Art. 125 ff. and Art. 258 SchKG; standing of a requisitioned bankruptcy office to appeal; duty to knock down to the highest bidder at the second auction. A bankruptcy office acting on requisition is not legitimized to challenge a supervisory order merely because its conduct has been declared unlawful and a possible liability action may ensue; standing requires a direct impairment of its own legal position. On the merits, the auction authority is bound to award the asset to the highest bidder when the statutory and bidding conditions are met. The rule follows from the structure of the enforcement law and is not displaced by Art. 229 OR. A gross disparity between value and bid does not by itself establish abuse of rights where the law provides specific protective mechanisms, notably public notice and the two-auction system (consid. 1-3).
Entscheid vom 21. November 1912 in Sachen Konkursämter Basel Stadt und Zürich. Das durch Requisition mit der Vornahme einer Steigerung beauftragte Konkursmt ist nicht legitimiert, sich über die Anweisung. einem Bieter zuzuschlugen, zu beschweren, auch wenn zeine Handlungsweise als gesetzwidrig erktärt worden ist und sich daraus möglicherweise ein Verantwortlichkeitsprozess ergeben könnte. Art. 125 ff. und 258 SchKG: Verpflichtung des versteigernden Amtes zur Erteilung des Zuschlages nach den Steigerungsbedingungen, wenn die geselz lichen Voraussetzungen hiefür gegeben sind. Die Verpflichtung besteht auch dann, wenn ein offenbares Missverhältnis zwischen dem Wert des Steigerungsgegenstandes und dem Betrage des Angebotes vorhan den ist. A. Im Konkurse über Ludwig Lüdin brachte das Konkurs amt Basel Stadt aus Auftrag des Konkursamtes Zürich am
Oktober 1912 den dem Gemeinschuldner zustehenden, auf 12,000 Fr. geschätzten ½ Anteil an der Liegenschaft Dornacher straße 143 in Basel auf II. Steigerung. An dieser machte F. Löliger Jenny in Basel, der Bürge der auf der genannten Liegenschaft haf tenden zweiten Hypothek ist, das Höchstangebot von 5 Fr. Der Versteigerungsbeamte verweigerte ihm jedoch den Zuschlag. Löliger wandte sich deshalb an die Aufsichtsbehörde mit dem Begehren, das Konkursamt Basel Stadt zur Erteilung des Zuschlages zu verhalten, während das letztere, zur Vernehmlassung eingeladen, auf seiner Weigerung beharrte mit der Begründung, daß eine Pflicht seiner seits, zum Höchstangebote loszuschlagen, höchstens gegenüber dem Schuldner und den Gläubigern, nicht aber gegenüber dem Beschwerde ührer als Bieter in Frage kommen könnte, und daß überdies das Begehren des letzteren sich als Rechtsmißbrauch im Sinne des Art. 2 ZGB darstelle, da er durch den Zuschlag zum Schaden des Schuldners und der Hypothekargläubiger einen übermäßigen und gegen die guten Sitten verstoßenden Vorteil erlangen würde. Durch Entscheid vom 6. November 1912 hieß indessen die kan tonale Aufsichtsbehörde die Beschwerde gut und wies das Konkurs amt Basel Stadt an, den ½ Anteil an der Liegenschaft Dornacher straße 143 dem Beschwerdeführer gemäß dessen Angebot an der Gant vom 17. Oktober 1912 zuzuschlagen. Die Motive des Ent scheides führen aus: Für die Frage der Legitimation zur Beschwerde sei es gleichgültig, ob man dem Bieter auf Grund seines Meist gebotes ein bloßes Reflexrecht oder ein eigentliches subjektives Recht einräume. Denn die Beschwerde sei dem Einzelnen nicht nur zur Geltendmachung subjektiver Rechte, sondern auch zur Wahrung des allgemeinen Gesetzesvollziehungsanspruches gegeben, sofern er nur an der Beobachtung der betreffenden Vorschriften durch das Amt ein eigenes Interesse habe. Daß dies aber beim Bieter hinsichtlich des Zuschlages der Fall sei, könne kaum einem Zweifel unterliegen. Fraglich sei also nur, ob wirklich das Amt kraft Gesetz zum Meist angebote zuschlagen müsse. Diese Frage sei aber zu bejahen, und zwar ergebe sich die Bejahung für die II. Steigerung schon aus Art. 258 SchKG, wonach das Steigerungsobjekt einfach dem Meistbietenden zuzuschlagen sei. Denn daraus folge, daß die Kon kursverwaltung, nicht wie der Private bei einer freiwilligen Stei gerung bestimmen könne, ob sie zuschlagen wolle oder nicht, sondern daß sie von Gesetzes wegen und zwar durch das Betreibungsgesetz, also kraft öffentlichen Rechtes durch das Meistangebot gebunden sei, sofern dieses was hier außer Streit stehe den Steige rungsbedingungen genüge. Daran ändere der Umstand nichts, daß es im allgemeinen Aufgabe der Konkursverwaltung sei, einen mög lichst hohen Erlös für die Konkursaktiven zu erzielen, da sie da durch natürlich von der Beobachtung der ihr vom Gesetz auferlegten speziellen Pflichten nicht entbunden werde. Unrichtig sei es ferner auch, in dem Vorgehen des Beschwerdeführers einen Rechtsmißbrauch zu erblicken. Denn dieser habe als Bürge der zweiten Hypothek ein rechtsschutzwürdiges Interesse mitzusteigern, um den Zuschlag zu er halten. Daß das Bieten unter besonders günstigen Umständen vor sich gegangen sei und ihm so einen außerordentlichen Vorteil verschafft habe, mache sein Verhalten noch keineswegs zu einem rechtsmiß bräuchlichen. Der Vorteil, den er erlange, sei zwar sehr groß, aber gerechtfertigt durch den Rechtsakt, durch den er erwachsen sei. Seinen Vorteil auszunutzen, sei zwar nicht immer moralisch gehandelt; aber eine vom Rechte (nicht nur von der Sitte und einem gewissen Feingefühl) verpönte Anstößigkeit liege darin in der Regel noch nicht. Selbstverständlich solle damit dem Konkursamte kein weiterer Vorwurf gemacht sein; denn wenn sich auch seine Weigerung bei näherer Prüfung als ungesetzlich erweise, so sei damit noch nicht gesagt, daß sie schuldhaft gewesen sei; vielmehr lasse sich begreifen, wenn es in einer diskutablen Frage wie der vorliegenden den für die Masse günstigen Standpunkt verfochten habe. B. Gegen diesen Entscheid haben sowohl das Konkursamt Basel Stadt als das Konkursamt Zürich den Rekurs an das Bundesgericht ergriffen mit dem Antrage: es sei derselbe aufzuheben und demgemäß die Beschwerde des F. Löliger Jenny abzuweisen. Zur Begründung der Legitimation des Konkursamtes Basel Stadt wird bemerkt: die persönliche Verantwortlichkeit des Konkursbeamten könnte in Frage stehen. Denn da die Aufsichtsbehörde die Verwei gerung des Zuschlages als objektiv widerrechtlich bezeichnet habe, so wäre nicht ausgeschlossen, daß Löliger auf Grund dieser Fest stellung den Konkursbeamten verantwortlich machen wollte, wenn der Zuschlag nachträglich z. B. wegen Widerrufs des Konkurses
unmöglich werden sollte. Zudem müßten die Betreibungs und Konkursbeamten in allen Fällen als zum Rekurse legitimiert ange sehen werden, wo ihnen durch einen Entscheid rechtswidriges Handeln vorgeworfen werde. Die Schuldbetreibungs und Konkurskammer zieht in Erwägung:
offenbaren Mißverhältnisses zwischen dem Werte des Steigerungs gegenstandes und dem Betrage des Angebotes als Rechtsmißbrauch darstelle. Für die Annahme eines solchen fehlt es an dem ersten Erfordernis, der Verletzung eines der Rechtsausübung entgegen stehenden berechtigten Interesses. Denn die Interessenten, Schuldner und Hypothekargläubiger erleiden den Schaden, der ihnen durch den Zuschlag erwächst, infolge ihres eigenen Verschuldens, weil sie es unterlassen haben, sich an der Steigerung selbst zu beteiligen oder doch wenigstens auf andere Weise für ein besseres Angebot zu sorgen. Um ihnen dies zu ermöglichen und sie vor Überrumpelung zu bewahren, schreibt das Gesetz die Abhaltung zweier Steigerungen, deren öffentliche Bekanntmachung und Anzeige an die Beteiligten vor. Wo aber den Beteiligten vom Gesetze andere Mittel gegeben worden sind, um sich vor Schaden zu bewahren, können sie sich, wenn sie versäumt haben, von jenen Gebrauch zu machen, nicht auf Art. 2 ZGB berufen. Demnach hat die Schuldbetreibungs und Konkurskammer erkannt: Auf den Rekurs des Konkursamtes Basel Stadt wird nicht eingetreten. Der Rekurs des Konkursamtes Zürich wird abgewiesen.