BGE 43 III 8
BGE 43 III 8Bge16.12.1916Originalquelle öffnen →
Entscheidungen der Schuldbetreibungs- Demnach hat die Schuldbetreibungs-u. Konkurskammer erkannt: Der Rekurs wird abgewiesen. 2. Entscheid. vom aas Januar 1917 i. S. Fiori-Express. Art. 66 Abs. 5, 74 SchKG. Verlängerung der Frist zum Rechts- vorschlag. Voraussetzungen einer nachträglichen Fristver- längerung durch die Aufsichtsbehörde. A. -In den von der Firma Fiori-Express in Chiasso gegen Schenker & Oe in München auf Grund vorange- gangener Arreste angehobenen Betreibungen Nr. 5917 und 5918 des Betreibungsamtes Zürich I sind die durch eingeschriebenen Brief versandten Zahlungsbefehle der Schuldnerin am 9. Oktober 1916 an ihrem Wohnorte durch die dortige Post zugestellt worden. Am 18. Oktober 1916 beauftragten Schenker & Oe durch ihren Mün- ehen er Rechtsbeistand den Rechtsanwalt Dr. Camp in Zürich, für sie die Forderungen zu bestreiten. Das Schreiben kam am 20. Oktober 1916 nachmittags in Zürich an, worauf Dr. Camp durch am gleichen Tage auf- gegebenen Brief dem Betreibungsamt Zürich I mitteilte, dass er Rechtsvorschlag erhebe. Das Amt lehnte Jedoch dessen Entgegennahme wegen Verspätung ab und ver- wies die Schuldnerin mit dem infolgedessen gestellten Gesuch um nachträgliche Fristverlängerung im Sinne des Art. 66 Abs. 5 SchKG auf den Beschwerdeweg. Durch Entscheid vom 28. November 1916 bewilligte hierauf die untere Aufsichtsbehörde unter Berufung auf die im Urteile des Bundesgerichts in Sachen Kahn vom 7. April 1916 (AS42 BI Nr. 33) ausgesprochenen Grund- sätze die beschwerdeweise verlangte Erstreckung der Frist zum Rechtsvorschlage. um zwei Tage und erklärte und Konkurskammer. N° 2. 9 demgemäss den. von Dr. Camp eingereichten Rechts- vorschlag für giltig. Die Firma Fiori-Express zog diesen Entscheid an die kantonale Aufsichtsbehörde weiter, indem sie geltend machte: Art. 66 Abs. 5 SchKG bezwecke nicht etwa den ausländischen Schuldner in allen Teilen dem inländischen gleichzustellen, sondern nur ihm diejenige Spanne Zeit einzuräumen, deren er bedürfe, um überhaupt seinen Bestreitungswillen rechtzeitig dein Amte zur Kenntnis zu bringen. Letzteres wäre aber der Schuldnerin, wie die Tat- sache beweise, dass der von ihr am 18. Oktober abgesandte Brief schon am 20. Oktoher in Zürich eingetroffen sei, im vorliegenden Falle auch ohne Verlängerung der or- dentlichen Frist möglich gewesen. Wenn ihre Erklärung erst nach Ablauf dieser dem Amte zugekommen sei, so habe sie das ausschliesslich ihrer eigenen Nachlässigkeit, nämlich dem Umstande zuzuschreiben, dass sie die Zah- lungsbefehle volle neun Tage habe liegen lassen, ohne etwas vorzukehren. Auch wenn man· anderer Ansicht sein und annehmen wollte, dass der ausländische Schuldner gleich dem inländischen das Recht habe, mit der Auf- gabe des Rechtsvorschlags bis zum letzten Tage der zehntägigen Frist zuzuwarten, hätte die Beschwerde ab- gewiesen werden müssen, weil eine als Rechtsvorschlag sich darstellende Erklärung innert jener Zeit hier nicht abgegeben worden sei. Denn die Schuldnerin habe am 18. Oktober nicht etwa direkt an das Amt geschrieben, dass sie die in Betreibung gesetzten Forderungen be- streite, in welchem Falle allein in dem fraglichen Briefe ein Rechtsvorschlag im Sinne des Gesetzes liegen würde. sondern led.iglich ihren Anwalt beauftragt, dies zu tun und dessen Erklärung an das Amt sei erst am 20. Oktober, also mehr als 10 Tage seit Zustellung des Zahlungsbefehls abgegangen. Die Situation sei also genau die nämliche. wie wenn ein in der Schweiz wohnhafter Schuldner seinen Rechtsbeistan d beauftragt hätte, für ihn Recht vorzuschla- gen, und der letztere den Auftrag zu spät ausgeführt hätte.
tO 'EntseheidUIigen der Sehuldbetreibungs- Die kantonale Aufsichtsbehörde wies iedoch. am 29. De- zember 1916 den Rekurs mit der Begründung ab : mit der Verlängerwig der Frist zum Rechtsvorscblage um zwei T.age habe die Vorinstanz, angesichts der festgestellten entsprechenden Beförderungsdauer des Briefes vom 18. Oktober 1916, von der ihr durch Art. 66 Abs 5 SchKG eingeräumten Befugnis einen angemessenen Gebra~ch gemacht. Der Umstand" dass die Schuldnerin .den er- wähnten Brief nicht direkt an das Amt, sondern an ihren Vertreter gerichtet habe, sei ohne Bedeutung, da nicht anzunehmen sei, dass" wenn sie ihre Erklärung zur glei- chen Zeit an das Amt abgesandt hätte, dieses sie früher und noch innert der gesetzlichen zehn Tage erhalten hätte; Ebenso könne darin. dass sie nicht vorher geschrie- ben, kein Verschulden an der Verspätung erblickt werden: die gegenteilige Annahme würde eine unzulässige Ver- kürzung der gesetzlichen Frist für den im Ausland wohn- haften Schuldner bedeuten. B. -Gegen diesen ihr am 6. Januar 1917 zugestellten Entscheid rekurriert die Firma Fiori-Express am 16. Ja- nuar 1917 an das Bundesgericht, indem sie an ihrer oben wiedergegebenen, abweichenden Rechtsauffassung fest- hält. Die Schuldbetreibungs-und Konkurskammer zieht in Erwägung:
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Entscheidungen der Schuldbetreibungs-
samen Wahrung seiner Interessen nötig ist, auf sie ein
:,-nrecht hat -und nur unter dieser Voraussetzung kann
Ihm gegenüber einem ablehnenden Verhalten des Amtes
die Beschwerde gegeben werden -so darf ihm die unge-
rechtfertigte Versagung durch das
Amt nicht schaden.
sondern muss
er durch die Guthfissung der darüb< r erho-
benen Beschwerde
nach' allgemeinem Grundsatz in die
gleiche Lage versetzt werden, wie wenn
das Amt von
vornherein richtig vorgegangen wäre, die
Frist also von
Anfang an, bei
Zustt.llung des Zahlungsbefehls, um die
normale Befördecungsdauer eines Briefs vom schuldne-
rischen Wohnort nach dem Betreibungsort erstreckt
hätte. Gleichwie in dieseI.Il Falle der Rechtsvorschlag
ohne Zweifel als rechtzeitig anzusehen ist, sobald
nur
das Betreibungsamt ihn innert der erstreckten Frist
erhalten hat, gleichgiltig wann er an es abgegangen ist,
so muss es auch für die
nachträ€,liche Validierung im
Beschwerdeverfahren genügen, dass er 'dem Amte innert
des Zeitraums
zug e ko m m e n ist, der dafür VOll
Anfang hätte gewährt werden sollen. Wie dies bewerk-
ste!ligt worden ist, ob der Schuldner innert der zehntägigen
FrIst des Art. 74 selbst an das Amt geschrieben, dass er
Recht vorschlage, oder ob e~ lediglich einen Dritten
beautragt hat, jene Erklärung für ihn abzugeben, kann
dabeI nach dem Gesagten
keinEm Unterschied ausmachen.
2. -Da im vorliegenden Falle angesichts der gegen-
wärtigen Verhältnisse .und
OOS Umstandes, dass der Brief
der Schuldnerin
vom 18. Oktober bis zur Ankunft in Zü-
rich zwei Tage brauchte, unbedenklich angenommen
wer-
den darf, dass ein am 19. Oktober 1916, d. h. am letzten
nach Art.
74 zulässigen Tage direkt an das Amt abge-
sandter Rechtsvorschlag diesem nicht vor dem 21. Okto-
ber zugekommen wäre,' ist demnach gegen die von den
Vorinstanzen verfügte Verlängerung der Rechtsvor-
schlagefrist bis zum letzteren Tage
und die Gültigerklä-
rung des bis dahin tatsächlich eingegangenen Rechtsvor-
schlages
nichts einzuwenden. Ein Widerspruch zum
und Konkurskammer .. N° 3.
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Dis P os i t i v e des Urteils in Sachen Kahn entsteht
dadurch nicht. Nachdem in
Jenem Falle festgestellter-
massen ein vom Schuldner am 10. Februar 1916 abge-
sandter Brief schon am 10. März, also nach ein e m
Monat, in Basel eingetroffen war,
hätte von einer Ver-
längerung der Rechtsvorschlagefrist bis zum
11. März
(d. h.
um beinahe vier Monate), wie sie die kantonale
Aufsichtsbehörde verfügt hatte, auch bei Zugrundele-
gung der hier vertretenen Auffassung nur dann die Rede
sein können, wenn nachgewiesen worden wäre, dass der
Schuldner vor Ablauf der ordentlichen zehn Tage seit
Zustellung des Zahlungsbefehls (26. November
1915) ent-
weder selbst
an das Amt geschrieben hätte, um Recht
vorzuschlagen, oder doch zum mindesten einen in der
Schweiz wohnhaften Vertreter damit beauftragt
hätte,
es für ihn zu tun, der fragliche Brief aber nicht ange-
kommen wäre. Jener Nachweis war
aber von ihm nicht
erbracht noch auch nur angeboten worden.
Demnach
hat die Schuldbetreibungs-u. Konkurskammer
erkannt:
Der Rekurs wird abgewiesen.
3. Entscheid. vom 24. Januar 1917 i. S. Arqulnt.
Stundungsverordnung vom 16. Dezember 1916. Wirkung einer
Unterlassung der schriftlichen Mitteilung des Entscheides
der Nachlassbehörde. Verfahren bei Verlängerung der Be-
u:eibunsstundung. Kein Rekurs an das Bundesgericht gegen
dIe
Bedmgungen, an welche die Nachlassbehörde die Be-'
willigung der Verlängerung knüpft, da es sich dabei um eine'
Ermessungsfrage handelt.
A. -Der heutige Rekurrent, P. Arquint in Ardez,
hatte bis Ende Dezember 1916 eine allgemeine Bebm-
bungsstundung erhalten. Am 30. Dezember stellte er auf
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