Non-entry on challenge to federal counterproposal

1C_520/2010Bundesgericht / I. öffentlich-rechtliche Abteilung23.12.2010Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

Robin A. Ernst asked the Federal Supreme Court to order a separate vote on the integration article contained in the federal counterproposal to the expulsion initiative. The court held that the counterproposal is an act of the Federal Assembly and therefore not challengeable before it. It did not examine further admissibility conditions, including exhaustion of remedies. The complaint was not entered into, and no court costs were charged.

Omnilex-Regeste

Art. 189 Abs. 4 BV; admissibility of a complaint directed against a federal counterproposal to an initiative. Acts of the Federal Assembly are excluded from judicial review before the Federal Supreme Court; objections based on unity of matter or political rights cannot be examined in such proceedings. Where inadmissibility is manifest, the Court may decide under Art. 108 Abs. 1 lit. a BGG without further examination of the remaining prerequisites, including exhaustion of legal remedies (consid. 1). Under Art. 66 Abs. 1 BGG, costs may be waived in the circumstances of the case.

Gesamter Gesetzestext

{T 1/2}
1C_520/2010

Urteil vom 23. Dezember 2010
I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Féraud, Präsident,
Gerichtsschreiber Störi.

Verfahrensbeteiligter
Robin A. Ernst, Beschwerdeführer.

Gegenstand
Abstimmung vom 28. November 2010 über die Volksinitiative "Für die Ausschaffung krimineller Ausländer (Ausschaffungsinitiative)".

Sachverhalt:

A.
Mit Bundesbeschluss über die Volksinitiative "Für die Ausschaffung krimineller Ausländer (Ausschaffungsinitiative)" vom 18. Juni 2010 erklärte die Bundesversammlung die Ausschaffungsinitiative für gültig und beschloss, sie zusammen mit dem Gegenvorschlag zur Abstimmung zu bringen (Bundesbeschluss vom 10. Juni 2010 über die Wegweisung krimineller Ausländerinnen und Ausländer im Rahmen der Bundesverfassung). Die auf den 28. November 2010 angesetzte Abstimmungsvorlage wurde den Stimmberechtigten mit Erläuterungen ("Bundesbüchlein") vom 1. September 2010 unterbreitet.

B.
Mit Beschwerde vom 10. November 2010 beantragt Robin Ernst sinngemäss, den im Gegenvorschlag enthaltenen "Integrationsartikel" Volk und Ständen separat zur Abstimmung vorzulegen.

C.
Am 28. November 2010 nahmen Volk (1'398'360 zu 1'243'325 Stimmen) und Stände (17½ zu 5½ Standesstimmen) die Initiative an und lehnten den Gegenvorschlag ab (1'189'186 zu 1'407'743 Stimmen bzw. 0 zu 23 Standesstimmen; vorläufiges amtliches Endergebnis).

D.
Vernehmlassungen wurden keine eingeholt.

Erwägungen:

1.
Das Bundesgericht prüft die Zulässigkeit der Beschwerde gemäss Art. 29 Abs. 1 BGG von Amtes wegen (BGE 135 II 94 E. 1 S. 96; 134 II 186 E. 1.5 S. 188; 133 II 249 E. 1.1 S. 251).

1.1 Der Beschwerdeführer rügt, der Gegenvorschlag verletze den Grundsatz der Einheit der Materie bzw. seine politischen Rechte. Diese Rügen sind von vornherein unzulässig, weil der Gegenvorschlag als "Akt der Bundesversammlung" im Sinn von Art. 189 Abs. 4 BV beim Bundesgericht nicht angefochten werden kann. Auf die Beschwerde ist somit bereits aus diesem Grund nicht einzutreten, ohne dass geprüft werden müsste, ob die übrigen Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind. Das erscheint namentlich in Bezug auf die Ausschöpfung des Rechtsmittelzuges (Art. 88 Abs. 1 BGG) fraglich.

1.2 Auf die Beschwerde ist angesichts ihrer offensichtlichen Unzulässigkeit im Verfahren von Art. 108 Abs. 1 lit. a BGG nicht einzutreten. Es rechtfertigt sich unter den vorliegenden Umständen, auf die Erhebung von Gerichtskosten zu verzichten (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt der Präsident:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer und der Bundeskanzlei schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 23. Dezember 2010
Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Féraud Störi

Schlagwörter

admissibilitypolitical rightspopular initiativefederal assembly actnon-entrycourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the complaint against the federal counterproposal was admissible before the Federal Supreme Court.

Extrahierter Entscheid

The complaint was inadmissible because the counterproposal is an act of the Federal Assembly and cannot be challenged before the Federal Supreme Court.

Extrahierte Begründung

Claims that the counterproposal violated the unity of matter or political rights were barred from review under Art. 189 para. 4 BV; the court therefore did not need to examine other admissibility requirements, including exhaustion of legal remedies.

Kernrechtsfrage

Whether court costs should be charged despite non-entry.

Extrahierter Entscheid

No court costs were imposed in view of the manifest inadmissibility and the circumstances of the case.

Extrahierte Begründung

The court exercised its discretion to waive costs under Art. 66 para. 1 BGG.

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