BGE 60 III 152
BGE 60 III 152Bge29.05.1934Originalquelle öffnen →
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~chuldbetreibullgs. lmd Konkursrecht. No 40.
darüber BGE ;56 III S. 96), nichts gemeinsames mit der
Iietzinssperre hat, die ja schon vor einem allfälligen Ver-
wertungsbegehren
zu Abschlagsverteilungen führen kann
(vgl. Art. 95 VZG, den WOLFER a.a.O. übersieht). Wenn
es den übrigen Gläubigern durch die Bewilligung der
Nachlasstundung verwehrt wird, irgendwas zu tun, um
den Schuldner in der Verfügung über seine Aktiven zu
beschränken, soweit es nicht (durch Pfandung, Güter-
verzeichnis) schon vorher geschehen ist, so ist nicht ein-
zusehen,
warum dies den Grundpfandgläubigern bezüglich
der Mietzinsforderungen gleichwohl ermöglicht werden
sollte. Freilich
wird der Vorsprung der Grundpfandgläubi-
ger, die bereits vor der Nachlasstundung betrieben haben,
gegeuüber nicht betreibenden durch die Nachlasstundmlg
erheblich vergrössert; dafür wird aber mindestens unter
den noch nicht betreibenden Grundpfandgläubigern der
durch Art. 806 ZGB ermöglichte rangstörende Wettlauf
durch die Nachlasstundung ausgeschlossen.
Demnach erkennt die Schuldbetr. u. Konkurskammer :
Der Rekurs wird abgewiesen.
40. Entscheid vom aa. September 1934 i. S. Buchmann.
Im K a n ton L uze r n kann bezüglich der b e t r e i b u n g s -
rechtlichen Liegenschaftsverwertung eine
einheitliche B e s c h wer tl e gegen Betreibungs· und Kon-
kursamt geführt werden (Erw. 1).
Wird eine b e t r e i b u n g s r e c h t I ich e L i e gen s c ha f t s-
steigerung trotz Bestreitung einer ins
Lastenverzeichnis aufgenommenen Las t ohne weiteres
abgehalten, so kann nicht erst gegen die Zuteilung des auf
diese Last entfallenden Teiles des Erlöses im Verteilungsplan
Beschwerde geführt werden (besonders nicht vom Bestreitenden,
der die Liegenschaft selbst ersteigert hat (Erw. 2).
Das B e t r e i b u n g sam t darf in die Rechnung über die
Gebühren der Ver wal tun gun d Ver wer tun g
ein e r L i e gen s c h a f t für i m T a r i f nie h t
vo r gese hene Verr ich t. u nge n je nach Umständen
Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. N° 40.
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bei besonderer Mühewaltung angemessene Ge b ü h ren ein-
stellen, gegen welche dann Beschwerde geführt werden kann
(Erw. 3 a).
Von den 0 f f i z i e 11 e n F 0 r m u I are n g r 0 s sen F 0 r -
m
a t e s muss auch für die G e b ü h r von 80 Rappen eine
Seite ausgefüllt und darf sie nicht nur mit 720 Buchstaben
beschrieben werden (Erw. 3 b).
Verläuft die Li e gen s c h a f t s s te i g e ru n ger g e b n i s -
los, sind jedoch 1\1 i e t z ins e n eingezogen worden, so
dürfen daraus nicht die Verwert.ungskosten gedeckt, sondern
müssen sie gemäss Art. 114 VZG verteilt werden und ist jedem
daraus nicht vollgedeckten Grundpfandgläubiger ein Auszug
aus dem Ver t eil n n g s p I an zuzustellen. Ge gen
r e c h t s w i d r i g e Ver t. eil u 11 g kann auch noch nach
deren Yollzug Be s c h wer d e geführt werden. VZG Art. 48
Abs. 2, 102, 111 Abs. 2, 1l2, 114, Anleitung dazu Ziff. 28
(Erw.4).
Dans le canton de Lucerne, la realisation des immeubles dans Za
poursuite peut etre attaquee dans une plmnte unique, dirigee
a Ia foiR contre I'office des pOllrsuites et contre I'office des
fail1ites (consid. I).
Si, dans une poursuite, l'immeu bZe eSl1·cndu m(.$ encheres, l1onobstant
le fait qu'une des chargcs llscrites a I'etat des (,harges est
contestCe, l'interesse ne doit pas attendre l'etabliEsement du
t.ableau de distribution, et se cont.enter de porter plainte contre
l'att.ribution d'un dividende au beneficiaire de cette charge,
surtout lorsque Ie plaiguants'est lui-meme rendu acquereur
de l'immeuble (consid. 2).
Dans le compte des frais relatif a Z'administmtion el a Za realisation
d'un immeuble, l'office des poursuites est en droit de fair<'
ligurer des emoluments equit.ables pour les operations non
prevues
au tarif, lorsque sa Mohe a et8 particulierement impor-
tante ; ces emolument.s sont fixes suivant les circonstances ;
ils peuvent etre attaques par la voie de la plainte (consid. 3 a).
L'emolument de 80 cts. vaut pour toute une page, meme dans
Ies formules officielles de grand format; I'office ne peut se
contenter de remplir lesdites pages avec 720 leHres (consid. 3 b).
Si les encheres immobilieres n'ont pas de resultat, mais que, dans
l'intervalle, l'office ait peryll des foyers, ceux-ci ne doivent. pas
servir a couvrir les frais de realisation ; au contraire, ils doivent
etre diBtribues conformement a I 'art. 114 ORI, et chaque
creancier qui n'est pas entierement desinteresse par ce moyen
doit recevoir un extrait du tableau de distribution. Une repar-
tition contraire a la loi peut etre attaquee, meme apres qu'elle
a eM effectuee. Art. 48 a1. 2, 102, III a1. 2, 112, 1l4, ORI,
et 28 Inst·r. ad ORI (consid. 4).
AB 60 Irr -1934
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154 Schuldbetreibungs-und Konkursrecht_ No 40_ Nel Cantone di bucerna, la realizzazione dei fondi nella proeedura di esecuzione pUD essere impugnata eon unieo reclamo diretto vuoi eontro ) 'uffieio di eseeuzioni vuoi contro l'uffieio dei fallimenti (consid. I). Se, in un' esecuzione,10 stabile e venduto all'incanto benehe uno degli oneri iseritto all'eleneo sill. contestato, non si deve aspettare per rec1amare I 'allestimento deI piano di riparto e limitarsi ad impugnare l'assegno di un dividendo al titolare dell'onere : ein vale anzitutto per il reclamante acquirente deI fondo (consid. 2). Nel conto delle spese relative aU'aministrazione ed alla realizzazione di uno stabile (fondo), l'ufficio di esecuzione pUD iserivere un equo emolumento per operazioni non previste dalla tariffa, ove siano specialmente importanti. Questi emolumenti sono da determinarsi secondo i easi e possono essere oggetto di reclamo (consid. 380). La tassa di fr. 0,80 vale per tutta una pagina, anehe nei moduli officiali di gran formato : l'uffieio non pUD limitarsi 80 riempire siffatti moduli soltanto eon 720 lettere (eonsid. 3 b). Se l'incanto di un fondo e injruttuoso, ma, nell'intervallo, l'ufficio ha incassato degli affitti, questi non possono servire 80 eoprire 1e spese: debbono essere distribuiti in eonformita den 'art. 114, RRF, e ad ogni ereditore, ehe non sia completamente tacitato, dovra essere intimato un estratto deI piano di riparto. Un riparto contrario alla legge puc, essere impugnato anehe dopo ehe la distribuzione sia stato effettuata (art. 48, 801. 2, 102, 111 a1. 2, 112, 114 RRF e 28 istruzione ad RRF (eonsid. 4). A. -Der Rekurrent hob am 24. August 1932 Betreibung auf Grundpfandverwertung der Liegenschaft Fluhmühle 26 in Littau an. Im Laufe des Jahres 1933 wurde die Liegen-· schaft auf das Verwertungsbegehren eines nachgehenden Grundpfandgläubigers hin auf erste und zweite Steigerung gebracht, welche jedoch ergebnislos verliefen. Daraufhin stellte der Rekurrent Ende November 1933 das Verwer- tungsbegehren, welches vom Betreibungsamt an das im Kanton Luzern zu Liegenschaftsversteigerungen einzig zuständige Konkursamt zur Vollziehung weiter geleitet wurde. Das Konkursamt sah in den am 6. Januar 1934 aufgelegten Steigerungsbedingungen vor : « Der Ersteigerer hat Anspruch auf den Mietzinsbezug seit 1. Dezember 1933» und nahm in das am 4. Januar mitgeteilte Lasten- verzeichnis als durch vorgehendes gesetzliches Pfandrecht Schuldbetreibungs-und Konkursrecht_ N° 40. 155 gesicherte Forderung der Wasserversorgung Littau-Reuss- bühl Wasserzins seit Mitte 1931 bis Ende 1933 nebst Ver- zugszinsen im Betrage von 251 Fr. 45 Ots. auf. Am 8. Ja- nuar schrieb der Rekurrent an das Konkursamt : {( Lasten- verzeichnis ... Ziffer 6. Möchte Sie hier anfragen, ob es zulässig sei, im Jahre 1934 noch Wasserzins vom Jahre 1931 als grundpfandrechtlich belasten 1 Ist es wirklich zu- lässig, so weit zurück? JJ Das Konkursamt antwortete am 11. Januar: « Auf 1. Januar 1934 wollte der Herr Gemein- deammann die Wasserleitung abschliessen. Ich erklärte, sämtliche ausstehenden Zinse werden nach Durchfüh- rung der Steigerung bezahlt, sofern er von der bezüg- lichen Bestimmung des Reglementes keinen Gebrauch mache. Es lag dies sicher im Interesse des Ersteigerers. Das gesetzliche Pfandrecht für diese Wasserzinsforderung könnten Sie kaum mit Erfolg bestreiten ... J) Am 17. Ja- nuar schrieb der Rekurrent dem Konkursamt : «( Ich halte meine Beanstandungen des Lastenverzeichnisses be- züglich des Wasserzinses und der Verzugszinsen vom Wasserzins in allen Teilen aufrecht ... Ich muss mir daher in dieser Beziehung alle Rechte wahren.)J Am Steigerungs- tag, 18. Januar, unterzeichnete der Rekurrent folgende Erklärung: (( Die Steigerungsbedingungen zur heutigen Grundpfandverwertung ... werden ausdrücklich aner- kannt ... » Der Zuschlag wurde auf das Angebot des Rekurrenten erteilt. B. -Auf die Zustellung des Verteilungsplanes hin, laut welchem die erwähnten Wasserzinse aus dem Zu- schlagspreis zu decken sind, führte der Rekurrent gegen das Betreibungsamt und das Konkursamt Beschwerde mit den Anträgen:
156 Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. No 40. 3. auf Herabsetzung der Gebühren-und Auslagenrech- nung um 95 Fr. 35 ets. C. -Die kantonalen Aufsichtsbehörden haben nur den dritten Beachwerdeantrag zum Teil gutgeheissen. D. -Den Entscheid der kantonalen Aufsichtsbehörde vom 28. Mai 1934 hat der Rekurrent an das Bundesgericht weitergezogen. Die Schuldbetreibungs-und Konlmf/l'skammel' zieht in Erwägung ;
158 Hchuldbetreibungs. und Konkursrecht. Xo 40. gelten lassen, :und zwar wesentlich in Anwendung von Art. 53 des Gebührentarifs. Freilich ist diese Bestimmung über die PauSchalgebühr nur zugunsten der Konkurs- ver wal tun g (und des Gläubigerausschusses) aufge- stellt, nicht auch zugunsten des Betreibungsamtes bezw. des an dessen Stelle handelnden Konkursamtes. ~n dessen lässt sich nicht verkennen, dass auch die betrei- blmgsamtliche Liegenschaftsverwertung dem Betreibungs- amt Bemühungen verursacht, wie hier für Auskünfte, oder für das Vorzeigen der Liegenschaft, für die es keine tarif- mässige Gebühr verlangen kann, jedoch honoriert zu werden verdient. In dieser Beziehung weist daher der Gebührentarif eine eigentliche Lücke auf, die in analoger Anwendung von Art. 53 GebT dahin auszufüllen ist, dass das Betreibungsamt für die im Tarif nicht vorgesehenen Verrichtungen je nach Umständen bei besonderer Mühe- waltung eine aussertarifarische Gebühr beziehen darf. Dagegen lässt sich nicht wohl analog anwenden der zweite Teil jener Vorschrift, wonach die Höhe dieser Gebühr im einzelnen Falle von der Aufsichtsbehörde auf Grund der Akten festgesetzt wird. Im Konkursverfahren findet diese Vorschrift ihre Begründung aus mehreren Gesichts- punkten: Es wird sich öfters um bedeutende Summen handeln. Die Festsetzung muss vor der Inangriffnahme der Verteilung erfolgen, ansonst die ganze, eine grosse Zahl· von Gläubigern umfassende Verteilungsoperation nach- träglich in Frage gezogen werden könnte. Wollte sich die Konkursverwaltung eine zu hohe Vergütung aneignen, so hätten die einzelnen, von dieser Zuschlagsgebühr nur anteilsmässig betroffenen I.onkursgläubiger kaum ein genügendes Interesse zur Beschwerdeführung (ausser wenn die Pauschalgebühr oder ein Teil dafür dem Konto Lie- genschaftsverwertungs- oder verwaltungskosten zu be- lasten und daher vom Ersteigerer oder letzten Grundpfand- gläubiger allein zu tragen ist). Bei der betreibungsrecht- lichen Liegenschaftsverwertung ist es gerade umgekehrt : Von aussertarifarischen Gebühren wird einzig der Er- Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. No 40. 159 steigerer 0 der allfällig der letzte Grundpfandgläubiger ode r der betreibende Gläubiger betroffen, roe daher gegebenenfalls ein genügendes Interesse zur Beschwerde- führung haben. Es besteht kein Bedürfnis, die Streitfrage auszutragen, bevor das Betreibungsamt die Gebühren- rechnung gleichzeitig mit dem Verteilungsplan oder der Verteilungsliste auflegt, da der Austrag der Sache einzig zur Folge hat, dass der Ersteigerer sich von der geleisteten Baranzahlung mehr oder weniger Verwertungskosten abziehen lassen, m.a.W. nachträglich noch umsoweniger nachbezahlen muss oder etwas zurückerhält, bezw. dass dem betroffenen Gläubiger weniger vom Erlös zugeteilt werden kann. Meist werden so geringe Summen in Frage kommen, dass es sich nicht rechtfertigt, deswegen die Auf- sichtsbehörde zu behelligen, ausser wenn dann eine förm- liche Beschwerde geführt wird. Daher ist dem angefoch- tenen Entscheid grundsätzlich darin beizustimmen, dass das Konkursamt gegebenenfalls Anspruch auf ausser- tarifarische Gebühren erheben kann, wogegen ja vor Bundesgericht auch nichts mehr eingewendet wird vom Rekurrenten, der nur die Höhe bestreitet. Indessen hängt diese einesteils von Annahmen tatsächlicher Natur ab und wird sie andernteils wesentlich durch das Ermessen bestimmt, in welchen Beziehungen das Bundesgericht keine Überprüfungsbefugnis hat (vgl. Art. 19 SchKG im Gegensatz zu Art. 17 und 18). Posten 2 und 14 sind daher stehen zu lassen. b) Da die Gebühr für die dritte und jede folgende Seite des Lastenverzeichnisses gemäss Art. 31 GebT 80 Rappen beträgt, hat die Vorinstanz Art. 3 Abs. 2 zur Anwendung gebracht, wonach, wenn eine Gebühr nach der Seitenzahl zu berechnen ist, jede angefangene Seite als halbe Seite zählt und eine Seite wenigstens 24 Zeilen umfassen und jede Zeile durchschnittlich wenigstens 30 Buchstaben enthalten soll. Mit dieser Bestimmung ist aber nur gesagt, dass als fortlaufende Seite (im Gegensatz zur letzten Seite) nicht weniger als 720 Buchstaben gezählt
160 Schuldbetreibungs-und Konkursrecht. N° 40. werden dürfen, dagegen nicht, dass für 80 Rappen unter keinen Umständen eine Mehrleistung über 720 Buchstaben hinaus geford~rt werden dürfe. Handelt es sich um die Ausfüllung eines obligatorischen Formulars grossen For- mats (wie hier mit 36 Zeilen), so muss eben dieses Formular für 80 Rappen ausgefüllt werden und l;:ann insbesondere nicht zugestanden werden, dass grundsätzlich nur 24 Zeilen oder dann die Zeile grundsätzlich mit weniger als 30 Buchstaben beschrieben werde, weil auf diese Weise dem Zweck des grossen Formates, die übersichtliche Zusammen- fassung auf möglichst wenige Seiten, zuwidergehandelt würde. Deswegen kommt das Betreibungsamt nicht zu kurz, und am allerwenigsten ein luzernisches Konkursamt -wegen der dortigen Hypothekenzersplitterung -, weil vom Lastenverzeichnis immer eine Anzahl Durchschläge gemacht werden müssen, die mit 80 Rappen per Seite reichlich honoriert werden, weil ferner häufig inmitten der Zeilen und vor dem Schluss der Seiten abgebrochen werden muss, um mit einem neuen Rechnungsposten auf der folgenden Zeile bezw. Seite zu beginnen, und weil bestim- mungsgemäss nach jedem Posten eine Zeile leer zu lassen ist für die Neuberechnung der laufenden Zinsen auf die zweite Steigerung hin oder die Einstellung eines erst seit der ersten Steigerung verfallenen Zinses. Das vor- liegende Lastenverzeichnis erweckt nun den Eindruck,· dass es zum Schaden der Übersichtlichkeit auseinander- gezerrt, m. a. W. dass Raum vergeudet worden ist durch unzählige leere Zeilen, vor allem auch zur Hervorhebung von Überschriften oder zur Markierung von Abschnitten, als ob diese sonst nicht trotz Unterstreichen bezw. Be- zifferung bemerkt würden. Was auf den 8 % Seiten für grundpfandversicherte Forderungen auseinandergezogen worden ist, hätte ungepresst auf 5 Seiten zusammengefasst werden können und sollen, zumal da sich die Bemerkung über die sog. {( fahrenden» Forderungen von selbst ver- steht, weil sie eben nicht grundpfandversicherte sind. Von den in die Rechnung eingestellten bezw. bereits berich- Schuldbetreibungs-und Konkursrecht. No 40. 161 tigten 134 Fr. 80 ets. sind daher 39 Fr. 20 Cts. zu streichen. 4. -Ebensowenig können folgende Entscheidungs- gründe der Vorinstanz gebilligt werden: « Dem Rekur- renten fehlte die Legitimation zUr Anfechtung der Ver- waltung während des ersten, nicht vom Rekurrenten ver- anlassten Verwertungsverfahrens. Die Frage, ob die Mietzinserträgnisse richtig verwendet worden seien, bedarf deshalb keiner nähern Prüfung mehr, weil die Verwendung den Steigerungsbedingungen entspricht und die Steigerungs- bedingungen vom Rekurrenten anerkannt sind. Darnach hat er Anspruch auf den Mietzinsbezug seit 1. Dezember 1933 ; nachdem sich der Rekurrent durch seine Erklärung vom 18. Januar 1933 hiemit abgefunden hat, steht es ihm nicht mehr zu, sich über die Verwendung der vor 1. De- zember 1933 eingegangenen Mietzinse zu beschweren». Hieran ist nur soviel richtig, dass der Rekurrent die Steigerungsbedingung : « Der Ersteigerer hat Anspruch auf den Mietzinsbezug seit 1. Dezember 1933 » nachträg- lich nicht mehr anfechten kann, obwohl sie ganz rechts- widrig ist, nämlich gegen VZG Art. 102 und 48 Abs. 2 Schlussatz verstösst, wonach (im Zeitpunkt der Verstei- gerung) schon eingezogene und noch ausstehende f ä I - I i g e· Erträgnisse dem Ersteigerer nicht zugewiesen werden dürfen. Übrigens ist nicht ersichtlich, welchen Unterschied die Anwendung oder Nichtanwendung dieser Steigerungsbedingung für den Rekurrenten ausmachen könnte, nachdem er ja selbst der Ersteigerer geworden ist und als solcher von jener Bestimmung gleichviel profitiert, wie sie den Grundpfandgläubigern entzieht. Kann aber der Rekurrent als Ersteigerer auf die vor dem
162 Schuldbetreibungs-und Konkursrecht. No 40_ wirksam gebäeben ist und daher der ordnungsgemässen Verteilung der früheren Mietzinse nicht im Wege steht. Auf ältere Mietzinse könnte der Rekurrent zunächst unter dem Titel Anspruch erheben, dass er von der Anhebung seiner Grundpfandverwertungsbetreibung an gemäss Art_ 91 ff. VZG die Mietzinsen hätte sperren lassen; indessen ist solches aus den vorliegenden Akten, die nicht hinter den l. Dezember 1933 zurückgehen, nicht ersichtlich, und kann nur durch Herbeiziehen der frühem Betreibungsakten beurteilt werden. Aber auch wenn es zu einer Mietzinsen· sperre während des Vorverfahrens zugunsten des Rekur- renten nicht gekommen ist, so haben die Mietzinsen doch vom Betreibungs-oder Konkursamt eingezogen werden müssen, seitdem der nachgehende Grundpfandgläubiger das Verwertungsbegehren gestellt hatte, und zwar gemäss Art. 114 VZG, wonach, wenn mehrere Grundpfandgläu- biger zu verschiedenen Zeiten das Betreibungsbegehren gestellt haben, für die nach Stellung seines Begehrens IaIlig werdenden Mietzinsen derjenige das Vorrecht hat, der den bessern Rang hat, und zwar so, dass der Reinerlös der bis zur Verwertung eingegangenen Mietzinse dem darauf berechtigten betreibenden Grundpfandgläubiger für seine Forderung zuzuweisen ist ohne Rücksicht dar- auf, ob der Erlös des Grundstückes ihm genügende Dek- kung bieten würde (vgl. Abs. I). Wieso das Konkursamt diesen Art. 114 VZG für <Jie Heranziehung der eingezo- genen Mietzinsen zur Deckung der Verwertungskosten ausspielen kann, ist ganz unerfindlich. Zudem schreibt Art. III Abs. 2 VZG für den hier eingetretenen Fall, dass die Betreibung wegen ungenügenden Angebotes ergebnislos war, ausdrücklich vor, dass der Reinerlös der Erträgnisse des Grundstückes den betreibenden Pfandgläubigern zu- zuweisen ist. Und nach Art. 28 der Anleitung zur VZG hat die Aufstellung des Verteilungsplanes für die Pfand- gläubiger auch dann zu erfolgen, wenn das Grundstück nicht zugeschlagen werden konnte und lediglich die Erträgnisse zu verteilen sind. Kenntnis vom Verteilungs- Schuldbetreibungs-und Konkursrecht. No 40. plan wurde dem Rekurrenten nicht gegeben, weil er als «vollgedeckter Pfandgläubiger» im Sinne von Art. 112 VZG und Ziffer 28 der Anleitung zur VZG angesehen wurde. Allein bei ergebnisloser Steigerung bleibt ja infolge Fehlens eines deckenden Angebotes die Deckung, zu der es entweder einer Barzahlung oder einer Schuld- übernahme bedarf, regelmässig aus (es wäre denn, dass ausnahmsweise einmal ein Pfandgläubiger aus den einge- zogenen Mietzinsen ganz befriedigt werden könnte). Solange der Rekurrent, trotzdem er Betreibung angehoben hatte, und nachdem Mietzinsen eingezogen worden waren, auf die er vor dem ihm im Range nachgehenden Pfand- gläubiger einen Anspruch erheben konnte, nur einen Teil seiner Forderung oder nichts durch die Mietzinserträg- nisse gedeckt erhielt, durfte ihm daher die bezügliche Verteilungsoperation nicht vorenthalten werden. Die Nichtzustellung des Formulars VZG Nr. 20 bedeutet eine Rechtsverweigerung, mit deren Rüge der Rekurrent nicht verspätet ist. Die Zustellung ist daher nachzuholen, und binnen 10 Tagen seit der Zustellung wird der Rekurrent dann eine neue Beschwerde führen können mit dem Ziel, dass ihm von den eingezogenen Mietzinsen ein bestimmter Betrag nachträglich zuzuteilen sei, der ihm vom Betrei- bungsamt oder Konkursamt zu vergüten sein wird unge- achtet der im Widerspruch zu den angeführten Vor- schriften bereits erfolgten Verwendung derselben zur Deckung von Kosten der resultatlosen Verwertung, die dem nachgehenden Grundpfandgläubiger zur Last fallen, der sie veranlasst hat, jedoch erst hinter dem Rekurrenten Anspruch auf die Mietzinsen hatte, mindestens für die seit Stellung des frühem Verwertungsbegehrens fällig gewordenen Mietzinsen (vgl. JAEGER, Note 6 am Schluss zu Art. 5 SchKG). Vorbehalten bleibt natürlich der Fall, dass ein Pfandgläubiger besseren Ranges ebenfalls Be- treibung angehoben und hieraus ein Vorrecht auf den Mietzins vor dem Rekurrenten erlangt hätte; dafür würde er aber aus dem Steigerungsangebot des Rekurrenten
164
ehuldbetreibungs. und Konkursrecht. No 4L
umsoweniger :Deckung beanspruchen können, so dass der
Rekurrent aus der richtigen Verteilung der Mietzinse doch
einen
indirekten Vorteil ziehen müsste.
5.
-Soweit Betreibungs-oder Konkursamt den Miet-
zinseinzug bezw. die Vermietung
an zahlungsfähige
Mieter
versäumt haben sollte, steht dem Rekurrenten nur
eine bei den Zivilgerichten anhängig zu machende Scha-
denersatzklage gegen
den betreffenden Beamten zu
(Art. 6 SchKG).
Demnach erkennt die Schuldbetr.-u. Konkurskamme:r :
Der Rekurs wird teilweise dahin begründet erklärt, dass
a) die Verwertungskostenrechnung um weitere 39 Fr.
20 Cts. gekürzt und
b) das Konkursamt angewiesen wird, Verteilungsp1an und
Kostenrechnung über die frühere ergebnislose Ver-
wertung samt der Abrechnung über die damals ein-
gegangenen
Erträgnisse während zehn Tagen zur
Einsicht des Rekurrenten aufzulegen und ihm hievon
mit Formular VZG Nr. 20 Anzeige zu machen.
Im übrigen wird der Rekurs abgewiesen.
41. Entscheid vom 27. September 1934 i. S. Gobet.
Wi dersp r u 0 h sv er fahr en. Wird eine Saohe gepfändet,
die ein Dritter unter E i gen turn s vor b e haI t gekauft
hat, so kann dieser Dritte nioht (zunächst Eigentumsanspraohe
und) erst naohträglioh naoh Ablauf von zehn Tagen seit Kennt-
nis von der Pfändung R e t e n t ion san s p r a 0 h e er-
heben (Erw. 1).
Eine D r i t t ans p r a 0 h e kann nioht bloss b e d i n g t für
den Fall erhoben werden, dass eine andere (von einem Vierten
erhobene) Drittanspraohe abgewiesen werden sollte (Erw. 2).
Revendicaticm. -Lorsque la saisie porte sur une ohose qu'un tiers
a aohetee sous reserve de proptt'iete, oe tiers n'est pas reoevable
8. revendiquer tout d'abord un droit de proprieM et seulement
aprils coup un droit de retention, une fois expire le delai de dix
jours des oelui ou il a en connaissanoe de la saisie (oonsid. 1).
Schuldbetreibungs. und Konkursrecht. No 41.
165
La revendioation du tiers ne peut etre formee oonditicmneUem.ent,
soit pcur le oas seulement oula revendioation d'un autre tiers
serait rejetee (consid. 2).
Rivendicazione. -Allorohe il pignoramento colpisce una oosa
comperata da un terzo con un patto di riEerva della proprietA,
questo terzo non puo revendioare in prima linea un diritto
di proprieta. e solo in seguito (spirato il termine di dieoi giorni
da quello in oui ebbe notizia deI pignoramento) un diritto di
ritenzione (consid. 1).
La. rivendioazione deI terzo non puo essere proposta in via even-
tuale, (·ssis. solo pel oaso in oui la rivendioazione d'un altro
terzo dovesse essere respinta (consid. 2).
Ä. -Am 29. Mai 1934 schlossen Hans Nydegger, Bau-
handlanger, und A1bin Buser, Bautechniker, eine Verein-
barung ab, der zu entnehmen ist : « Parteien haben gemäss
Vergleich... das erwähnte Bau-und Schalmaterial ...
schätzen lassen. Diese Schatzung des
Baumaterials ist
2700 Fr. Der Betrag, der von Herrn A. Buser dem Herrn
H. Nydegger zu bezahlen ist, beträgt demnach 2700 Fr ....
Der Verkäufer Herr H. Nydegger behält sich das Eigen-
tum an dem Baumaterial bis zur vollständigen Bezahlung
des
Baumaterials vor. Herr H. Nydegger ist berechtigt,
den Eigentumsvorbehalt im Eigentumsvorbehaltsregister
eintragen
zu lassen. »
Dieses also im Besitze des Buser befindliche Gerüstholz
wurde am 4. Juli vom Betreibungsamt Bern in einer Be-
treibung des Rekurrenten Gobet gegen C. Mira gepfändet,
worauf Buser sofort mündlich und am 7. Juli schriftlich
Eigentumsansprache erhob.
Am 31. Juli liess Buser dem Betreibungsamt schreiben,
dass er « auf seine geltend gemachte Eigentumsansprache
an den in Frage stehenden Pfandobjekten verzichtet, da
er die betreffenden Sachen von Nydegger unter Eigentums-
vorbehalt erworben hat, und dieser bis zur heutigen Stunde
noch nicht gelöscht worden ist~ Aus diesem Grunde kann
im Widerspruchsverfahren nur der Verkäufer Nydegger
als Eigentümer seine Rechte wahren. Für den Fall, dass
Gobet in dem in Aussicht stehenden Widerspruchsverfahren
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