BGE 58 I 356
BGE 58 I 356Bge19.03.1931Originalquelle öffnen →
:.l5G Verwi11tungs. und Disziplinarrechtspfu>ge. 59. Urteil vom 94. November 1982 i. S. J. St. gegen S. B. B. (l'ensionsDsse).
358 Verwaltungs. ll,nd Diszipliruu'rechtspHege.
die Wahlbehörde hiebei auch die Frage des Selbstverschul-
dens
im Hinblick auf Art. 14 Abs. 1 der Statuten mit
verbindlicher Wirkung für die Kassenorgane entscheiden
könnte, enthalten die Statuten keinen Anhaltspunkt. Es
handelt sich dabei nicht um die der Wahlbehörde vor-
behaltene Frage, ob die Voraussetzungen für Kassen-
leistungen
überhaupt gegeben sind (Art. 24 Abs. 1 und 2 ;
25 Abs.
1; 40 Abs. 1; 41 Abs. 1 der Statuten, in Verbin-
dung mit Art. 55 BO II), sondern um die Höhe der zu
gewährenden Leistungen in Fällen, wo die grundsätzliche
Leistungspflicht der Kasse feststeht, also um die Anwen-
dung der Statuten im Kassenbetriebe. Diese ist aber
Sache der Kassenbehörden, nicht der Wahlbehörde.
Die Kreisdirektion als
Wahlbehörde konnte allerdings
anlässlich
der Überweisung des Klägers an die Pensions-
kasse einen
Vorbehalt betreffend die Anwendung des
Art. 14 der Statuten anbringen, um den Versicherten
auf die Möglichkeit· einer Kürzung der Pension von
vorneherein aufmerksam zu machen .. Ein derartiger Hin-
weis greift aber dem Entscheide der zuständigen Organe
nicht vor.
Es ist daher davon auszugehen, dass die Frage des
Selbstverschuldens, soweit sie die
Höhe der Pension
beeinflussen
kann, von den Kasseorganen beurteilt wird,
welche
darüber selbständig befinden. Diese Organe sind
die Hilfskassenkommission (Art. 10 des Kassenreglemen-
tes ) und die Generaldirektion, welche, in ihrer Eigenschaft
als Kassenorgan, die Beschlüsse der genannten Kommission
auf Statuten-und Gesetzmässigkeit nach Massgabe von
Art. 12 des Kassenreglementes überprüft. Die General-
direktion hat im vorliegenden Falle den Beschluss der
Hilfskassenkommission aufgehoben, weil sie ihn für sta-
tutenwidrig hielt, was sie zum Eingreifen und zu eigener
Entscheidung in der Angelegenheit berechtigte.
2.
-Nach Art. 14 Abs. 1 der Kassenstatuten « können))
die
(statutarischen) Leistungen der Pensions-und Hilfs
kasse bis auf die Hälfte gekürzt werden, wenn die Invali-
Beamtenrecht. N0 59.
35H
dität eines Versicherten die Folge groben Selbstverschul-
dens
ist. Diese Anordnung ist jedenfalls nicht dahin zu
verstehen, dass es im freien Belieben der Kassenorgane
liege,
die Bestimmung anzuwenden oder nicht. Schon im
blick auf eine gleichmässige Behandlung der davon
Betroffenen muss angenommen werden, es sei der Sinn
dieser Bestimmung, dass eine Kürzung der Pension
grundsätzlich einzutreten habe, wenn die Voraussetzung
dafür, selbstverschuldete
Invalidität, vorhanden ist, wobei
allerdings die Möglichkeit
nicht ausgesQhlossen werden
soll,
von einer Kürzung der Pension ausnahmsweise
abzusehen,
wenn wichtige Gründe hiefür sprechen. Die
Kürzung der Pension hat aber die Regel zu bilden, von
der nicht ohne Grund abgewichen werden soll.
Die Gründe,
mit denen die Hilfskassenkommission die
Anwendung des
Art. 14 Abs. 1 der KassenstatuteIl
abgelehnt hat, sind nicht geeignet, diese Massnahme zu
rechtfertigen. Dass Alkoholismus medizinisch als Krank-
heit angesehen wird und unter Umständen auf einer
krankhaften Veranlagung beruht, kann nicht dazu
führen, den Beamten, der sich der Trunksucht hingibt,
als hiefür
nicht verantwortlich zu erklären. Das Bundes-
gericht hat mehrfach festgestellt, dass Alkoholismus einen
Grund für die disziplinarische Entlassung des Beamten
bilden kann (Urteile vom 18. Juni 1931 i. S. Bovard, nicht
publiziert, und vom 3. November 1932 i. S. B., S. 349
hievor). Auch die fensionskürzung nach Art. 14 Abs. 1
der Kassenstatuten bei vorzeitiger Invalidität infolge von
Alkoholisus wurde als zulässig bezeichnet (Urteil vom
19. März 1931 i. S. Fürst, nicht publiziert). In allen diesen
Fällen wurde ein Verschulden des Beamten angenommen.
Nach den Feststellungen des bahnärztlichen Dienstes
ist die vorzeitige Invalidität des Klägers zum Teil als
Folge seiner
Trunksucht anzusehen. Es spielen dabei
zwar auch andere Einflüsse mit ; doch darf ein Anteil der
Trunksucht am heutigen körperlichen Zustande des
Klägers
nach Schätzung des Bahnarztes von 30-40 %.
360 Verwaltungs· und Disziplinarrechtspfiege. nach derjenigen des Oberbahna.rztes von mehr als 50 Q/ /Q' angenommen werden. Aus dem Berichte des Oberbahn- arztes geht hervor, dass der Kläger, unter der Voraus- . setzung sa.chgemässer ärztlicher Behandlung seiner zur Zeit tatsächlich bestehenden körperlichen Gebrechen, nicht als dauernd invalid angesehen werden müsste, wenn er sich zu vollständiger Alkohol-und Nikotin- abstinenz und zu strenger Diät entschliessen könnte. N aeh den bisherigen Erfahrungen fehlt ihm aber dazu die Einsicht und der erforderliche gute Wille. Er hat demnach als invalid zu gelten, was auch die Auffa.ssung des von. ihm beigebrachten Privatgutachtens ist. Die Anna.hme, dass die vorzeitige Invalidität durch den Alkoholismus mitbedingt ist, wird durch da.s erwähnte Gutachten nicht entkräftet. Dieses äussert sich, aller- dings nur in sehr unbestimmter Weise, dahin, da.ss die verminderte körperliche Leistungsfähigkeit des Klägers auch unabhängig vom Alkohol entstehen konnte; da.ss der Einfluss des Alkohols auszuschliessen wäre, ist darin nicht gesagt. Die vorzeitige Invalidität ist, soweit sie auf dem Alko- holismus des Klägers beruht, verschuldet. Den Bahnakten ist zu entnehmen, da.ss der Kläger seit langer Zeit stets von neuem auf die Unvereinba.rkeit seiner Neigung zum Trinken mit seiner Stellung als Bahnbeamter hingewiesen worden ist, dass er eine AlkohoJentwöhnungskur durch- gemacht hat und dass er wegen Trunkenheit im Dienst mehrfach disziplinarisch bestraft worden ist. Wenn er trotz allen diesen Massnahmen den seiner Gesundheit schädlichen Alkoholgebrauch nicht aufgegeben hat, ist es richtig, ihm die . Verantwortung für dessen Folgen zuzu- schreiben. Sein Verschulden ist ein grobes im Sinne der Statuten, da er in den la.ngen Jahren, in denen er im Bahndienste stand, hätte einsehen müssen, da.ss er durch sein pflichtwidriges Verhalten seine Gesundheit untergräbt. Bei dieser Sachlage durfte die Hilfskassenkommission die Kürzung der Pension nur ablehnen, wenn erhebliche Gründe für eine Ausnahme von der Regel vorlagen. Solche Gründe sind aber yon der Kommission nicht angeführt worden und ergeben sich auch nicht aus den Akten. Daf; Lebens-und das Dienstalter des Klägers mag vielleicht, bei der Bemessung der Kürzung in Betracht gezogen' werden, was offenbar im Entscheide der Generaldirektion in der Weise geschehen ist, dass die Kürzung nicht höher als auf 10 % bestimmt wurde. Ein Verzicht auf die Kürzung kann damit nicht begründet werden. Die Kür- zung muss ja nach Massgabe der Statuten gerade deshalb vorgenommen werden, weil der Kläger aus Gründen, die er zu verantworten hat, schon mit 58 statt erst mit 65 oder 70 Jahren dienstuntauglich geworden ist. Seine Dienstzeit ist, wie übrigens auch sein Vorrücken vom Bremser zum Zugführer, ein Beweis für die Langmut der Verwaltung, die ihn trotz seiner vielfachen Verfeh- lungensolange im Dienst behalten und auch Beförderungen nicht abgelehnt hat. Beruht demnach die vorzeitige Invalidität auf einem groben Selbstverschulden des Klägers, und bestehen keine Gründe für eine Ausnahme von der in solchen Fällen als Regel geltenden Pensionskürzung, so war die General- direktion verpflichtet, den Entscheid der Hilfskassen- kommission als statutenwidrig aufzuheben und die Sache selbst zu entsoheiden. Demnach erkennt das Bundesgericht : Die Klage wird abgewiesen. OFDAQ Offset-, Fonnular-und Fotodruck AG 3000 Bem
Programmgesteuerter Zugriff
API- und MCP-Zugriff mit Filtern nach Quellentyp, Region, Gericht, Rechtsgebiet, Artikel, Zitat, Sprache und Datum.