Late criminal detention appeal inadmissible

1B_304/2010Bundesgericht / I. öffentlich-rechtliche Abteilung16.09.2010Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

X. appealed to the Federal Supreme Court against a cantonal decision maintaining him in security detention after his conviction to a nine-month prison sentence. The Federal Supreme Court held that the appeal was filed after the non-extendable 30-day time limit, since the deadline was not suspended by the summer recess in detention matters. It therefore did not enter into the appeal in simplified proceedings. The request for free legal aid was refused because the appeal was obviously hopeless, and no costs were charged.

Omnilex-Regeste

Art. 100 Abs. 1, 47 Abs. 1, 48, 64, 66 Abs. 1 and 108 Abs. 1 lit. a BGG; timeliness of a criminal appeal concerning security detention. The 30-day time limit for appealing to the Federal Supreme Court begins upon service of the complete decision and is not extendable. In cases concerning criminal procedural detention, the deadline is not suspended by the summer judicial recess (cf. Art. 46 BGG). A manifestly late appeal is not entered upon in simplified proceedings. Free legal aid requires non-obvious prospects of success and must be refused where the appeal is clearly inadmissible; costs may nevertheless be waived in light of the circumstances.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
1B_304/2010

Urteil vom 16. September 2010
I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Féraud, Präsident,
Gerichtsschreiber Bopp.

Verfahrensbeteiligte
X.________, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Andreas Wehrle,

gegen

Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn, Barfüssergasse 28, Postfach 157, 4502 Solothurn.

Gegenstand
Sicherheitshaft,

Beschwerde gegen das Urteil vom 26. Juli 2010
des Obergerichts des Kantons Solothurn, Beschwerdekammer.
Erwägungen:

1.
Gemäss Urteil vom 29. Juni 2010 hat das Amtsgericht von Solothurn-Lebern X.________ wegen gewerbsmässigen Diebstahls und zahlreicher anderer Delikte u.a. zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt. Zur Sicherung des Massnahmevollzugs hat das Gericht den Verurteilten wegen Fortsetzungsgefahr in Sicherheitshaft belassen. Diese wurde von der zuständigen Haftrichterin am 9. Dezember 2009 angeordnet.
Gegen diesen Entscheid hat X.________ appelliert. Mit Urteil vom 26. Juli 2010 hat die Beschwerdekammer des Obergerichts des Kantons Solothurn den Verurteilten im Sinne der diesem Urteil zugrunde liegenden Erwägungen in Sicherheitshaft belassen.

2.
Mit Eingabe vom 15. September 2010 führt X.________ Beschwerde in Strafsachen mit dem Begehren, das Urteil vom 26. Juli 2010 sei aufzuheben; er sei unverzüglich aus der Sicherheitshaft zu entlassen.
Unter den gegebenen Umständen hat das Bundesgericht davon abgesehen, Stellungnahmen zur Beschwerde einzuholen.

3.
Nach Art. 100 Abs. 1 BGG ist die Beschwerde innert 30 Tagen nach der Eröffnung der vollständigen Ausfertigung des angefochtenen Entscheids beim Bundesgericht einzureichen. Diese gesetzliche Frist ist nicht erstreckbar (Art. 47 Abs. 1 BGG).
Nach den Angaben in der Beschwerde ist das angefochtene Urteil dem Beschwerdeführer am 28. Juli 2010 zugestellt worden. Also begann die Frist zur Anfechtung des Urteils am 29. Juli 2010 zu laufen (Art. 44 Abs. 1 BGG), und am Donnerstag, 27. August 2010 endete sie. Da ein Fall strafprozessualer Haft in Frage steht, stand die Frist - entgegen der in der Beschwerdeschrift bekundeten Auffassung - während den Sommergerichtsferien nicht still (s. BGE 133 I 270 im Zusammenhang mit Art. 46 BGG).
Die erst am Mittwoch, 15. September 2010 der Post übergebene Beschwerde ist daher klarerweise verspätet eingereicht worden (vgl. Art. 48 BGG), sodass auf sie nicht einzutreten ist.
Der Mangel ist offensichtlich, weshalb über die Beschwerde im vereinfachten Verfahren nach Art. 108 Abs. 1 lit. a BGG entschieden werden kann.

4.
Da die Beschwerde nach dem Gesagten offensichtlich aussichtslos ist, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung abzuweisen (Art. 64 BGG). Bei den gegebenen Verhältnissen rechtfertigt es sich indes, für das vorliegende Verfahren keine Kosten zu erheben (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach wird erkannt:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege wird abgewiesen.

3.
Es werden keine Kosten erhoben.

4.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer sowie der Staatsanwaltschaft und dem Obergericht des Kantons Solothurn, Beschwerdekammer, schriftlich mitgeteilt.

Lausanne, 16. September 2010
Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Der Präsident: Der Gerichtsschreiber:

Féraud Bopp

Schlagwörter

late filingsecurity detentiontime limitlegal aidcost waiversimplified procedure

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the federal criminal appeal against the cantonal detention judgment was filed within the statutory time limit.

Extrahierter Entscheid

The appeal was filed after the non-extendable 30-day deadline and is therefore inadmissible.

Extrahierte Begründung

The challenged judgment was served on 2010-07-28, so the deadline began on 2010-07-29 and ended on 2010-08-27. In detention matters, the summer court recess did not suspend the deadline.

Kernrechtsfrage

Whether the appellant was entitled to free legal aid in the federal proceedings.

Extrahierter Entscheid

Free legal aid is denied because the appeal had no prospects of success.

Extrahierte Begründung

Since the appeal was manifestly late and thus obviously hopeless, the statutory condition of sufficient prospects was lacking.

Kernrechtsfrage

Whether court costs should be charged in the federal proceedings.

Extrahierter Entscheid

No costs are charged in view of the circumstances.

Extrahierte Begründung

Although the appeal was inadmissible, the court exercised discretion and waived costs.

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