Standing of injured party to file constitutional complaint in criminal dismissal

1P.26/2003Bundesgericht / I. öffentlich-rechtliche Abteilung20.01.2003Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court held that the complainant, as a mere injured party in criminal defamation proceedings, lacked standing to challenge the dismissal by constitutional complaint. The criminal claim belongs to the state; the complainant has no protected legal interest in the punishment of the alleged offender. The court also noted that he was not entitled to a nullity appeal because he had not conducted the prosecution alone and without participation of the public prosecutor. The complaint was not entered into, and the complainant was ordered to pay court costs of CHF 2,000.

Omnilex-Regeste

Art. 88 OG; Art. 270 lit. g BStP; standing of an injured party to challenge the discontinuance of criminal proceedings by constitutional complaint. The injured party has, as a rule, only an indirect factual interest in the prosecution of the alleged offender; the criminal claim belongs to the state and does not confer a protected legal interest to demand punishment. Exceptions remain reserved. A complainant who did not conduct the prosecution alone and without participation of the public prosecutor is also not entitled to file a nullity appeal against a dismissal order under Art. 270 lit. g BStP (consid. 1).

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
1P.26/2003 /err

Urteil vom 20. Januar 2003
I. Öffentlichrechtliche Abteilung

Bundesgerichtspräsident Aemisegger, Präsident,
Bundesgerichtsvizepräsident Nay, Bundesrichter Catenazzi,
Gerichtsschreiber Störi.

B.________,
Beschwerdeführer,
handelnd durch Markus Metz, Postfach 659, 4010 Basel,

gegen

A.________,
Beschwerdegegner,
Kantonsgericht von Graubünden, Beschwerdekammer, Poststrasse 14, 7002 Chur.

Art. 9 BV, Strafverfahren, Ehrverletzung,

Staatsrechtliche Beschwerde gegen den Entscheid des Kantonsgerichts von Graubünden, Beschwerdekammer, vom 30. Oktober 2002.

Sachverhalt:
A.
Das Kreisamt Rhäzüns stellte am 29. April 2002 das von B.________ gegen A.________ angestrengte Strafverfahren wegen Ehrverletzung ein.

Die Beschwerdekammer des Kantonsgerichts von Graubünden wies die von B.________ dagegen erhobene Beschwerde am 30. Oktober 2002 ab.
B.
Mit staatsrechtlicher Beschwerde vom 9. Januar 2003 wegen Verletzung des Willkürverbotes von Art. 9 BV beantragt B.________, diesen Entscheid aufzuheben.
C.
Es wurden keine Vernehmlassungen eingeholt.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
1.
Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei zur staatsrechtlichen Beschwerde befugt, da ihm die Art. 32 und 173 StGB ein persönliches Recht verleihen würden, dass der tatbestandsmässige, rechtswidrig und schuldhaft handelnde Täter bestraft würde. Das trifft nicht zu, nach ständiger Rechtsprechung steht der Strafanspruch dem Staat zu, der Geschädigte hat an der Verfolgung des (angeblichen) Täters nur ein mittelbares oder tatsächliches, aber, von hier nicht zutreffenden Ausnahmen abgesehen, kein rechtliches Interesse im Sinn von Art. 88 OG (BGE 125 I 253 E. 1b; 121 IV 317; 108 Ia 97 E. 1). Auf die staatsrechtliche Beschwerde ist daher nicht einzutreten.

Wie der Beschwerdeführer zu Recht ausführt, ist er zur Erhebung einer Nichtigkeitsbeschwerde im Sinne der Art. 268 BStP ff. nicht befugt. Nach Art. 165 Abs. 3 der Strafprozessordnung des Kantons Graubünden vom 8. Juni 1958 entscheidet der Kreispräsident über den Abschluss der Untersuchung durch Anklageerhebung oder Einstellung. Der Beschwerdeführer hat damit als Privatkläger die Anklage nicht "allein und ohne Beteiligung des öffentlichen Anklägers geführt", weshalb er zur Nichtigkeitsbeschwerde gegen die Einstellungsverfügung nach Art. 270 lit. g BStP nicht legitimiert ist (BGE 128 IV 39 E. 2). Das ändert nichts daran, dass er als blosser Geschädigter zur staatsrechtlichen Beschwerde (ebenfalls) nicht legitimiert ist.
2.
Auf die Beschwerde ist daher nicht einzutreten. Bei diesem Ausgang des Verfahrens trägt der Beschwerdeführer die Kosten (Art. 156 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht
im Verfahren nach Art. 36a OG:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.
2.
Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.
3.
Dieses Urteil wird den Parteien und dem Kantonsgericht von Graubünden, Beschwerdekammer, schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 20. Januar 2003
Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Schlagwörter

standingconstitutional complaintcriminal dismissalinjured partyarbitrarinessdefamationcosts

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the injured party had standing to bring a constitutional complaint challenging the discontinuance of criminal proceedings.

Extrahierter Entscheid

No. The injured party has only an indirect factual interest in prosecution; the criminal claim belongs to the state and, absent an applicable exception, there is no legal interest under Art. 88 OG.

Extrahierte Begründung

The court relied on settled case law that the victim does not have a personal legal right to punishment of the alleged offender. As a mere injured party, the complainant was therefore not entitled to constitutional review.

Kernrechtsfrage

Whether the complainant was entitled to file a nullity appeal against the discontinuance order.

Extrahierter Entscheid

No. Under the cantonal procedure, the complainant had not conducted the prosecution alone and without participation of the public prosecutor, so he lacked standing under Art. 270 lit. g BStP.

Extrahierte Begründung

Because the decision to conclude the investigation belonged to the Kreispräsident and the complainant acted only as private complainant, the statutory requirements for a nullity appeal were not met.

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