BGE 49 I 555
BGE 49 I 555Bge01.01.1918Originalquelle öffnen →
STAATSRECHT -DROIT PUBLIC I. WASSERRECHTSKONZESSIONEN. CONCESSIONS DE DROITS D'EAU 66. Urteil vom 16. Dezember 1923 i. S. Xanton trnterwal4en ob dem Wald gegen Elektrizitätswerk Luern-Ingelberg A.-G. Art. 2 Abs. 1, 3 und 17 WRG. Abgrenzung zwischen Ver- leihung im Sinne der beiden ersten und blosser Polizei- erlaubnis im Sinne der letzten Bestimmung. Die im Kanton Obwalden für Stauvorrichtungen und andere Anlagen zur Benützung der 'Vasserkraft einzuholende « Konzession. hat auch bei den sogenannten Privatgewässern im Hinblick auf Art. 1 Abs. 2 WRG und die Bedingungen und Auflagen, die der Regierungsrat nach dem kantonalen Wassergesetz mit der Bewilligung verbinden darf, Verleihungscharakter. Begriff der Streitigkeiten über c Rechte und Pflichten aus dem Verleihungsverhältnis » nach Art. 71 WRG. Bedingte Pro- rogation auf das Bundesgericht als einzige Instanz erblickt darin, dass der Beliehene auf die vom Verleiher beim Bundesgericht angehobene Klage dessen Zuständigkeit nur mangels VorIiegens einer Verleihung und einer Streitigkeit über Rechte und Pflichten aus dem Verleihungsverhältnis bestreitet, dagegen I.Ücht verlangt, dass beim Zutreffen bei der Voraussetzungen der Kläger zunächst an den kantonalen Richter gewiesen werde. -Keine Rückwirkung von Art. 58 Abs. 1 'VRG auf zwischen dem 25. Oktober 1908 und dem 31. Dezember 1917 erteilte Verleihungen, die eine längere Verleihungsdauer vorsehen. Bedeutung von Art. 51 ebenda für solche ältere Verleihungen. Er kann nur zur Folge haben, dass vom Beliehenen ein höherer Wasserzins, Iills der bei dieser Berechnungsweise nach Art. 49 sich ergebende nicht mehr gefordert werden darf, lässt dagegen eine im Ver- leihungsakte vorgesehene abweichende Berechnungsweise, bei der sich keine höhere oder eine niedrigere Zinsleistung ergibt, unberührt. Begehren, dass der Beliehene, der ge- AS '9 I -1923 38
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Staatsrecht.
wisse Anlagen innert der konzessionsmässigen Baufrist
nicht erstellt hat, den Vermögenswert. den sie dargestellt
hätten, zu versteuern. eventuell die durch die ichterstel
Jung dem Gemeinwesen entgehende Sleuerlelstung als
Schadenersatz zu entricllten habe, Abweisung. "
': ' ,
A. -Am 19. Juni 1901 hat der Regierungsrat des
Kantons Übwalden dem Verwaltungsrat der Elektrischen
Bahn Stansstad-Engelberg und dem Kantonsrat Hess-
Waser in Engelberg zu
Handen einer zu bildenden Ak-
tiengesellschaft die Konzession erteilt, das Wasser des
Erlenbaches zwischen Engelberg
und übermatt für Er-
richtung einer Wasserwerkanlage und für die Erzeugung
elektrischen, Stroms nach den eingereichten Plänen und
Berichten auszunützen. Die Dauer der Konzession be-
trug 60 Jahre. Die Konzessionäre wurden verpflichtet
für die sechs alten Gemeinden von übwalden den not-
wendigen elektrischen
Strom abzugeben. Die in übwalden
verwendete
Kraft sollte taxfrei sein. Für die ausser den
Kanton geleistete Kraft waren jährljche Pauschaltaxen
festgesetzt. Am 31. Mai
1905 wurde die Konzession mit
Bezug auf die Stromlieferungspflicht dahin abgeändert,
dass der
Strom für die sechs alten Gemeinden an das
Elektrizitätswerk Kerns zu liefern war, zu bestimmten
Bedingungen und bis zur
Erstellug eines Elektrizitäts-
werkes
am Lungernsee. Rechte' und Pflichten aus der
Konzession sind
an das Elektrizitätswerk Luzern-Engel-
berg A.-G. (eine Gründung
der-Stadt Luzern) übertragen
worden, das
mit Kaufvertrag vom 31. Dezember 1907
von Eugen Hess-'Vaser die ihm gehörenden, dem
Werk
dienenden Grundstücke und privaten Wasserrechte er-
warb.
Seither hat die genannte Gesellschaft (im Folgenden
als
«( Elektrizitätswerk ») bezeichnet) von der Alpgenos-
senschaft Trübsee
in Stans den auf Nidwaldner Gebiet
gelegenen Trübsee
mit Umgelände erworben und am
22. Dezember 1913 vom Regierungsrat von Nidwalden
die Konzession
zur Ausnützung des Sees nebst Zu-und
Abflüssen für die Gewinnung elektrischer Energie, ins-
besondere auch zur
Stauung und Senkung des Seespiegels
Wasserrechtskoslonen. N° 66. ;55.7
und zur Zuleitung nach einer· bei Engelberg zu erstellenden
Zentrale
erhalten; die Dauer dieser Konzession wurde
auf 100 Jahre festgesetzt und es waren dafür jährliche
nach der
Stauung des Sees zu berechnende Gebühren
zu entrichten.
In übwalden wurde zuerst zwischen der
Regierung und dem Verwaltungsrate des Elektrizitäts-
werkes
über die Erteilung einer besonderen Konzession
zur Ableitung des Trübenbaches, dem Abfluss des Trüb-
sees, der in seinem untern Teil die Grenze zwischen üb-
waIden und Nidwalden bildet, und zur Ausnützung des-
selben
in einer Kraftzentrale in Engelberg verhandelt.
Auf Anregung des Elektrizitätswerkes fasste
man dann
aber eine Verschmelzung der früheren Konzession von
1901
mit der neu zu erteilenden ins Auge. Bei den Ver-
handlungen darüber bestanden namentlich Meinungs-
verschiedenheiten
über die Dauer der einheitlichen Kon-
zession und über die Bestimmung des \Vasserrechtszinses.
Auf Grund der Verhandlungen wurde vom Regierungsrat
am 6. Juni 1914. in Abänderung des Konzessionsaktes
,vom 19. Juni 1901, die Konzession erteilt, und am 1a.
Juni vom Elektrizitätswerk angenommen, das Wasser
der Engelberger Aa, des Erlenbaches
und dasjenige des
Grenzbaches Trübenbach
(Stauung und Ableitung des
Trübsees) auf
der Gefällstufe Trübsee bis zur Zentrale
übermatt, soweit « das herwärtige Kantonsgebiet be-
schlagend
» in beliebiger Weise zur Erzeugung von elek-
trischem
Strom auszunützen, unter den in der Konzes-
sionsurkunde enthaltenen Bedingungen. Die
Dauer der
Konzession
beträgt 100 Jahre. Erneuerungsbegehren des
Konzessionärs und Rückkaufsbegehren des Konzedenten
sind fünf
Jahre vor, Ablauf anzumelden. Art. 4 Abs. 2
bestimmt: « Streitigkeiten, die aus dieser Konzession
entstehen sollten, entscheidet als einzige Instanz end-
gültig das schweizerische Bundesgericht.
» Nach Art. 5
hat die Konzessionärin für den gesamten Wert der auf
übwaldner Gebiet gelegenen Anlage die gesetzlichen
Staats-u. Gemeindesteuern zu entrichten. Art. 9 lautet:
558 Staatsrecht.
« Spätestens zwei Jahre nach GenehInigung der Baupläne
muss
mit dem Bau der Trübenbachausnützung begonnen
werden. Binnen fünf
Jahren, von untenstehendem Datum
. an gerechnet, muss die Anlage der Trübenbachausnt
zung. ausgenommen die Zentrale in Engelbrg und IDe
höhere Stauung des Trübsees als 4,5 m Im Betnebe
sein. » In den folgenden Bestimmungen ist die Verpflich-
tung der Konzessionärin zur Lieferung von Kraft an
das Elektrizitätswerk Kerns neu geordnet und die Pflicht
zur Abgabe einer bestimmten Strommenge nach Engel-
berg vorgesehen. Art. 17 setzt den zu entrichtenden
Wasserzins für verschiedene Zeitabschnitte fest.
Er
lautet: « Für jede installierte, an der Turbine gemessene·
Pferdekraft ist ein jährlicher Wasserrechtszins von 3 Fr.
an den
Staat Obwalden. zu entrichten. Die Zentrale
Engelberg ist so lange, als sie nur als Kraftreserve bei
Wassermangel und
Störungen für das Obennatterwerk
angesehen werden muss, zinsfrei. Der Bahngeneratr
wird zu 1/3' gleich 200 Pferdekräften berechnet. -BIS
zum Einbau einer weitem Maschinengruppe sind 25 %
und von da weg 20 % der nonnalen Leistung der Motoren
zinsfrei. -Beim gegenwärtigen
Stand der Installationen
von
4 Generatoren zu 2000 Pferdekräften sind also 6000
PferdekJ;äfte plus 200 Pferdekräfte wegen dem Bahn-
generator, somit
total 6200 Pferdekräfte zinspflichtig. -
Die nach Engelberg abgegebenen Jahrespferde sind zins-
frei,
und es wird deren Höhe' alle zehn Jahre jeweilen
für die folgende Periode von zehn
Jahren ennittelt. -
Spätestens vom Jahre 1925 an sind im Minimum 8000
Pferdekräfte zinspflichtig, d. h. der Wasserrechtszins
beträgt im Minimum 16.000 Fr. Vom Jahre 1955 an be-
trägt der Wasserrechtszins pro Pferdekraft 3 Fr. «( Nach
Art. 22 erlischt die Konzession:
a) Nach Ablauf der
Konzessionsdauer, falls nicht innert der vorgeschrie-
benen
Frist ein bezügliches Verlängerungsgesuch ge-
stellt
wird; b) wenn die Konzessionsinhaberin darauf
verzichtet;·
c) wenn die Anlage während 6 Jahren un-
Wasserrecbtakeazessionen. No 66. 559
unterbrochen nicht betrieben wird ; d) wenn die Wasser-
rechtszinsen während zwei. Jahren nidt bezahlt werden;
e) wenn den Bestimmungen dieser Konzession gröblich
zuwidergehandelt wird. » Art. 23 . lässt die Konzessions-
periode
mit dem Tage der Inbetriebsetzung der Druck-
leitung Trübsee-Engelberg, spätestens aber zwei Jahre
nach der Konzessionserteilung, beginnen. «Verzichtet
das Elektrizitätswerk Luzern-Engelberg auf die Erwer-
bung der Trübseewasserkraft. so fällt die Konzession
dahin
und verbleiben sodann die Akte vom 19. Juni 1001
und 31. Mai 1905 allseitig weiter in Kraft. »
Am 30. November 1915 stellte das Elektrizitätswerk
Luzern-Engelberg
an den Regierungsrat von Obwalden
das Gesuch. es möchte das Inkrafttreten der Konzession
vom 6.
Juni 1914 auf den Tag der Inbetriebsetzung des
neuen Kraftwerkes bezw. der Druckleitung Trübsee-
Engelberg verschoben und demnach möchten auch die
übrigen
in der Konzession vorgesehenen Termine ent-
sprechend hinausgeschoben werden. Das
Begehren wurde
damit begründet, dass äussere Umstände die Erstellung
der Anlage verzögert hätten. Der Regierungsrat ent-
sprach
in dem Sinne, dass die Konzession spätestens auf
den 6.
Juni 1918 in Kraft zu treten habe; dahin werde
der erste Absatz von Art.
23 abgeändert. Dagegen lehnte
er die Abänderung aller übrigen Termine der Konzession
ab. Mit Zuschrift vom
560 -Staatsrecht.
verunmöglicht, den Trübsee derzeit für die projektierte
Ausnützung auszubauen, da die Druckleitung nicht oder
nur zu unerschwinglichen Preisen beschafft werden
könnte und der herrschende Arbeitermangel zu den
grössten Schwierigkeiten führen würde
; da aber für den
kommenden
'Vinter unbedingt mehr Wasser zugeleitet
werden müsse, habe
man eine provisorische Lösung vor
gesehen in dem Sinne, dass' der Trübsee gestaut, das
Wasser aber im
Bette des Trübenbaches zu Tale geleitet;
auf bestimmter Höhe gefasst und mittelst einer Gravi-c
tationsleitung in den Weiher in Engelberg geführt werde;
ferner sei beabsichtigt das Winterwasser der Engeiberger
Aa dem Weiher zuzuleiten. Zugleich wurden die Pläne
für diese provisorische Lösung vorgelegt. Am 14. August
1917 erteilte der Regierungsrat die Bewilligung zur pro-
visorischen Wasserzuführung in die Zentrale Obermatt
aus dem Trübsee und aus der Engelberger Aa gemäss
dem vorgelegten Projekte,
unter gewissen Bedingungen
darunter litt. c: « Das Elektrizitätswerk Luzern-Engelberg
hat dafür zu sorgen, dass seitens der Stadt Luzern bis
zur
-Inbetriebsetzung der fraglichen Zuleitungen die An-c
nahme der Konzession vom 6. Juni 1914 erklärt wird.
Auf den
Tag der Inbetriebsetzung tritt genannte Kon-
zession in Kraft und es wird damit auch die in Art. 21
festgesetzte Konzessionsgebühr von 10,000 Fr: fällig.
n
In einer Eingabe an den Regierungsrat vom 21. Sep-
tember
1917 setzte der Verwaltungs rat des Elektrizi-
tätswerkes neuerdings auseinander, dass wegen äusserer
Umstände' die Erstellung der Druckleitung Trübsee-
Engelberg noch nicht unternommen werden könne
und
schlug vor, es solle der Beginn der Konzession auf -den
Zeitpunkt der Inbetriebsetzung dieser Leitung festge-
setzt und dIe in Art. 9 Abs. 2 vorgesehene Baufrist ge-
srichen werden. Nach konferenziellen Verhandlungen
beschloss der Regierungsrat
am 10. April 1918, dem Ge
suche des Elektrizitätswerkes um Erstreckung des Zeit-
punktes für das Inkrafttreten der Konzession werde
Wasserrechtskonzessionen. N° 66. 561
nicht entsprochen; dagegen werde die in Art. 9 Abs. 2
der Konzession vorgesehene Frist betreffend
Inbetrieb.;. ,
setzung der Anlage um zwei Jahre, d. h. bis 10. April
1920 hinausgeschoben, im übrigen bleibe der Wortlaut
der Konzession vom 6. Juni 1914 bestehen. Der Verwal';
tungsrat des Elektrizitätswerkes antwortete mit Zuschrift
vom 3. Juni 1918, er werde sich dem Entscheide vom
10. April fügen müssen, bemerkte aber, dass die um
zwei Jahre hinausgeschobene Baufrist nicht genügen
werde, wie schon
jetzt vorauszusehen sei. Es möchte
daher diese
Frist wenigstens bis zum 6. Juni 1922 er;.,
streckt werden. Gleichzeitig wurde die Konzessionsge-
bühr ,bezahlt. Der Regierungsrat beschloss am 20. Juli,
auf das erneute Gesuch des Elektrizitätswerkes dermalen
nicht einzutreten und die bezügliche Eingabe
unbeant-
wortet zu lassen.
In einer Zuschrift an das Elektrizitätswerk Luzern-
Engelberg vom 25. September 1922 stellte die Baukom-
mission des Kantons Obwalden das Begehren, dass die
Dauer der Konzession vom
6. Juni 1914 von 100 auf 80
Jahre herabgesetzt werde, unter Verweisung auf Art. 58
Abs. 1 des inzwischen erlassenen Bundesgesetzes
,über die
Nutzbarmachung
der Wasserkräfte vom 22. Dezember
1916, der nach Art. 24 bis BV und Art. 74 des Bundes ..
gesetzes rückwirkend für die seit dem 25. Oktober 1908
erteilten Konzessionen gelte. Ferner wurde in dieser Zu-
schrift festgestellt, dass das Elektrizitätswerk mit der
Ausnützung des Trübenbaches seit
10. April 1920 im
Verzug sei, was u. a. folgende 'Nachteile
mit sich bringe t
Vom Datum des Verzuges an bestehe die Steuerpflicht
bezw. die Schadenersatzpflicht für entgangene
und ent-
gehende Steuern; durch die Trübseeanlage werde zudem
die Höhe des Obwalden zu zahlenden Wasserzinses be-
einflusst. Die Nichtausführung wesentlicher Teile des
Wasserwerks verstosse auch gegen Art. 22
der Kon ..
zession., dessen Anwendung im Falle des Scheiterns
einer Einigung vorbehalten werde. Ferner stimme Art.
'17
562 Staatsrecht. der Konzession betreffend Berechnung des Wasserzinses mit Art. 51 des Bundesgesetzes nicht überein. Auch diese Bestimmung habe rückwirkende Kraft, wie sich aus 'Art. 74 und der eidgenössischen Verordnung über die Berechnung des Wasserzinses vom 12. Februar 1918 er- gebe. Die Berechnung müsse daher den neuen gesetz- lichen Bestimmungen gemäss geregelt werden und zwar so, wie wenn die Trübseeausnützung bereits erfolgt wäre. Zum Schluss wurde eine konferenzielle Behandlung zur Regelung der genannten Punkte vorgeschlagen. Das Elektrizitätswerk verhielt sich den Begehren von Ob- waIden gegenüber, laut Zuschrift vom 19. Oktober ab- lehnend, worauf die Baukommission in einer Erwiderung vom 5. Januar 1923 daran festhielt und neuerdings an- fragte, ob das Werk grundsätzlich bereit sei, auf dem Konferenzwege die Revision bezw. die Vollziehung des Konzessionsvertrages in dem oben angedeuteten Sinne in Erwägung zu ziehen, da ein weiterer Schriftenwechsel 'zu keinem Ziele führen könne. « Sollten Sie sich hiezu ablehnend verhalten, d. h. weder zu einer teilweisen Re- vision des Konzessionsvertrages, soweit er mit eidge- nössischem Recht in Widerspruch steht, Hand bieten, noch den Verzug hinsichtlich der -Erfüllung von Art. 9 Abs. 2 anerkennen, so müssten wir uns vorbehalten, den Rechtsweg zu betreten.» Das Elektrizitätswerk ging hierauf nicht ein. B. -Mit'Klageschrift vom 4. Juni 1923 hat sodann der Regierungsrat des Kantons Obwalden als Vertreter des Kantons gegen das Elektrizitätswerk Luzern-Engel- berg beim Bundesgericht die Begehren gestellt : « 1. Es sei in Abänderung von Art. 1 des Konzessions- vertrages vom 6.115. Juni 1914 die Konzessionsdauer von hundert auf achtzig Jahre ohne Gegenleistung herab- zusetzen. eventuell sei letztere in einem von diesem Pro- zesse getrennten Verfahren festzusetzen. 2. Es sei die in Art. 17 des Konzessionsvertrages vor- gesehene Art der Berechnung des Wasserzinses seit Wasserrechtskonzessionen. N0 66. 563
Es sei der Wasserzins nach den jetzt geltenden eidg. Vorschriften, rückwirkend auf
564 Staatsrecht. Wasserrechtskonzessionen . vorbehalten; darunter falle die Konzession vom 6. Juni 1914 in ihrer Gesamtheit·; . da die Konzessionsbestimmungen betreffend die Kon- zessionsdauer und die Berechnung des Wasserzinses zwingenden Vorschriften des Bundesgesetzes, Art. 58 und Art. 51 in Verbindung mit Art. 23 der Verordnung des Bundesrates über die Berechnung des Wasserzinses widersprächen, seien sie damit in Einklang zu bringen. Für die Verkürzung der Dauer der Konzession sei eine Entschädigung nicht vorgesehen; von einem wohler- worbenen Rechte könne nicht gesprochen werden, weil die Konzessionärin beim Konzessionsabschluss den Vor';' behalt von Art. 24 bis Abs. 8 BV gekannt habe. Was die Art der Berechnung des Wasserzinses betrifft, so sei. nachdem feststehe, dass-die bundesrechtliche Berech- nungsweise angewendet werden müsse, das beklagte Werk zu verhalten, mit dem Kläger über die Neuberech- nung zu verhandeln; sollte eine Einigung nicht zustande- kommen oder das Werk sich mit dem vom Regierungsrat festgesetzten neuen Wasserzins nicht einverstanden er- klären, so werde in einem späteren Verfahren zu unter- suchen sein, ob und wie Art. 51 BG anwendbar sein werde; der Kläger habe ein Interesse an der begehrten Feststellung, da das Werk statt geforderter 24,400 Fr. nur 22,600 Fr, anerkenne. Der Verzug in der Ausführung der konzedierten Anlage bewir.ke, dass für die nicht aus- geführten Bauten die Steuerpflicht nach Art. 5 der Kon- zession bestehe oder doch wenigstens eine der Steuer- leistung entsprechende Schadenersatzpflicht, nach Ana- logie von Art. 97 OR ; die Nichtausführung sei nicht auf höhere GewaltzufÜckzuführen. C. -Das beklagte Elektrizitätswerk hat in der Ant- wort beantragt, auf die Klagebegehren 1 bis 3 sei wegen Unzuständigkeit des Bundesgerichts nicht einzutreten, eventuell seien diese Begehren wie auch die Rechtsbe- gehren 4 und 5 der Klage abzuweisen. Es wird zunächst in tatsächlicher Beziehung behauptet : der Verlängerung Wasserrecbtskonzessionen. N° 66. 565 der Konzessionsdauer von 60 auf 100 Jahre stünden hö- here Leistungen des beklagten Werkes gegenüber, näm- lich die einmalige Konzessionsgebühr von 10,000 Fr: Art. 21, die zeitliche Verlängerung der Stromliefe- rungspflicht nach Kerns und die eventuelle Festset- zung einer Loskaufsumme von 35,000 Fr., Art. 10, die unbeschränkte Fortdauer der Stromlieferungspflicht nach Engelberg zu den bisherigen, für die Beklagte ungünsti- gen Bedingungen, Art. 16, die Erhöhung des Wasser- zinses auf 12,400 Fr. für sofort und später, Art. 17 der Konzession ; der Kläger habe seit dem Inkrafttreten der neuen Konzession an Wasserzinsen bezogen: 1919 Fr. 12,458.35 statt Fr. 80001 1920 • 17,500.-8000 nach der Konzession 1921 • 23,000.-8000 von 1901. 1922 & 23,000.-• 10000 Allerdings seien in der neuen Konzession einige neue Befugnisse hinzugekommen, so betreffend den Obwaldner Anteil am TfÜbenbach und die Zuleitung der Engelberger Aa, die aber im Winter fast vollständig eingehe und nur zur Erzeugung beschränkt verkäuflicher Sommer- Energie verwendet werden könne. Diese neuen Berechti- guIigen vermöchten jedoch nur zu einem geringen Teile die Erhöhung des Wasserzinses zu rechtfertigen. ·Bei der Berechnung des letzteren handle es sich um unbe deutende Differenzen. Der Nichteintretensschluss wird damit begründet, dass es sicl) bei den betreffenden Begehren (1 bis 3), weil sie auf eine Aufhebung oder Schmälerung konzessionsmässiger Rechte der Beklagten gingen, nicht· um einen Streit im Sinne von Art. 4 Abs. 2 der Konzession und Art. 71 WRG handle· und hiefür nach Art. 43 des B'undesgesetzes über die Nutzbarmachung der Wasserkräfte der Bundesrat zuständig wäre, falls überhaupt eine Verleihung im Sinne des Bundesgesetzes vorläge. Aus den rechtlichen Aus- führungen zur Sache selbst ist . hervorzuheben : Die Kon- zession von 1914 be:ziehe sich auf Gewässer, die im Eigen
566 Staatareeht.
turn der Beklagten stünden, mit Ausnahme der Engel-
berger Aa. die ein öffentliches Gewässer sei. Bei jenen
Gewässern könne es sich nach Art. 27
und 33 des Wasser-
haupolizeigesetzes von Obwalden nicht um eine Verlei~
hung handeln, sondern nur um eine polizeiliche Erlaub-
nis. Die Verleihung
im Sinne des dritten Abschnittes
des eidg. Wasserrechtsgesetzes setze aber die volle
Dis-
positionsbefugnis der verleihenden Behörde über eine
Wasserkraft voraus, Art. 43
und 17 ff. 1. C., Urteil des
Bundesgerichts
i. S. Meyenberg gegen Zug vom 23. Dez.
1922. Auf die Wasserkräfte des Erlenbaches
und des
Trübsees fänden daher die Bestimmungen
der Art. 58
und
51 des Bundesgesetzes keine Anwendung. Und die
Engelberger Aa sei nicht geeignet, selbständig Gegenstand
einer Wasserrechtsverleihung zu werden. Die Konzession
sei ein vertragsähnliches Verhältnis. wie der Kläger denn
auch selber von einem Konzessionsvertrage rede.
Es
gehe nicht an, einzelne Bestimmungen als ungültig zu
erklären. unbekümmert um die Vertragstreue und die
auf Grund der Konzession dem Konzessionär obliegenden
Leistungen. Etwas derartiges könne nicht
im Willen
des eidgenössischen Gesetzes liegen.
In der Tat sei eine
Rückwirkung
im Sinne der Klage ·ausgeschlossen : Art.
24 bis As. 8 BV. der die Grundlage des Wasserrechts-
gesetzes bilde, schreibe
nur vor, dass in den Wasser-
rechtskonzessionen die künftige Bundesgesetzgebung vor-
zubehalten sei. Diesen Vorbehalt enthalte die Konzes-
sion von 1914 nicht. Wäre er aufgenommen worden, so
hätte das Werk die Konzession auch nur mit entspre-
chenden Vorbehalten angenommen. Die vorbehaltlos
erteilte Konzession könne nicht einer
mit Vorbehalt er-
teilten gleichgestellt werden. Sie habe der Beklagten
wohlerworbene Rechte verschafft. die
nur auf dem in
Art. 43 des Bundesgesetzes vorgesehenen Wege beseitigt
werden könnten. Überdies habe der Regierungsrat von
Obwalden auch noch nach
Inkrafttreten des Bundesge-
setzes die Konzessionsdauer von
100 .Jahren bestätigt,
Wasserrechtskonzessionen. N° 66. 561
insbesondere im Beschluss vom 10. April 1918: Sollte
dem Kläger das Recht zugestanden werden. die Dauer zu
verkürzen. so müssten gleichzeitig die konzessionsmäs-
sigen Gegenleistungen entsprechend herabgesetzt
werden,
was in einem besonderen Verfahren zu geschehen hätte.
'Vas den Wasserzins betrifft, so enthielten die eidge-
nössischen Bestimmungen
nur Maximalsätze. und gäben
den Kantonsregierungen keineswegs das Recht, die
kon-
zessionsgemäss vereinbarten Wasserzinse hierauf zu er-
höhen. Eventuell wären die betreffenden Bestimmunge.n
nur auf die. neu hinzugekommenen Wasserkräfte an-
wendbar. Durch die Bewilligung des Provisoriums vom
14. August 1917 habe der Kläger
auf die Erstellung einer
Druckleitung verzichtet, die
nur für die in Aussicht ge-
nommene Zentrale in Engelberg hätte dienen können ;
für die Erstellung der letzteren aber sei in der Konzession
keine
Frist gesetzt, das Provisorium dauere daher so
lange, bis diese erstellt sei.
Hätte aber auch eine solche
Frist bestanden und wäre sie von der Beklagten nicht
innegehalten worden, so habe man es dabei nicht
mit
einer Verpflichtung der Konzessionärin, sondern mit
einer Bedingung zu tun. Die Konzessionsbehörd könnte
höchstens die Konzession für verwirkt erklären, wenn
letztere dies vorsehe.
D. -
In der Replik wird bestritten, dass die Erhöhung
des Wasserzinses in der Konzession von 1914
mit der
Verlängerung der Dauer zusammenhänge; die beiden
Berechnungen könnten
überhaupt nicht mit einander
verglichen werden ;
da neue Kraft hinzugekommen sei,
ergebe wahrscheinlich die Konzession von 1914 gegenüber
derjenigen von
1901 objektiv einen niedrigeren Einheits-
preis für die ausnützbare Wasserkraft. Auch sei liicht
richtig, dass die Engelberger Aa
nur beschränkt ver-
käufliche Sommer-Energie liefere. Bezüglich der Dauer
der Konzession frage es sich gerade, ob wohlerworbene
Rechte vorliegen. Das habe das Bundesgericht zu
ent-
scheiden, und Art. 43 WRG treffe nicht zu. Das gleiche
568 Staatsrecht.,
gelte für die Berechnung des Wasserzinses. Hier frage es
sich ob nicht auch der
Bundesrat einschreiten könne
gemäss Art. 12 BG. Immer aber sei es ache ds Richters
. festzustellen, wie die alten KonzessIOnsbestImmungen
dem neuen Rechte anzupassen seien. Materiell wird vor-
gebracht: darauf, dass der Erlenbach und der Triiben-
bach Privatgewässer seien, letzterer übrigens ein durch
Kantonsratsbeschluss vom 27.
Januar 1913 unter öffent-
liche Aufsicht gestelltes Gewässer, komme nichts an.
Denn beide flössen in die Engelberger Aa oberhalb
der
Stelle, wo sich die Kraftzentrale befinde ; da wo sie aus-
genützt werden,
sien sie deshalb Bestandteil eines öffnt
lichen Gewässers. Für diese Ausnützung bedürfe es emer
eigentlichen Verleihung. Art. 24
bis Abs. 8 BV sei zwin-
gendes
Recht und gelte unabhängig davon, ob der Vor-
behalt der Bundesgesetzgebung
in eine Konzession auf-
genommen worden sei oder nicht. Auf der kantonalen
Wasserhoheit habe eben seit 1918 eine
Art Bundesgesetz-
gebungshypothek gelastet,
und die kantonalen Behörden
hätten daher nicht vorbehaltlos über ihre Gewässer ver-
fügen können. Bei den späteren Beschlüssen, aus denen
die Beklagte eine Anerkennung der Konzessionsdauer
von
100 Jahren und einen Verzicht auf das Recht, deren
Herabsetzung zu verlangen, herleite, sei die Frage der
Konzessionsdauer nicht untersucht worden. Übrigens
handle es sich eben um zwingende, nicht verzichtbare
Vorschriften. Auf eine Reduktion des Wasserzinses sei
in diesem Verfahren nicht einzutreten, wie denn auch
die Beklagte kein bezügliches Begehren stelle. Die
Um-
rechnung des Wasserzinses komme der Verleihungsbe-
hörde zu. Die Beklagte möge dann den Beschluss beim
zuständigen
Richter anfechten. Die Zuleitung des Triib-
seewassers nach Engelberg bilde nicht ein Teilstück der
dortigen Zentrale,
und die Bewilligung des Proviso~iums
habe an der Verpflichtung zur Erstellung der Dmckleltung
nichts geändert.
In Frage stehe eine wirkliche Verleihung,
die eine Einheit bilde. Die Verpflichtung
in Art. 9 Abs. 2
Wasserrecbtskonzessionen. N0 66.
569
I)ei ein Bestandteil derselben und müsse nach Annahme
der Konzession erfüllt werden. Es könne auch nicht auf
einen Teil der Konzession verzichtet werden.
E. -Die Duplik verweist zum Beweise für den be-
schränkten Nutzungswert der Engelberger
Aa auf das
Expertengutachten, das im erledigten Prozess
der glei-
chen Parteien
über die Benutzung des Grundwassers vom
Bundesgericht erhoben wurde.
Zur Unzuständigkeits-
einrede wird
daran festgehalten, dass weder Art. 4 Abs. 2
der Konzession noch Art.
71 WRG zutreffe. Das Bundes-
gericht habe auf Grund dieser Bestimmungen
nur über
Rechte und Pflichten aus der Konzession zu entscheiden,
wie sie erteilt wurde.
Wollte man sich mit Bezug auf
die Frage, ob öffentliches oder Privatgewässer, auf den
Standpunkt des Klägers stellen, so ergebe sich aus Art. 1
des kantonalen Wasserbaupolizeigesetzes, wonach die Aa
von zu hinterst
in den Eyen bis zum Schwibbogen bei der
Wegmatt öffentliches Gewässer sei, dass sie, da wo das
Gefälle beginne, nicht mehr diese Eigenschaft habe.
Der
Erlenbach sei im Jahre 1901 nicht als öffentliches Ge-
wässer angesehen worden, als
er noch ein Nebenfluss der
Aa war. Umsoweniger könne
ihm jener Charakter heute
zugebilligt werden, nachdem
er zu einer wasserrecht-
lichen Sonderexistenz gelangt sei. Ähnlich verhalte es
sich
mit dem Trübenbach; Über diese Gewässer habe der
Kanton Obwalden im Jahre 1914 nicht das Verfügungs-
recht besessen; deshalb liege in dieser Beziehung keine
Verleihung im
Sinne des Bundesgesetzes vor. Die Zu-
leitung der Aa aber sei nebensächlich gewesen. Höchstens
inbezug
auf sie könnte eventuell eine Anpassung an das
eidgenössische
Recht in Frage kommen, wenn ihr nicht
der mangelnde Vorbehalt
in der Konzession entgegen-
stünde.
Und auch hier könnte es sich nur um die Anwen-
dung von Art. 58, nicht der Art. 49
ff. WRG handeln,
weil es nicht möglich sei, aus dem Betrage des konzes-
sionsmässigen
Wasserzinses den Anteil der Aa-Zuleitung
auszuscheiden, und weil Art.
49 zu Gunsten der Elektri-
570 . Staatsrecht. zitätswerke ein Maximum des Wasserzinses festsetzte und die folgenden Artikel vorschrieben, wie zu rechnen sei, um zu bestimmen, ob es uberschritten sei, während vor- liegend das Maximum und dessen Berechnung keine Rolle spielten. Endlich wird dem Kläger neuerdings die Befugnis bestritten, die Erstellung der Druckleitung zu verlangen. Aus einer baupolizeilichen Bewilligung könne eine solche Verpflichtung nicht hergeleitet werden. Be- stunde sie, so wäre die Geltendmachung im vorliegenden Falle ein offenbarer Rechtsrnissbrauch. Das BunrIesgericht zieht in Erwägung: I. Inbezug auf die Klagebegehren 4 u. 5:
572 Staatsrecht auch nicht in· diesem Verfahren geltend zu machen. In diesem kann vielmehr nur eine Schadenersatzpflicht in . der Höhe des Steuerbetrages in Frage kommen, daraus hergeleitet, dass die Steuerleistung dem Kanton Obwalden wegen der Nichterstellung der Bauten entgehe. Allein im öffentlichen . Recht löst sich die Verpflichtung zu einem Tun bei Nichterfüllung nicht ohne weiteres in eine solche zu Schadenersatz auf, sondern jedenfalls nur da, wo dies vorgesehen ist oder sich aus der besonderen Natur des betreffenden Verhältnisses ergibt. Bei Wasser- rechtskonzessionen ist es nicht undenkbar, dass an die Nichterfüllung von Verpflichtungen des Konzessionärs eine Schadenersatzpflicht gegenüber dem Konzedenten geknüpft werde. Es müsste dies aber jedenfalls besonders vorgesehen sein, was hier .nicht zutrifft. Wo eine solche Bestimmung fehlt, bleibt es bei der natürlichen Folge der Nichtbeachtung der Konzessionsbestimmungen, dem Erlöschen oder Widerruf der Konzession. Ob und welche dieser Folgen hier allenfalls aus der . Nichterfüllung von Art. 9 Abs. 2 der Konzession hergeleitet werden können, ist nicht zu untersuchen, weil sich der Kläger nicht auf diesen Boden stellt. E<; braucht deshalb auch nicht er- örtert zu werden, ob man es bei jener Bestimmung mit einer Bedingung der Konzession .oder einer Auflage an den Konzessionär zu tun habe. Diejenige Folge aber, die die Klage an die Nichterfüllung knüpfen will, der Schaden- ersatzanspruch für entgangene Steuern, ist als völig un- begründet abzulehnen. Es besteht auch kein Anlass, dem Regierungsrat von Obwalden « die Anwendung des kan- tonalen Steuergesetzes I) auf die nicht erstellten Bauten vorzubehalten. Dem Regierungsrat steht es auch sonst frei, den Versuch einer solchen Besteuerung zu unter- nehmen. H. Inbezug auf die Klagebegehren 1 bis 3:
574 Staatsrecht. Als Streit zwischen Beliehenen und Verleihungsbe- hörde über die aus dem Verleihungsverhältnis entsprin- . genden Rechte und Pflichten nach Art. 71 WRG er- scheinen nun aber entgegen der Auffassung der Beklagten nicht nur Meinungsverschiedenheiten über die Anwen- dung und Auslegung einer Konzessionsbestimmung. Es fallen darunter alle Anstände, die sich aus den durch die Verleihung geschaffenen, das Wassernutzungsrecht be- schlagenden Beziehungen zwischen dem Beliehenen und der Verleihungsbehörde ergeben. Denn das« Verleihungs- verhältnis )) wird nicht allein durch die Bestimmungen des Verleihungsaktes. sondern auch durch die darauf bezüglichen Normen der allgemeinen Rechtsordnung des Bundes und der Kantone beherrscht. Es würde dem Wortlaut und Zweck des Art. 71 widersprechen, von der darin enthaltenen Gewährleistung einer unabhängigen Entscheidungsbehörde Streitigkeiten auszunehmen, die sich über die Anwendung und Auslegung derartiger das Verhältnis mitbeherrschender allgemeiner Normen des Konzessionsrechts oder über die Frage erheben, ob eine Verleihung damit im Einklang stehe und ob die allge- meine oder die besondere Norm vorgehe. In jenem weiteren Sinne ist die Vorschrift denn auch 'schon in zwei früheren Fällen aufgefasst worden (AS 48IS.197 ff.; 49 I S.160 ff.; wo es sich um die Auslegung ergänzender kantonalge- setzlicher Vorschriften über. die periodische Neube- stimmung des Wasserzinses, bezw. um die Anfechtung einer konzessionsmässigen Wasserzinsauflage für eine bestimmte Periode wegen Widerspruchs zu Art. 50 Abs. 1 WRG handelte). Die Beklagte verweist demgegenüber zu Unrecht auf Art. 43 Abs. 3 WRG, wonach über die Be- rechtigung zur Zurückziehung oder Schmälerung des verliehenen Wasserrechts aus Gctinden des öffentlichen Wohls im Sinne von Abs. 2 desselben Artikels gegen die hier vorgesehene volle Entschädigung der Bundesrat entscheidet. Denn im vorliegenden Fall beansprucht der Konzedent nicht, dem Konzessionär seine konzessions- mässigen Rechte aus Gründen des öffentlichen Wohles, Wasserrecbtskonzessionen. N0 66. 575 die ausserhalb des Konzessionsverhältnisses selbst liegen, ganz oder teilweise zu entziehen -welchen Fall Art. 43 Abs. 2 und 3 allein im Auge hat -sondern er stützt das Verlangen um Abänderung des Konzessions- aktes auf inzwischen in Kraft getretene Vorschriften des eidg. Konzessionsrechts, die das Verhältnis zwischen den Parteien zwingend und mit rückwirkender Kraft anders ordneten, als es von ihnen ursprünglich bestimmt worden. war, und nur über diesen Anspruch ist zu ent- scheiden. Danach hat man es aber, sofern überhaupt eine Verleihung im Sinne von Art. 71 WRG vorliegt, unzweifelhaft mit einem Streite über die daraus ent- springenden Rechte und Pflichten in der oben umschrie- benen Bedeutung, über den Umfang der konzessions- mässigen Rechte zu tun, der deshalb jedenfalls soweit in die Zuständigkeit des Bundesgerichts fällt, als es sich um die Entscheidung der grundsätzlichen Frage handelt, ob die Beklagte an sich verpflichtet sei, zu der verlangten Abänderung der betreffenden Konzessionsbestinimungen und ihrer Anpassung an das eidg. Recht -ohne oder gegen eine Gegenleistung - Hand zu bieten. Wie es sich verhielte, wenn die materielle Prüfung der darauf ge- richteten Begehren zu dem Schlusse führen sollte, dass eine solche Abänderung wenigstens hinsichtlich der Konzessionsdauer der Beklagten nicht unabhängig vom übrigen Konzessionsinhalte, sondern nur gegen ent- sprechende Erleichterungen in ihren konzessionsmässi- gen Pflichten zugemutet werden könnte, d. h. ob auch diese weitergehende Anpassung nach Art. 71 vom Richter vorzunehmen wäre oder ob nicht insoweit, weil darin im Grunde die Erteilung einer neuen Konzession liegen würde, mangels einer Verständigung die Administrativ- behörde. der Bundesrat als zuständig zu erachten wäre, kann offen gelassen werden, weil die Frage bei der mate- riellen Lösung, welche nach den nachstehenden Er- wägungen dem Streite gegeben werden muss, nicht prak- tisch wird. Der Charakter des Konzessionsaktes vom 6./15. Juni
576 Staatsrecht
1914 als Verleihung im Sinne des Bundesrechts aber
kann von vorneherein insoweit nicht bestritten werden,
. als
er sich auf die Benutzung der Engelberger Aa bezieht.
Sie gehört für die Strecke « von zu hinterst in der Eyen
bis zum Schwibbogen an der Wegmatt » zu den in Art. 1
des kantonalen Gesetzes betr. Wasserpolizei, Wasser-
rechte, Gewässerkorrektionen und Enteignungswesen
vom 9. April 1877 namentlich aufgezählten öffentlichen
Gewässern, womit nicht
nur ein wasserpolizeiliches Auf-
sichtsrecht, sondern auch das Recht des
Staates zur
Verfügung
über die Benutzung verbunden ist, wie aus
der zitierten Vorschrift
und aus Art. 2 Abs. 3 ebenda
unzweideutig hervorgeht. Die Beklagte weist
zwr in der
Duplik darauf hin, dass die Aufnahme
unter die öffent-
lichen Gewässer sich auf
.die in Art. 1 des kantonalen
Gesetzes besonders bezeichnete
Strecke beschränke
sodass nach der klägerischen Begriffsbestimmung
auch
die Aa mit Bezug auf die erteilte Konzession nicht als
solches anzusehen wäre.
Da aber in der Antwort aus-
drücklich zugegeben wird, dass die Engelberger Aa ein
öffentliches Gewässer sei, so ist jener Bemerkung
nur die
Bedeutung eines Arguments gegen die vom Kläger hin-
sichtlich der Verhältnisse
am Erlenbach und Trübenbach
vertretene Auffassung beizumessen, wonach es für die
Abgrenzung zwischen eigentlicher Verleihung und blosser
Polizeierlaubnis (im
Sinne von Art. 17 WRG) nicht s0-
wohl auf den Ort der Wasserentnahme, als darauf an-
käme,
wo das Gefälle des entnommenen Wassers ausge-
nutzt wird. Die Beklagte hat denn auch beigefügt, sie
wolle den Kläger bei den bezüglichen Ausführungen
nicht behaften, und wiederholt erklärt, die Aa habe da,
wo ihr das Wasser entnommen werden soll, den Charak-
ter eines öffentlichen Gewässers. Der Trübenbach sodann
ist nach der nicht bestrittenen Behauptung der Replik
durch Kantonsratsbeschluss vom 27.
Januar 1913 (Land-
buch Bd. 5
S; 158) im Sinne von Art. 1 Abs. 2 und 47 -des
kantonalen Wassergesetzes « unter öffentliche Aufsicht»
i
(.'
Wasserreehtskonzessionen. N° 66.
577
gestellt worden, was im Hinblick auf Abs. 2 des letzteren
Artikels «( für die unter öffentliche Aufsicht gestellten
Privatgewässer
geln soweit immer tunlich die Be-
stimmungen~ wie solche in vorwürfiges· Gesetz bezüglich
der öffentlichen Gewässer sich eingeschrieben finden »))
wohl auch die Gleichstellung mit den letzteren hinsicht-
lich der Benutzung nach sich zieht. Auf alle Fälle aber
ist das Vorliegen einer Verleihung im Sinne von Art. 71
WRG auch für dieses Gewässer und den Erlenbach
aus einem anderen Grunde anzunehmen. Nach Art. 1
Abs. 2 eidg. WRG gelten als öffentliche Gewässer im
Sinne dieses Gesetzes, bei denen es für die Benutzung der
Wasserkraft nach Art. 3 eben da einer Verleihung durch
das verfügungsberechtigte Gemeinwesen im Gegensatz
zu der bIossen polizeilichen Erlaublnis des Art. 17 be-
darf, auch solche Gewässer, die zwar im Privateigentum
stehen, die aber von den Kantonen hinsichtlich der durch
die Vorschriften des
WRG betroffenen Nutzungsart,
nämlich der Nutzbarmachung der mechanischen (Trieb-)
Kraft des Wassers den öffentlichen Gewässern gleichge-
stellt werden.
Nun erklärt allerdings Art. 27 des obwald-
nischen Wassergesetzes
« Privatfliisse und Bäche mit
Inbegriff des vorhandenen Gefälles, als Zubehör der
Grundstücke, zwischen welchen oder durch welche sie
hindurchfliessen, nach Massgabe der Uferlänge eines
Grundstückes», unter der Beschränkung, dass « der
Ufereigentümer das Wasser
nur mit Rücksicht auf die
Rechte der
übrigen Ufereigentümer und der sonstigen
Wasserberechtigten benutzen darf.)) Allein andererseits
stellen die Art. 37
ff. des Gesetzes für Stauvorrichtungen
und andere Wasserwerkanlagen, die auf den Verbrauch
des Wassers oder auf die Höhe des
Oberwassers Einfluss
haben, bei öffentlichen
und privaten Gewässern in
gleicher Weise den Konzessionszwang auf und machen
auch inbezug auf die Erteilung der Konzession für solche
Anlagen zwischen beiden Arten von Gewässern keinen
Unterschied, mit der einzigen Ausnahme, dass die Er-
578 Staatsrecht. hebung eines Wasserzinses in Art. 46 nur für Ableitungen aus öffentlichen oder unter öffentliche Aufsicht gestelltem Wasser vorgesehen wurde. Auch di~e Ausnahme ist seit- . her durch das Ergänzungsgesetz vom 28. April 1907 (Landbuch 4 S. 249) in der Hauptsache beseitigt worden, indem die Wasserzinspflicht auch für die Wasserwerk- anlagen an Privatgewässern vorgesehen wurde, soweit deren Kraft nicht im Kanton Verwendung findet. Art. 42 des Gesetzes von 1877 aber weist den Regierungsrat aus- drücklich an, bei dem Entscheide über die Erteilung der Konzession darauf zu achten, dass eine allfällige weitere Benutzung des Gewässers möglichst wenig erschwert werde, woraus das Bundesgericht schon im Urteil i. S. Läubli vom 20. März 1907 (AS 33 I S. 153 ff.) die Befug- nis des Regierungsrates hergeleitet hat, die Konzession auch für Wasserwerkanlagen an einem Privatgewässer zu verweigern, wenn die Bewilligung mit jener Rücksicht unvereinbar wäre, wie es im Hinblick darauf und auf die einheitliche Ordnung der Konzessionierung für Privat- und öffentliche Gewässer im allgemeinen damals ferner für zulässig erachtet hat, auch bei den ersteren nicht nur zu· Wahrung der wasserbaupolizeilichen, sondern auch solcher allgemein wasserwirtschaftlicher Interessen an die Konzession gewisse Beschrä,nkungen, wie die Be- fristung auf bestinunte Zeit und den Vorbehalt des Widerrufs bei gröblicher Verletzung der Konzessions- bestimmungen oder Nichtausftbung während längerer Zeit zu knüpfen. Selbst wenn die Gleichstellung der pri- vaten mit den öffentlichen Gewässern hinsichtlich der Nutzbarmachung der Wasserkraft nach obwaldnischem Recht keine absolute, überall durchgreifende sein soUte, so steht danach doch fest, dass die konzessionierende Behörde die Konzession von Auflagen und Bedingungen abhängig machen kann, die über eine blosse Po1izeier- laubnis nach Art. 17 des eidg. WRG erheblich hinaus- gehen, m. a. W. dass mit dem Eigentum am Gewässer oder dem Erwerbe einer Nutzungsbefugnis daran vom Wasserreehtskonzessionen. N0 66. 579 Eigentümer das Recht zur Ausnutzung der Wasserkraft auch selbst bei Erfüllung der hier vorbehaltenen Voraus- setzungen noch nicht ohne weiteres gegeben ist, vielmehr es dazu noch eines ergänzenden, nicht bloss feststellenden, sondern konstitutiven. rechtsbegrundenden Verwaltungs- aktes bedarf. Von dieser Möglichkeit hat denn auch der Regierungsrat von Obwalden gerade im heute streitigen Konzessionsakte vom 6. /15. Juni 1914 weitgehenden und reichlicllen Gebrauch gemacht, ohne dass die Beklagte den Standpunkt eingenommen und rechtlich verfochten hätte, dass darin ein die Kompetenzen des Staates über- schreitender unzulässiger Eingriff in die ihr auf Grund von Art. 27 des kaut. Wassergesetzes zustehenden pri- vaten Wasserrechte liege. Danach muss aber auch der Streit über die durch eine solche « Konzession » begrün- deten Rechte und Pflichten als ein solcher aus einem «( Verleihungsverhältnis » im Sinne von Art. 71 WRG und die Zuständigkeit des Bundesgerichts dafür in dem oben umschriebenen Rahmen als gegeben angesehen werden, selbst wenn sie beim Vorliegen einer bIossen (Polizei-) Erlaubnis im Sinne von Art. 17 ebenda nicht begründet wäre. Es kann deshalb unerörtert bleiben, ob nicht die fragliche Kompetenznorm trotz des engeren Wortlauts nach dem Zweckgedanken richtigerweise auch auf Streitigkeiten über Ansinnen zu beziehen wäre, die an den Wasserwerkinhaber auf Grund des Erlaubnis- zwangs des Art. 17 nachträglich gestellt werden, wenig- stens soweit es den grundsätzlichen Einwand betrifft, dass es sich um Auflagen handle, die nicht schon auf Grund dieses Erlaubniszwangs, sondern nur beim Vor- liegen einer eigentlichen Verleihung im Sinne von Art. 3, 38 ff. WRG zulässig wären. 2. -Materiell erweisen sich zunächst die Klagebe- gehren 2 und 3 ohne weiteres als unbegründet. Nach Art. 24 bis Abs. 5 und 6 BV gehören die Gebühren und Abgaben für die Benutzung der Wasserkräfte den Kan- tonen oder den nach der kantonalen Gesetzgebung Be-
'580 Staatsrecht. rechtigten und werden, soweit nicht ausnahmsweise die Erteilung der Konzession auf Grund des Abs. 4 vom 'Bunde ausgeht, von den Kantonen innert den durch die Bundesgesetzgebung zu bestimmenden Schranken fest- gesetzt. Dementsprechend bestimmt denn auch Art. 48 Abs. 1 WRG, dass « die Verleihungsbehörde n ach M ass gab e des k a n ton ale n R e c h t s die Leistungen und Bedingungen festsetze, gegen die dem Beliehenen das Nutzungsrecht erteilt wird, wie Gepühren, Wasserzins, Abgabe von 'Vasser oder Kraft, Verleihungs- dauer, Bestimmungen über Strompreise, Beteiligung des Gemeinwesens am Ge",inn, Heimfall der Verleihung und Rückkauf I). Das kantonale Recht ist es demnach grund- sätzlich ausschliesslich, nach dem sich die Zulässigkeit solcher Auflagen überhaupt und ihres Umfangs bestimmt. Das WRG greift darein entsprechend der Umschreibung der Gesetzgebungskompetenz des Bundes in Art. 24 bis BV und ihrem Zwecke -die Nutzbarmachung der Wasserkräfte zu fördern - nur durch die Aufstellung von Höchstschranken ein, indem es einerseits in Art. 48 Abs. 2 und 3 vorschreibt, dass « diese Leistungen in ihrer Gesamtheit die Ausnutzung dr Wasserkräfte nicht wesentlich erschweren dürfen» und den Bundesrat er- mächtigt, wo dies der Fall sein Würde, « die Leistungen zu bestimmen, die dem Bewerber über den Wasserzins und die Gebühren hinaus höchstens auferlegt werden dürfen », andererseits in Art. 49 verfügt, dass der Wasser- zins zusammen mit einer eventuellen besonderen Wasser- werk-oder Wasserkraftsteuer « jährlich 6 Fr. für die Bruttopferdekraft (75 Meterkilogramm in der Sekunde) nicht übersteigen dürfe ». Dazu tritt als weitere Beschrän- kung das Verbot der Erhebung von Wasserzinsen wäh- rend der für den Bau bewilligten Frist und das Recht des Beliehenen für die ersten sechs Jahre nach Ablauf der Baufrist eine Herabsetzung des Zinses « im jeweiligen Verhältnis der wirklich ausgenutzten zu verliehenen Wasserkraft » zu verlangen (Art. 50). In diesem Zusam- , asserrechtskonzessionen. N° 66. 581 menhang ist auch der vom Kläger angerufene Art. 51 auszulegen, « wonach die für die Berechnung des Wasser- zinses massgebende Bruttokraft die aus den nutzbaren Gefällen und Wassermengen (beide Begriffe in dem in Abs. 2 und 3 des Artikels umschriebenen Sinne ver- standen) berechnete mittlere mechanische Bruttoleistung des Wassers ist ». Es liegt darin nichts weiteres als eine nähere Definition des in Art. 49 für die Bestimmung des zulässigen Höchstsatzes des Wasserzinses verwendeten Begriffes der Bruttopferdekraft. Selbst wenn und inso- weit der Vorschrift rückwirkende Geltung auch für das vorliegende Konzessionsverhältnis beizumessen wäre, obwohl der Konzessionsakt einen Vorbehalt der künftigen Bundesgesetzgebung nicht enthält, so würde daraus dem-, nach lediglich folgen, dass von der Beklagten ein höherer Wasserzins als der nach Art. 49, 51 WRG berechnete nicht gefordert werden dürfte. Keinesfalls könnte der Kanton als Verleiher daraus die Befugnis herleiten, unter Anwendung der « bundesrechtlichen Berechnungsgrund- sätze » der Beklagten eine grössere Wasserzinsleistung als die auf Grund des kantonalen Rechts durch den Konzessionsakt festgesetzte aufzulegen. Einen, anderen Sinn hat auch Art. 23 der vom Bundesrat auf Grund der Ermächtigung von Art. 51 Abs. 3 WRG am 12. Februar 1918 erlassenen Verordnung über die Berechnung des Wasserzinses nicht. Wenn es hier heisst, dass vom
, 582
Staatsrecht.
zweideutig hervorgeht «( Der Berechnung des Wasser-
zinses
ist die Bruttopferdekraft (Art. 49 des BG über die
utzbarmachung derWasserkräfte) zu Grunde zu legen;
die Zahl der Bruttopferdekräfte ist jeweilen nach der
mittleren Bruttoleistung des Jahres zu bemessen. Der
Wasserzins darf jährlich sechs Franken für die so be-
messene Bruttopferdekraft
nie h t übe r s t ei gen )).
Im vorliegenden Falle steht aber ausser Streit, dass der
Wasserzins, den die Beklagte auf Grund des Konzessions-
aktes vom 6. /15.
Juni 1914 zu entrichten hat, unter dem
bundesrechtlich zulässigen Höchstansatze bleibt.
Es kann
deshalb nicht die Rede davon sein, die betreffenden Kon-
zessionsbestimmungen, weil
im Widerspruch zu bundes-
rechtlichen Grundsätzen stehend, als «ungesetzlich zu
erklären» oder den Regierungsrat als berechtigt zu erklä-
ren, den Zins nach diesen Grundsätzen auf einen anderen
Betrag festzusetzen, als
er sich aus der konzessions-
mässigen Bestimmung ergibt. Die Berechnung der nach
Art. 49,
51 WRG sich ergebenden Zinsleistung könnte
vielmehr höchstens Vergleichszwecken dienen
und es
sich daher nur fragen, ob die Beklagte verpflichtet sei,
für sol ehe die dazu notwendigen Unterlagen zu
schaffen oder in die dafür notwendigen Erhebungen ein-
zuwilligen, selbst wenn damit
ein· Eingriff in ihren Ge-
schäftsbetrieb oder sonstige Lasten für sie verbunden
wären.
Ein derartiges Begehre ist aber nicht gestellt,
sodass nicht untersucht zu werden braucht, ob es aus
dem Verleihungsverhältnis zu begründen wäre.
Nur
,nebenbei mag bemerkt werden, dass Art. 74 Abs.2 Satz
2
WRG die Rückwirkung der Vorschriften des dritten
Abschnittes des Gesetzes über die dem Beliehenen ob-
liegenden wiederkehrenden ~istungen im Falle, wo
dem Inhaber eines älteren, d. h.
vor dem 25. Oktober
1908 begründeten Wasserrechts nach diesem Zeitpunkt
neue Wasserkräfte verliehen worden sind,
unter allen
Umständen auf die für diese neuen Kräfte zu entrich-
tenden Leistungen beschränkt, sodass eine solche Rück-
"
Wasserrechtskonzessionen. N° 66. 583
wirkung, auch soweit sich daraus für den Kläger finan-
zielle Vorteile ergeben hätten,
von vorneherein insofern
nicht
in Frage 'hätte kommen können, als der Konzes-
sionsakt von 1914 Wassernutzungen mitumfasst, die
der Beklagten schon auf Grund der ersten Konzession
von 1901 zustanden.
3. -Auch bei Beurteilung des danach noch verblei-
benden Klagebegehrens 1 braucht zu
der zwischen den
Parteien streitigen Frage nicht Stellung genommen zu
werden, ob die Rückwirkung von Vorschriften des
dritten
Abschnittes des WRG « über die Verleihung von Wasser-
rechten
» auf zwischen dem 25. Oktober 1908 und dem
griffe hätte man es hier zu tun, wenn die Rückwirkungs- klausel des Art. 74 WRG auch auf die in Art. 58 Abs. 1 Wasserrechtskonzessionen. N° 66. 585 ebenda enthaltene Bestimmung über die zulässige Höchst- dauer der Verlei!mng zu beziehen wäre. Denn bei den Bestimmungen des Konzessionsaktes über die Konzes- sionsdauer handelt es sich nicht um eine blosse Neben- abrede oder um eine mit der Verleihung verbundene Auflage bezw. Bedingung. sondern um die Umschreibung des Umfanges des verliehenen Nutzungsrechts selbst, das dadurch zeitlich begrenzt und in seinem Bestande für diese Zeitspanne gewährleistet wird. Die Herab- setzung der konzessionsmässigen Dauer auf eine kürzere Zeit auf Grund einer als rückwirkend erklärten späteren Gesetzesbestimmung würde demnach in die Substanz des durch die Verleihung begründeten Nutzungsrechts selbst eingreifen, einem teilweisen Entzuge desselben gleichkommen, nicht nur seinen Inhalt neu umschreiben. Eine solche Ausdehnung der Rückwirkung müsste aber besonders ausgesprochen sein, um als gewollt gelten zu können; aus einer bIossen allgemeinen und zudem noch so unbestimmt gehaltenen und zum Teil widerspruchs- vollen Rückwirkungsbestimmung wie derjenigen des Art. 74 WRG darf sie nicht hergeleitet werden. Hätte der Gesetzgeber sie beabsichtigt, so würde er nicht unter- lassen haben, auch die Entschädigung dafür, d. h. die Pflicht der Verleihungsbehörde, dem Beliehenen dafür entsprechende Erleichterungen in seinen konzessions- mässigen Pflichten zu gewähren, vorzusehen und das für diese Anpassung einzuschlagende Verfahren sowie die dafür massgebenden Grundsätze näher zu ordnen. Aus dem Fehlen irgendwelcher derartigerBestimmungen darf geschlossen werden, dass das Gesetz eine Ausdehnung der Rückwirkung, auch wenn man ihr im übrigen einen noch so weiten Rahmen zieht, auf diese Vorschrift nicht ins Auge gefasst und beabsichtigt, ihren Ausschluss da- von als selbstverständlich betrachtet hat. Es ist dies um so eher zulässig, als irgendwelche dringenden öffent- lichen Interessen, die der Bund auf Grund von Art. 24 bis BV zu wahren hätte und die der Aufrechthaltung
586 Staatsrecht. längerer als achtzigjähriger älterer Konzessionen ent- gegenstünden, nicht ersichtlich sind und dem Gemein- wesen, wo allgemeine Gründe des öffentlichen Wohls 'dafür vorliegen, das Wasserrecht vor Ablauf seiner kon- zessionsmässigen Dauer an sich zu ziehen, immer der Weg der Expropriation nach Art. 43 WRG offen bleibt. Dieser Auffassung ist denn auch das eidgenössische Wasserwirtschaftsamt, indem es sich in einer dem Ge- richte darüber erstatteten Meinungsäusserung dahin ausspricht, dass die Rückwirkung auch des Art. 58 Abs. 1 WRG auf vor dem 1. januar 1918 erteilte Konzessionen, V wenn rechtlich immer möglich. wegen der damit ver- bundenen weittragenden und unerwünschten Folgen ver- mieden werden sollte und, soweit dafür öffentliche In- teressen sollten geltend gemacht werden können. sie keinesfalls gewichtig genug wären, um das stärkere des Konzessionärs. beim Erwerbe der Konzession auf eine sichere Rechtsgrundlage rechnen zu können -dessen Schutz zugleich im wohlverstandenen Interesse der För- derung des Ausbaus der Wasserkräfte selbst liege -zu überwinden. '. Demnach erkennt das Bundesgericht : Auf Klagebegehren 4 und 5 a wird nicht eingetreten. Die übrigen Klagebegehren werden abgewiesen. H. ORGANISATION DER BUNDESRECHTSPFLEGE ORGANISATION JUDICIAIRE FEDERALE Vgl. Nr.66. -Voir n° 66.
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