Revision of a non-entry decision and maintenance measures

BGE 92 II 133Amtliche Sammlung des Bundesgerichts (BGE) / Band II22.04.1966Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The divorced wife applied to the Federal Supreme Court for a revision of the entire divorce process, alleging irregularities in the prior protective-measures proceedings and in the divorce proceedings, and claiming that inconsistent official records required a reopening. The Court held that a revision of its own earlier non-entry decision could in principle be sought, but only for a ground affecting that decision itself. It could not use such a request to examine alleged defects in the cantonal divorce judgment or in protective-measures decisions. Since the asserted defects did not relate to the federal non-entry ruling, the revision request was not entered into.

Omnilex-Regeste

Art. 136 ff. OG, Art. 138 OG; revision of a federal non-entry decision and limits of review. Revision of a Federal Supreme Court decision refusing to enter on an appeal is admissible in principle, but only on account of a ground of revision inherent in that very non-entry decision. Successful revision then merely annuls the non-entry ruling and leads to examination of the appeal on the merits. Alleged defects concerning the cantonal judgment itself cannot be invoked in such proceedings; they must be raised, if possible, before the cantonal instance and, where appropriate, by seeking suspension under Art. 57 OG. Decisions rendered in marital-protection proceedings under Art. 169 ff. ZGB are not subject to federal revision; after definitive divorce, such measures lapse in any event.

Gesamter Gesetzestext

Urteilskopf

92 II 133

  1. Auszug aus dem Urteil der II. Zivilabteilung vom 22. April 1966 i.S. G. gegen P.

Sachverhalt

ab Seite 134

Aus dem Tatbestand:

Die Ehefrau legte gegen das Scheidungsurteil des Appellationshofes des Kantons Bern vom 26. Mai 1959 Berufung ein. Das Bundesgericht trat jedoch am 2. September 1959 auf die Berufung nicht ein, weil es an einer Begründung im Sinne des Art. 55 Abs. 1 lit. c OG fehlte.

Mit Eingabe vom 17. März 1966 rügt die geschiedene Ehefrau verschiedene Unregelmässigkeiten des dem Scheidungsprozesse vorausgegangenen Eheschutzverfahrens wie auch des Scheidungsprozesses selbst. Sie erklärt, die Rechtslage sei ungewiss, weil das Scheidungsdatum und der ihr heute zukommende Name in amtlichen Schriftstücken widersprüchlich angegeben seien. Die Eingabe schliesst mit dem Satz: "Solche Fälschungen zwingen zu einer Revision des ganzen Verfahrens."

Das Bundesgericht tritt auf das Revisionsbegehren nicht ein.

Erwägungen

Aus den Erwägungen:

  1. Die geschiedene Ehefrau verlangt mit ihren Eingaben an das Bundesgericht die "Revision des ganzen Verfahrens". Grundsätzlich kann eine Revision des kantonalen Scheidungsurteils vom 26. Mai 1959 nach kantonalem Prozessrecht oder auch eine Revision des bundesgerichtlichen Nichteintretensentscheides vom 2. September 1959 nach Art. 136 ff. OG in Frage gezogen werden. Zwar ist bezweifelt worden, ob ein solcher Nichteintretensentscheid überhaupt der Revision unterliege (verneinend A. REICHEL, Kommentar zum OG vom 22. März 1893, N 2 zu Art. 95). Doch haben sich Lehre und Rechtsprechung überwiegend für die Zulassung dieses Rechtsmittels gegenüber solchen Entscheiden ausgesprochen (BGE 20 380/81, BGE 24 II 621 /22; zustimmend TH. WEISS, Berufung, S. 345; ebenso neuere Entscheidungen:BGE 42 II 76, BGE 45 II 102; zustimmend W. BIRCHMEIER N II, 2, c zu Art. 136 OG, S. 498/99, und E. GRÜNINGER, Abs. 1 der Bem. zu Art. 136 OG). Indessen kann die Revision eines auf das Rechtsmittel der Berufung nicht eintretenden Entscheides nur wegen eines diesem Entscheide selbst anhaftenden Revisionsgrundes verlangt werden (vgl. das schon erwähnte Urteil BGE 42 II 75 /76 mit Hinweisen; BIRCHMEIER a.a.O.). Die erfolgreiche Revision führt in einem solchen Fall nur zur Aufhebung des betreffenden Nichteintretensentscheides und zur Entgegennahme der Berufung zu materieller Beurteilung (vgl. den Urteilsspruch in BGE 42 II 79). Allfällige das kantonale Sachurteil betreffende Revisionsgründe kann das Bundesgericht hiebei nicht berücksichtigen. Sind dem Gesuchsteller solche Gründe bekannt, oder erfährt er davon jedenfalls noch vor dem bundesgerichtlichen Sachurteil über die Berufung, so hat er sie, soweit möglich, im kantonalen Verfahren geltend zu machen und die Einstellung des Berufungsverfahrens nach Art. 57 OG zu veranlassen (Art. 138 OG).

Vollends unterliegen die im Eheschutzverfahren nach Art. 169 ff. ZGB ergangenen Entscheidungen nicht der Revision durch das Bundesgericht. Sie konnten gar nicht Gegenstand einer Berufung an das Bundesgericht bilden (vgl. BGE 72 II 57, BGE 80 I 308 Erw. 2). Vorbehalten bleiben kantonale Revisionsverfahren, zu deren Einleitung jedoch gewöhnlich kein Grund besteht, da die Eheschutzmassnahmen sich schon nach materiellem Recht an veränderte Verhältnisse anpassen lassen und in diesem Sinne schon an und für sich revisibel sind (Art. 172 ZGB). Nach rechtskräftiger Scheidung der Ehe fallen die vor dem Prozess getroffenen Massnahmen solcher Art auf alle Fälle dahin.

Schlagwörter

revisionnon-entry decisiondivorcemarital protectioninadmissibilityfederal appeal

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the Federal Supreme Court could revise its own 1959 non-entry decision on the divorce appeal

Extrahierter Entscheid

Revision of a non-entry decision is in principle possible, but only for a revision ground inherent in that very decision.

Extrahierte Begründung

The Court recalled that prevailing doctrine and case law accept revision against a non-entry decision. However, such revision can concern only defects attached to the non-entry ruling itself; if successful, it leads only to annulment of that ruling and to the appeal being heard on the merits.

Kernrechtsfrage

Whether alleged defects in the cantonal divorce judgment and earlier protective-measures proceedings could justify federal revision

Extrahierter Entscheid

No. The Federal Supreme Court cannot consider revision grounds directed only at the cantonal judgment or at protective-measures decisions that were not appealable to it.

Extrahierte Begründung

Possible revision grounds concerning the cantonal merits judgment had to be raised, if at all, before the cantonal courts, and, where possible, while the federal appeal was still pending. Decisions under Art. 169 ff. ZGB on marital protection were not subject to federal revision.

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