BGE 73 III 155
BGE 73 III 155Bge24.10.1939Originalquelle öffnen →
1114 . . Sohuldbetreibungs. und Konkursreoht. N0 39.
gesetzten ForderUng, enthält; :Mehr braucht es zur Gültig-
keit eines Rechtsvorschlages nicht. Das Betreibungsanit
hätte somit den ReChtsvorschlag als solchen entgegen-
nehmen solle~.
2. -Es hat jedoch seine gegenteilige Auffassung da-
durch bekundet, d.8ss es dem. Gläubiger das Unterbleiben
eines Rechtsvorschlages meldete und . dem Fortsetzungs-
begehren Folge gab. Mit dem Empfang der Pfändungs-
ankündigung . musste die Schw.erin darüber im klaren.
sein. Angesichts . dieser Stellungnahme . des Betreibungs-
amtes kann nicht Rechtsverweigerung im Sinne. von Art.
17 Abs. 3· SchKG geltend gemacht werden. Vielmehr war
die vom Empfang der Pfändungsankündigung an laufende
Beschwerdefrist
zu beobachten, ansonst die Fortsetzung
. der Betreibung. in Rechtskraft erwuchs und auf die Frage,
_ob . entgegen -derADnahme des erdefrist an, ohne die in Betracht kommenden
Verlängerungen derselben auch nur irgendwie zu erörtern.
Einmal kommt zugunsten der im Auslande domizilierten
Schuldnerin eine
VerlängerUng der Fristen gemäss Art.
66 Abs. 5 SchKG in Frage. Das Betreibungsamt hat ihr
denn auch, wie aus der Fristansetzung vom 23. Juni
1947 erhellt, zur Bestreitung des Eigentumsanspruches
der « INDECO » eine. auf 20 Tage verlängerte Frist zuge-
billigt.
MindestenS eine ebenso lange Frist musste für
den Rechtsvorschlag gewährt werden. Den Akten ist
darüber nichts zu entnehmen, und vollends steht dahin,
ob das Betreibungsamt allgemein, implicite auch für die
Beschwerdeführung, eine längere als
die gesetzliche Frist
festgesetzt hat. Zur Abklärung dieser Frage ist die Sache
an die Vorinstanz zurückzuweisen. Diese wird sich nötigen-
falls
auch darüber auszusprechen haben, wel~~ Verlän-
gerung der gesetzlichen Fristen als gerechtfertigt anzu-
Sohu1dbetrelb~. und Konktreibungsamtes im
erWähnten Schreiben vom 1. Juli 1947 ein Rechtsvorschlag
enthalte sei, nicht meJll. zurückgekommen werden kann.
-3. -'-: Auf dieser Überlegung beruht der angefochtene
Entscheid. Dieser niinmt jedoch voreilig eine-Versäumung
. der Beschecht. N0 40. -1511
nehmen. sei wenn das Betreibungsamt. eine sol~he Verlän-
gerung .nicht reits. gwii.hrt haben .. sollte.
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. . ., . . . .. ~ . . '"' .... . . ". .-.. . .. .. . :. . .. .. '. . .. .
Demnach erkennt die Schuldbetr.-'U. Konhurß.kammer:
Der Rekurs wird· in dem Sinne gutgeheissen, dass der
angefochtene Entscheid aufgehoben und die sache zu
neuer Beurteilung an die kantonale Aufsichtsbehörde
zurückgewiesen
wird.
40. Auszug aus dem Entscheid vom 29. Oktober 1947 i.S.
Genossenschaft Pensionskasse der Schweiz. Eleklrizitiits-
lverke.
NachTconhur8 (Art. 269 SchKG). Die Frage, ob man es mit neu
entdeckten Ansprüchen zu tun habe, ist unter Umständen
der· gerichtlichen Entscheidung vorzubehalten.
Art. 269 LP : La question de savoir si I'on est en presence de
pretentions ayant echappe a la liquidation doit etre le cas
echeant reservee a Ja juridiction ordinaire.
Art. 269 LEF : La questione se si sia in presenza di pretese che
non sono state incluse neUa liquidazione dev'essere eventual .
mente riservata al giudice ordinario.
Aus dem Tatbestand :
A. -Indem am 15. Mai I93geröffueten, am 27. Februar
194 7 geschlossenen Konkurs der Genossenschaft Elfriede
in Luzern kamen die Bauhandwerker zu Verlust. Sie
belangten die heutige Rekurrentin nach· Art. 841 ZGB
auf Ersatz und erhielten· mit Urteil des Obergerichtes
des
Kantons Luzem vom 2. Mai 1945 Fr. '23,702.02 nebst
Zins und Kosten zugesprochen. Die Rekurrentin schreibt
den ihr damit entstandenen Schaden der Geschäftsgeba-
rung von Konstantin Vecchi und Karl Böni zu, die seiner-
zeit als einzige Genossenschafter die Ausführung des Bau-
projektes beschlossen hatten.
B. -Am 13. Juni 1947 ersuchte die Rekurrentin das
Konkursamt um Einleitung . von Betreibungen für je
Fr. 100,000.-gegen Vecchi und Böni aus solidarischer
156 Schuldbetreibungs-und Konkursrecht. N0 40. Verantwortlichkeit «und andern HaftungsgrüDden ll, in vorsorglichem Sinne, um einer Verjährung vorzubeugen. «e<>llten Sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, so müssten wir Sie verantwortlich machen für den Fall dass unsere Klage gegen Vecchi und Böni abgewiese würde ». Das Konkursamt leitete die gewünschten Betrei- bungen namens der Konkursmasse der Elfriede ein. Der Zahlungsbefehl konnte dem Vecchi, nicht aber dem unbekannt wohin verzogenen Böni zugestellt werden. O. -Auf Beschwerde des Vecchi wies die untere Auf- sichtsbehörde das Konkursamt an, die gegen diesen ein- geleitete Betreibung zurückzuziehen. Sie fand, da die Ver- antwortlichkeitsansprüche der Konkursmasse der Elfriede gegen Vecchi (und Böni) bereits im Konkursinventar ver- zeichnet gewesen waren, handle es sich nicht um ein neu entdecktes Aktivum. Daher fehle dem Konkursamt die Verfügungsmacht gemäss Art. 269 SchKG. Die Rekurren- tin zog diesen Entscheid ohne Erfolg an die obere kantonale Aufsichtsbehörde. Deren Entscheid vom 24. September 194 7 steht zufolge des vorliegenden Rekurses zur Über- prüfung. Die Schuldbetreibungs-u. Konkurskammer zieht in Erwäg'ltng: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .. . . 3. -Die Einleitung einer Betreibung gegen einen (wirklichen ode; vermeintlichen) Schuldner des Konkursi- ten (oder der Konkursmasse als solcher) gehört, ebenso wie eine gewöhnliche Mahnung oder Kündigung, zu den- jenigen Amtshandlungen der Konkursverwaltung, die in den Bereich von deren Autonomie fallen. Solche Mass- nahmen unterliegen nicht der Beschwerde, sie stellen keine anfechtbaren « Verfügungen}) im Sinne von Art. 17 SchKG dar ... 4. -Nach Konkursschluss hört freilich das Bell!ch1ags recht der Masse und damit jegliches Verfügungsrecht der Konkursverwaltung grundsätzlich auf. Nur ausnahms- Schuldbetreibungs-und Konkursrecht. N° 40. 157 weise darf dieses Beschlagsrecht hernach· vom Konkurs- amte nach Art. 269 SchKG noch ausgeübt werden: bezüglich solcher Gegenstände, die bereits während des Konkurses zum Vermögen des Schuldners gehört hatten, jedoch erst seit Konkursschluss entdeckt worden sind. Aus diesem Gesichtspunkte haben sich sowohl Aufsichts- behörden wie auch Gerichte mit der Fortdauer des Be- schlagsrechtes der Masse befasst und geprüft, ob ein bestimmtes nachträglich zur Masse gezogenes Vermögens- stück erst seit Konkursschluss entdeckt oder als zum Konkursvermögen gehörig erkannt worden sei (Aufsichts- behörde : BGE 23 I 399 Erw. 3, 27 I 552 = Sep_-Ausg. 4 S. 190, BGE 34 I 873 = Sep.-Ausg. 11 S. 229, je Erw. 3, BGE 48 HI 12 ; Gerichte: BGE 23 II 1724 Erw. 4, 46 III 27, 50 III 134). Indessen besteht keine Veranlas- sung, ein Betreibungsbegehren der Anfechtung durch Beschwerde zu unterstellen, nur um die Nachprüfung der in Frage stehenden Voraussetzung eines « Nachkonkurses II durch die Aufsichtsbehörden zu ermöglichen. Vielmehr mag es füglich bei der Einleitung der (durch Rechtsvor- schlag gehemmten) Betreibung durch das Konkursamt sein Bewenden haben. Kommt es, wie gewöhnlich bei bestrittenen Ansprüchen, nach Art. 269 Abs. 3 SchKG zur Anbietung der Abtretung an die zu Verlust gekom- menen Konkursgläubiger, so kann der Drittschuldner sich über eine hierauf erfolgende Abtretung immer noch beschweren_ Namentlich aber steht ihm die Bestreitung der Voraussetzungen der nachträglichen Geltendmachung dieser Ansprüche im Prozesse selbst zu. Gerade mit Rücksicht auf diese gerichtliche Zuständigkeit tun die Aufsichtsbehörden gut, solche Massnahmen des Konkurs- amtes im Zweifelsfalle bestehen zu lassen. Über den Bestand der streitigen Ansprüche der Masse haben sie ohnehin nicht zu befinden (BGE 481 II 14 Erw. 1). Mit den zivilrechtlichen Anspruchsvoraussetzungen (wobei hier neben Art. 916 ff. OR namentlich die Art. 41 ff. OR in Betracht fallen) hängt aber auch die Frage zusammen, ob
158 Schuldbetreibungs. und Konkursreeht. N0 41. erhebliche Tatsachen. erst seit Konkursschluss entdeckt worden seien. Dies näher zu untersuchen und massgebend zu beurteilen, ist so :wenig Sache der Aufsichtsbehörden wib des Konkursamtes selbst. Übrigens lag hier beim Konkursschluss laut der Vernehmlassung des Konkurs- amtes noch mindestens eine unerledigte Abtretung an einen Konkursgläubiger vor. Deren Wirkung konnte das Konkursverfahren überdauern (vgl. Art. 95 der Konkurs- verordnung), und sofern sie einem von der Rekurrentin desinteressierten Bauhandwerker erteilt war, kommt RechtJsnachfolge kraft Subrogation oder Zession in Frage. Über all dies kann bei nicht abgeklärter Rechtslage nur der Richter entscheiden. Die Aufsichtsbehörden mögen sich hüten, dieser Entscheidung -durch voreilige Verneinung der Anspruchsvoraussetzungen vorzugreifen. Demnach erkennt die Schuldbetr.-u. Konkurskammer : Der Rekurs wird gutgeheissen, der angefochtene Ent- scheid aufgehoben und die Beschwerde des Konstantin Vecchi abgewiesen. 41. Auszug aus dem Entscheid vom 30. Dezember 1947 i. S. Allgemeine Versicherlillgsgesellsehaft« JugosIalija » bezw. deren Rechtsnachfolgerin Drzavni Osiguravajuci Zavod FNBJ (Staatliche Versicherungsanstalt der Föderativen Volks- republik Jugoslawien). Arrest und Zwangsvollstreckung gegenüber Vermögen ausländischer Schuldner (BRB vom 24. Oktober 1939). Zu Art.l BRB: Wohnsitz in der Schweiz hat unter Umständen auch ein Ausländer mit blosser Toleranzbewilligung. Zu Art. 2 BRB :
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