Non-entry on constitutional complaint over competence evidence

BGE 26 I 46Amtliche Sammlung des Bundesgerichts (BGE) / Band I21.12.1899Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

Buhofers Söhne sued Niklaus Witschi in Kulm for damages arising from a lease. Witschi objected to cantonal jurisdiction. The district court upheld the objection without taking evidence on alleged prorogation; the Aargau High Court ordered evidence on those disputed allegations. Witschi then brought a constitutional complaint to the Federal Court under Art. 59 paras. 4 and 5 BV. The Federal Court held that the cantonal order was only an evidentiary decree and did not yet finally determine jurisdiction or oblige the defendant to submit to cantonal adjudication. The complaint was therefore premature and inadmissible, although the court remarked that the facts offered as evidence were indeed relevant to a possible prorogation.

Omnilex-Regeste

Art. 59 BV; evidentiary decree concerning disputed facts relevant to jurisdiction and prerogation; admissibility of federal constitutional complaint. A cantonal order directing proof of contested allegations bearing on jurisdiction does not, by itself, constitute a final assertion of judicial competence or an enforceable submission to the cantonal forum. Such an interlocutory evidentiary measure is not immediately challengeable by constitutional complaint. However, allegations that a party assented to the forum and appointed a representative may be legally relevant to prorogation and, if proved, can support jurisdiction under federal practice (consid. 2). The remedy is therefore premature until a decision on competence is actually rendered.

Gesamter Gesetzestext

  1. Urteil vom 7. März 1900 in Sachen Witschi gegen Buhofers Söhne. Beweisdekret behufs Erstellung der Einrede der Prorogation. Verletzung der Art. 59, 4 u. 5 B.-V.? A. Buhofers Söhne in Boniswyl erhoben vor dem Bezirks ericht Kulm, Kantons Aargau, gegen den aufrechtstehenden, zur Zeit der Klagsanhebung in Bern wohnhaften, Niklaus Witschi eine Entschädigungsforderung aus einem Mietvertrag. Der Be klagte erhob verschiedene fristliche Einreden, darunter eine solche wegen Unzuständigkeit der aargauischen Gerichte. Die Kläger be riefen sich dem gegenüber auf Prorogation, indem sie behaupteten, sie hätten ihre Reklamation schon beim Wegzug des Beklagten aus dem Kanton Aargau erhoben; dieser habe sie in Gegenwart des Notars J. Holliger in Beinwyl mit der Erklärung beruhigt: Wenn etwas fehlt, so stehe ich jederzeit hier dafür Rede; ich habe zu dem Zwecke Herrn Dové (in Menziken) zu meinem Ver treter bestellt; hiebei hätten die Kläger den Beklagten behaftet. Das Bezirksgericht Kulm hieß die Inkompetenzeinrede gut ohne über die oben erwähnten, vom Beklagten bestrittenen Behauptungen Beweis zu erheben. Dagegen erkannte das Obergericht des Kan tons Aargau mit Urteil vom 21. Dezember 1899 auf Appella tion der Kläger, daß über jene Behauptungen Beweis zu führen sei. B. Gegen diesen Entscheid richtet sich ein staatsrechtlicher Re is des Niklaus Witschi, der sich auf Art. 59, 4 und 5 der B. V. stützt und mit dem Antrag auf Aufhebung des obergericht lichen und Wiederherstellung des bezirksgerichtlichen Entscheides über die Kompetenzfrage schließt. Das Bundesgericht zieht in Erwägung: Mit dem angefochtenen Entscheide wird vom aargauischen Ober gericht nicht ausgesprochen, daß die aargauischen Gerichte zur Anhandnahme und Beurteilung der Klage von Buhofers Söhne kompetent seien. Sondern man hat es mit einem bloßen Beweis dekret betreffend gewisse, nach Ansicht des Obergerichtes für die Beurteilung der Kompetenzfrage erhebliche, bestrittene Behaup tungen der Klagspartei zu thun, welches die Kompetenzfrage noch keineswegs in rechtskräftiger Weise entscheidet. Allerdings er gibt sich daraus, daß über die fraglichen Behauptungen eine Be weisführung angeordnet wurde, in welchem Sinne das Ober gericht die streitige Kompetenzfrage zu löfen gedenkt. Allein ein den Beklagten und Rekurrenten zur Einlassung vor den aar gauischen Gerichten verhaltender gerichtlicher Entscheid, oder auch nur eine Verfügung, aus der hervorginge, daß die aargauischen Gerichte die Urteilskompetenz in Anspruch nähmen, liegt nicht vor, und ein Grund zum Rekurs an das Bundesgericht ist somit noch gar nicht vorhanden. Denn dagegen, daß das von den Klägern angegangene Gericht die zur Beurteilung der Kompetenz frage seiner Ansicht nach nötigen Erhebungen mache, kann der Beklagte selbstverständlich die Art. 59, 4 und 5 der B. V. nicht anrufen. Auf den Rekurs ist daher nicht einzutreten. Übrigens wäre auch sachlich dem Obergericht des Kantons Aargau darin beizupflichten, daß die zum Beweis ausgehobenen Behauptungen der Kläger für die Frage der Kompetenz von Erheblichkeit sind, da dieselben, wenn sie bewiesen werden sollten, nach der bundes gerichtlichen Praxis in der That zur Annahme einer Prorogation führen. Demnach hat das Bundesgericht erkannt: Auf den Rekurs wird nicht eingetreten.

Schlagwörter

jurisdictionprorogationconstitutional complaintevidentiary orderinadmissibilitycompetence

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the Federal Court could review the Aargau appellate court's order to take evidence on alleged prorogation facts.

Extrahierter Entscheid

The order was only an evidentiary decree and did not yet finally decide jurisdiction or compel the defendant to appear before the cantonal courts; therefore no basis for federal review existed at this stage.

Extrahierte Begründung

A mere order to prove disputed facts relevant to jurisdiction is not itself a decision asserting judicial competence. The constitutional complaint was premature because the defendant was not yet subject to an enforceable jurisdictional ruling.

Kernrechtsfrage

Whether the disputed facts alleged by the plaintiffs were relevant to jurisdiction and could, if proven, amount to prorogation.

Extrahierter Entscheid

Yes. The disputed allegations were materially relevant to the competence question and, if proved, could lead under federal practice to a finding of prorogation.

Extrahierte Begründung

Although this did not help the complainant at the admissibility stage, the Federal Court noted that the appellate court was correct in treating the allegations as legally significant for the jurisdictional issue.

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