid with counsel was refused because the complaint was manifestly hopeless.

Extrahierte Begründung

Since the complaint was inadmissible for lack of sufficient reasoning, it was prospectively without chances of success within the meaning of Art. 152 OG.

Kernrechtsfrage

Whether a court fee should be charged

Extrahierter Entscheid

No court fee was levied.

Extrahierte Begründung

The Court expressly dispensed with a judicial fee.

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