No federal jurisdiction over non-final voting-rights delay complaint

1C_418/2009Bundesgericht / I. öffentlich-rechtliche Abteilung18.09.2009Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The appellants filed a cantonal voting-rights complaint against the Zurich Government Council’s explanatory report on a referendum and then alleged delay before the Federal Supreme Court. The Federal Supreme Court held that, after the transitional period, the Zurich Administrative Court is the last cantonal instance in such matters, including delay or denial-of-justice complaints connected with them. Because this prerequisite was lacking, the federal complaint was not entered into and was forwarded to the Zurich Administrative Court. The request for interim measures became moot. No court costs were charged.

Omnilex-Regeste

Art. 88 Abs. 2 Satz 2 BGG; Art. 130 Abs. 3 and 4 BGG; Art. 66 Abs. 1 BGG; voting-rights remedies and related denial-of-justice complaints require exhaustion of the cantonal judicial instance. Where cantonal law, pursuant to the transitional regime of the BGG, designates the administrative court as last cantonal instance, the Federal Supreme Court lacks admissibility if that court has not yet been seized or has not decided. The same final-instance requirement applies to a complaint alleging delay or refusal of justice in the same subject-matter. If the federal filing is inadmissible for lack of cantonal finality, it may be transmitted to the competent cantonal court; court costs may be waived in light of the circumstances.

Gesamter Gesetzestext

{T 1/2}
1C_418/2009

Urteil vom 18. September 2009
I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Féraud, Präsident,
Bundesrichter Aemisegger, Fonjallaz,
Gerichtsschreiber Bopp.

Parteien

  1. Initiativkomitee Fairflug,
  2. Fluglärmsolidarität,
  3. Kurt Klose,
    Beschwerdeführer,

gegen

Regierungsrat des Kantons Zürich, Neumühlequai 10, Postfach, 8090 Zürich.

Gegenstand
Kantonale Volksabstimmung vom 27. September 2009
betreffend die Volksinitiative "Für eine faire Verteilung
des Fluglärms um den Flughafen Zürich (Verteilungsinitiative)",

Rechtsverzögerungsbeschwerde gegen den Regierungsrat des Kantons Zürich.

Erwägungen:

1.
Das Initiativkomitee Fairflug, die Fluglärmsolidarität und Kurt Klose haben am 19. August 2009 beim Regierungsrat des Kantons Zürich eine Stimmrechtsbeschwerde eingereicht. Mit dieser beanstanden sie den vom Regierungsrat verfassten "Beleuchtenden Bericht" zur Volksinitiative "Für eine faire Verteilung des Fluglärms um den Flughafen Zürich (Verteilungsinitiative)", über die am 27. September 2009 im Kanton Zürich abgestimmt werden soll.

Mit Eingabe vom 16. September 2009 gelangen sie mit einer Rechtsverzögerungsbeschwerde ans Bundesgericht. Diese begründen sie damit, der Regierungsrat sei hinsichtlich der bei ihm eingereichten Beschwerde bis anhin untätig geblieben. Gleichzeitig beantragen sie, im Sinne einer vorsorglichen Massnahme sei der Regierungsrat anzuweisen, die Abstimmung vom 27. September 2009 zu verschieben.

2.
2.1 Das Bundesgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kognition, ob bzw. gegebenenfalls inwieweit es auf eine bei ihm eingereichte Beschwerde eintreten kann.

2.2 Der von den Beschwerdeführern eingereichte Stimmrechtsrekurs richtet sich gegen den vom Regierungsrat zur genannten Abstimmungsvorlage erstatteten "Beleuchtenden Bericht"; laut den Ausführungen der Beschwerdeführer soll dieser Bericht in verschiedener Hinsicht nicht den Tatsachen entsprechen. Damit betrifft der Rekurs eine Stellungnahme der Regierung im Vorfeld der Abstimmung. Die Qualifikation als Regierungsakt im Sinne von Art. 88 Abs. 2 Satz 2 BGG kann indes offen bleiben: Wie das Bundesgericht mit Urteil vom 29. Juni 2009 festgestellt hat (Verfahren 1C_82/2009), ist in Stimmrechtsangelegenheiten inzwischen das Zürcher Verwaltungsgericht - jedenfalls nach dem nunmehrigen Ablauf der Übergangsfrist nach Art. 130 Abs. 3 BGG - letzte kantonale Instanz, unabhängig davon, ob Akte der Regierung oder untergeordneter Behörden angefochten werden (§ 5 der am 29. November 2006 ergangenen Verordnung des Regierungsrats des Kantons Zürich über die Anpassung des kantonalen Rechts an das Bundesgerichtsgesetz, VO BGG). Diese Regelung kann sich auf Art. 130 Abs. 4 BGG stützen. Es wird Sache des Gesetzgebers sein, ob er von der Möglichkeit gemäss Art. 88 Abs. 2 Satz 2 BGG Gebrauch machen will, (alle oder gewisse) Akte der Regierung und oder des Parlaments nicht der kantonalen Gerichtsbarkeit zu unterstellen (E. 2). Insoweit kann hier im Übrigen auf die dem betreffenden Urteil zugrunde liegenden Erwägungen verwiesen werden; es besteht kein Anlass, darauf zurückzukommen.

Ist somit in Stimmrechtssachen der hier in Frage stehenden Art das kantonale Verwaltungsgericht die letzte kantonale Instanz, so liegt es auf der Hand, dass dies ebenso in Bezug auf eine damit in Zusammenhang stehende Rechtsverzögerungs- bzw. Rechtsverweigerungsbeschwerde gilt, wie sie hier vorliegt.
Mangels Letztinstanzlichkeit ist daher auf die Beschwerde vom 16. September 2009 nicht einzutreten. Diese ist dem Zürcher Verwaltungsgericht zur Behandlung zu überweisen.

Mit dem vorliegenden Urteil wird das Gesuch um Erlass einer vorsorglichen Massnahme gegenstandslos.

3.
Bei den gegebenen Verhältnissen rechtfertigt es sich, für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben (s. Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach wird erkannt:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

Die Eingabe der Beschwerdeführer vom 16. September 2009 wird dem Verwaltungsgericht des Kantons Zürich zur Behandlung überwiesen.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird den Beschwerdeführern sowie dem Regierungsrat und dem Verwaltungsgericht des Kantons Zürich schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 18. September 2009
Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Féraud Bopp

Schlagwörter

voting rightsinadmissibilitylast cantonal instancedenial of justicetransmissioncourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the federal complaint against the alleged delay in handling the voting-rights complaint was admissible despite the lack of a final cantonal instance.

Extrahierter Entscheid

No. In voting-rights matters of this kind, the Zurich Administrative Court is the last cantonal instance; therefore the federal court cannot enter into a delay/denial-of-justice complaint before that court has acted.

Extrahierte Begründung

Because the underlying voting-rights remedy was already subject to review by the cantonal administrative court, the same final-instance requirement applies to the related complaint alleging delay or refusal of justice. The federal court therefore lacked the prerequisite of cantonal finality.

Kernrechtsfrage

Whether the matter should be transferred to the Zurich Administrative Court.

Extrahierter Entscheid

Yes. The non-entered filing was transmitted to the Zurich Administrative Court for treatment.

Extrahierte Begründung

Since the Federal Supreme Court could not hear the complaint, the filing was to be forwarded to the competent cantonal court.

Kernrechtsfrage

Whether costs should be charged for the federal proceedings.

Extrahierter Entscheid

No costs were levied.

Extrahierte Begründung

Given the circumstances, the court waived court costs under Article 66(1) BGG.

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