Standing to challenge no-prosecution decision in criminal complaint

1P.412/2003Bundesgericht / I. öffentlich-rechtliche Abteilung10.09.2003Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

F. challenged the Solothurn appellate decision upholding a no-prosecution order in a complaint against his former lawyer for alleged breach of professional secrecy. The Federal Supreme Court held that he lacked standing to attack the decision on the merits because he was not a victim under the Victim Assistance Act. Although procedural complaints could in principle still be raised, he did not advance any adequately reasoned formal denial-of-justice claim. The constitutional complaint was therefore not entered into, and court costs of CHF 2,000 were imposed on him.

Omnilex-Regeste

Art. 88 OG; Art. 8 OHG; standing to challenge a no-prosecution decision by staatsrechtliche Beschwerde. A person merely alleging injury by a criminal act is not entitled to attack a refusal to open criminal proceedings unless he qualifies as a victim within the meaning of Art. 2 Abs. 1 OHG and may rely on the special standing rules of Art. 8 OHG. In the absence of victim status, complaints directed at the merits are inadmissible. Procedural grievances remain admissible only insofar as they concern formal denial of justice and are pleaded with the required specificity under Art. 90 Abs. 1 lit. b OG (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
1P.412/2003 /bie

Urteil vom 10. September 2003
I. Öffentlichrechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesgerichtspräsident Aemisegger, Präsident,
Bundesrichter Féraud, Fonjallaz,
Gerichtsschreiber Haag.

Parteien
F.________, Beschwerdeführer,

gegen

C.________, Beschwerdegegner,
Untersuchungsrichteramt des Kantons Solothurn, Prisongasse 1, 4502 Solothurn,
Obergericht des Kantons Solothurn, Anklagekammer, Amthaus 1, 4502 Solothurn.

Gegenstand
Art. 9 BV (Keine-Folge-Verfügung),

Staatsrechtliche Beschwerde gegen das Urteil
des Obergerichts des Kantons Solothurn, Anklagekammer, vom 30. Mai 2003.

Sachverhalt:
A.
Rechtsanwalt C.________ klagte beim Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt gegen seinen ehemaligen Klienten F.________ wegen einer Honorarforderung. Am 28. Januar 2003 reichte F.________ beim Untersuchungsrichteramt des Kantons Solothurn Strafanzeige gegen C.________ wegen Verletzung des Berufsgeheimnisses ein. F.________ beanstandete, dass der Rechtsanwalt den Amtsgerichtspräsidenten von Bucheggberg-Wasseramt im Rahmen des Prozesses über die Honorarforderung über die vereinbarte Rechnungsverteilung informiert habe, ohne zuvor vom Berufsgeheimnis entbunden worden zu sein.

Der erste Untersuchungsrichter gab der Anzeige mit Verfügung vom 6. Februar 2003 keine Folge mit der Begründung, es fehle offensichtlich an der Tatbestandsmässigkeit. Gegen diese Verfügung gelangte F.________ an das Obergericht des Kantons Solothurn, welches die Beschwerde mit Urteil vom 30. Mai 2003 abwies.
B.
Mit staatsrechtlicher Beschwerde vom 3. Juli 2003 beantragt F.________ im Wesentlichen, das Urteil des Obergerichts sei aufzuheben und der kantonale Untersuchungsrichter sei anzuweisen, eine Voruntersuchung wegen Verletzung des Berufsgeheimnisses zu eröffnen.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1.
Die staatsrechtliche Beschwerde ist von hier nicht vorliegenden Ausnahmen abgesehen grundsätzlich rein kassatorischer Natur, d.h. sie kann nur zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids führen (BGE 129 I 129 E. 1.2.1 mit Hinweisen). Soweit der Beschwerdeführer mehr als die Aufhebung des angefochtenen Entscheids verlangt, kann auf die Beschwerde von vornherein nicht eingetreten werden.
2.
Nach Art. 88 OG steht das Recht zur Beschwerdeführung Bürgern (Privaten) und Korporationen bezüglich solcher Rechtsverletzungen zu, die sie durch allgemein verbindliche oder sie persönlich treffende Erlasse oder Verfügungen erlitten haben. Durch eine angeblich strafbare Handlung Geschädigte sind grundsätzlich nicht legitimiert, gegen die Nichteröffnung oder Einstellung eines Strafverfahrens oder gegen ein freisprechendes Urteil staatsrechtliche Beschwerde zu erheben, es sei denn, sie gelten nach dem Bundesgesetz vom 4. Oktober 1991 über die Hilfe an Opfer von Straftaten (Opferhilfegesetz, OHG, SR 312.5) als Opfer und können sich auf besondere Legitimationsvoraussetzungen berufen (Art. 8 OHG; BGE 120 Ia 101 E. 2 S. 104 ff.; 126 I 97 E. 1a S. 99). Der Beschwerdeführer gilt aufgrund seiner Beanstandungen nicht als Opfer im Sinne von Art. 2 Abs. 1 OHG. Er ist somit nicht legitimiert, den Entscheid des Obergerichts in der Sache mit staatsrechtlicher Beschwerde anzufechten.

Soweit dem Beschwerdeführer jedoch im kantonalen Verfahren Parteistellung zukam, kann er unbekümmert um die fehlende Legitimation in der Sache selbst die Verletzung von Verfahrensrechten geltend machen, deren Missachtung eine formelle Rechtsverweigerung darstellt (BGE 120 Ia 101 E. 3b S. 110, 157 E. 2a/aa S. 159 f., je mit Hinweisen). Entsprechende Rügen, welche den Begründungsanforderungen gemäss Art. 90 Abs. 1 lit. b OG entsprechen würden (vgl. dazu BGE 127 III 279 E. 1c S. 282; 125 I 492 E. 1b S. 495; 117 Ia 10 E. 4b S. 11 f.; 110 Ia 1 E. 2a S. 3 f.), erhebt der Beschwerdeführer jedoch in seiner Eingabe nicht.
3.
Es ergibt sich, dass auf die staatsrechtliche Beschwerde nicht eingetreten werden kann. Die Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 156 Abs. 1 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht
im Verfahren nach Art. 36a OG:
1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.
2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.
3.
Dieses Urteil wird den Parteien sowie dem Untersuchungsrichteramt und dem Obergericht des Kantons Solothurn, Anklagekammer, schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 10. September 2003
Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Schlagwörter

standingno-prosecutionprofessional secrecyvictim statusformal denial of justiceconstitutional complaintcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the constitutional complaint was admissible on the merits against the cantonal no-prosecution decision

Extrahierter Entscheid

The complainant lacked standing to challenge the decision on the merits because he was not a victim under the Victim Assistance Act.

Extrahierte Begründung

Persons harmed by an alleged criminal act are generally not entitled to complain about a refusal to open or a discontinuance of criminal proceedings unless they qualify as victims under the Victim Assistance Act; that was not the case here.

Kernrechtsfrage

Whether any procedural-rights violation could be reviewed despite lack of standing on the merits

Extrahierter Entscheid

No review was possible because no sufficiently reasoned procedural complaint was raised.

Extrahierte Begründung

A party may still invoke formal denial of justice where it was granted party status below, but the appellant did not satisfy the federal reasoning requirements for such a claim.

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