Late constitutional complaint filed out of time

1P.489/2002Bundesgericht / I. öffentlich-rechtliche Abteilung21.10.2002Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

X. filed a constitutional complaint against a decision of the Bern cantonal Anklagekammer after the 30-day time limit. He argued that the challenged decision lacked a legal-remedy instruction and asked for free legal aid. The Federal Supreme Court held that the complaint was manifestly late, that no federal rule required a warning about constitutional complaint remedies, and therefore refused to enter into the case. Because the complaint was hopeless, legal aid was denied and CHF 500 in court costs were charged to the appellant.

Omnilex-Regeste

Art. 89 Abs. 1 OG, Art. 33 Abs. 1 OG; Art. 152 Abs. 1 OG; late filing of a staatsrechtliche Beschwerde and absence of a remedy instruction. The 30-day period for constitutional complaint runs from the cantonal service or notification date and is not extendable. A party cannot derive an excuse from the fact that the challenged decision omitted notice of the possibility of filing a staatsrechtliche Beschwerde, since no federal rule imposes such an instruction. Where the complaint is manifestly time-barred, it is inadmissible; a request for free legal aid must be refused if the proceeding is hopeless (consid. 3-4).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
1P.489/2002 /ngu

Urteil vom 21. Oktober 2002
I. Öffentlichrechtliche Abteilung

Bundesgerichtsvizepräsident Aemisegger, Präsident,
Bundesrichter Nay, Aeschlimann,
Gerichtsschreiber Pfäffli.

X.________,
Beschwerdeführer,

gegen

Gerichtspräsidentin 4 des Gerichtskreises X Thun, Schloss, 3601 Thun,
Anklagekammer des Obergerichts des Kantons Bern, Hochschulstrasse 17, 3012 Bern.

Strafverfahren,

Staatsrechtliche Beschwerde gegen den Beschluss der Anklagekammer des Obergerichts des Kantons Bern vom 24. April 2001.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1.
Die Anklagekammer des Obergerichts des Kantons Bern wies mit Beschluss vom 24. April 2001 eine Beschwerde von X.________ ab, soweit sie darauf eintrat. Gegen diesen Beschluss führt X.________ mit Eingabe vom 20. September 2002 staatsrechtliche Beschwerde. Mit Schreiben vom 3. Oktober 2002 teilte das Bundesgericht X.________ mit, dass auf die Beschwerde infolge verspäteter Einreichung wohl nicht eingetreten werden könne. Soweit er an der Beschwerde festhalten wolle, forderte ihn das Bundesgericht zur Leistung eines Kostenvorschusses auf.
2.
X.________ ersucht mit Eingabe vom 14. Oktober 2002 um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Ausserdem weist er darauf hin, dass der angefochtene Beschluss keine Rechtsmittelbelehrung enthielt, weshalb auf seine Beschwerde trotz verspäteter Einreichung einzutreten sei.
Das Bundesgericht verzichtet auf die Einholung von Vernehmlassungen.
3.
Gemäss Art. 89 Abs. 1 OG ist die staatsrechtliche Beschwerde binnen 30 Tagen, von der nach dem kantonalen Recht massgebenden Eröffnung oder Mittteilung der Verfügung an gerechnet, dem Bundesgericht schriftlich einzureichen. Gesetzliche Fristen können nicht erstreckt werden (Art. 33 Abs. 1 OG).

Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass er seine Beschwerde verspätet eingereicht hat. Aus dem von ihm geltend gemachten Umstand, dass der angefochtene Beschluss keine Rechtsmittelbelehrung enthielt, kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten. Es besteht keine bundesrechtliche Bestimmung, wonach mit einer Rechtsmittelbelehrung auf die Möglichkeit einer staatsrechtlichen Beschwerde hingewiesen werden müsste (vgl. Jean-François Egli, La protection de la bonne foi dans le procès, in Verfassungsrechtsprechung und Verwaltungsrechtsprechung, Sammlung von Beiträgen veröffentlicht von der I. öffentlichrechtlichen Abteilung des schweizerischen Bundesgerichts, Zürich 1992, S. 231). Demnach ist auf die vorliegende staatsrechtliche Beschwerde infolge verspäteter Beschwerdeeinreichung nicht einzutreten.
4.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ist abzuweisen, da sich die Beschwerde von vornherein als aussichtslos erwies (Art. 152 Abs. 1 OG). Der Beschwerdeführer hat somit die bundesgerichtlichen Kosten dem Ausgang des Verfahrens entsprechend zu tragen (Art. 156 Abs. 1 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht
im Verfahren nach Art. 36a OG:

1.
Auf die staatsrechtliche Beschwerde wird nicht eingetreten.
2.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wird abgewiesen.
3.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 500.--wird dem Beschwerdeführer auferlegt.
4.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, der Gerichtspräsidentin 4 des Gerichtskreises X Thun und der Anklagekammer des Obergerichts des Kantons Bern schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 21. Oktober 2002
Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Schlagwörter

time limitconstitutional complaintinadmissibilitylegal aidremedy instructioncourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the constitutional complaint was filed within the statutory time limit

Extrahierter Entscheid

The complaint was filed too late; no basis existed to excuse the delay because the absence of a Swiss constitutional-complaint remedy warning on the decision did not help the appellant.

Extrahierte Begründung

Art. 89(1) OG requires filing within 30 days from service or notification, and statutory deadlines cannot be extended under Art. 33(1) OG. There is no federal rule requiring instructions about the possibility of filing a constitutional complaint.

Kernrechtsfrage

Whether the appellant was entitled to free legal aid

Extrahierter Entscheid

The request for free legal aid was denied because the complaint was hopeless from the outset.

Extrahierte Begründung

Given the clear lateness of the filing, the complaint had no prospects of success, so the legal-aid requirement of non-frivolity was not met.

Kernrechtsfrage

Allocation of federal court costs

Extrahierter Entscheid

The appellant had to bear the federal court fee according to the outcome of the proceedings.

Extrahierte Begründung

Costs follow the result under Art. 156(1) OG.

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