BGE 47 II 15
BGE 47 II 15Bge30.12.1913Originalquelle öffnen →
14 Familienrecbt. ~o 3. gellsatz ZU Art. 56 ZEG nicht mehr.) Denn diese Vor- aussetzung trifft nicht zu. Wie sich nämlich aus der erwähnten Note weiter ergibt, betrachtet die franzö- sische Regierung den Vertrag zwischen der Schweiz und Frankreich über den Gerichtsstand und die Vollziehungvon Urteilen in Zivilsachen von 1869 als in Elsass-Lothringen anwendbar. Sonach ist die Frage, ob Gesetz oder Ge- richtsgebrauch in Elsass-Lothringen den schweizerischen Gerichtsstand anerkennen, in Anwendung dieses Ver- trages und nicht mehr der daselbst weiter in Kraft stehenden deutschen Gesetzgebung bezw. der sich darauf stützenden Gerichtspraxis zu entscheiden. Wie das Bundesgericht bereits festgestellt hat (BGE 43 11 S. 285 H. Erw.5), spricht nun aber die französische Gerichts- praxis gestützt auf Art .. 11 . des Gerichtsstandsvertrages den schweizerischen Gerichten die Kompetenz zur Schei- dung in der Schweiz wohnhafter Franzosen ausdrücklich ab. Nach dem Ausgeführten hat die hieran zu knüpfende Folgerung, dass die Ehe von in der Schweiz nieder- gelassenen Franzosen in der Schweiz nicht geschieden werden kann, auch für die zu Franzosen gewordenen Elsass-Lothringer zu gelten. Auf die vorliegende Klage durfte daher in der Tat nicht eingetreten werden. Demnach erkennt das Bundesgericht : Die Berufung wird abgewiesen und das Urteil des Obergerichts des Kantons Ztilich vom 19. Juni 1920 bestätigt. Familknrt:cht. :-\°4. 4. Urteil der II. Zivilabteilung vom 14. April 1921 i. S. Hund gegen Zürich. IJ Art. 361 Z G B verbietet den Kantonen, drei Aufsichtsbe- hörden zu bestellen. A. -Die Rekurrentin war bis 4. Juli 1919 mit Julius Huber verheiratet. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, EIsa Ottilie, geh. 1907, Heinrich, geb. 1908 und Julius, geb. 1910. Im Juni 1919 kam es zwischen den GSltten zum Scheidungsprozess. In seinem Verlaufe lud das Bezirksgericht Zürich die Vormundschaftsbehörde auf Grund des Art. 145 ZGB ein, die Erziehung der Kinder ins Auge zu fassen und nötigenfalls geeignete Vorkehren im Sinne von Art. 285 ZGB zu treffen. Das \Vaisenamt kam dieser Aufforderung nach und bestellte den Kindern einen Beistand. In der mündlichen Ver- handlung vor Bezirksgericht einigten sich die Gatten, nachdem zuvor die Mutter die Kinder für sich verlangt und der Vater auf Versorgung aller Kinder angetragen hatte, dahin, dass bezüglich der « Kinderzuteilung auf die ;\Iassnahmen der Vormundschaftsbehörde abgestellt werde )). :VIit Urteil vom 4. Juli 1919 schied das Bezirks- gericht die Gatten und überliess, gestützt auf die schon besteheude Beistandschaft und die Verständigung der Litiganten, die Kinderzuteilung der Vormundschafts- behörde. Im Juni 1920 verlangte die Rekun'entin vom Waisen- amt, dass die Kinder ihr zugeteilt werden. Das Waisen- amt wies dieses Begehren ab und stellte die Kinder unter Vormundschaft gemäss Art. 285 und Art. 368 ZGB. B. -Dieser Entscheid ist auf Beschwerde der Re- kurrentin hin vom Bezirksrat und von der Justizdirektion des Kantons Zürich, von letzterer unterm 10. Dezember 1920, bestätigt worden. Die Verfügung der Justizdirektion geht davon aus, das Scheidungsurteil habe die elterliche
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Familienrecht.
N° 4.
Gewalt beiden Gatten entzogen und, was nach bundes-
gerichtlicher Rechtssprechung zulässig sei, die Kinder
der Fürsorge der Vormundschaftsbehörde anvertraut.
Es könnte sich daher nur fragen, ob die Rekurrentin
Anspruch darauf habe, zum
Vormund .der ne~ bestellt
zu werden, hievon könne aber,
da SIe dIe notlgen Ga-
rantien in sittlicher Hinsicht nicht biete, nicht die Rede
sein.
C. -Hiegegen richtet sich die vorliegende zivil-
rechtliehe Beschwerde,
mit der die Rekurrentin be-
antragt, den angefochtenen Entscheid aufzuheben und
das Bezirksgericht anzuweisen, einen definitiven
Ent-
scheid über die Kinderzuteilung zu fäflen.. In der Be-
schwerdeschrift wird darauf hingewiesen, dass die vom
zürcherischen Einführungsgesetz vorgesehene
dritte
Aufsichtsinstanz in Vormundscbaftssachen mit der Be-
stimmung des Art.
361 ZGB unvereinbar sei, weshaI?
die zivilrechtliche Beschwerde schon gegen das Erkenntms
der Justizdirektion zugelassen werden müsse.
In mate-
rieller Hinsicht sodann sei der angefochtene Entscheid
deswegen nicht haltbar, weil das Scheidungsurteil den
Gatten die elterliche Gewalt nicht entzogen, sondern,
was nicht zulässig sei, die Zuteilungsbefugnis
der Vor-
mundschaftsbehörde delegiert habe.
Die Justizdirektion
hat Nichteintreten wegen Nicht-
erschöpfung des kantonalep Instanzenzuges
beantragt
und eventuell materiell an dem in der angefochtenen
Verfügung vertretenen Stand punkte
feStgehalten.
Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
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FamilienreehL ~,o 4.
. -In materieller Hinsicht ist der Rekurrentin darin
beizustimmelI, dass das Urteil des Bezirksgerichtes in
der
Tat eine Entziehung der elterlichen Gewalt nicht
enthält. Das Dispositiv dieses Urteils
sagt ausdrücklich,
die Kinderzuteilung werde der Vormundschaftsbehörde
überlassen, und dem entspricht auch die Motivierung.
Das Gericht stellt keinerlei Gründe fest, die eine
Ent-
ziehung rechtfertigen würden, sondern enthält sich unter
Verweisung auf die Verständigung der Eltern jeder
Entscheidung. Eine derartige Delegation der dem Richter
vorbehaltenen Zuteilungsrechte
ist aber nicht zulässig
und entbehrt· daher jeder Wirksamkeit. Der Richter
kann zwar (AS 40 II 315) die elterliche Gwalt beiden
Gatten entziehen und die Kinder der Vormundschafts-
behörde zuweisen, die E n t s ehe i dun g über die
Gewaltentziehung
'dagegen darf er der Vormundschafts-
behörde nicht überlassen. Danach
besteht die elterliche
Gewalt der Rekurrentin noch zurecht bis das Urteil des
Bezirksgerichtes
auf Begehren eines Elternteiles, er-
gänzt und ein Entscheid über die Kinderzuteilung ge-
troffen wird.
Demnach erkennt das' Bundesgericht:
Die Beschwerde wird gutgeheissen und die Vor
mundschaft zur Zeit aufgehoben.
Familienrecht. Ne .).
5. Arret de la. IIme section oivlle du 91 avril 1921
dans la cause Luscher contre Dame Eaillod. et. consorts.
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La validite d'un engagement extrajudicaire d'operer des pres-
taUons pecuniaires en faveur d'un enfant naturel n'est
subordOlwee a l'observation d'aucune forme particuliere. -
II n'est pas necessaire que l'etendue de l'obligation soit
fixee d'emblee, il suffit qu'elle soit determinable et que le
debiteur ne puisse pas la delimiter a sa guise. -Ne s'agis-
sant pas de prestations eminemment personnelles, les heri-
tiers du debiteur sont tenus solidairement de la dette. -
Facteurs d'appreciation du montant de l'obligation.
~4. -Le demandeur Henri-Albert Lusche!', ne le
27 septembre 1913, est le fils naturel de Marie-Louisa
Luscher. Celle-ci a designe comme pere Henri Baillod,
dont elle a ere l' employee pendant de longues annees.
Baillod
fut appele au chevet de l'accouchee et la,
en presence de plusieurs temoins, reconnut sa paternite,
declarant qu'i1 se chargeait de l'entretien de
l'enfant.
Il paya effectivement les frais de couches et, pour l'en-
fant, une pension annuelle de 600 fr. qu'i1 versa en mains
d'un parent de la mere, M. Jeanmonod. Il fit encore
d'autres versements pour les besoins de l'enfant et
remit, notamment, le 30 decembre 1913 a M. Jean-
mtmod unesomme de 10000 fr. en manifestantl'intention
de payer WIe autre fois, quand ses affaires le lui permet-
traient, une seconde somme de 10000 fr., la pension
annuelle de
600 fr. devant etre supprimee apres ce ver-
sement.
Baillod
est decede subitement le 7 septembre 1917,
sans
avoir mis sa promesse a execution. Il laissait plus
de
100 000 fr. a ses heritiers, savoir: sa veuve Jeanne-
Laure Baillod, ses sreurs Demoiselles Louise-Amelie
Baillod
et dame Marguerite Perrenoud, nee Baillod, son
frere Louis-Adrien Baillod et son neveu Louis-Henri
Baillod.
Ayant confiance dans les promesses de son patron,
Demoiselle Luscher ne lui a pas intente d' action en pa-
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