Referendum challenge dismissed as time-barred

1C_20/2011Bundesgericht / I. öffentlich-rechtliche Abteilung24.01.2011Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

Ali Tüm challenged the 28 November 2010 federal popular vote on the anti-criminal-foreigners initiative, seeking its annulment for alleged violations of constitutional and international law and requesting legal aid. The Federal Supreme Court held that the complaint was clearly out of time: the alleged defect was already discernible when the voting materials were received, so the statutory deadline under the Federal Act on Political Rights had expired long before the filing date. The Court therefore declined to enter into the complaint in simplified proceedings. It waived court costs, which rendered the legal-aid request moot.

Omnilex-Regeste

Art. 77 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 BPR; Art. 108 Abs. 1 lit. a BGG; timeliness of complaints against federal popular votes. A complaint based on an alleged defect in the content of a federal voting proposal is time-barred when the complained-of ground was already recognizable upon delivery of the voting materials. The three-day period begins with discovery of the objectionable circumstance; if the ground is evident from the dispatched materials, a filing long after the vote is manifestly late and must be dismissed in simplified proceedings without examination of the remaining admissibility requirements. Where no costs are levied under Art. 66 Abs. 1 BGG, a request for legal aid becomes moot (consid. 1).

Gesamter Gesetzestext

{T 1/2}
1C_20/2011

Urteil vom 24. Januar 2011
I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Fonjallaz, Präsident,
Gerichtsschreiber Störi.

Verfahrensbeteiligte
Ali Tüm, Beschwerdeführer.

Gegenstand
Abstimmung vom 28. November 2010 über die Volksinitiative "Für die Ausschaffung krimineller Ausländer (Ausschaffungsinitiative)".

Sachverhalt:

A.
Am 28. November 2010 nahmen Volk (1'398'360 zu 1'243'325 Stimmen) und Stände (17½ zu 5½ Ständestimmen; vorläufige amtliche Endergebnisse der Bundeskanzlei) die Volksinitiative "Für die Ausschaffung krimineller Ausländer (Ausschaffungsinitiative)" gemäss Bundesbeschluss vom 18. Juni 2010 an; der Gegenvorschlag wurde abgelehnt.

B.
Am 17. Januar 2011 reichte Ali Tüm beim Bundesgericht Beschwerde ein mit den Rechtsbegehren, die Ausschaffungsinitiative sei ungültig zu erklären und es sei festzustellen, dass sie gegen die Grundrechte (EMRK), das zwingende Völkerrecht und die Bundesverfassung verstosse. Ausserdem ersucht er um unentgeltliche Rechtspflege.

C.
Vernehmlassungen wurden keine eingeholt.

Erwägungen:

1.
Nach Art. 77 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 des Bundesgesetzes über die politischen Rechte vom 17. Dezember 1976 (SR 161.1, BPR) kann wegen Unregelmässigkeiten bei eidgenössischen Abstimmungen innert drei Tagen seit der Entdeckung des Beschwerdegrundes, spätestens jedoch am dritten Tag nach der Veröffentlichung der Ergebnisse im kantonalen Amtsblatt, bei der Kantonsregierung Abstimmungsbeschwerde geführt werden.
Der geltend gemachte Beschwerdegrund - die (angebliche) Unvereinbarkeit der Initiative mit Bundesverfassungs- und Völkerrecht - war für den Beschwerdeführer spätestens mit der (nach Art. 11 Abs. 3 BPR minimal drei Wochen vor der Abstimmung erfolgten) Zustellung der Abstimmungsunterlagen erkennbar, die den Text der Initiative sowie Erläuterungen des Bundesrates enthielten, in welchen die vom Beschwerdeführer in der Beschwerde aufgeworfene Problematik aufgezeigt wurde. Die am 17. Januar 2011, rund 1 ½ Monate nach der Abstimmung eingereichte Beschwerde erweist sich damit als klar verspätet. Sie ist offensichtlich unzulässig, weshalb darauf im vereinfachten Verfahren nach Art. 108 Abs. 1 lit. a BGG nicht einzutreten ist, ohne dass die weiteren Sachurteilsvoraussetzungen zu prüfen wären.
Unter den gegebenen Umständen rechtfertigt es sich, auf die Erhebung von Kosten zu verzichten (Art. 66 Abs. 1 BGG), womit das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gegenstandslos wird.

Demnach erkennt der Präsident:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, der Bundeskanzlei und dem Regierungsrat des Kantons Zürich schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 24. Januar 2011
Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Fonjallaz Störi

Schlagwörter

popular votetimelinessinadmissibilityvoting materialslegal aidcourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the complaint against the federal popular vote was filed within the statutory time limit

Extrahierter Entscheid

The complaint was filed far too late because the alleged defect was already recognizable upon receipt of the voting materials, so the statutory three-day period had long expired.

Extrahierte Begründung

Under Art. 77 BPR, objections to irregularities in federal votes must be lodged within three days of discovering the ground for complaint. The asserted incompatibility with constitutional and international law was apparent at the latest when the voting materials were delivered, well before the vote. A complaint filed about one and a half months later is clearly late and inadmissible.

Kernrechtsfrage

Whether costs should be charged and legal aid granted

Extrahierter Entscheid

No costs were imposed, and the request for legal aid became moot.

Extrahierte Begründung

Given the circumstances, the court waived court costs under Art. 66 Abs. 1 BGG; as a result, there was no need to decide the legal-aid request.

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