Guardian may forbid entry to protect ward

BGE 80 IV 170Amtliche Sammlung des Bundesgerichts (BGE) / Band IV04.10.1954Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The Federal Court's Cassation Division dismissed Hermann Faehndrich's appeal against Rätz. It held that a guardian may, under the duty of care toward the ward, prohibit a son from entering the house to protect an incapacitated mother from abuse and disturbances. The home right is a highly personal right, but it is limited by the guardian's protective powers. No prior consent of the guardianship authority was required, and the authority's later silence amounted to approval.

Omnilex-Regeste

Art. 19 Abs. 2, 406 and 421 ZGB; Art. 186 StGB; house right and guardianship powers: the right to control access to one’s dwelling is a highly personal right, but it may be limited by the guardian’s duty of care and protection. If necessary, the guardian may choose the less intrusive measure of forbidding a third person to enter the ward’s home, even where institutional placement would also be permissible. Prior authorization of the guardianship authority is not required for such a protective measure; at most, subsequent knowledge and tacit approval suffice (consid. 1).

Gesamter Gesetzestext

Urteilskopf

80 IV 170

  1. Urteil des Kassationshofes vom 4. Oktober 1954 i. S. Faehndrich gegen Rätz.

Erwägungen

ab Seite 170

Nach Art. 186 StGB macht sich des Hausfriedensbruches schuldig, wer gegen den Willen des Berechtigten in ein Haus unrechtmässig eindringt oder, trotz der Aufforderung des Berechtigten, sich zu entfernen, darin verweilt.

Streitig ist im vorliegenden Falle einzig, ob der Vormund der Frau Marie Faehndrich befugt war, deren Sohn Hermann Faehndrich das Betreten des Hauses zu verbieten. Trifft das zu, so ist der Beschwerdeführer gegen den Willen des Berechtigten in das Haus eingedrungen und trotz Aufforderung des Berechtigten, sich zu entfernen, darin verweilt. Dass beides unrechtmässig geschah, wenn dem Vormund das Verbot zustand, wird mit Recht nicht bestritten.

Das Hausrecht ist Bestandteil der persönlichen Freiheiten (HAFTER; Lehrbuch, bes. Teil I S. 108 f.) und gehört zweifellos zu den höchstpersönlichen Rechten im Sinne von Art. 19 Abs. 2 ZGB, die der urteilsfähige Entmündigte ohne Zustimmung des gesetzlichen Vertreters ausüben kann. Diese Freiheit erleidet jedoch eine Einschränkung durch die Fürsorgepflicht des Vormundes. Nach Art. 406 ZGB hat der Vormund dem Bevormundeten in allen persönlichen Angelegenheiten Schutz und Beistand zu gewähren, was nötigenfalls die Unterbringung in einer Anstalt einschliesst. Um die gelähmte alte Mutter vor den Beschimpfungen, Skandalszenen und Tätlichkeiten des Beschwerdeführers zu schützen, wäre demnach der Vormund nötigenfalls befugt gewesen, sie in einer Anstalt unterzubringen. A fortiori durfte er vom näherliegenden und weniger weit gehenden Mittel Gebrauch machen, dem Beschwerdeführer das Haus zu verbieten.

Der Zustimmung der Vormundschaftsbehörde bedurfte es zu dieser Massnahme nicht (vgl. Art. 421 ZGB). Übrigens hat der Vormund der Vormundschaftsbehörde vom Verbot sofort Kenntnis gegeben und diese hat es jedenfalls stillschweigend genehmigt.

Schlagwörter

house trespassguardian powershighly personal rightshome rightprotective measureincapacitated person

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the guardian of an incapacitated woman could forbid her son entry to the house for protective reasons.

Extrahierter Entscheid

Yes. The right to control access to the home is a highly personal right, but the guardian's duty of care under Art. 406 ZGB allowed him to impose a house-entry ban as a lesser measure than institutional placement.

Extrahierte Begründung

The court held that the guardian could even place the ward in an institution if necessary to protect her from abuse; therefore he a fortiori could use the less intrusive measure of banning the son from the house. The guardianship authority's prior consent was not required under Art. 421 ZGB.

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