Inadmissibility of subsidiary constitutional appeal in defense dispute

1B_518/2011Bundesgericht / I. öffentlich-rechtliche Abteilung26.09.2011Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

X. sought to have W. appointed as his official defense counsel in a federal criminal investigation. After the Federal Prosecutor rejected the request and the Federal Criminal Court refused to entertain W.'s complaint, X. filed a subsidiary constitutional complaint with the Federal Supreme Court. The Court held that the challenged Federal Criminal Court decision was not a coercive-measures decision and that a subsidiary constitutional complaint was unavailable because the decision did not come from a final cantonal instance. The Court therefore did not enter into the complaint and ordered X. to pay CHF 500 in costs.

Omnilex-Regeste

Art. 79 BGG; Art. 113 ff. BGG; admissibility of federal remedies against a non-entry decision of the Federal Criminal Court: a criminal appeal to the Federal Supreme Court is excluded where the challenged decision does not concern coercive measures. The subsidiary constitutional complaint is available only against decisions of last cantonal instances; it is not open against a decision of the Federal Criminal Court. If no admissible federal remedy exists, the Court does not enter into the complaint. Court costs follow the outcome under Art. 66 Abs. 1 BGG.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
1B_518/2011

Urteil vom 26. September 2011
I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Fonjallaz, Präsident,
Gerichtsschreiber Bopp.

Verfahrensbeteiligte
X.________, Beschwerdeführer,

gegen

  1. Y.________,
  2. Z.________,
    Beschwerdegegner,

Bundesanwaltschaft, Taubenstrasse 16, 3003 Bern,

Weiterer Beteiligter:
W.________.

Gegenstand
Ausstand/Zulassung der Verteidigung,

Beschwerde gegen den Beschluss vom 30. August 2011 des Bundesstrafgerichts, I. Beschwerdekammer.
In Erwägung,
dass die Bundesanwaltschaft gegen X.________ und Mitbeschuldigte, darunter dessen Ehefrau, eine Strafuntersuchung führt u.a. wegen des Verdachts des gewerbsmässigen Betrugs (Art. 146 Abs. 2 StGB);
dass X.________ und Rechtsanwalt W.________ am 20. April 2011 mit separaten Eingaben die Bundesanwaltschaft ersuchten, Rechtsanwalt W.________ sei in der Strafuntersuchung gegen X.________ als dessen neuer amtlicher Verteidiger einzusetzen;
dass die Bundesanwaltschaft mit Verfügung vom 4. Mai 2011 die dahingehend lautenden Begehren abwies, wogegen X.________ und W.________ an die I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts gelangten;
dass gemäss Beschluss der I. Beschwerdekammer vom 7. Juli 2011 hinsichtlich der Verteidigung des Beschuldigten X.________ durch Rechtsanwalt W.________ ein offensichtlich latenter Interessenkonflikt besteht, weswegen die beantragte Verteidigung abgelehnt wurde;
dass daher die Bundesanwaltschaft mit Verfügung vom 12. August 2011 Rechtsanwalt Y.________ und als dessen Substitut Rechtsanwalt Z.________ als amtliche Verteidigung einsetzte;
dass Rechtsanwalt W.________ hiergegen Beschwerde zuhanden der I. Beschwerdekammer erhob;
dass diese mit Beschluss vom 30. August 2011 auf die Beschwerde nicht eingetreten ist, dies mit dem Hinweis darauf, dass gegen diesen Beschluss kein ordentliches Rechtsmittel gegeben sei;
dass X.________ gegen diesen Beschluss mit Eingabe vom 22. September 2011 subsidiäre Verfassungsbeschwerde ans Bundesgericht führt;
dass mit dem angefochtenen Beschluss vom 30. August 2011 kein Entscheid über eine Zwangsmassnahme in Frage steht, weshalb die Beschwerde in Strafsachen ans Bundesgericht nicht offen steht (Art. 79 BGG), worauf die I. Beschwerdekammer zutreffend verwiesen hat;
dass gemäss Art. 113 ff. BGG die subsidiäre Verfassungsbeschwerde gegen Entscheide letzter kantonaler Instanzen offen steht;
dass im vorliegenden Fall kein derartiger Entscheid in Frage steht, sondern ein solcher der I. Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts;
dass demgemäss auch die subsidiäre Verfassungsbeschwerde gegen den angefochtenen Entscheid nicht zulässig und daher auf die vorliegende Beschwerde nicht einzutreten ist;
dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Erlass einer vorsorglichen Massnahme somit gegenstandslos wird und nicht weiter zu erörtern ist;
dass dem Verfahrensausgang entsprechend die bundesgerichtlichen Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 66 Abs. 1 BGG);

erkennt der Präsident:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Die Gerichtskosten von Fr. 500.-- werden dem Beschwerdeführer auferlegt.

3.
Dieses Urteil wird den Parteien, der Bundesanwaltschaft, dem weiteren Beteiligten und dem Bundesstrafgericht, I. Beschwerdekammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 26. September 2011
Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts

Der Präsident: Fonjallaz

Der Gerichtsschreiber: Bopp

Schlagwörter

defense counselconflict of interestinadmissibilitysubsidiary constitutional complaintcoercive measurescourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the Federal Supreme Court could hear the complaint as a criminal appeal against the Federal Criminal Court's non-entry decision.

Extrahierter Entscheid

No. The challenged decision was not one concerning coercive measures, so a criminal appeal was unavailable under Art. 79 BGG.

Extrahierte Begründung

The decision of 30 August 2011 concerned only non-entry on the defense-related complaint, not a coercive measure decision.

Kernrechtsfrage

Whether subsidiary constitutional complaint was admissible against the Federal Criminal Court's decision.

Extrahierter Entscheid

No. Such a remedy lies only against final cantonal decisions, whereas the challenged decision came from the Federal Criminal Court.

Extrahierte Begründung

Because the decision was rendered by a federal court and not by a last cantonal instance, the statutory conditions of Art. 113 ff. BGG were not met.

Kernrechtsfrage

Costs of the federal proceedings.

Extrahierter Entscheid

Court costs were imposed on the appellant.

Extrahierte Begründung

Costs follow the outcome of the proceedings.

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