Party’s signature on appeal brief suffices despite lawyer drafting

BGE 84 II 590Amtliche Sammlung des Bundesgerichts (BGE) / Band II25.11.1958Other

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Supreme Court rejected the respondent’s objection that the appeal was formally defective because the brief had been signed by the appellant rather than by the lawyer who drafted it. The Court held that Art. 30 OG requires only a signature, not the signature of the actual author. The reference in the BZP to the author’s signature was considered purely editorial and not intended to tighten formal requirements. A party-signed pleading therefore remains valid even if prepared by counsel.

Omnilex-Regeste

Art. 30 OG; signature requirement for pleadings to the Federal Supreme Court; Art. 23 lit. g and 29 lit. g BZP merely editorially specify the form of signature as that of the author. The Court confirms the settled interpretation that, under the OG, a pleading is valid if signed either by the party or by its lawyer. The new wording of the BZP does not indicate an intent to increase formal strictness, nor does Art. 40 OG require a different result. A party-signed filing is not invalid solely because it was drafted by counsel; the author’s identity is not an absolute validity requirement (consid. 1).

Gesamter Gesetzestext

Urteilskopf

84 II 590

  1. Auszug aus dem Urteil der I. Zivilabteilung vom 25. November 1958 i.S. Schöpfer gegen Bucher.

Erwägungen

ab Seite 590

Der Beklagte erachtet die Berufung als nicht formgerecht, weil der Kläger die Berufungsschrift persönlich unterzeichnet habe, während sie offensichtlich von seinem Anwalt verfasst worden sei. Nach Art. 30 OG seien die Rechtsschriften mit Unterschrift zu versehen; das bedeute, dass sie vom Verfasser unterzeichnet sein müssen, wie das in Art. 23 lit. g und Art. 29 lit. g des BZP ausdrücklich präzisiert werde.

Art. 30 Abs. 1 des OG von 1943 schreibt lediglich vor, dass die für das Bundesgericht bestimmten Rechtsschriften "mit Unterschrift versehen" einzureichen sind. Das Erfordernis der Unterschrift, die Gültigkeitsvoraussetzung ist (BGE 77 II 352, BGE 81 IV 143 und dort erwähnte Entscheide) wurde immer dahin verstanden, dass entweder der Anwalt oder die Partei selbst zu unterzeichnen habe (so ausdrücklichBGE 77 II 352,BGE 38 II 764Erw. 2,BGE 29 I 477,BGE 26 II 490). In Art. 23 lit. g und Art. 29 lit. g des BZP von 1947 wird nun allerdings bestimmt, dass die Rechtsschriften "die Unterschrift des Verfassers" enthalten müssen. Diese Änderung erscheint aber selbst für den unmittelbaren Anwendungsbereich des BZP als rein redaktioneller Art. Mit der neuen Formulierung wurde lediglich die längere Umschreibung in Art. 85 des früheren BZP "von den Parteien oder ihren Vertretern unterzeichnet" ersetzt. Die Gesetzesmaterialien bieten keinen Anhaltspunkt dafür, dass man bezweckte, durch die neue Fassung die formellen Anforderungen gegenüber dem bisherigen Rechtszustand zu verschärfen. Um so weniger ist daher anzunehmen, dass für den Bereich des OG, dessen Art. 40 die Bestimmungen des BZP als subsidiär anwendbar erklärt, der bisherigen Auslegung des Art. 30 Abs. 1 entgegengetreten werden sollte.

Die Unterzeichnung durch den "Verfasser" entspricht freilich der Regel wie auch dem Gebot des Anstandes, sich nicht mit fremden Federn zu schmücken. Das rechtfertigt jedoch nicht, die Nennung des wahren Verfassers zum absoluten Gültigkeitserfordernis zu erheben. Es besteht kein sachlicher Grund, eine schriftliche Rechtsvorkehr, welche von der Partei selbst unterzeichnet ist, nicht gelten zu lassen, weil der Anwalt sie verfasst hat. Der vom Beklagten erhobene Einwand ist daher abzulehnen.

Schlagwörter

signature requirementappeal briefformal validityparty representationprocedural form

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether an appeal brief is invalid if signed by the party but drafted by a lawyer.

Extrahierter Entscheid

No. Under Art. 30 OG, it is sufficient that the brief bears a signature; the law does not require the signature of the actual author. A brief signed by the party remains valid even if drafted by counsel.

Extrahierte Begründung

The Court held that the traditional interpretation of Art. 30 para. 1 OG had always allowed either the lawyer or the party to sign. The wording of Arts. 23(g) and 29(g) BZP, requiring the signature of the author, was regarded as only editorial and not intended to tighten formal requirements. There was no basis to infer that this wording changed the older practice under the OG, especially given Art. 40 OG's subsidiary reference to the BZP. No material reason existed to invalidate a party-signed filing merely because a lawyer wrote it.

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