Federal complaint dismissed for insufficient reasoning in delay case

1B_183/2008Bundesgericht / I. öffentlich-rechtliche Abteilung08.07.2008Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

X. filed a federal criminal complaint against a Bernese cantonal ruling that rejected his delay complaint concerning two criminal reports. The Federal Court held that he failed to meet the strict reasoning requirements for complaints alleging violations of fundamental rights in the review of a cantonal-law decision. As he did not explain in a constitutionally adequate way why the cantonal court had erred, the Court did not enter into the merits and decided the case in simplified procedure. No court costs were imposed.

Omnilex-Regeste

Art. 42 Abs. 2 and Art. 106 Abs. 2 BGG; admissibility of complaints against cantonal-law decisions and qualified duty to state reasons. Where the challenged decision rests on cantonal law, a federal complaint is inadmissible unless the appellant specifically alleges and substantiates, with clear and detailed arguments, a violation of constitutional rights, in particular arbitrariness. The Federal Court examines only properly reasoned constitutional claims; a mere disagreement with the cantonal reasoning is insufficient. If the deficiency is manifest, the Court may decide in the simplified procedure under Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG. Costs may be waived under Art. 66 Abs. 1 BGG.

Gesamter Gesetzestext

{T 0/2}
1B_183/2008 /daa

Urteil vom 8. Juli 2008
I. öffentlich-rechtliche Abteilung

Besetzung
Bundesrichter Aemisegger, präsidierendes Mitglied,
Gerichtsschreiber Pfäffli.

Parteien
X.________, Beschwerdeführer,

gegen

Untersuchungsrichteramt I Berner Jura-Seeland, Spitalstrasse 14, 2501 Biel,
Gerichtskreis III Aarberg-Büren-Erlach,
Stadtplatz 33, 3270 Aarberg.

Gegenstand
Strafverfahren; Rechtsverzögerung,

Beschwerde gegen den Beschluss vom 18. Juni 2008 des Obergerichts des Kantons Bern, Anklagekammer.

Erwägungen:

1.
Am 26. Mai 2008 reichte X.________ eine als "Dienstaufsichtsbeschwerde" bezeichnete Eingabe gegen den Gerichtskreis III Aarberg-Büren-Erlach ein. Er machte geltend, er habe am 25. September 2007 zwei Strafanzeigen eingereicht und seither nichts gehört, was mit ihnen geschehen sei. Die Anklagekammer des Obergerichts des Kantons Bern nahm die Eingabe als Beschwerde im Sinne von Art. 327 ff. StrV entgegen und wies sie mit Beschluss vom 18. Juni 2008 ab. Zur Begründung führte die Anklagekammer zusammenfassend aus, dass das zuständige Untersuchungsrichteramt betreffend der zwei Strafanzeigen vom 25. September 2007 und eine Reihe weiterer Strafanzeigen am 9./10. Juni 2008 einen Nichteintretensbeschluss getroffen habe. Eine Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung sei nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerde abzuweisen sei.

2.
X.________ führt mit Eingabe vom 1. Juli 2008 (Postaufgabe 3. Juli 2008) Beschwerde in Strafsachen (Art. 78 ff. BGG) gegen den Beschluss der Anklagekammer des Obergerichts des Kantons Bern. Das Bundesgericht verzichtet auf die Einholung von Vernehmlassungen.

3.
Nach Art. 42 Abs. 2 BGG ist in der Begründung einer Beschwerde in gedrängter Form darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid Recht verletzt. Art. 95 ff. BGG nennt die vor Bundesgericht zulässigen Beschwerdegründe.

Ist ein, wie hier, in Anwendung kantonalen Rechts ergangener Entscheid angefochten, bildet die Verletzung blossen kantonalen Rechts keinen selbständigen Beschwerdegrund. Vielmehr hat der Beschwerdeführer darzulegen, inwiefern der beanstandete Entscheid gegen verfassungsmässige Rechte, wie etwa das Willkürverbot verstossen soll. Hinsichtlich der Verletzung von Grundrechten gilt der in Art. 106 Abs. 1 BGG verankerte Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen nicht; insofern besteht eine qualifizierte Rügepflicht (Art. 106 Abs. 2 BGG; BGE 133 II 249 E. 1.4.2 S. 254). Es obliegt dem Beschwerdeführer namentlich darzulegen, inwiefern der angefochtene Entscheid gegen die gerügten Grundrechte verstossen soll. Das Bundesgericht prüft nur klar und detailliert erhobene und, soweit möglich, belegte Rügen.

Der Beschwerdeführer setzt sich mit den Ausführungen der Anklagekammer nicht rechtsgenüglich auseinander und vermag nicht darzulegen, inwiefern die Anklagekammer in verfassungswidriger Weise seine Beschwerde abgewiesen haben sollte. Mangels einer genügenden Begründung im Sinne von Art. 42 Abs. 2 BGG ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Der Begründungsmangel ist offensichtlich, weshalb über die Beschwerde im vereinfachten Verfahren nach Art. 108 Abs. 1 lit. b BGG entschieden werden kann.

4.
Auf eine Kostenauflage kann indessen verzichtet werden (Art. 66 Abs. 1 BGG).

Demnach erkennt das präsidierende Mitglied:

1.
Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

2.
Es werden keine Kosten erhoben.

3.
Dieses Urteil wird dem Beschwerdeführer, dem Untersuchungsrichteramt I Berner Jura-Seeland, dem Gerichtskreis III Aarberg-Büren-Erlach und dem Obergericht des Kantons Bern, Anklagekammer, schriftlich mitgeteilt.
Lausanne, 8. Juli 2008
Im Namen der I. öffentlich-rechtlichen Abteilung
des Schweizerischen Bundesgerichts
Das präsidierende Mitglied: Der Gerichtsschreiber:

Aemisegger Pfäffli

Schlagwörter

delay in proceedingsinadmissibilityqualified reasoningconstitutional complaintsimplified procedurecourt costs

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the federal complaint was sufficiently reasoned under Art. 42(2) BGG and Art. 106(2) BGG.

Extrahierter Entscheid

The complaint did not engage with the cantonal reasoning in a manner sufficient to show a constitutional violation.

Extrahierte Begründung

Because the challenged decision applied cantonal law, the appellant had to allege and substantiate a violation of constitutional rights with qualified reasoning. He failed to do so, so the Federal Court could not examine the merits.

Kernrechtsfrage

Whether court costs should be charged despite the inadmissibility of the complaint.

Extrahierter Entscheid

No costs were imposed.

Extrahierte Begründung

The Court exercised its discretion to waive costs under Art. 66(1) BGG.

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