BGE 60 II 59
BGE 60 II 59Bge19.01.1931Originalquelle öffnen →
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Prozessrecht. Xo 12.
bedeutet. Der fundamentale Unterschied aber ist der,
dass dieser Effekt nicht die Folge eines autorativen Aktes
der Staatsewalt ist, sondern auf einem privatrechtlichen
Vertrag der Parteien beruht, durch den diese ihre Bezie-
hungen einer neuen Regelung unterwerfen. Diese bietet
aber für die materielle Richtigkeit keine grösseren Garan-
tien, als dies bei jedem andern Vertrag des Privatrechtes
der Fall ist. Denn die bIosse Beurkundung des Vergleiclles
durch das Gericht ersetzt dessen materielle überprüfung
nicht ; mit dem materiellen Inhalt des Vergleiches befasst
sich der Richter in der Regel wenigstens nicht. Nur
wegen der prozessualen Form, in die der Vergleich ge-
kleidet ist, ihn mit derselben Endgültigkeit und Unan-
fechtbarkeit auszustatten wie ein Urteil, kann aber un-
möglich der Wille des Gesetzes sein. Es muss daher ange-
nommen werden, dass Art. 78 Absatz 2 BZP trotz seines
allgemeinen
Wortlautes in Wirklichkeit nur die Gleich-
stellung hinsichtlich der Vollstreckbarkeit im Auge hat,
wie dies verschiedene kantonale Zivilprozessordnungen
deutlicher aussprechen, während die vertragliche Natur
der durch den Vergleich herbeigefülIrten Prozesserledigung
dadurch nicht berülnt wird. Als Vertrag zur Regelung
der privatrechtlichen Beziehungen der Parteien kann
aber auch der Vergleich aus. Gründen des Zivilrechtes
nichtig oder anfechtbar sein, und es muss alsdann auch·
auf die Feststellung seiner Unverbindlichkeit geklagt
werden können (vgl. zu dies'er Frage: ROSENBERG, Lehr-
buch des deutschen Zivilprozessrechtes 3. Auflage 1931,
artige Natur des Vergleiches bestimmte Einschränkungen
bestehen dabei allerdings, auf die später einzutreten
sein wird.
An dieser vertraglichen Natur des Vergleiches mit allen
ihren Konsequenzen wird nichts geändert durch die
Tatsache, dass die Verhandlungen, die zum Vergleich
fülIrten, nicht ausschliesslich zwischen den Parteien ge-
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fülIrt wurden, sondern dass die gerichtliche Instruktions-
kommission dabei mitwirkte und verschiedene Vergleichs-
vorschläge
ausarbeitete, deren letzter dann von den Par-
teien angenommen wurde. Einmal ist dieser Vorschlag
nicht vom Gericht selbst, das zur Beurteilung des Streites
berufen gewesen wäre, sondern von den mit der Prozess-
instruktion betrauten Gerichtsmitgleidern ausgegangen.
Södann stellt sich auch ein solcher richterlicher Vorschlag
nicht als eine endgültige' Ansichtsäusserung über die
Ansprüche
dar, die rechtlich von einer Partei an die andere
gestellt werden könnten, sondern soll, wenn schon die
vorläufige
Abschätzung des wahrscheinlichen Prozessaus-
ganges dabei mit eine Rolle spielt, doch in erster Linie
dazu dienen, den Rechtsfrieden zwischen den Parteien
ohne eine urteilsmässige Erledigung herzustellen. Wie
für die Parteien, so steht daher auch für den beim Vergleichs-
abschluss
mitwirkenden Richter nicht so sehr, wie beim
Urteil, der Rechtsschutzgedanke im Vordergrund, als
vielmehr
eben dieses Streben nach der Herstellung des
Rechtsfriedens.
13.
Arret da 1a Ire SeeUon civile du 20 ferner 1934
dans la cause Perrollaz
contre Societ8 des Meuniars da la Suisse romande.
Le recours en reforme est irrecevable contre le jugement. d'un
tribunal ordinaire qui admet la competence d'un tnbunaJ
arbitral pour juger le litige (art. 58 et 56 OJ.).
Attendu que la socieM demanderesse ,a actionne le
defendeur par exploit du 4 septembre 1930 devant le
Tribunal de premiere instance de Geneve aux fins de faire
juger qu'il y avait lieu de constituer le tribunal arbitral
prevu par une convention du 22 fevrier 1928 et de nommer
trois arbitres charges de statuer sur diverses reclamations
p6cuniaires
qu'elle formait contre Perrollaz,.
Prozess:recht. X· 13. que le defendeur a conelu a liberation, en deelinant la juridiction arbitrale parce qu'il ne serait plus membre de la Societe des :Meuniers et en soutenant subsidiairement ll'avoir adhere ~a ladite convention et, partant, a la elause compromissoire que par suite d'une erreur provoquee par le dol de la partie adverse, que, jugeant la' causa en dernier ressort, la Cour de .Justice civile du Canton de Geneve, par arret du 27 octo- bre 1933, a deelare la clause compromissoire valable en tous points et deboute le defendeur de son opposition a la procedure arbitrale, que le defendeur a recouru en reforme contre cet arret au Tribunal federal en reprenant ses conclusions, Considerant que, dans son arret du 23 mai 1933 en Ja cause City Cinema A.-G. contre Interna Tonfilm Ver- triebs-A.-G. (RO 59 II p. 187 et sv., J. des T. 1933 p. 567), le Tribunal federal a confirme sa jurisprudence instauree par l'arret RO 41 II p. 537 et SV., d'apres lequel n'est pas un jugement au fond au sens de l'art. 58 OJ combine avec l'art. 56 le jugement d'un tribunal ordinaire qui admet la competence d'un tribunal arbitral pour juger un certain litige, qu'un pareil jugement ne statue en effet point sur le fond de la contestation qui divise les parties, mais tranche une simple question de juridiction, . que la clausa compromissoire contenue dans une con- ...-ention a un caractere proceaural et que, par consequent, sa validite doit etre jugee en vertu du droit cantonal, qu'il n'y a pas de motif pour revenir sur cette juris- prudence qui concorde avec la maniere de voir des autres sections du Tribunal federal, le Tribunal jifUral declare le recoursirrecevable. EIektrizitätshaftpflicht. XO 14. V. ELEKTRIZITÄTSHAFTPFLICHT RESPONSABILlTE CIVILE EN :MATIERE D'INSTALLATIONS ELECTRIQUES 14. Auszug aus dem Urteil der II. Zivi1a.bteilung vom 9. Februar 1934 i. S. Sulzer-Geiger gegen Schweizerische Eidgenossenschaft. 61 EIe k tri z i t ä t s ha f t P f li c h t: Art. 27 fi. ElG gelten nur für Unfälle (und Sachschäden), die sich beim Betrieb und nicht auch für solche, die sich beim Bau von Stark- und Schwachstromanlagen ereignen. Am 23. April 1931 verunglückte in Safenwil der Sohn der beiden Kläger, Walter Sulzer, Elektriker. Sulzer hatte am 19. Januar 1931 mit der Kreistelegraphen- direktion III in Olten einen Vertrag abgeschlossen, durch den ihm Telephonfreileitungsbauten übertragen wurden. . Der Unfall ereignete sich, als Sulzer eine Leitung erstellte, die eine Hochspannungsleitung des aargauischen Elektrizitätswerkes kreuzen musste. Der Draht kam dabei mit der Hochspannungsleitung in Berührung, was den sofortigen Tod Sulzers zur Folge hatte. Mit der vorliegenden Klage verlangten die EItern Sulzers von der Eidgenossenschaft Schadenersatz und Genugtuung. A'U8 den Erwägungen : Die Kläger berufen sich für ihre Forderungen auf Art. 27 EIG. Allein diese Vorschrift gilt gemäss ihrem klaren Wortlaute nur für Unfälle, die sich beim B e tri e- be einer Schwach-oder Starkstromanlage ereignen. Von Unfällen anlässlich des Baues einer solchen Anlage ist darin nicht die Rede, im Gegensatz zum Eisenbahn- haftpflichtgesetz,das nach Art. I ausdrücklich sowohl
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