Duty to disclose insolvency in a loan request

BGE 86 IV 205Amtliche Sammlung des Bundesgerichts (BGE) / Band IV29.11.1960

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Kassationshof addressed when silence about one’s financial distress can constitute deceptive conduct in a loan transaction. It held that, absent a statutory, contractual, or good-faith duty to speak, a borrower is generally not required to volunteer that he is overindebted or burdened with loss certificates. Because requesting a loan already alerts the lender to possible financial difficulty, the lender normally bears the duty to inquire. Only special circumstances can create a duty for the borrower to disclose his precarious situation.

Omnilex-Regeste

Silence as fraud only where there is a duty to speak arising from statute, contract, or good faith; in credit transactions the borrower is not generally obliged to disclose overindebtedness or loss certificates, since the lender must ordinarily inquire into the borrower’s solvency (consid. 1). An exception exists where special circumstances make it apparent to the borrower that the lender will not ask about his financial position, in which case good faith requires disclosure of the adverse circumstances.

Gesamter Gesetzestext

Urteilskopf

86 IV 205

  1. Auszug aus dem Urteil des Kassationshofes vom 29. November 1960 i.S. Müller gegen Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich.

Erwägungen

ab Seite 205

Aus den Erwägungen:

Das Verschweigen einer Tatsache ist nur arglistig, wenn der Täter verpflichtet ist, den Irrenden aufzuklären (BGE 72 IV 65). Eine solche Pflicht kann aus einer positiven Gesetzesvorschrift, einer vertraglichen Vereinbarung oder aus Treu und Glauben folgen (nicht veröffentlichte Urteile des Kassationshofes i.S. Allenbach vom 9. April 1943 und i.S. Iten vom 8. März 1957). Dass für den Beschwerdeführer im vorliegenden Fall eine gesetzliche oder vertragliche Pflicht zum Reden bestand, hat die Vorinstanz nicht angenommen und trifft auch nicht zu. Es ist daher zu prüfen, ob er nach Treu und Glauben gehalten war, die Geldgeber auf seine prekäre Finanzlage hinzuweisen.

Nach der Rechtsprechung ist der Käufer, der nicht über seine Vermögenslage befragt wird, bei Abschluss eines Kreditkaufes nicht ohne weiteres gehalten, dem Verkäufer mitzuteilen, dass gegen ihn (den Käufer) Verlustscheine bestehen oder dass er überschuldet ist (BGE 72 IV 65). Was aber beim Kreditkauf gilt, muss erst recht beim Darlehen gelten, wo schon die Tatsache des Darlehensgesuches an sich auf eine zumindest momentane finanzielle Bedrängnis der Gegenpartei hinweist und infolgedessen seitens des Kreditierenden Anlass zu besonderer Vorsicht besteht. Ist es demnach in erster Linie Sache des Geldgebers, sich nach der Vermögenslage des Borgers zu erkundigen, dann handelt dieser, wenn er seine Überschuldung verschweigt, jedoch den Willen hat, das geborgte Geld abmachungsgemäss zurückzuzahlen, in der Regel nicht arglistig. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz ist indessen anzunehmen, wenn besondere Umstände den überschuldeten Borger erkennen lassen, dass der Darleiher sich nach seiner Vermögenslage nicht erkundigen werde. In diesem Falle ist er nach Treu und Glauben gehalten, den Geldgeber über seine misslichen finanziellen Verhältnisse aufzuklären.

Schlagwörter

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Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether a borrower’s failure to disclose insolvency or loss certificates when requesting a loan is deceitful silence.

Extrahierter Entscheid

Silence is only deceitful if the borrower had a duty to inform the other party; in a loan context, the lender must generally inquire first, so non-disclosure of indebtedness is not usually arglistig.

Extrahierte Begründung

A duty to disclose may arise from statute, contract, or good faith. In a loan transaction, the fact of asking for a loan already signals financial distress and calls for caution by the lender. Only special circumstances create a good-faith duty for the borrower to disclose his precarious finances.

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