BGE 53 II 35
BGE 53 II 35Bge19.11.1926Originalquelle öffnen →
34 Obligationellrccht. N° 8. Klage; eventuell sei der Beklagten nur zu verbieten, ihre Firma in gleicher Aufmachung zu führen, wie die Klägerin. ·Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
36 Obligationenrecht. N° 9. geschäft, verbunden mit einem Schuhbandel. Er schuldete dem Schuhhändler Fritz E. in Langnau 6000 Fr., und musste im Herbst 1924 dem Sohn desselben, Paul E., eröffnen, dass er diese Schuld nicht zahlen könne, und dass auch ein Nachlassvertrag, um den er sich bemüht habe, nicht zustandekomme. Paul E. anerbot sich hierauf, um den Konkurs zu vermeiden, beim Beklagten, Notar E. in Langnau, anzufragen, ob dieser dem Ferdinand L. ein Darlehen gewähren würde. Am 12. Dezember 1924 kamen Ferdinand L. und Paui E. zum Kläger (dem ersterer auch zirka 7000 Fr. schul- dete), und teilten ihm unter Vorlegung einer Aufstellung mit, Ferdinand L. könne mit dem vom Beklagten zu gewährenden Darlehen von 16,000 Fr. seine Gläubiger mit 30% abfinden. _ Am 12. bezw. 14. Dezember 1924 gab der Beklagte das Darlehen im Betrage von 16,000 Fr., und als Solidar- bürgen unterzeichneten den Schuldschein Fritz L. und ein J oseph N. Der Beklagte erhielt vom Hauptschuldner Ferdinand L. einen Verteilungsplan zur Auszahlung der 16,000 Fr. ; in demselben war der Name des Klägers nicht enthalten, wohl aber derjenige von Vater E., mit 6000 Fr. Gemäss dieser Liste wurden die Auszahlungen vom Beklagten vollzogen, so dass also Fritz E. mit dem vollen Betrag seiner Forderung befriedigt wurde. Am 4. März 1925 wurde über Ferdinand L.der Konkurs verhängt: in diesem kam der Kläger mit seiner Forde- rung gänzlich zu Verlust, und auch das Darlehen des Beklagten blieb ungedeckt. B. -Am 20. März 1925 erhoh der Kläger bei der Bezirksanwaltschaft Zürich Strafklage gegen Ferdinand L. und Paul E. wegen Betruges. Er beschuldigte sie, ihn zur Eingehung der Bürgschaft dadurch verleitet zu haben, dass sie ihm erklärten, die Zustimmung sämt- licher Gläubiger zu einem Nachlassvertrag mit einer Obligationenreebt. N° 9. 87 Dividende von 30% sei vorhanden, und· daher sei auch die Auszahlung von 30% an die Forderung des Klägers gesichert. Die Staatsanwaltschaft sistierte jedoch die Untersuchung, weil ein sicherer Nachweis dafür, dass man den Kläger bezüglich der beabsichtigten Verwen- dung der 16,000 Fr. getäuscht habe, nicht erbracht sei. C. -Mit Zahlungsbefehl vom 16. März 1925 hat der Beklagte den Kläger für den Betrag von 16,000 Fr. aus der Bürgschaft betrieben; der Kläger hat das Be- gehren um provisorische Rechtsöffnung anerkannt, dagegen die vorliegende Aberkennungsklage eingeleitet, mit dem Rechtsbegehren, die Forderung des Beklagten von 16,000 Fr., nebst 6% Zinsen seit 12. Dezember 1924, sei abzuerkennen. Zur Begründung machte der Kläger geltend: Die Bürgschaft sei nach Art. 28 OR, eventuell nach Art. 24 Ziff. 4 OR aufechtbar. Denn Paul E. habe gewusst,· dass er nur unter der Voraussetzung die Bürgschaft übernommen habe, dass ein Nachlassvertrag zustande komme. Er habe sich nicht· damit einverstanden erklärt, dass E. voll ausbezahlt werde. Dass Vater und Sohn E. von dieser « Bedingung )) gewusst haben, ergebe sich auS den Strafakten, und der Beklagte habe seinerseits vom Sachverhalt Kenntnis gehabt. Eventuell liege ein wesent- licher Irrtum beim Kläger darin, dass kein Nachlass- vertrag zustandegekommen, sondern Ferdinand L. in Konkurs gefallen sei. Endlich sei die Bürgschaft deswegen ungültig, weil ein Darlehen, das dem Schuldner zu dem Zwecke gewährt werde, die Gläubiger ungleichmässig in einem aussergerichtlichen Nachlassvertrag zu befrie- digen, unsittlich sei und die Bürgschaft als Akzessorium zu dem ungültigen Darlehen mit diesem stehe oder falle. D. -Das Obergericht Zürich hat unterm 19. November 1926 erklärt: « Die Klage wird, soweit sie nicht aner- kannt ist, abgewiesen und daher dem Beklagten für den Betrag von 14,593 Fr. 55 Cts. definitive Rechtsöffnung erteilt. ))
38 . Obligationenrecht. N° 9. E. -Gegen dieses Urteil hat der Kläger die Berufung an das Bundesgericht erklärt, mit dem Antrag auf Auf- hebung und auf Gutheissung der Klage in vollem Um- fange. Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
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Obligationenrecht. No 9.
abfinden, geeignet war, ihn zur Eingebung der Bürg-
schaft zu veranlassen; das genügt zum Beweis des
Kausalzusammenhangs
und wird nicht widerlegt durch
die weitere Erklärung des Klägers in der Strafunter-
suchung, dass
er den Bürgschaftsakt nicht unterzeichnet
haben
würde, wenn er das Warenlager des Ferdinand
den Kläger die Zusicherung
der Zahlung von 30% seiner
Forderung massgebend gewesen sei, so kann
man doch
nicht dazu gelangen,
in der dadurch bei ihm erzeugten
Vorstellung eine, objektiv betrachtet,
« notwendige
Grundlage
» des Bürgschaftsvertrages im Sinne des Art.
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OR zu erblicken: bei objektiver Betrachtung musste
es durchaus nicht als _unverständlich erscbeinen, dass
der Kläger den Bürgschein unterzeichnete, auch wenn
er dabei nicht von der Bedingung ausging, dass allen
Gläubigern,
und vor allem ihm selbst, 30% seiner For-
derung
unverkfuzt werden ausbezahlt werden. Um eine
solche Bedingung oder Voraussetzung des Klägers brauchte
sich der Beklagte
nur zu kümmern, wenn sie ihm bekannt
war, oder nach Treu und Glauben hätte bekannt sein
müssen, m. a. W. wenn
ihm die Vorspiegelung, auf
welche der Kläger baute, bekannt oder erkennbar
gewesen wäre, der Beklagte also
inbezugauf die be-
hauptete absichtliche Täuschung als bösgläubiger
Dritter
im Sinne des Art. 28 Abs. Ü OR erschiene. Diese Vor-
aussetzung fällt aber angesichts der oben erwähnten,
vom Kläger in der obergerichtlichen Verhandlung abge-
gebenen Erklärung dahin,
so dass die Irrtumseinrede
abgewiesen werden muss.
3. -Ebenso erweist sich die
auf Art. 20 OR in Ver-
bindung mit Art. 314 SchKG gegründete Einwendung,
der Darlehensvertrag sei nichtig, womit auch die Bürg-
schaft dahinfalle, als unstichhaltig. Die Frage, ob die
Vorschrift des Art. 314
SchKG auf den vom Bruder des
Klägers angestrebten Nachlassvertrag überhaupt An-
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wendung finde, braucht nicht erörtert zu werden. Jeden-
falls folgt aus dieser Vorschrift zunächst nur, dass die
Versprechen des Schuldners, die
er seinen Gläubigern
gegenüber gegeben, und
mit denen er ihnen mehr zuge-
sichert
hat, als was ihnen nach dem Nachlassvertrag
gebührt, nichtig sind.
Damit auch das Darlehen, das der
Beklagte dem Bruder des Klägers gegeben
hat, nichtig
erklärt werden könnte, müsste vorliegen, dass dieses
Darlehen zu dem Zwecke gegeben worden sei, eine gesetz-
widrige Begünstigung einzelner Gläubiger herbeizu-
führen. Allein, wie bei Art. 66
OR (der hier nicht zu-
trifft, da es sich nicht
um eine Rückforderung aus un-
gerechtfertigter Bereicherung handelt),
ist auch bei der
Anwendung des Art. 20
OR mit VON TURR (OR I 382)
zu sagen, dass der Grundsatz, wornach dasjenige, was
in der Absicht, einen rechtswidrigen oder unsittlichen
Erfolg herbeizuführen, gegeben wurde, nicht zurückge-
fordert werden kann,
nur auf solche Leistungen anzu-
wenden ist, welche
zur Belohnung einer zugesagten oder
in Aussicht gestellten verbotenen oder unsittlichen
Handlung gemacht werden, nicht dagegen auf Zuwen-
dungen, die nach
der Verabredung der Parteien an den
Leistenden zurückgegeben werden sollen.
Im übrigen
wäre der ersten Instanz darin beizustimmen, dass die
Absicht des Beklagten, an der ungleichmässigen Befrie-
digung der Gläubiger des Ferdinand L. beizutragen,
in
keiner Weise dargetan ist.
Demnach erkennt das Bundesgericht :
Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des
Obergerichts des
Kantons Zürich vom 19. November
1926 bestätigt.
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