BGE 42 III 434
BGE 42 III 434Bge01.12.1916Originalquelle öffnen →
Entscheidungen der-Schuldbetreibungs-
76. Entscheict vom 2S. November 1916·
i. S. Ziegelei Beinach A.-G.
Art.2:H ff. SchKG. achträgliche Durchführung eines Koll
katIonsverfbrens Im Konkurse in Beziehung auf Pfand-
rechte an emem Grundstück, das erst infolge eines von,
Ab!retungsgläubigern im Sinne des Art. 260 SchKG durch-
?efuhrten Anfechtungsprozesses zur Masse gezogen worden
1St.
A. --Am 1. Juli 1915 wurde über den Baumeister
Henry Longhini in Neu-Allschwil der Konkurs erkannt.
Wenige
Tage vor der Konkurseröfinung, am 21. Juni 1915,.
kaufte Eduard Pfrunder, Architekt in Basel,die dem
Gemeinschuldne::
und dessen Ehefrau gehörende Liegen-
schaft A N° 1380 des Katasters der Gemeinde Allschwil
mit Wohnhaus ud Garten N0 157 A (I ins Metzgers-
matten » zum PreIse von 14,500 Fr. Durch Zirkular vom
6. Oktober 1915 teilte das Konkursamt Binningen dell
Konkursgläubigern mit, dass an der am 24. September 1915
abgehaltenen zweiten Gläubigerversammlung die Frage
aufgeworfen worden sei, ob nicht der
mit Pfrunder ab-
geschlossene Kaufvertrag angefochten werden könne'
da jedoch niemand einen bestimmten Antrag gesteU{
habe, werde es den Gläubigern überlassen; diese Ferti-
gung anzufechten und dieAbtrtung der Rechtsansprüche
der Masse im
Sinne von Art. 260 SchKG zu verlangen.
In der Folge hoben die heutige Rekurrentin die Ziegelei
Rin~ch A.-G'"und A. Vogt-Hartmann als 'Abtretungs-
glaubIger gemass Art. 260 SchKG gegen Pfrunder die
Anfechtungsklage
an und siegten ob, indem das Appel-
lationsgeriebt des Kantons Basel-Stadt durch Urteil vom
7.
Juli 1916 erkannte: Der Beklagte wird verurteilt, der
Konkursmasse
LOllghini in Allschwil die Liegenschaft A
N° 1385 des Katasterbuches der Gemeinde Allschwil mit
Wohnhaus und Garten N° 157 A « ins Metzgersmatten )}
zwecks Verwertung zur Verfügung zu stellen.
•
Da der Kollokationsplan im Konkurse Longhini schon
im September 1915 aufgelegt worden war, stellte das
Konkursamt Binningen am 2. September 1916 der
Re-
'kurrentin ein (I Lastenverzeichnis » zu. Als Belastungen
waren angegeben:
486 En~"""
.Konkurse. Longhini anzufeehten und demzufolge seien
die hypothekarischen Belastungen der in Fratje at8llen.den.
Liegenschaft rechtskräftig
geworden. Gestiitzt darauf
kanne auf das Begehren um Sistierung der Steiprung
nicht eingetreten werden.
B. -Gegen diesen ihr am 28. Oktober zugestellten
Entscheid rekurriert die Ziegelei Reinach A.-G.
am 7. No-
vember an das Bundesgericht und beantragt, dieserseiauf-
zuheben,
und das Konkursamt Binningen sei anzuweisen
die Steigerung
erst wieder anzuordnen. nachdem die VOl:
der Rekurrentin erhobenen Bestreitungen des Lasten-
verzeichnisses rechtskräftig geworden seien. Sie macht
geltend, sie hätte den Kollokationsplan nicht anfechten
können,
da z. Z. als dieser aufgeJegt war, die Liegensc1)aft
A 1385 noch nicht zur· Masse gehört habe, sondern erst
durch das Urteil vom 7.
Juli 1916 in die Masse gefallen
si j e~ müsse aber den Anfechtungsgläubigern die Mög-
lIchkeIt gegeben werden, die Belastungen eines im An-
fechtungsprozess erstrittenen Grundstückes zu bestreiten.
Die kantonale Aufsichtsbehörde stellt in ihrer
Ver-
nehmlassung den Antrag auf Abweisung des Rek~~s
und führt, indem sie .zwei Zuschriften des Konkursamtes
Binningen als integrierenden Bestandteil ihrer Eingabe
erklärt, noch
aus: die in Frage stehenden Belastungen
seien in Beziehung
auf Parzelle A 1123 schon in dem am
3. September 1915 aufgelegten Kollokationsplan
rechts-
kräftig festgestellt worden. Die Parzelle A 1385 sei
in der früheren Parzelle A 1123 inbegriffen
und erst in-
folge neuer Katastrierung entstanden. Die Rekurrentin
habe diese Belastungen gekannt oder habe sie kennen
müssen. Die Liegenschaft A 1385 hafte für die ganze
jm
Lastenverzeichnis aufgenommene Forderung . der .Volks-·
bank. Ganz abgesehen davon, dass eine Bestreitung jetzt
nicht mehr möglich sei, fehle der Rekurrentin die Be-
schwerdelegitimation.
•
und KoDkUl'lkammer. Ne 76. .437
Die Schuldbetreibungs-und Konkurskammer zieht
in Erwägung:
; Die Behauptung der Vorinstanz und des Konkursamtes.
dass die Pfandrechte an der Liegenschaft A 1385 im Kol-
lokationsplan festgestellt worden seien, geht fehl, denn
in diesem und im Inventar ist weder von der fraglichen
Liegenschaft noch
von darauf ruhenden dinglichen Be-
lutungen die Rede. Sie kann überhaupt nicht richtig.
sein. angesichts der Tatsache. dass der Kollokationsplan
im September 1915 aufgelegt worden ist. die Parzelle
A 1385 z. Z.
der Konkurseröffnung jedoch unbestrittener-
massen dem Pfrunder gehörte
und erst durch das von
der heutigen Rekurrentin im Anfechtungsprozess erwirkte
Urteil
des Appellationsgerichts Basel-Stadt vom 7. Juli
1916 admassiert worden ist. Im Kollokationsplan könnell
begrifflich
nur diejenigen Pfandrechte festgestellt werden,
die-an Gegenständen bestehen, welche dem Gemein.,.
schuldner gehören oder auf Grund eines Anfechtungs-
prozesses in die Masse gezogen worden sind. Fällt daher.
wie
im vorliegenden Falle. ein verpfändetes Grundstück
erst nach der Konkurseröffnung und der Auflegung des
ursprünglichen Kollokationsplanes in die Masse, sodass
dieser über die
daran baftenden beschränkten dinglichen
Rechte keinen Aufschluss geben kann, so
hat zunächst ein
nachträgliches Kollokationsverfahren stattzufinden. In
diesem muss einerseits den
Pfandgläubigem Gelegenheit
gegcl>en werden, ihre Rechte anzumelden; andrerseits soll
den Anfechtungsgläubigern die Möglichkeit offen
stellen,
diese Ansprüche, soweit sie von der Konkursverwaltung
iwKollokationsplan anerkannt worden sind, sowohl hin-
sh,htlich
des Bestandes der Forderung selbst als auch des
dißse sichernden Pfandrechtes zu bestreiten; denn so-.
lange als der Anfechtungsprozess nicht durch ein rechts-
kJ'ättiges, Urteil zu Gunsten der Anfechtungskläger er-
ledigt war.
hatttm weder die am Streitgegenstand dinglich
Berechtigten, noch die
Anfechtungsgläubiger eine Veran-
43S . Entscheidungen der Schuldbetreibungs- !assullg oder Verpflichtung, irgendweJche Massnahmen zur Anmeldung bezw. Bestreitung dieser Rechte zu ergreifen. Das Pfandrecht als solches kann freilich in diesem nach- träglichen KoUokationsverfahren von denjenigen Gläubi- gern, welche auf die Geltendmnchung des Anfechtungs- anspruches seinerzeit verzichtet haben, nicht mehr angefochten werden; denn sie haben dadurch das Eigenw tum des Anfechtungsbeklagten anerkannt, und damit auch das Recht verwirkt, aus dem Erlöse des Gegen- standes, der erst durch den Anfechtungsprozess vom Beschlagsrecht erfasst worden ist, befriedigt zu werden. Vielmehr sind sie nur noch legitimiert, die Höhe der Forderung zu bestreiten, sofern diese im Kollokations- plan vorher noch nicht fIgurierte. weil die grössere oder geringere Belastung für _ sie insofern von Bedeutung ist, als davon abhängt. mit welchem Betrage die Pfand- gläubiger in die 5. Klasse verwiesen werden. Die Ver- wertung der Liegenschaft A 1385, sei es durch Verkauf aus freier Hand, sei es durch öffentliche Versteigerung. darf erst dann erfolgen, wenn das nachträgliche Kollo- kationsverfahren durchgeführt und eventuelle Kollo- kationsprozesse durch rechtskräftiges Urteil entschieden sind. Der Grund dafür liegt darin, dass die nicht fälligen grundversicherten Forderungen oder andere beschränkte dblgJiche Rechte dem Ersteigerer überbrinden werden müssen; dies kann aber nur dann geschehen, wenn deren Rechtsbestand vorerst festgesfellt wird (AS Sep.-Ausg. 16 N° 73 Erw. 2*; AS 40 III N 0 3 Erw. 2; N0 14 Erw. 2; 4l-1HjN° 7). Gestützt auf diese Erwägungen ist daher das Konkurs- amt Binningen anzuweisen, in einem Nachtrag zum Kol- lokationsplan über die hypothekarische Belastung der Liegenschaft A 1385 eine Verfügung zu treffen und den Anfechtungsgläubigern sowie den übrigen Konkurs- gläubigern unter den genannten Bedingungen eine förm-
« Ges.-Ausg. se 1-N° 112. .. und Konkurakammer. NI> 77 . 439 liehe Frist zur Anfechtung anzusetzen. Die Verwertung hat bis zur Erledigung dieses Verfahrens zu unterbleiben. Demnach hat die Schuldbetreibungs-u. Konkurskammer erkannt: Der Rekurs wird im Sinne der Erwägungen gutge- heissen.
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