Constitutional complaint inadmissible against adjournment refusal

1P.242/2000Bundesgericht / I. öffentlich-rechtliche Abteilung18.05.2000Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The accused filed a constitutional complaint against the district court president's refusal to postpone the criminal main hearing, claiming a violation of Article 6 ECHR because counsel lacked sufficient preparation time. The Federal Court held that the challenged refusal was only an interim decision. Because no irreparable disadvantage was demonstrated and the complaints could be raised later against the final judgment, the court declined to enter into the complaint. The appellant was ordered to pay court costs of CHF 2,000.

Omnilex-Regeste

Art. 87 OG; admissibility of constitutional complaints against interim decisions. A constitutional complaint against an interim decision is admissible only if the decision can cause irreparable prejudice. A refusal to postpone a criminal main hearing does not, as a rule, meet this threshold where the defense can raise its fair-trial objections before the trial court and, if necessary, in an appeal against the final judgment. The court therefore does not examine the substantive EMRK complaint at this stage (consid. 1). Costs follow the outcome under Art. 156 Abs. 1 OG (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

[AZA 0]
1P.242/2000/boh

I. OEFFENTLICHRECHTLICHE ABTEILUNG


  1. Mai 2000

Es wirken mit: Bundesrichter Aemisegger, Präsident der
I. öffentlichrechtlichen Abteilung, Bundesrichter Nay,
Bundesrichter Féraud und Gerichtsschreiber Störi.


In Sachen
K.________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Markus Meuwly, Boulevard de Pérolles 12, Postfach 391, Fribourg,

gegen
Bezirksgericht der Sense, Bezirksstrafgericht,

betreffend
Art. 6 Ziff. 1 und 3 EMRK
(Strafverfahren, Verschiebung der HV), hat sich ergeben:

A.- Die Strafkammer des Kantonsgerichtes Freiburg überwies mit Verfügung vom 29. Dezember 1998 K.________ wegen mehrfachen Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz (Art. 19 Ziff. 1 und 2 BetmG), Fahrens in angetrunkenem Zustand (Art. 91 Abs. 1 SVG), Nötigung (Art. 181 StGB) und Freiheitsberaubung (Art. 183 StGB) ans Bezirksgericht der Sense.

Mit Schreiben vom 6. April 2000 teilte der Präsident des Bezirksgerichtes der Sense RA Markus Meuwly mit, dass er mit Verfügung vom 3. April 2000 als amtlicher Verteidiger von K.________ eingesetzt worden und dass für die Neuansetzung der Hauptverhandlung der Zeitraum vom 13. -
27. Juni 2000 vorgesehen sei.

Mit Eingabe vom 7. April 2000 beantragte RA Meuwly, die Hauptverhandlung sei auf einen Termin nach dem 20. August 2000 anzusetzen, da ihm sonst zuwenig Zeit für eine angemessene Vorbereitung der Verteidigung in diesem komplexen Verfahren bleibe.

Der Gerichtspräsident des Bezirksgerichtes der Sense lehnte den Verschiebungsantrag gleichentags ab und verfügte, die Hauptverhandlung bleibe wie vorgesehen auf den
13. Juni 2000 angesetzt.

B.- Mit staatsrechtlicher Beschwerde vom 17. April 2000 wegen Verletzung von Art. 6 Ziff. 1 und 3 EMRK beantragt K.________, den Entscheid des Gerichtspräsidenten vom 6. April 2000 aufzuheben und diesem die Sache zur Neuansetzung der Hauptverhandlung auf ein Datum nach dem 20. August 2000 zurückzuweisen.
Mit Beschwerdeergänzung vom 18. April 2000 beantragt K.________, die ihm zwischenzeitlich zugegangene Vorladung vom 17. April 2000 für die Hauptverhandlung vom 13. Juni 2000 ebenfalls zu annullieren.

Der Präsident des Bezirksgerichtes der Sense verzichtet auf Vernehmlassung.

Das Bundesgericht zieht in Erwägung:

1.- Wie auch der Beschwerdeführer nicht verkennt, handelt es sich beim angefochtenen Entscheid um einen Zwischenentscheid.
Nach Art. 87 Abs. 1 und 2 OG in der Fassung vom 8. Oktober 1999, welche seit dem 1. März 2000 in Kraft steht, ist die staatsrechtliche Beschwerde gegen Zwischenentscheide, soweit sie nicht die Zuständigkeit oder Ausstandsbegehren betreffen, nur zulässig, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können. Das ist beim angefochtenen Entscheid nicht der Fall. Der Beschwerdeführer kann seine Rügen, der Gerichtspräsident habe durch die Ablehnung einer Verschiebung der Hauptverhandlung Art. 6 Ziff. 1 und 3 EMRK verletzt, zunächst dem urteilenden Bezirksgericht unterbreiten und anschliessend in einem allfälligen Rechtsmittelzug gegen dessen Endurteil vorbringen. Auf die Beschwerde ist somit nicht einzutreten, ohne dass geprüft zu werden bräuchte, ob der angefochtene Entscheid überhaupt kantonal letztinstanzlich ist, wie der Beschwerdeführer behauptet.

2.- Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Kosten zu tragen (Art. 156 Abs. 1 OG).

Demnach erkennt das Bundesgericht
im Verfahren nach Art. 36a OG:

1.- Auf die staatsrechtliche Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.- Die Gerichtsgebühr von Fr. 2'000.-- wird dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.- Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer und dem Bezirksgericht der Sense, Bezirksstrafgericht, schriftlich mitgeteilt.

______________
Lausanne, 18. Mai 2000

Im Namen der I. öffentlichrechtlichen Abteilung
des SCHWEIZERISCHEN BUNDESGERICHTS
Der Präsident:

Der Gerichtsschreiber:

Schlagwörter

admissibilityinterim decisionirreparable harmconstitutional complaintcriminal procedurefair trialpostponementcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the constitutional complaint against the refusal to postpone the main hearing was admissible as an appeal against an interim decision.

Extrahierter Entscheid

The complaint was inadmissible because the challenged order was an interim decision that could be raised later against the final judgment; no irreparable disadvantage was shown.

Extrahierte Begründung

Under Art. 87 OG, as amended, constitutional complaints against interim decisions are admissible only if they may cause irreparable harm. The accused could first present the EMRK arguments to the trial court and then, if necessary, in an appeal against the final judgment.

Kernrechtsfrage

Whether the refusal to postpone allegedly violated Art. 6 ECHR.

Extrahierter Entscheid

The Federal Court did not examine the merits of the ECHR complaint because it could be raised later in the ordinary appeal against the final judgment.

Extrahierte Begründung

Since the complaint was not admissible at this stage, the court left open whether the district court's decision had breached the right to a fair trial or to adequate time and facilities for defense.

Setzen Sie Ihre Recherche in ChatGPT oder Claude fort

Verbinden Sie Omnilex, um den Rechtskorpus über Ihren KI-Assistenten zu durchsuchen.