BGE 48 II 330
BGE 48 II 330Bge28.06.1920Originalquelle öffnen →
330 Obligationenrecbt. N° 51.
Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich vom. 12. De-
zember
1921 aufgehoben und die Klage dahin gut-
• geheissen, dass der Beklagte zur Zahlung einer Ent-
schädigung von 100 Fr. an die Klägerin und zur ein-
maligen Publikation des Urteils dispositives im Offerten-
blatte der schweizerischen Handelsgärtner auf seine
Kosten verurteilt wird.
51. Urteil de; 11. ZiYilabteilung vom 13. Juli 19a2
i. S. Bucher gegen Dansas.
Frachtvertrag: Oertliche Rechtsanwendung. -Unrichtige
Ausstellung des Frachtbriefes durch den Unterspediteur.
Haftung des Spediteurs nach Art. 399 Abs.2 und Art. 449 OR 'I
-Verjährung der frachtrechtlichen Ersatzklage, Art. 454
OR. -Die versehentliche Nichtanbringung der Transit-
klausel auf dem Frachtbrief ist kein grobes Verschulden
im Sinne von Art. 454 Abs. 3 OR. -Der Auftrag zur
Transportversicherung schliesst nicht ohne weiteres auch den
Auftrag zur Lageryersicherung in sich.
A. -Mit Klage vom 5. Dezember 1921 belangte das
Speditionsgeschäft Danzas
& Oe A.-G. in St. Gallen den
G. Buchel', Stickereigeschäft in St. Gallen, auf Bezahlung
von 9843 Fr.
75 für von ihr besorgte Speditionen. Vor
Handelsgericht verglichen sich die Parteien über die
Forderung der Klägerin. Dagegen blieb eine \Viderklage
auf Zahlung von 46,414 Fr. streitig, die der Beklagte
seinerseits erhoben hatte. Dieser \Viderklage .liegen
folgende Tatsachen zu
Grunde:
Mit Brief vom 5. Dezember 1919 beauftragte der
Widerkläger die Widerbeklagte 14 Kisten Stickerei-
waren, die
er nach Stockholm verkauft hatte, die aber
dort vom Käufer nicht angenommen worden waren,
von Stockholm via Rotterdam. nach Köln zu spedieren
und zwar an die Adresse: Arthur Vrancken, Köln a. Rh.
Obligationenrt.>cht. N° 51. 331
Nachdem die Parteien, wie sich aus zwei Briefen der
Widerbeklagten vom 23. Januar 1920 und 29. Januar
1920 ergibt, über eine Änderung des Bestimmungsort:s
verhandelt hatten, und nachdem der Widerkläger dIe
Widerbeklagte
mit der Versicherung der Ware für den
Transport bis Köln für 120,000 Fr. beaufragt hatte,
gab die Widerbeklagte am 5. Februar 190 Ihrer Unter-
spediteurin, der
Firma Burger & Zoon I? Rtterdam>
den Auftrag, die \Vare « in Transit» an die mIt Arthr
Vrancken identische Speditions-und Lagerhaus-A.-G. lU
Köln weiterzuleiten und sie gegen Transport-und Dieb-
stahlsrisiko
ab Rotterdam bis Köln für 120,000 Fr. zu
versiehem. Zufolge eines in
Rotterdam ausgebrochenen
Streikes der Hafenarbeiter verzögerte sich die Spedition.
Nachdem die Ware von Rotterdam abgegangen war,
schrieb die \Viderbeklagte unterm 5. Mai
1920 dem Spedi-
teur Vranckell, er solle « auch die Lagerversicherung der
Sendung decken ». Vrancken bestätigte. diesen Autrg
umgehend und bemerkte dabei, die VersICherung seI fur
einen Wert von 852,840 Mark = 120,000 Fr., umge-
rechnet zum Tageskurs (vom 11. Mai
1920), abgeschlossen
worden.
Am 15. Mai 1920 forderte der Widerkläger den
Spediteur Vrancken auf, die Waren ber Pasau lach
Wien zu spedieren. Inzwischen waren Jedoch dIe ,Sticke-
reien auf dem Transport Rotterdam-Köln vom deutschen
Reichsbeauftragten in Duisburg beschlagnahmt
.woden.
In Duisburg wurden am 13. Juli 1920 aus drel Klstn
je über die Hälfte des Inhalts gestohlen. Dafür zahlte dIe
Versicherunggesenschaft 62,751 Mk. 50 aus. Erst nach
langwierigen Verhandlungen wurde der Rest der Ware
im
Frühjahr 1921 zum Verkauf in Berlin freige~eben.
Mit der Widerklage verlangte der Widerkläger emmal
einen Betrag von
50,000 Fr. Er machte geltend und
stellte zum Beweis, dass ihm durch die Beschlagnahme
und die Unmöglichkeit, die Ware wie beabsichtigt nach
Wien zu spedieren, ein
Schaden von mindestens 50,000 Fr.
entstanden sei. Hiefür müsse die Widerbeklagte auf-
332 Obligationenrecht. N° 51. kommen, da sie dafür verantwortlich sei, dass die Ware nicht auftragsgemäss « Köln transit» spediert worden . sei. Wäre dies geschehen, so wäre die Beschlagnahme unterblieben. In zweiter Linie verlangt der Wider- kläger einen Betrag von 4806 Fr. 39, weil in Verletzung des erteilten Versicherungsauftrages eine Diebstahls- versicherung in Mark statt in Franken abgeschlossen worden sei, was für ihn, zufolge des eingetretenen Mark- sturzes einen Schaden im angeführten Betrage zur Folge gehabt habe. Die Widerbeklagte schulde daher 50,000 Fr. plus 4806 Fr. 39 = .... Fr. 54,806.39 wovon die Klagesumme im anerkannten Betrage von. . . . . . . . . . . .. Fr. 8,392.15 abzuziehen sei, sodass die Gesamtforderung sich auf ...... ; . . . . . . . -Fr-.-4-6-,4-1-4-.2-4 belaufe. Die Widerbeklagte beantragte Abweisung der Wider- klage wegen Verjährung, eventuell aus materiellen . Gründen, und sodann auf jeden Fan Reduktion des geforderten Betrages. B. -Mit Urteil vom 11. April 1922 hat das Handels- gericht des Kantons St. Gallen ,die Klage im Betrage von 8897 Fr. 20 zugesprochen, die Widerklage dagegen abgewiesen. . ,e. -JIjegegen richtet sich die vorliegende Berufung, mIt der der Widerkläger Abweisung der Klage und Zu- sprechung der Widerklage verlangt. Das Bundesgericht zieht in Erwägung :
334 Obligationenrecht. No 51.
Angenommen hingegen, die Ausstellung der Begleit-
papiere sei im vorliegenden Falle eine sich
auf den Trans-
port beziehende Handlung, die Widerbeklagte unterstehe
daher den Bestimmungen des Art.
440 ff. speziell des
Art. 449
OR, so ist die Widerklage im Sinne von Art. 454
OR verjährt. Dieser Bestimmung gemäss müssen alle
Ersatzklagen gegen den Frachtführer, die sich auf
Unter-
gang oder Verlust der Ware, oder auf eine Verspätung
in der Ablieferung oder endlich auf eine Beschädigung
des Gutes stützen,
vor Ablauf eines Jahres eingebracht
werden,
und zwar im Falle des Unterganges, Verlustes
oder der Verspätung von dem Tage
an gerechnet, an dem
die Ablieferung
hätte erfolgen sollen. Der Anspruch auf
Bezahlung
. der 50,000 Fr. charakterisiert sich aber
zweifelsohne als ein Anspruch auf Schadenersatz wegen
verspäteter Ablieferung des Gutes und fällt daher
unter
Art. 454 (HAFNER, N. 1 zu Art. 464). Ohne die Beschlag-
nahme wäre die Ware im Monat Mai 1920 in Köln an-
gekommen, die Widerklage dagegen wurde erst am
27. Januar 1922, also nach Eintritt der Verjährung,
eingereicht.
Allerdings
kann nach Art. 120 Abs. 3 OR auch eine
verjährte Forderung noch
zur Verrechnung gebracht
werden, wenn sie
zur Zeit, wo sie mit der andern For-
derung verrechnet werden konnte, noch nicht verjährt
war. Diese Voraussetzung träfe im Verhältnis der Wider-
klage-zur Hauptklageforderung zu, da die Ersatz-
forderung erst nach der Klageforderung entstanden ist.
Allein die Anwendung des Art.
120 Abs. 3 OR ist durch
Art. 454 Abs. 2 OR in concreio ausgeschlossen. Da die
Regressansprüche des Frachtführers gegen den
Unter-
frachtführer ebenfalls innert Jahresfnst verjähren, sollen
Ansprüche gegen
ihn auch verrechnungsweise nur an-
gebracht werden dürfen, sofern innert Jahresfrist bei
ihm reklamiert und er damit darauf aufmerksam ge-
macht wurde, dass er zur Verantwortung gezogen
werde
und sich seinen Regress sichern müsse. Dass aber
Obligationenrecht. N° 51.
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der Widerkläger der Widerbeklagten eine derartige
Reklamation, d. h. die Mitteilung,
er werde sie für die
Folgen
der Verspätung haftbar machen, innert J ahres-
frist habe zukommen lassen, ist im Prozess nicht behauptet
worden.
Endlichberuft sich der Widerkläger zu Unrecht auf
Art. 454 Abs. 3 OR. Die Unterlassung der Aufnahme der
Transitklausel wäre ein Versehen, wie es in jedem Be-
triebe vorkommen kann, von einem groben, dem dolus
nahestehenden Verschulden dagegen kann dabei mangels
besonderer Umstände nicht die Rede sein.
Der Wider-
kläger selber hat denn auch ebenfalls vergessen, in seinem
schriftlichen Auftrage die Transitklausel
zu erwähnen,
während
er mündlich darauf ,besonderes Gewicht ge-
legt haben will.
3. -Bezüglich des Schadenersatzanspruches wegen
unrichtiger Versicherung
steht ausser Zweifel, dass sich
der Spediteur bei Ausführung eines
Versicherugs
auftrages in der Stellung des Kommissionärs und mcht,
des Frachtführers befindet. Dabei stellt die Vorinsbmz
fest, der Widerkläger habe zwar seinerzeit der Widerbe-
klagten den Auftrag erteilt, den Transport für 120,000 Fr.
zu versichern, die Erteilung eines Auftrages, uch
eine Lagerversicherung einzugehen, sei dagegen mcht
nachgewiesen. Entgegen der Ansicht des Widerbeklagten
ergab sich aber aus dem Auftrag, den T r
ans p 0 r t
zu versichern, noch keineswegs eine Verpflichtung der
Widerbeklagten, auch eine Lagerversicherung und .zwar
wiederum speziell eine Versicherung in Franken
e.mzu-
gehen. Hieran änderte auch die Beschlagnahme mchts.
Der
Spediteur durfte vielmehr davon ausgehe, ~er
Widerkläger, der von der Sequestrierung benachrichtigt
war, werde so
gut wie bezüglich der TransportV'~r
sicherung spezielle Weisung erteilen, wenn er eme
weitere Versicherung für nötig finde. Dazu kommt,
dass der Widerkläger schon
am 15. Mai hinsichtlich
des Weitertransportes der Ware nach Wien einen neuen
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la succursale de Marseille de la S. A. Natural, Le- coultre & Oe a expedie a la maison mere a Geneve un ' c( vagon-groupage », plombe a l'estampille I G. charge- ment par expediteur et cadenasse. Le titre de trans- port mentionne que le wagon contient 150 colis pesant ensemble 11 163 kg., soit: 60 caisses de savon commun . 2650 kg. 12 barils d'huile d'arachide . 2500 » 63 sacs d'aclde stearique . . 5063 » 15 ballots d'impermeables en tissus 950 » Le wagon fut remis cadenasse et plombe au chemin de fer franc;ais a la gare Marseille-Arenc P. L. M. et achemine sur Geneve oil il arriva le 28 juin 1920, cade- nasse et plombe. Il fut constate que le poids total etait de 11 177 kg. au lieu de 11 163. La delivrance au desti- nataire eut lieu le 29 juin. Au dechargement, les 15 bal- lots d'impermeables, indiques sur la lettre de voiture
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