No current interest in complaint after transfer to ordinary prison term

1P.304/2000Bundesgericht / I. öffentlich-rechtliche Abteilung02.06.2000Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

H.________ filed a constitutional complaint against a Zurich detention review decision refusing release from early prison custody. By the time of the Federal Court proceedings, he was no longer in pre-trial detention but had entered ordinary prison execution after his conviction became final. The Federal Court held that the complaint lacked current practical interest and was therefore manifestly inadmissible. It rejected the request for free legal aid because the complaint was hopeless, but, considering the circumstances, waived court costs.

Omnilex-Regeste

Art. 88 OG; admissibility of a constitutional complaint against detention once the challenged pre-trial custody has ended: an appellant must retain a current practical interest in the review of the contested measure. When the person concerned is no longer in criminal procedural detention but has passed into ordinary sentence execution, the legality of the now-ended custody no longer presents a live controversy. An exception to the requirement of current interest is admitted only if repetition under similar circumstances is likely; a mere abstract possibility is insufficient (consid. 1). A complaint that is manifestly inadmissible is prospectively hopeless, precluding free legal aid under Art. 152 Abs. 1 OG. The waiver of court costs remains discretionary under Art. 156 Abs. 1 OG (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

[AZA 0]
1P.304/2000/boh

I. OEFFENTLICHRECHTLICHE ABTEILUNG


  1. Juni 2000

Es wirken mit: Bundesrichter Aemisegger, Präsident der
I. öffentlichrechtlichen Abteilung, Bundesrichter
Aeschlimann, Bundesrichter Féraud und Gerichtsschreiber Forster.


In Sachen
H.________, Beschwerdeführer,

gegen
Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Präsident des Kassationsgerichtes des Kantons Zürich,

betreffend
Haftbeschwerde,
wird in Erwägung,

dass das Obergericht (II. Strafkammer) des Kantons Zürich H.________ am 16. September 1998 wegen passiver Bestechung und weiteren Straftaten zu 4 1/2 Jahren Zuchthaus und einer Geldbusse von Fr. 200'000.-- verurteilte,

dass der Präsident des Kassationsgerichtes des Kantons Zürich am 14. April 2000 (während der gegen das Strafurteil hängigen kantonalen Nichtigkeitsbeschwerde) ein Gesuch H.________s vom 20. Februar 2000 um Entlassung aus dem vorzeitigen Strafvollzug abwies,

dass H.________ gegen den Haftprüfungsentscheid vom 14. April 2000 beim Bundesgericht eine vom 5. Mai 2000 datierende staatsrechtliche Beschwerde erhob (Postaufgabe:
17. Mai 2000), in der er seine Haftentlassung beantragt,

dass der Beschwerdeführer seiner Eingabe ein Schreiben seines Rechtsvertreters vom 9. Mai 2000 beigelegt hat,

dass der Beschwerdeführer darin vorbringt, das Kassationsgericht des Kantons Zürich habe die kantonale Nichtigkeitsbeschwerde am 17. April 2000 abgewiesen, das Strafurteil des Zürcher Obergerichtes vom 16. September 1998 sei somit "in Rechtskraft erwachsen", der Beschwerdeführer befinde sich "demnach seit dem 28. April 2000 im definitiven Strafvollzug", und er werde am 14. Mai 2000 "2/3 seiner Strafe verbüsst haben", weshalb er beim zürcherischen Amt für Justizvollzug das Gesuch um Entlassung aus dem Strafvollzug gemäss Art. 38 Ziff. 1 StGB stelle,

dass der Beschwerdeführer selbst geltend macht, das Strafurteil vom 16. September 1998 sei rechtskräftig und er befinde sich seit dem 28. April 2000 im ordentlichen Strafvollzug,

dass sich aus den übrigen Akten nichts Gegenteiliges ergibt,

dass im angefochtenen Entscheid geprüft wurde, ob die damals noch bestehende strafprozessuale Haft (vorzeitiger Strafvollzug) unter dem Gesichtspunkt der Haftgründe und der Haftdauer rechtmässig war,

dass der Beschwerdeführer, wie er selbst darlegt, sich nicht mehr in strafprozessualer Haft sondern im ordentlichen Strafvollzug befindet,

dass somit kein aktuelles praktisches Rechtsschutzinteresse (im Sinne von Art. 88 OG) an einer Prüfung mehr besteht, ob die unterdessen aufgehobene strafprozessuale Haft rechtmässig war oder nicht,

dass ein Gesuch des Beschwerdeführers um bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug Gegenstand eines separaten, vor den kantonalen Behörden hängigen Verfahrens bildet,

dass im vorliegenden Fall kein Anlass besteht, aus Rechtsschutzgründen vom Erfordernis des aktuellen praktischen Interesses ausnahmsweise abzusehen, zumal der Beschwerdeführer nicht darlegt, dass er jederzeit unter ähnlichen Umständen wieder von strafprozessualer Haft betroffen sein könnte (vgl. BGE 120 Ia 165 E. 1a S. 166 f.; 118 Ia 488 E. 1a S. 490, je mit Hinweisen),

dass die Beschwerde daher mangels Legitimation (Art. 88 OG) offensichtlich unzulässig erscheint,
dass auf offensichtlich unzulässige Beschwerden im vereinfachten Verfahren und mit summarischer Begründung nicht einzutreten ist (Art. 36a Abs. 1 lit. a und Abs. 3 OG),

dass das vom Beschwerdeführer gestellte Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zwar abzuweisen ist, da die Beschwerde zum Vornherein aussichtslos erscheint (Art. 152 Abs. 1 OG), dass im vorliegenden Fall jedoch angesichts der konkreten Umstände auf die Erhebung von Gerichtskosten verzichtet werden kann (Art. 156 Abs. 1 OG),

erkannt :

1.- Auf die staatsrechtliche Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.- Es werden keine Kosten erhoben.

3.- Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer sowie der Staatsanwaltschaft und dem Präsidenten des Kassationsgerichtes des Kantons Zürich schriftlich mitgeteilt.

______________
Lausanne, 2. Juni 2000

Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung
des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Schlagwörter

current practical intereststandingdetention reviewprison executioninadmissibilityfree legal aidcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the constitutional complaint against the detention review decision remained admissible despite the complainant's transfer to ordinary prison execution.

Extrahierter Entscheid

No. The complaint lacked current practical interest because the challenged preventive detention had already ended.

Extrahierte Begründung

The appealed decision only assessed the lawfulness of then-existing pre-trial detention. Since the complainant himself stated that he was no longer in criminal procedure custody but in ordinary prison execution, there was no current practical interest under Art. 88 OG. No exception was justified because he did not show that he could again be affected under similar circumstances.

Kernrechtsfrage

Whether the complainant was entitled to free legal aid.

Extrahierter Entscheid

No. The request for free legal aid was rejected because the complaint was manifestly hopeless.

Extrahierte Begründung

An obviously inadmissible complaint is devoid of prospects of success, so the statutory condition for free legal aid was not met.

Kernrechtsfrage

Whether court costs should be charged.

Extrahierter Entscheid

No costs were imposed in view of the concrete circumstances.

Extrahierte Begründung

Although the complaint was inadmissible, the court exercised discretion to refrain from collecting court costs.

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