Late opposition does not nullify completed enforcement acts

BGE 82 III 17Amtliche Sammlung des Bundesgerichts (BGE) / Band III19.04.1956Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

Raggenbass filed a late opposition in a mortgage enforcement and sought annulment or suspension of the auction and earlier enforcement steps. The auction had already taken place when no interim stay was granted. The cantonal superior supervisory authority held that the later-granted opposition did not undo completed acts, but it did stop further continuation of the enforcement and ordered the office to set the creditor a 10-day period to pursue release or file suit. The Federal Court dismissed the debtor’s complaint and upheld this approach.

Omnilex-Regeste

Art. 77 und 78 SchKG; Wirkung des nachträglichen Rechtsvorschlags auf bereits vollzogene Betreibungshandlungen: Die Bewilligung des nachträglichen Rechtsvorschlags hemmt nur die Fortsetzung der Betreibung, lässt aber vollzogene Betreibungshandlungen, namentlich einen bereits vorgenommenen Steigerungszuschlag, unberührt. Während der Rechtsvorschlag nicht endgültig erledigt ist, darf die Zwangsvollstreckung nicht weitergeführt werden; dem Gläubiger kann in Anlehnung an das Kreisschreiben Nr. 7 eine Frist zur Stellung des Rechtsöffnungsbegehrens oder zur Anerkennungsklage angesetzt werden (vgl. Art. 78 Abs. 1 SchKG).

Gesamter Gesetzestext

Urteilskopf

82 III 17

  1. Auszug aus dem Entscheid vom 19. April 1956 i. S. Raggenbass.

Sachverhalt

ab Seite 17

In einer Grundpfandbetreibung gegen Raggenbass erhob dieser am 12. Mai 1955 nachträglichen Rechtsvorschlag. Gleichzeitig führte er Beschwerde mit dem Antrag, alle gegen ihn gerichteten Betreibungshandlungen, insbesondere die auf den folgenden Tag angesetzte Steigerung, seien aufzuheben bezw. zu sistieren. Der zugleich als Richter im Sinne von Art. 77 SchKG und als untere Aufsichtsgehörde in Betreibungssachen amtende Bezirksgerichtspräsident Neutoggenburg verfügte weder die vorläufige Einstellung der Betreibung gemäss Art. 77 Abs. 2 SchKG, noch erteilte er der Beschwerde aufschiebende Wirkung, so dass die Steigerung am 13. Mai 1955 durchgeführt wurde. Das Gesuch um Bewilligung des nachträglichen Rechtsvorschlags und die Beschwerde wies er in der Folge ab. Am 31. Januar 1956 bewilligte dagegen der Rekursrichter des Kantonsgerichtes St.Gallen den nachträglichen Rechtsvorschlag. Die obere kantonale Aufsichtsbehörde in Betreibungssachen wies am 21. März 1956 das Begehren des Betriebenen um Aufhebung der Steigerung und der ihr vorausgegangenen Betreibungshandlungen ab und erteilte dem Betreibungsamt die Weisung, das Betreibungsverfahren vor dem endgültigen Entscheid über den Rechtsvorschlag nicht weiterzuführen und dem betreibenden Gläubiger eine Frist von 10 Tagen anzusetzen, binnen der er die Rechtsöffnung zu verlangen oder Klage auf Anerkennung seiner Forderung anzuheben habe. Das Bundesgericht weist den Rekurs des Betriebenen gegen diesen Entscheid ab.

Erwägungen

Aus den Erwägungen:

Die Aufsichtsbehörden haben nicht zu überprüfen, ob das Gesuch des Rekurrenten um Bewilligung des nachträglichen Rechtsvorschlags begründet gewesen sei und ob der Bezirksgerichtspräsident richtigerweise sogleich nach Eingang dieses Gesuchs die Einstellung der Betreibung gemäss Art. 77 Abs. 2 SchKG verfügt hätte. Die Beurteilung dieser Fragen fiel in die ausschliessliche Zuständigkeit des Richters. Es ist aber auch nicht zu untersuchen, ob der mit dem Gesuch um Bewilligung des nachträglichen Rechtsvorschlags verbundenen Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu Recht oder zu Unrecht nicht erteilt wurde. Abgesehen davon, dass es sich hier um eine Ermessensfrage handelt, die sich der Kognition des Bundesgerichts entzieht (JAEGER N. 3 zu Art. 36 SchKG), könnte die - inzwischen durchgeführte - Steigerung heute nicht mehr sistiert werden. Zu prüfen ist dagegen, welche Wirkung der am 31. Januar 1956 bewilligte nachträgliche Rechtsvorschlag auf das Betreibungsverfahren hat.

Im Kreisschreiben Nr. 7 vom 15. November 1899 hat die Schuldbetreibungs- und Konkurskammer auf Grund von Art. 77 und 78 SchKGfestgestellt, die Bewilligung des nachträglichen Rechtvorschlags hemme lediglich die Fortsetzung des Betreibungsverfahrens; dagegen seien die vollzogenen Betreibungshandlungen nicht ohne weiteres als aufgehoben zu betrachten. Aus diesem Grundsatze hat die Vorinstanz mit Recht gefolgert, dass der dem Rekurrenten am 31. Januar 1956 bewilligte nachträgliche Rechtsvorschlag den Steigerungszuschlag vom 13. Mai 1955 und die ihm vorausgegangenen Betreibungshandlungen nicht dahinfallen lässt. Ebenfalls mit Recht hat sie angeordnet, dass das Zwangsvollstreckungsverfahren nicht weitergeführt werden darf, solange über den Rechtsvorschlag nicht endgültig entschieden ist (vgl. Art. 78 Abs. 1 SchKG), und in Anlehnung an das erwähnte Kreisschreiben dem Grundpfandgläubiger eine Frist angesetzt, binnen der er die Rechtsöffnung zu verlangen oder auf Anerkennung seiner Forderung zu klagen hat. Was zu geschehen hat, wenn der Gläubiger diese Frist nicht beobachtet oder mit seinen Vorkehren die Beseitigung des Rechtsvorschlags nicht erreicht, braucht heute nicht entschieden zu werden.

Schlagwörter

debt enforcementlate oppositionauctionsuspensionenforcement actssupervisory complaint

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether a granted late opposition nullifies completed enforcement acts, including the auction sale and prior steps.

Extrahierter Entscheid

The granted late opposition merely suspends the continuation of the enforcement; completed acts are not automatically annulled.

Extrahierte Begründung

Under the principle stated in the Federal Court's 1899 circular and Art. 77-78 SchKG, the late opposition affects only the further continuation of the proceedings, not enforcement acts already carried out.

Kernrechtsfrage

Whether the enforcement proceedings must be stayed until the opposition is finally decided and the creditor given time to request release from opposition or sue.

Extrahierter Entscheid

Yes; the proceedings may not continue before the opposition is finally resolved, and the creditor may be given a time limit to seek release or file suit.

Extrahierte Begründung

This follows from Art. 78 Abs. 1 SchKG and the need to prevent further enforcement steps while the opposition remains unresolved.

Kernrechtsfrage

Whether the debtor could obtain annulment or suspension of the already completed auction through the complaint.

Extrahierter Entscheid

No; the auction had already been carried out and could no longer be suspended or undone through this complaint.

Extrahierte Begründung

Once the auction has taken place, the requested suspensive relief is moot, and the authorities need not decide discretionary suspension questions.

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