BGE 46 II 87
BGE 46 II 87Bge25.07.1918Originalquelle öffnen →
I. FAMILIENRECHT
DROIT DE LA FAMILLE
18. Urteil der II. Zi'rilabtei11111g vom 30. Kirz loao
i. S. Jes gegen IOausner.
Art. 308 ZGB. Begriff der Klageanhebung i. S. dieses Artikels.
Weitergehende Vorschriften des kantonalen Prozessrecht~s.
Die Nichtbeachtung derselben führt nicht zur Verwirkung
des
Anspruchs.
A. -Die Klägerin Anna Josefa Jans gebar am 8. März
1918
im Kantonsspital in Luzern ein aussereheliches
Kin<4 die heutige Klägerin Nr. 2 Anna Martha Jans.
Unterm 7. März 1919 reichte Fürsprech Muff in Hitz-
kireh
als Anwalt der Klägerinnen beim Bezirksgericht
Muri gegen den Beklagten
Johann Klausner in Benzen-
schwil die vorliegende Vaterschaftsklage ein. Die Klage
ist. wie in der aargauischen Zivilprozessordnung für appel-
lable Streitsachen vorgesehen (§ 127
ZPO). in Schrift
verfasst
und von Dr. Muff {( ns. Kläger» unterzeichnet;
dagegen wurde ihr eine diesen zur Prozess führung ermäch-
tigende Vollmacht
der Klägerinnen nicht beigelegt.
Der Beklagte erhob in seiner Klageantwort die Einrede
der Verwirkung des Klagerechts mit der Begründung,
.dass
zur Wahrung der Frist von Art. 308 ZGB die Eil1-
reichung der Klage «mit allen nötigen Vollmachten)
inner! einem Jahre seit der Geburt des Kindes erfor-
derlich sei.
B. -Durch Urteil vom 22. Dezember 1919 hat das
Obergericht des Kantons Aargau (I. Abteilung) die Klage
abgewiesen,
in Erwägung, dass die Klägerinnen das Kla-
gerecht verwirkt hätten, weil die Vollmacht für Dr. Muff
AS 46 11 -19fO
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88 Familienrec:ht. NG 18.
erst nach Ablauf der Frist von Art. 308 ZGB eingelegt
worden sei ; denn das für die Fonn der Klage massge-
bende aargauische Zivilprozessrecht
stehe auf dem Stand-
• punkte, dass die zur Einlegung von Rechtsmitteln esetz
ten Notfristen nur dann als gewahrt gelten, wenn mnert
der Frist seitens eines allfälligen Parteivertreters auch
der VollmachtSausweis geleistet werde.
C. -Gegen dieses Urteil richtet sich die vorliegende
Berufung
der Klägerinnen mit dem Antrag,. die n
Frist angehoben worden -ist. Da es SIch dabeI -: Wie dIe
Vorinstanz
mit Recht angenommen hat -um eme bun-
desrechtliche Verwirkungsfrist handelt und der Begriff
der diese Frist unterbrechenden Klageanhebung eben-
falls dem Bundesrechte angehört, so
ist die Zuständig-
keit des Bundesgerichtes gegeben. Entgegen der Auffas-
sung
der beiden Vorinstanzen muss nun im vorliegenden
Falle die
Frist als gewahrt angeseage
sei gutzuheissen, eventuell sei die Sache zu. mateneller
Entscheidung an die Vorinstanz zurückZUWeIsen.
Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
Streitig ist allein die Frage, ob die vorliegende Vater-
schaftsklage innert der in Art. 30 ZGB ufgesllten werden. Der Begriff
der Klageanhebung im Sinne von Art. 308 ZGB wird von
der Praxis des Bundesgerichtes in Anlehnung an den
analogen Begriff
der Klageanhebung im Sinne von Art.
35 ZEG und Art. 250 SchKG als diejenige prozessein-
leitende oder vorbereitende
Handlung des Klägers defi-
niert,
mit der er zum ersten Male in bestimmter Fonn
den Schutz des Richters anruft. (AS 42 II S.I02 f.332 f.).
Danach hat die Vaterschaftsklägerin, die diese Handlung
vor Ablauf eines Jahres seit der Geburt des Kindes v:o
nimmt, Anspruch darauf, dass die Klage als rechtzeItig
angehoben
anerkannt wird, auch wenn jene Handlung
dem Begriffe der Klageanhebung des kantonalen Pro-
zessrechtes nicht in allen Teilen entsprechen sollte.
Art. 308 ZGB steHt sich als eine der in Art. 310 Abs. 1
Familienrecht. N0 18.
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ZGB dem eidgenössischen Recht vorbehaltenen Bestim-
mungen dar, indem er die den Kantonen mit Bezug auf
die
Ordnung des Vaterschaftsprozesses zugewiesene Auf-
gabe
in dem Sinne beschränkt, dass die Kantone wohl
die Prozesseinleitung
und das weitere Verfahren zu regeln
haben,
an die Missachtung dieser Vorschriften jedoch
nicht selbständig die Verwirkung des Klagerechtes knü-
pfen. dürfen. Vielmehr tritt diese nur dann ein, wenn die
Klägerin
innert der bundesrechtlichen Frist nicht die-
jenige Prozesshandlung vorgenommen
hat, die dem vor-
erwähnten bundesrechtlichen Begriff der Klageanhebung
entspricltt. Allerdings steht es den Kantonen frei. für
die pro z e s S u ale Rechtsgültigkeit der Klage noch
weitere Voranssetzungen aufzustellen. doch
kann die
Nichterfüllung derselben
nur pro z e s s u ale Rechts-
wirkungen nach sich ziehen, d. h. es darf die Beachtung
dieser, über den bundesrechtlichen Begriff der Klagean-
hebung hinausgehenden Vorschriften nicht durch die
Androhung
der Verwirkung des Anspruchs, sondern nur
durch die Androhung von Säumnisfolgen und Prozess-
strafen erzwungen werden. Da nun die Vorinstanz selbst
nicht in Abrede stellt, dass nach aargauischem Zivilprozess-
recht die Vaterschaftsklage durch Einlegung einer Klage-
schrift eingeleitet wird, sodass also in dieser Vorkehr
diejenige Handlung zu erblicken ist, mit der zum ersten
Male
der Schutz des Richters angerufen wird, so bedeutet
es eine Verletzung des eidgenössischen Rechtes, wenn die
Vorinstanz den Anspruch als verwirkt erklärt, weil
der
Anwalt der Klägerinnen es unterlassen hat, gleichzeitig
mit der Klageschrift auch die Vollmacht seiner Klient-
schaft ins Recht zu legen. Denn § 44 aarg. ZPO, sofern
er so ausgelegt wird, wie es die Vorinstanz in für das
Bundesgericht als Berufungsinstanz verbindlicher Weise
getan hat -wobei allerdings äusserst zweifelhaft ist,
ob diese Auslegung vor Art. 4 BV standhält -stellt sich
als eine solche
über den bundesrechtlichen Begriff der
Klageanhebung hinausgehende Bestimmung dar, deren
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Familienrecht. N° 19.
Nichtbeachtung kraft eidgenössischen Rechtes keine Ver-
wirkung des Anspruches zur Folge haben kann. Wollte
man anders entscheiden, so wäre es den Kantonen unbe-
nommen,
zu verlangen, dass innerhalb der einjährigen
Frist auch noch andere Beweismittel beigebracht werden
müssen,
und zu bestimmen, dass das Klagerecht ver-
wirkt ist, sofern dies nicht geschieht, was sich aber offen-
bar mit dem bundes rechtlichen Begriffe der Klagean-
hebung nicht vereinbaren liesse.
Demnach erkennt das Bundesgericht:
Die Berufung wird gutgeheissen, das Urteil des Ober-
gerichts des Käntons Aargau vom 22. Dezember 1919
aufgehoben
und die Sache zu neuer Entscheidung an die
Vorinstanz
zurückgewien.
19. Sentenza 12 maggio 1920 della IIa semone civile
nella causa Patocchi contro de Bouchi.
La domanda di assistenza giudiziaria non e atto iniziatore
d' istanza ed interruttivo deI termine di preserizione pre-
visto dall' art. 308 CC. -Non pud opporre l'eceezione di
tardivita il eonvenuto ehe abbia, eon atto proprio, indotto
)' attriee a lasciar traseorrere-infruttuosamente il termine
dell' art. 308 CC.
A. -Il16 agosto 1917 Elisa Sartini vedova De Rocchi
in Viganello dava alla luce un figlio illegittimo cui fu dato
il norne di Silvio. Piero Patocchi, controllore di dogana
in Lugano, ehe
la puerpera aveva indicato come pad:re
deI neonato, era allora unito in matrimonio eon Giu-
seppina Sorio,
da cui aveva chiesto i1 divorzio, ehe fu
pronunciato dal
Tribunale di Appello deI Cantone Ticino
eon sentenza deI
21 maggio 1917. Questa sentenza fu con-
fermata dal Tribunale federale e divenne definitiva
in
Familienrecht. N° 19.
data dei 15 novembre 1917. n 6 giugn01918 Piero Pa-
toechi ammetteva a verbale dayanti la Delegazione tutoria
del Comune di Lugano di aver avuto relazioni amorose
colla de Roeehi,
ma contestava di essere il padre del nato.
Cid nondimeno, in ima lettera del 14 luglio, affermava
alla
De Rocehi di non aver mai avuto l'intenzione di
ingannarla e di sottrarsi alla responsibilita delle sue
azioni, di voler riconoscere prossimamente il figlio come
suo, anzi di volerlo prendere
ed allevare in casa propria,
ma le raeeomandava vivamente di serbare il silenzio. Il
riconoscimento
davanti 10 Stato civile di Viganello
avvenne infatti poeo tempo dopo, il 25 luglio 1918.
Nel
frattempo, e precisamente l' 11 luglio 1918 la De
Rocchi aveva inoltrato domanda ;di assistenza giudi-
ziaria
per l' inizianda causa di paternita contro Piero
Patocehi. Nella domanda si legg: « Si prega solleeito
disbrigo, perehe
il 16 agosto scade l' anno per l' azione
di
paternitit. » La domanda venne tuttavia ritirata e, pel
momento,
De Rocchi non diede corso alla causa, alla
quale, dato il riconoscimento dell' infante, non credeva
aver
piil alcun interesse.
B. -Essendosi in seguito Patocchi rifiutato a contri-
buire
all' allevarnento deI figlio, Elisa de Rocchi, con
petizione deI 17 febbraio 1919,
domandava al Pretore
di Lugano-Citta
ehe pronunciasse :
10 La patria potesta sul figlio Silvio e concessa alla
madre attrice.
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0
Il convenuto e condamnato a pagare al figlio e per
esso alla
madre un sussidio di mensili 90 fr.
3° Il convenuto e inoltre condannato a pagare alla
madre
un' indennita di 400 fr. per spese di parto ece.,
a
mente dell'art. 318 ces.
Il convenuto eonchiuse domandando il rigetto della
seeonda e
terza domanda e chiedendo, riconvenzional-
mente,
l' annullamento dei riconoscimento deI 25 luglio
1918
per difetto di forma e in virtil dell' art. 304 CCS.
Di fronte all' azione di paternita, esso solleva l' eccezione
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