BGE 41 II 410
BGE 41 II 410Bge28.05.1915Originalquelle öffnen →
410 Prozessrecht. N0 50. eingetreten ist, ob die in Schupfart vollzogene Verstei- gerung d~n Vorschriften des Art. 229 OR, speziell des Art. 230, entsprochen habe, so konnte das nur in der Meinung geschehen sein, dass sie als ergänzendes kan- tonales Recht Anwendung finden, nicht aber in dem Sinne, dass sie unmittelbar kraft eidgenössischen Gesetzes Platz greifen. 3. -Kommt also für die Beurteilung . des ersten Rechtsbegehrens ausschliesslich kantonales Recht zur Anwendung, so trifft das, aus den gleichen Gründen, auch für die Rechtsbegehren 2 und 3 der Klage zu. Demnach hat das Bundesgericht erkannt: Auf die Berufung wird nicht eingetreten. 50. Urteil der 11. Zivila.bteilung vom 9. Juni 1915 i. S. St. Gallische Xantonalbank, Klägerin, gegen Xuhn und Genossen, Beklagte.
412 Prozessrecht. N° 50. Art. 3 und Art. 26 Abs. 2 SchlT ZGB. Materiell steUen sie die Voraussetzungen ihrer Haftung in Abrede, weil der von der Klägerin geltend gemachte Schaden erst nach Ablauf der gesetzlichen Haftungsfrist von vier Jahren entstanden sei. B. -Durch Urteil vom 16. Februar 1915 hat das Kantonsgericht des Kantons St. Gallen die Klage gestützt auf Art. 3 SchlT ZGB abgewiesen. e. --Gegen dieses Urteil hat die Klägerin zugleich mit der (inzwischen abgewiesenen) Nichtigkeitsbeschwerde an das kantonale Kassationsgericht die Berufung aa das Bundesgericht ergriffen, mit den Anträgen, die Klage sei gutzuheissen, eventuell sei die Sache an die Vor- instanz zurückzuweisen. ' D. -Die Beklagten haben auf Abweisung ger Beru- fung geschlossen. Das Bundesgericht zieht in Erwägung:
414 Prozessrecht. N° 50. nicht anzunehmen ist, dass etwa das eidgenössische illtertemporale Recht VOll der Vorinstanz als k a nt o- 11 ale s Recht angewendet worden sei, ist daher die Sache zu neuer Entscheidullg gemäss Art. 79 Abs. 2 OG an das kantonale Gericht zurückzuweisen. 3. - V\T enll aber auch auf den vorliegenden Fall von Beamtenhaftung das eidgenössische intertemporale Recht angewendet werden wollte, so würde dieses doch 1.icht zur Anwendung des neuen Rechts führen können. Gemäss Art. 3 SchlT ZGB sind Rechtsverhältnisse, deren Inhalt unabhängig vom Willen der Beteiligten durch das Gesetz umschrieben wird, nach dem Inkrafttreten des ZGB nach dem neuen Recht zu beurteilen, auch wenn sie vor die- sem Zeitpunkt begründet ,,,orden sind. Nach der eigenen Feststellung der Vorinstanz kennt aber das neue Recht eine dem Art. 25 des st. galler Hypothekarwesen eH t- sprechende Bestimmung nicht mehr. Es handelt sich daher im vorliegenden Fall nicht um einen verschiedenen Inhalt der Haftung des Gemeinderates nach altem und neuem Recht, sondern um die Frage, ob die Haf- tung nach allen ihren Tatbestandsmerkmalen schon unter der Herrschaft des alten Rechts entstanden sei, in wel- chem Falle auch das neue Recht, das sie unter semer Herrschaft nicht mehr entstehen lässt, nicht zur An- wendung kommen würde. Wäre die Haftung aus Art. 25 des st. galler Hypothekargesetzes als eine Schadenersatz- verbindlichkeit aus verletzter Amtspflicht zu betrachlen, so könnte fraglich erscheinen, ob sie sich nach dem zur Zeit des schädigenden Erfolges (hier des Ausf811s des Pfandbriefes) oder der Amtspflichtsverletzung (der un- richtigen Schätzung) geltenden Recht beurteile (vergl. im erstern Sinne KUHLENBECK, Komm. zu Art. 170 EG zum BGB, Anm. V; im letztern Sinne HABICHT, a. a. O. S. 170 und AFFOLTER, System des deutschen bürgerlichen Uebergangsrechtes, S. 302): Art. 25 des st. galler Hypo- thekargesetzes lässt nun aber die Schuldpflicht des Prozessrecht. No 50. 415 Gemeinderates schon mit dem Tage der Erkanntnis des Pfandrechtes entstehen; ebenso haftet der Gemeinderat nach der Auslegung des Kantonsgerichts selber sofort für das ganze Kapital wie ein Bürge, zwar hinter dem Unterpfand und dem sonstigen Vermögen des Schuldners, aber nicht erst mit dem Eintritt des Schadens. Fällt aber der ganze Entstehungstatbestand einer (wenn auch nur bedingten) Obligation unter das alte Recht, so kann das neue Recht, das zur Zeit des Eintrittes der Bedingung gilt (hier des Ausfalles des Pfandbriefes, für den der Gemeinderat haftet), an der Existenz der Schuldver- pfl:chtung nichts mehr ändern. Andererseits trifft auch Art. 4 SchlT ZGB auf solche bereits existente, wenn auch noch bedingte Verbindlichkeiten nicht zu; Art. 4 hat Yielmehr einzig die beschränkte Anzahl von Fällen im Auge, wo eine Tatsache unter dem alten Recht noch keinen Rechtsanspruch, sondern nur eine Hoffnung auf den Erwerb eines Rechtsanspruches begründet hat (vergl. PHAXIS I S. 333; GIESKER-ZELLER, Zeitsehr. f. schweiz. Recht N. F. 34 S. 66 f. und die dort in Anmerkung 121 zitierte Literatur). Was sodann den von den Beklagten überdies noch angerufenen Art. 26 Abs. 2 SchlT ZGB anbelangt, so bezieht er sich nur anf die Rechte und Pflichten der Pfandparteien, während es sich hier um eine Frage des ölTentlichen Beamtenhaftungsrechtes handelt. Ebenso wird durch Art. 33 SchlT ZGB in Ver- bindung mit Art. 209 des st. galler EG zum ZGB dem Grundsatz des Art. 1 SchlT ZGB, wonach die vor dem
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Prozessrecht.
·N° 51.
allgemeine Derogationsklausel des Art. 237 Ziff. 26 des
kantonalen EG zum ZGB, durch welche das ganze
st. galler
Hypothekargesetz aufgehoben worden ist.
Demnach
hat das Bundesgericht
erkannt:
Das Urteil des Kantonsgerichtes des Kantons St. Gallen
vom 16. Februar 1915. wird aufgehoben und die Sache
gemäss Art. 79 Abs. 2 OG zu neuer Entscheidung an die
Vorinstanz zurückgewiesen.
51.
Amt de 18, Ire sectin civile du 96 juin 1915
dans la cause Dufll-ux contre Pictet et Zahar.
OJF art. 56 et 57.-Recours en retorme interjete au sujet de
la rgularite de la constitution d'un tribunal arbitral.-
Non entree en maUere.
A. -Le 27 aotH 1903, un con trat de sociHe a He
signe entre le demandeur et recourant Charles Dufaux
fils, domicilie actuellement a Geneve, Lucien Pictet, ega-
lement a Geneve, et J.-A. Zahar, au Caire, ces deux del'-
niers defendeurs et intimes. Ce' contrat renfermait en
particulier la dause ci-apres : « En cas de contestations,
) ... elles
seront tranchees souverainement et sans appel
» par trois arbitres nommes d'un commun accord entre
» les parties, sinou par le Tribunal de premiere installce
de Geneve.»
B. -Le 11 fevrier 1907, les parties en cause, apres
avoir decide la dissolution de la Societe, ont designe d'un
commun accord comme liquidateur M. M. Herren ....
C. -Le 29 avril 1909, M. M. Herren adepose son
rapport de liquidateur. Celui-ci n'ayant pas ete approuve
par les parties, un tribunal arbitral fut designe par elles
le 29 juillet
1909 .....
D. -
La sentence rendue par ce tribunal arbitral a ete
Prozessrecht. N0 51.
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deposee le 27 juin 1910 .... Par jugement du 15 fevrier
1913,
la Cour de Justice civile a declare cette sentence
nulle
et saus effet
Le defendeur Pictet a fait alors procMer, d'entente
avec son ex-associe Zahar, a la constitution d'un nou-
veau tribunal arbitral.. .. Dufaux a interjete appel contre
cette decision, que la Cour de Justice civile a toutefois
confirmee
par arret rendu par defaut le 22 janvier 1915,
et auquel Dufaux a fait opposition en date du 17 fevrier
1915.
E. -Par amt du 30 avril 1915, la Cour de Justice
civile . a... ({ confirme en tant que de besoin le jugement
dont Hait appel ), en mettant les depens ä la charge de
l' appelant et en le deboutant de toutes autres conclusions.
F. -.. , Recours en reforme au Tribunal fMeraL
Statuant sur ces faits et considerant
en droit :
L'objet du litige que le recourant voudrait soumettre
au Tribunal fMeral par la voie du recours en reforme,
porte sur la question de savoir si le tribunal arbitral
designe par le Tribunal de premiere instance de Geneve
par jugement du 13 juillet 1914 a He regulierement et
legalement constitue. Cette question est cependant sou-
mise exclusivement
au droit public cantonal, de sorte
<Iue le Tribunal fMeral est incompetent en la cause en
vertu des art. 56 et 57 OJF et ne peut entrer en matiere
sur le recours. Il ne saurait en particnlier rechereher si
e'est ä bOll droit que le recourant pretend que les con-
ditions prevues
par le compromis arbitral passe entre
parties n'existent pas en l'espece ou n'ont pas ete obser-
vees. Eu effet, le compromis arbitral rentre, comme le
Tribunal
federal l'a admis dans la cause Jörg c. Jörg du
28 mai 1915, par sa nature meme dans le droit public et
est en consequence regi non par le droit fMeral, mais par
le droit rautonal.
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