Steuerdomizil; Zweigniederlassung oder sonstige dauernde körperliche Einrichtung; maßgebend ist, ob sich im beanspruchten Kanton ein wesentlicher Teil des Geschäftsbetriebs mittels permanenter Anlagen vollzieht und damit eine selbständige Steuerquelle besteht (Erw. 2 und 3). Eine voll ausgebildete Zweigniederlassung ist nicht erforderlich; genügt die tatsächliche Ausübung eines erheblichen Geschäftsteils am Ort, so ist die Steuerpflicht zu bejahen. Die Frage der Rückzahlung unrechtmäßig bezogener Steuern untersteht dem kantonalen Recht und entzieht sich der bundesgerichtlichen Beurteilung (Erw. 1).
Aus den Besondern Bedingungen : Herr Marty erhält übrigens nebst seinem Fixum eine Provi sion von 10% von dem auf die von ihm persönlich acquirierten, von der Union Reklame akzeptierten und effektiv ausgeführten Aufträgen erzielten Bruttogewinn. (Differenz zwischen Verleger und Kundenrechnung Im übrigen gelten für Herrn Marty die Allgemeinen Ge schäftsbestimmungen , die einen integrierenden Bestandteil dieses Vertrages bilden. Aus den Allgemeinen Geschäftsbestimmungen , auf welche hier Bezug genommen wird, sind folgende Bestimmungen zu zitieren: Aus Absatz 2 : Alle von unserem Vertreter oder von seinen Angestellten, Mitarbeitern 2c. acquirierten Insertionsordres sind sogleich nach Eingang dem Zentralbureau der Unionreklame nach Luzern zu überweisen, von welcher dann in der Regel die Be stätigung direkt an den Auftraggeber erfolgt.... In besonderen Fällen ist der Vertreter ermächtigt, eilige Aufträge direkt an die betr. Zeitungen zu expedieren unter Aufdruck des Firmenstem pels und mit dem Vermerk Direkt expediert, Verrechnung mit der Unionreklame A. G. Luzern . Diese Ermächtigung schließt die Verpflichtung in sich, noch am gleichen Tage genaue Kopie des expedierten Auftrages mit allen erforderlichen Erläuterungen an das Zentralbureau der Unionreklame A. G. Luzern weiter zugeben. Aus Absatz 9 : Alle Verrechnung mit den Kunden, ebenso die Erledigung der Inkassi, erfolgt grundsätzlich durch das Zen tralbureau. Bei eventuellen Ausnahmen ist das vorherige Einver ständnis der Zentrale einzuholen.... Zahlungen für kleinere Komp sol tant Aufträge können an die Agentur geleistet werden. Bei chen Ordres ist aber stets der Komptant Vermerk auf dem Ma nuskript oder auf der Kopie des Auftrages zu machen. Jeder Komptantbetrag, der dreißig Fr. übersteigt, ist sofort auf unser Postcheck Giro Konto VII/155 Luzern einzuzahlen. Aus Absatz 10 : Alle Geschäftsbücher, Drucksachen, Bureau geliefert. materialien ec. erhält der Vertreter vom Zentralbureau Außer obgenanntem H. Marty ist im Bureau noch ein Bu reaufräulein tätig. B. Am 7. Januar 1909 erhielt die Rekurrentin von Steuerkommission der Stadt Zürich eine Anzeige, wonach sie für das Jahr 1908 folgendermaßen eingeschätzt worden sei: Vermögen 3000 Fr. Einkommen
Ungefähr gleichzeitig, wenn auch mittelst eines vom September bezw. November 1908 datierten gedruckten Formulars, wurde die Rekurrentin zur Zahlung der den vorstehenden Ansätzen ent sprechenden Steuern an die Gemeinde und an den Staat auf gefordert. C. Gegen diese Erlasse ist rechtzeitig und formrichtig der vorliegende staatsrechtliche Rekurs eingereicht worden mit folgen den Begehren:
Rekurses kompetent, als es sich fragt, ob die Besteuerung eines Teils des Einkommens der Rekurrentin im Kanton Zürich einen Eingriff in die Steuerhoheit des Kantons Luzern bedeute. Da gegen kann im Falle der Verneinung dieser Frage keine Rede davon sein, gemäß dem Eventualantrage der Rekurrentin Stadt und Kanton Luzern insoweit zur Rückzahlung der pro 1908 be zahlten Steuern zu verpflichten, als Rekurrentin im Kanton Zürich für steuerpflichtig erklärt werden sollte. Denn, unter welchen Voraussetzungen und ob überhaupt eine Rückzahlung nicht geschuldeter Steuern stattfinde, ist (vergl. BGE 25 1 S. 193 und 195, 33 II S. 704) eine ausschließlich dem kantonalen Rechte unterstehende Frage. Übrigens hat es die Rekurrentin nach ihrer eigenen Erklärung unterlassen, den Beweis dafür zu er bringen, daß sie im Kanton Luzern auch ihr Zürcher Einkom men und Vermögen versteuert habe. 2. Nach ständiger Praxis ist ein Steuerdomizil der Re kurrentin in Zürich jedenfalls dann anzunehmen, wenn sie da selbst eine Zweigniederlassung im steuerrechtlichen Sinne besitzt, d. h. wenn sich dort mit Hilfe einer dauernden körperlichen Ein richtung oder Anlage und unter relativ selbständiger Leitung ein beträchtlicher Teil ihrer Erwerbstätigkeit vollzieht. Diese Voraus setzungen sind nach den konkreten Verhältnissen als gegeben zu erachten. Vorerst steht außer Frage, daß in Zürich in Form eines Bu reaus, mit Firmatafel, Mobiliar und Geschäftsutensilien, eine dauernde körperliche Einrichtung oder Anlage vorhanden ist und daß sich in diesem Bureau ein beträchtlicher Teil der Erwerbs tätigkeit der Rekurrentin vollzieht, da daselbst Reklameaufträge entgegengenommen werden, die Erwerbstätigkeit der Rekurrentin aber gerade in der Entgegennahme und Ausführung solcher Auf träge besteht. Aber auch dasjenige Maß ökonomischer Selbständigkeit, dessen es zur Begründung eines besondern Steuerdomizils bedarf, muß beim Zürcher Bureau der Rekurrentin als vorhauden angenom men werden. Der dortige Angestellte ist allerdings zurzeit in seinen Entschließungen von der in Luzern befindlichen Zentral leitung abhängig und hat in der Regel die ihm zukommenden Aufträge nicht direkt auszuführen, sondern einfach an die Direk tion weiterzuleiten; auch erfolgt nach seinem Anstellungsvertrage die Verrechnung mit den Kunden bezw. die Erledigung der Inkassi grundsätzlich durch das Zentralbureau. Allein gerade aus dem Anstellungsvertrag ist ersichtlich, daß die direkte Aus führung der Reklameaufträge, d. h. die direkte Spedition derselben an die betreffenden Zeitungen, und ebenso die Einkassierung der Rechnungen, unter Umständen auch vom Zürcher Bureau besorgt wird und daß dieses somit betriebstechnisch sehr wohl im Stande ist, sämtliche zur Abwicklung des Reklamevermittlungsgeschäftes gehörenden Operationen selbständig vorzunehmen. Wenn nach dem mit der Rekurrentin abgeschlossenen Vertrage der das Zürcher Bureau leitende Angestellte ihr gegenüber verpflichtet ist, von dieser seiner Fähigkeit, selbständig zu handeln, nur ausnahms weise Gebrauch zu machen, so wird dadurch an der wirtschaftlichen Natur seiner Tätigkeit, wie dieselbe nach außen zu Tage tritt, nichts geändert. Es wäre denn auch eine vollkommene Loslösung des Zürcher Bureaus von der jetzigen Zentralleitung in Luzern an sich sehr wohl denkbar, indem der gegenwärtige Angestellte der Rekurrentin dann einfach alle bei ihm eingehenden Aufträge auf eigene Rechnung ausführen würde. 3. Wollte aber auch angenommen werden, es könne im vor liegenden Falle von einer eigentlichen Zweigniederlassung nicht gesprochen werden, weil die Tätigkeit des Zürcher Angestellten der Rekurrentin in der Regel doch nur in der Entgegen nahme und Übermittlung der Reklameaufträge bestehe, deren Ausführung dagegen Sache des Zentralbureaus sei, so wäre doch das Vorhandensein eines Steuerdomizils in Zürich zu be jahen. Denn in seiner neuern Praxis ist das Bundesgericht, allerdings nur soweit es sich um selbständig erwerbende Personen handelt, mehr und mehr dazu gelangt (vergl. AS 31 1 S. 75 ff. Erw. 5), der Einkommensquelle Bedeutung beizulegen, auf den Entstehungsprozeß des zu besteuernden Einkommens Rücksicht zu nehmen und demnach als wesentlich zu betrachten, ob und inwie weit in dem ein Besteuerungsrecht beanspruchenden Kantone Be triebskapital oder Arbeit als Faktoren für die Gewinnung eines Ertrages mitwirken. Es ist deshalb schon wiederholt (vergl. außer
dem bereits zitierten Urteil: AS 29 I S. 11 ff. Erw. 2 ff.; 30 1 S. 651 f.; 33 I S. 54 f. Erw. 1; 34 I S. 500 f. Erw. 2) ein Steuerdomizil in solchen Fällen angenommen wor den, in denen von einer unter selbständiger Leitung stehenden, ohne erhebliche Schwierigkeiten lostrennbaren Filiale kaum ge sprochen werden konnte, wohl aber konstatiert werden mußte, daß mittelst dauernder körperlicher Anlagen ein wesentlicher Teil des Geschäftsbetriebes sich in einem andern Kanton als demjenigen des Geschäftssitzes abspielte. Diese letztere Voraussetzung trifft nun aber im vorliegenden Falle zweifellos zu, da die Gewinnung von Aufträgen einen wesentlichen, wenn nicht geradezu den wich tigsten Teil der Erwerbstätigkeit eines jeden Annoncenbureaus bildet, diese acquisitorische Tätigkeit sich aber bei der Rekurrentin für eines ihrer wichtigsten Operationsgebiete (Stadt und Kanton Zürich) auf dem Territorium des Kantons Zürich vollzieht. Demnach hat das Bundesgericht erkannt: Der Rekurs wird abgewiesen.